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Digitalisierung in China: Das autoritäre Erfolgsmodell
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China ist digital höchst erfolgreich, nicht zuletzt wegen seiner autoritären Gesellschaftsform. In dem Land entsteht gerade unsere Zukunft - und wenn die nicht düster werden soll, muss sich in Deutschland etwas ändern.

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TomRohwer 11.07.2018, 19:39
40.

China ist dank seiner Ein-Kind-Politik ein gerade extrem überalterndes Land, dem die Demographie in spätestens 15 Jahren in einer Weise um die Ohren fliegen wird, gegen die die Überalterung unserer Gesellschaft ein milder Witz ist.

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paulz+ 11.07.2018, 20:04
41.

Totale Kontrolle ist gemeinhin ein Mittel, Korruption und Verfallserscheinungen zu verschleiern. Wir reden hier von der Kultur, die selbst Verstorbenen Geld ins Grab mitgibt, damit sie im Jenseits Richter bestechen können, der Kultur, die sich durch Korruption, Kontrollwahn, Selbstgefälligkeit und eine gierige Monster-Bürokratie schon immer selbst ausgebremst hat. Die Eigentümer des Wirtschaftsunternehmens China werden schon wissen, wie sie sich der Überwachung entziehen, die Kontrolle wird nur Kritik und Verbesserungen verhindern, die Schuldigen vor Strafe schützen, das Wirtschaften in die eigene Tasche ermutigen. Die Partei legt gerade das Immunsystem ihres eigenen Landes lahm. China ist kaum erwacht, und schon ein alter, gebrechlicher Mann.

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zeichenkette 11.07.2018, 20:32
42.

Zitat von TomRohwer
China ist dank seiner Ein-Kind-Politik ein gerade extrem überalterndes Land, dem die Demographie in spätestens 15 Jahren in einer Weise um die Ohren fliegen wird, gegen die die Überalterung unserer Gesellschaft ein milder Witz ist.
Die Ein-Kind-Politik ist schon lange aufgeweicht, aktuell sind es im Durchschnitt etwa 1,5 Kinder pro Frau. Dass das (vorübergehend) zu einer Überalterung führt, ist unausweichlich, aber das ist endlosem Bevölkerungszuwachs allemal vorzuziehen. Und gerade dann ist Technisierung natürlich ein Vorteil, zumal ein höheres Durchschnittsalter eine Gesellschaft in der Regel auch friedlicher und vernünftiger macht. Die ganze Welt hat mittelfristig ohnehin nur die Wahl zwischen Überbevölkerung und Überalterung. Glücklicherweise muss man da eigentlich gar nichts tun außer für Gleichberechtigung der Frauen, Bildung (einschließlich Sexualaufklärung), sozialer Absicherung und Zugang zu Geburtskontrolle zu sorgen. Überall wo das gegeben ist, sinken die Geburtenraten von ganz allein, ganz ohne Druck, das ist auf der ganzen Welt so. Das hat China inzwischen sehr wohl verstanden. Überhaupt muss man einfach sagen, dass für eine autokratische Regierungsform China eher zu vernünftiger, langfristiger Einsicht neigt als zu willkürlichem Irrsinn wie andere (kurzlebige) Diktaturen in Europa oder Afrika. Mir fällt es jedenfalls immer sehr schwer, China einfach das westliche System zu verschreiben, das ja offenbar auch nicht so richtig toll funktioniert... Im Moment hätte ich um kein Land weniger Angst als um China, was die Stabilität angeht.

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merapi22 11.07.2018, 20:48
43. Demokratie = Freiheit des Einzelnen

Wenn Volkswohl vor Eigenwohl geht, dann bleibt das Wohl jedes Einzelnen auf der Strecke. Was nützt es in einen Luxusgefängnis abgesichert zu sein, man bleibt dennoch lebenslang ein Gefangener.
Der Vorteil der Demokratie ist, dass jeder Mensch das tun kann was er möchte. Wenn jeder seine besonderen Stärken fördern kann, seine Visionen, Jugendträume umsetzen, dann entstehen wirklich neue Ideen und Innovationen.
Das Problem der westlichen Demokratie ist die schleichende Einführung von Zwang und Kontrolle über das Leben der Einzelnen. Die heutige Demokratie in Deutschland hat mit den Freiheiten von vor 1990 nichts mehr zu tun. Damals konnte man sich entscheiden zwischen guten Job um sich ein Vermögen aufzubauen, oder das freie selbstbestimmte Leben.
Es liegt nicht nur an den fast Null Gehältern für Praktikanten und jungen Akademikern, den ausufernden Niedriglohn und der fehlenden Zinsen für Sparer. Es fehlt an den Sicherheiten welche vor 20 Jahren jungen Menschen selbst im Ausland noch den halben Sozialhilfesatz unbürokratisch zugestanden. Heute gibt es nichts mehr, außer der Angst als Bettler in der Gosse zu enden.
Wenn die Demokratie die Diktatur schlagen will, muss diese sich auf die eigenen Stärken rück-besinnen. Es hat heute durch die Digitalisierung alles im totalen Überfluss und es wird in Zukunft noch viel mehr geben was man verteilen kann.
Warum also nicht ein Einkommen für alle einführen, das jeden bedingungslos bekommt, egal was er macht und wo er sich aufhält. Genau das bedeutet Freiheit jedes Einzelnen, genau das wird eine Diktatur nie den Bürger-innen gewähren, weil sie genau vor dieser Freiheit Angst haben. Mit Freiheit verschwindet die Angst vor jeden Despoten, hat jeder die Wahl zu leben wie er möchte. Erst mit echter Freiheit durch ein BGE wird die Demokratie wieder den Zuspruch erfahren, der einer freien Gesellschaft zusteht.

