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Digitalisierung in China: Das autoritäre Erfolgsmodell
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China ist digital höchst erfolgreich, nicht zuletzt wegen seiner autoritären Gesellschaftsform. In dem Land entsteht gerade unsere Zukunft - und wenn die nicht düster werden soll, muss sich in Deutschland etwas ändern.

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foerster.chriss 11.07.2018, 16:48
30. Autoritäre Regime sind KEIN Erfolgsmodell, es hängt von DEM Regime ab.

Wie du bereits selbst einschränkst, beziehst du dich auf China als BEISPIEL, nicht als Beweis. Und die weiteren Ausführungen bestätigen deine Argumentation für China. Auch die Gefahren für westliche Demokratien sehe ich ebenfalls. Scoring-Systeme gibt es übrigens bereits.

Schaut man jedoch auf afrikanische Staaten oder bestimmte andere südamerikanische oder asiatische Staaten, kann ich dem verallgemeinernden Satz vom Erfolgsmodell autoritärer Staaten nicht mehr folgen. Die meisten afrikanischen Staaten? Venezuela? Weissrussland? Russland? Die Mehrheit autoritärer Staaten ist nur an Gewinnen für eine kleine Gruppe interessiert - für die herrschende. Besonders (wirtschafts-) kompetent sind die Leute auf Grund der Weise, wie sie ihre Positionen erhielten, ebenso nicht. Da ist es auch egal, ob sie besonders schnell oder langsam dumme oder eigennützige Entscheidungen treffen. Den Vorteil der Schnelligkeit von Entscheidungen besitzen sie ja nicht erst seit ein paar Jahren... In der Folgen landen autoritär geführte Staaten regelmäßig auf den hinteren Plätzen oder schicken ihre Bevölkerung - wie einst in Deutschland - in den "totalen Krieg".

Letztlich hängt es an der Kompetenz der Regierung. Nur bei hoher Kompetenz und dem Ziel, für weite Teile der Bevölkerung einen Mehrwert zu schaffen, bringt der Zeitvorteil etwas gegenüber demokratischen Staaten.

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Impi81 11.07.2018, 16:51
31. China wird katholisch!

Ist das wirklich ein "Problem" der Demokratie? Oder ist das vielleicht auch eine kulturelle Frage?

Kalifornien z.B. ist eine Demokratie und dort scheint die Digitalisierung nicht sonderlich gebremst zu werden. Die Menschen dort entwickeln Soft- und Hardware, sind optimistisch dem technischen Fortschritt ggü. eingestellt und haben einen eher entspannten Umgang, was die eigene Privatsphäre betrifft. Holzschnittartig gesagt. Die "Kultur" dort scheint mir mehr Akzeptanz und Neugierde ggü. der Digitalisierung zu bieten als im guten, alten Europa.

Hier sind wir (Europäer) etwas skeptischer: Sowohl was die Bereitstellung und Vermarktung der eigenen Daten betrifft, als auch ggü. dem Fortschritt insgesamt. Das muss erst einmal im kleinen getestet werden, Ideen und Innovationen müssen erst einmal beweisen, dass sie gut sind und funktionieren. Unsere "Kultur" ist da etwas anders. Ebenfalls: Holzschnittartig gesagt.

Die Frage ist: Ist das so schlecht? Ich meine das nicht nur moralisch, sondern auch eiskalt funktional. China läuft durchaus Gefahr, seine 1 Milliarden Menschen "falsch" zu regeln oder völlig zu "überregeln". Wer weiß, ob darunter nicht bald auch die Produktivität leidet. Dieser Sozialkredit hat ja fast katholische Züge (jede Sünde zählt, Vergebung kann nur durch Außenstehende erfolgen). Eine protestantische Arbeitsethik, die nach Max Weber für den Kapitalismus nicht ganz irrelevant ist, scheint mir da nicht möglich.

Skeptische Europäer, die nicht jeden Quatsch mitmachen und sich nicht jeden Quatsch bieten lassen, die eher innengeleitet sind statt außengeleitet (durch soziale Kredite oder Instagram-Fame), sind auf lange Sicht vielleicht wirtschaftlich erfolgreicher. Auch wenn sie zwischendurch mal zurückfallen.

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Max Super-Powers 11.07.2018, 16:52
32.

"Jaaaa, eigentlich ganz böse, so von wegen autoritär, aber irgendwie muss man ja für die Digitalisierung Opfer bringen"

Das zumindest ist der Tenor, in dem der Artikel auf mich wirkt. Und ich sage Ihnen meine Meinung, Herr Lobo: Es gibt NICHTS, was wir von China lernen könnten. Erst recht nicht in Sachen Gesellschaft - Punkt. Es ist eine Diktatur der schlimmsten Ausprägung, deshalb leider auch eine der erfolgreichsten Nationen des Planeten.

Wenn das chinesische Modell, mit seiner Überwachung, den Punkten, diesem ganzen Mist, der Preis für die Digitalisierung ist, dann sollen sie den Blödsinn einfach wieder abschalten. Die Digitalisierung produziert sowieso nichts, worauf die Menschheit nicht getrost verzichten könnte - auch wenn Sie persönlich vielleicht glauben, dass sie der Mittelpunkt der Welt wäre.

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three-horses 11.07.2018, 17:09
33. Gatung Mensch.

Es geistert immer wieder herum. Unter Digitalisierung habe ich immer
das Steuern von Processen mittels der vorhandene Technik verstanden. Also etliche Tausende von Jahren alt. Die Propaganda
der Verwaltung eines jedes Staates verfolgt aber ganz andere
Ziele. Nicht die Ueberwachung und Ablaufsteuerung um die Produktivitaet zu steigern. Nein sicher nicht. Die brauchen
Geld, viel Geld um schoen zu leben. Und wollen uns die etwas
gebliebene Freihei berauben. Spaetestens wenn mein Konto
staatlich "digitalisiert" ist und mein Treiben gespeichert ist,
existiere ich als Gattung Homo sapiens nicht mehr.

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Europa! 11.07.2018, 17:51
34. Freiheit

Freiheit ist in erster Linie eine Frage des Bewegungsspielraums. Ein Neandertaler hätte vermutlich schon das Mittelalter als unerträglich überreguliert empfunden. Die eng zusammengepferchten Europäer wanderten nach Amerika aus, weil es dort Platz gab. In den dicht bevölkerten Städten Asiens ist eine enge soziale Kontrolle ganz unumgänglich. Wenn wir weiter "in Freiheit" leben wollen, müssen wir uns vor allem vor Überbevölkerung schützen. Wenn die Bevölkerung weiter wächst, ist auch die digitale Kontrolle ganz unvermeidlich, egal auf welchem "demokratischen" Wege sie eingeführt wird. Man denke nur daran, wie sich das sogenannte "Bankgeheimnis" in Luft aufgelöst hat. Der Überwachungsstaat ist für den braven Bürger längst Realität.

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christian58 11.07.2018, 17:56
35. Und der social score des Führungspersonal?

Demokratie geht vom emanzipierten, gut informierten, rational handelnden Bürger aus… was ja schon mal nicht praktiziert wird: jeder Trottel darf entscheiden, wer für ihn / sie schlussendlich die nuke-codes verwaltet. Und wie sieht's mit Spitze aus, den CEOs und Kalifen? Sind sie die gütigen, weisen Herrscher? Leider auch nicht… Hätte nix gegen einen König, der schlauer als ich ist, Zusammenhänge erkennt, die ich nicht umreisse, selbstlos aber für die Gesellschaft handelt… doch den müßte vermutl. die Genforschung erst mal kochen... :)

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vantast64 11.07.2018, 18:15
36. Merkels "marktkonforme Demokratie" geht auch diesen Weg,

die gesellschaft an die Finanzkonzerne zu verkaufen,
angefangen beim Verkauf der Autobahnen, wo die
Lobbyisten so lange Druck machten, bis die Parteien
einknickten und das GG änderten. "Geht doch!"
Die Universitäten werden stückweise von den Konzernen
übernommen, bald werden die Konzernführer die Richtung
der Politik bestimmen, wenn sie es nicht jetzt schon tun,
wo die Autobranche, die Lebensmittelindustrie das Stöckchen
hält und die Regierung springt, und Bertelsmann berät die
Regierung (auch in eigener Sache)..