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zeichenkette 11.07.2018, 20:59
44.

Zitat von paulz+
Totale Kontrolle ist gemeinhin ein Mittel, Korruption und Verfallserscheinungen zu verschleiern. Wir reden hier von der Kultur, die selbst Verstorbenen Geld ins Grab mitgibt, damit sie im Jenseits Richter bestechen können, der Kultur, die sich durch Korruption, Kontrollwahn, Selbstgefälligkeit und eine gierige Monster-Bürokratie schon immer selbst ausgebremst hat. Die Eigentümer des Wirtschaftsunternehmens China werden schon wissen, wie sie sich der Überwachung entziehen, die Kontrolle wird nur Kritik und Verbesserungen verhindern, die Schuldigen vor Strafe schützen, das Wirtschaften in die eigene Tasche ermutigen. Die Partei legt gerade das Immunsystem ihres eigenen Landes lahm. China ist kaum erwacht, und schon ein alter, gebrechlicher Mann.
Jetzt mal ganz ketzerisch: Warum sollen soziale Punktesysteme in einer riesigen, komplexen Gesellschaft schlechter funktionieren als Geld es für den Handel getan hat und Zahlen für die Wissenschaft? Denn immerhin ist das ja kein "sag das Falsche und du landest im Lager". Da muss halt jeder selber wissen, was ihm wichtiger ist und wie viel er sich leisten kann. Das ist so ähnlich wie das alte (negative) Punktesystem für Verkehrsvergehen in Flensburg: Man kann durchaus ein paar Punkte verbrennen, sich dann wieder welche verdienen und jeder weiß, woran er ist. Wer gut und fleißig ist und zuverlässig, der kann auch mal den Mund aufmachen und kritisieren, ohne gleich abzustürzen. Wer nix kann und überall nur Mist baut, muss halt vorsichtiger sein und besser die Klappe halten. Ist das so grundlegend falsch? Finde ich nicht. Ob das letztlich gut wird oder nicht, hängt ganz davon ab, wie es umgesetzt wird, aber gerade diese Art von Rationalität (das sind halt Zahlen) lässt das im Sinne der Aufklärung eigentlich als eine bessere Idee erscheinen als so manche andere. Wenn man mal bedenkt, dass schon die allerersten Anfänge der Schrift damals in Mesopotamien Zählzeichen für Getreidebündel waren, um Lagerhaltung und Handel zu organisieren, hat diese Art von Rationalität die Menschheit schon verdammt weit vorangebracht.

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Websingularität 11.07.2018, 21:14
45. Immer diese Negativbeispiele

>>>Die chinesischen Planungen einer vollständigen Videoüberwachung mit umfassender Gesichtserkennung und Verhaltensanalyse per Künstlicher Intelligenz müssen dabei mitgedacht werden

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markus_wienken 11.07.2018, 22:05
46.