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lubobde 11.07.2018, 18:45
37.

Zitat von suedseefrachter
Ich würde niemals mehr in Deutschland gründen. Der Feind im Land nennt sich der deutsche Staat. Wer diesen hier nüchtern betrachtet kann ihn eigentlich nur noch ablehnen.
Aha. Aus der Innensicht gibt es bei uns sicher noch viel Verbesserungspotenzial. Aber betrachten wir es nüchtern, dann haben wir mit unseren Steuergeldern folgendes erreicht:

- Eines der besten Gesundheitssysteme der Welt
- Hohe Lebenserwartung, niedrige Kindersterblichkeit
- Hervorragende Infrastruktur
- Kostenlose Schulbildung, fast kostenlose Universitäten, dabei aber auf höchstem Niveau
- Geringe Kriminalitätsrate
- Funktionierende Justiz und funktionierende öffentliche Verwaltung
- Eine soziale Absicherung, wie sie nur wenige Länder auf der Welt bieten
- etc.
- etc.

Falls sie ins Ausland gegangen sind, um sich dort freier unternehmerisch entfalten zu können, dann respektiere ich das. Angesichts der Regulierungswut bei uns verstehe ich das sehr gut.

Falls sie aber in Deutschland und nur ihre Firma ins Ausland verlagert haben um dort geringere Steuern zu zahlen, dann sind sie schlichtweg ein Steuerbetrüger und Schmarotzer.

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irgendwer 11.07.2018, 18:52
38. e Scoring nur der Anfang

Ein sehr guter Artikel, Hr Lobo.
Die vollumfängliche Überwachung wird durch das Zusammenwachsen von Biotech (Bio Sensoren/Armbänder) und Internet/IT eine unvorstellbare neue Dimension erreichen. Gefühle, Gedanken werden online per Big Data und KI auswertbar sein.
Siehe auch mein Posting https://www.facebook.com/xpertcon/posts/2017881938488470

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upalatus 11.07.2018, 19:13
39.

In China könnte aufgrund der finanziell dickestfettest ausgestatteten autoritären Machtstrukturen auch eine Spongebob-Wirrkultur aufs Erfolgsschild gehoben werden und der Rest der Welt darf/muss nachziehen.... .

Chinas Tempo ist sehr hoch; ob die Bevölkerung dort insgesamt irgendwie mitkommt oder nicht ist völlig unerheblich: wegsiedeln (eher wegschieben) bei Bauvorhaben, hoher innerer Konkurrenzdruck gepaart mit ebenso hohem Streben nach Wohlstand, Klappe halten und schuften, 狗屎-Umweltschutz usw. . Und das ist nun der Maßstab aller Dinge!? Gibts keinen anderen mehr? Was bedeutet die bewunderte chinesische Digitalisierung mit Zwölfmeilenstiefeln, wenn deren eigene Leut in Masse noch nicht mal grundlegende Freiheiten erlebt/erfochten haben? Und was, wenn diese Masse es doch mal probierte mit Freiheiten, wie umgänglich bliebe deren herrschsteuernde Obere dann gegenüber dem Rest der Welt? Aber der Rest der wohlständigen Weltbevölkerungen füttert die chinesische Pandorabüchse fleissig stark und entwickelt selber keinerlei anderen Maßstäbe weils zu mühsam wäre und wartet stoisch-klagend auf politische Silberlöffel.

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