Zitat von zeichenkette
Die Ein-Kind-Politik ist schon lange aufgeweicht, aktuell sind es im Durchschnitt etwa 1,5 Kinder pro Frau. Dass das (vorübergehend) zu einer Überalterung führt, ist unausweichlich, aber das ist endlosem Bevölkerungszuwachs allemal vorzuziehen. Und gerade dann ist Technisierung natürlich ein Vorteil, zumal ein höheres Durchschnittsalter eine Gesellschaft in der Regel auch friedlicher und vernünftiger macht. Die ganze Welt hat mittelfristig ohnehin nur die Wahl zwischen Überbevölkerung und Überalterung. Glücklicherweise muss man da eigentlich gar nichts tun außer für Gleichberechtigung der Frauen, Bildung (einschließlich Sexualaufklärung), sozialer Absicherung und Zugang zu Geburtskontrolle zu sorgen. Überall wo das gegeben ist, sinken die Geburtenraten von ganz allein, ganz ohne Druck, das ist auf der ganzen Welt so. Das hat China inzwischen sehr wohl verstanden. Überhaupt muss man einfach sagen, dass für eine autokratische Regierungsform China eher zu vernünftiger, langfristiger Einsicht neigt als zu willkürlichem Irrsinn wie andere (kurzlebige) Diktaturen in Europa oder Afrika. Mir fällt es jedenfalls immer sehr schwer, China einfach das westliche System zu verschreiben, das ja offenbar auch nicht so richtig toll funktioniert... Im Moment hätte ich um kein Land weniger Angst als um China, was die Stabilität angeht.
Ja, auch ist sehe Chinas kurz- bis mittelfristige Zukunft als stabil an (natürlich auch mit den negativen Seiten, die eine solche Diktatur mit sich bringt), es hätte aber auch ganz anders kommen können.
In der KP gab und gibt es immer wieder Machtkämpfe zwischen den wirtschaftlich und den kommunistisch orientierten Flügeln.
Hätte vor einigen Jahren der kommunistisch orientierte Flügel die Oberhand gewonnen, so wäre die Entwicklung Chinas anders verlaufen, vermutlich wirtschaftlich nicht so erfrolgreich, ebenso hätte die Stabilität gelitten.
Insofern hat eine "gut" geführte Diktatur durchaus seine Vorteile für das Gemeinwesen (mit den Nachteilen die eine Diktatur naturgegeben auch so mit sich bringt), kann aber erheblich schneller als eine stabile Demokratie in einer Katastrophe für die Bevölkerung enden, kommen die falschen Machhaber ans Ruder.

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karla-ton 11.07.2018, 22:51
47. Spot on

Ich stimme Sascha Lobo höchst selten zu und lese seine Kolumnen daher eigentlich gar nicht mehr. Aber dieses Mal ist seine Kolumne spot on. China ist die Zukunft, die USA sind die Gegenwart und Europa ist die Vergangenheit.

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bammbamm 11.07.2018, 23:14
48.

Zitat von zeichenkette
Jetzt mal ganz ketzerisch: Warum sollen soziale Punktesysteme in einer riesigen, komplexen Gesellschaft schlechter funktionieren als Geld es für den Handel getan hat und Zahlen für die Wissenschaft? Denn immerhin ist das ja kein "sag das Falsche und du landest im Lager". Da muss halt jeder selber wissen, was ihm wichtiger ist und wie viel er sich leisten kann. Das ist so ähnlich wie das alte (negative) Punktesystem für Verkehrsvergehen in Flensburg: Man kann durchaus ein paar Punkte verbrennen, sich dann wieder welche verdienen und jeder weiß, woran er ist. Wer gut und fleißig ist und zuverlässig, der kann auch mal den Mund aufmachen und kritisieren, ohne gleich abzustürzen. Wer nix kann und überall nur Mist baut, muss halt vorsichtiger sein und besser die Klappe halten. Ist das so grundlegend falsch? Finde ich nicht. Ob das letztlich gut wird oder nicht, hängt ganz davon ab, wie es umgesetzt wird, aber gerade diese Art von Rationalität (das sind halt Zahlen) lässt das im Sinne der Aufklärung eigentlich als eine bessere Idee erscheinen als so manche andere. Wenn man mal bedenkt, dass schon die allerersten Anfänge der Schrift damals in Mesopotamien Zählzeichen für Getreidebündel waren, um Lagerhaltung und Handel zu organisieren, hat diese Art von Rationalität die Menschheit schon verdammt weit vorangebracht.
Ich empfehle ihnen Black Mirror Staffel 3 Episode 1 anzusehen. Diese Folge bietet einen ziemlich realistischen Blick in eine Zukunft bei der der "Wert" eines Menschen durch einen für jeden sichtbaren Social Score bestimmt wird. Leider ist der Mensch sehr anfällig dafür sich in Strukturen zu organisieren und Dinge ausserhalb dieses eigenen Systems als nicht gleichwertig zu betrachten. Jetzt schon hervorragend zu beobachten bei linken und rechten Strömungen

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Patrik74 12.07.2018, 00:20
49. Guter Artikel

Das Thema ist ungefähr tausend Mal wichtiger als die Flüchtlingdebatte, wird medial aber ungefähr tausend Mal weniger behandelt.

Irgendwann haben wir einen richtig guten Grenzschutz - der aber völlig nutzlos geworden ist, weil ohnehin keiner mehr auf den absteigenden Kontinent ziehen will. Wir vertändeln die Zukunft und kümmern uns lieber um den Kleingeist der Vergangenheit. Wir erleben den Beginn des asiatischen Jahrhunderts und kriegen es nicht einmal mit, weil wir uns wie Kleinkinder im Sandkasten ums Förmchen kloppen. Wahrscheinlich hat alles seine Zeit, und unsere neigt sich dem Ende zu.

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