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Digitalisierung: Der Vatikan macht sein Pergament permanent

Die Manuskripte der Vatikanischen Bibliothek sind oft Jahrhunderte alt, auf edlen Büttenpapieren oder gar Pergament geschrieben - aber eben nicht verewigt: Der Zahn der Zeit nagt an den Schätzen. Nun sollen sie mit Hilfe einer Nasa-Technologie digitalisiert werden.

Stefan Albrecht 07.05.2010, 09:32
1. Die Zeit wird es zeigen

Zitat von sysop
Die Manuskripte der Vatikanischen Bibliothek sind oft Jahrhunderte alt, auf edlen Büttenpapieren oder gar Pergament geschrieben - aber eben nicht verewigt: Der Zahn der Zeit nagt an den Schätzen. Nun sollen sie mit Hilfe einer Nasa-Technologie digitalisiert werden.
Bin mal gespannt, ob die "NASA Technologie" in 200 Jahren noch funktioniert und ob die "digital verewigten Dokumente" dann noch lesbar sind.
Da habe ich doch so meine Zweifel. Nicht zuletzt, weil für das Funktionieren unserer heutigen Datenverarbeitung eine enorme Infrastruktur mit Kraftwerken, hochkomplexen Geräten und Energiequellen notwendig ist.
Und was Festplatten anbelangt, so hat man doch wenig Erfahrung, wie sich diese in 100 Jahren verhalten. Wenn deren Daten nicht ständig gesichert werden, droht Verlust, weshalb jedes Unternehmen tagtäglich Backups von seinen Daten macht.
Da sind "alte Pergamente" doch wesentlich weniger aufwendig zu handhaben... Und man weiss, wie sie gelagert werden müssen, um auch in 300 Jahren noch lesbar zu sein.

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variofox 07.05.2010, 09:43
2. ein "nicht-proprietäres Format", das keiner nutzt wird teuer

Ich verstehe nicht, warum die Leute immer so großen Wert auf "nicht-proprietäre Formate" legen. Die hohe Verbreitung von HTML, PDF, Word, JPG, GIF und Konsorten garantieren völlig unabhängig davon, ob die Formate "proprietär" oder international standardisiert sind oder nicht, daß auch in 100 Jahren noch sehr viele Menschen und Unternehmen ein Interesse daran haben, diese Formate zu lesen - und entsprechende Reader/Konverter billig zu haben sein werden.

Ich bin mal gespannt, wie es mit dem "nicht-proprietären Format" FITS in 30 Jahren weitergehen wird. Sicherlich werden die NASA und andere finanziell gut ausgestattete Gruppen auch dann noch ihre alten Bilder lesen wollen und für teures Geld Konverter programmieren lassen. Für finanziell schlechter gestellte Vorhaben (zB Forschung...) sind diese Formate aber garantiert bald unzugänglich.

Und jetzt komme bitter keiner mit dem Argument, daß es JETZT irgendeinen Open Source-Viewer gibt. Der läuft nämlich fast sicher in 10 Jahren schon nicht mehr auf den dann aktuellen Betriebssystemen.

Sicherlich ist es gut, die Bilder nicht in handelsüblichen JPGs zu speichern, dafür ist die Qualität zu schlecht. Aber ein "nicht proprietäres" Exotenformat halte ich auch für fragwürdig.

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suprafluid 07.05.2010, 12:02
3. OpenSource > Proprietär

Zitat von variofox
Ich verstehe nicht, warum die Leute immer so großen Wert auf "nicht-proprietäre Formate" legen. Die hohe Verbreitung von HTML, PDF, Word, JPG, GIF und Konsorten garantieren völlig unabhängig davon, ob die Formate "proprietär" oder international standardisiert sind oder nicht, daß auch in 100 Jahren noch sehr viele Menschen und Unternehmen ein Interesse daran haben, diese Formate zu lesen - und entsprechende Reader/Konverter billig zu haben sein werden.
Eben das garantieren sie ja nun nicht. Ein Format ist im Grunde nichts anderes als ein Verschlüsselungsalgorithmus für elektronische Daten. Dass er derzeit weit verbreitet ist, sagt nichts über seinen Status in ein paar Jahrzehnten aus.
Würden die Dokumente im PDF- oder DOC-Format gespeichert, hieße das Unmengen wertvoller Daten der Willkür eines Wirtschaftsunternehmens ausliefern. Wären Adobe respektive Microsoft morgen insolvent, entschlössen sich, den Support für die alten Formate zugunsten eines neuen aufzugeben oder verlangten zu hohe Lizenzgebühren für die Verwendung ihrer Formate, hätten wir nichts mehr als ein paar Petabyte Datenmüll.

Ist dagegen der Sourcecode bekannt, das heißt die Verschlüsselung der Daten, kann sich diesen in 50 Jahren jeder geübte Hobbyprogrammierer aufrufen und sich selbst einen Reader dafür schreiben. So viel zum Thema Kosten.
Für längerfristige Datensicherungen sind quelloffene Formate (fast) immer die bessere Alternative.

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vincent040580 07.05.2010, 12:41
4. Weil Sie gerade "Word" sagen

Ich verstehe nicht, warum die Leute immer so großen Wert auf "nicht-proprietäre Formate" legen. Die hohe Verbreitung von HTML, PDF, Word, JPG, GIF und Konsorten garantieren völlig unabhängig davon, ob die Formate "proprietär" oder international standardisiert sind oder nicht, daß auch in 100 Jahren noch sehr viele Menschen und Unternehmen ein Interesse daran haben, diese Formate zu lesen - und entsprechende Reader/Konverter billig zu haben sein werden.

Wenn ich mir nur einmal die Office Suite von Microsoft ansehe dann kann ich mir wirklich gut vorstellen wie es mit meinen Daten in ein paar Jahren aussieht.

Dateien mit Word 2003 oder Excel 2003 abgespeichert kann man zwar mit Office 2007 öffnen allerdings sind manche Funktionen nicht mehr vorhanden und die Darstellung kann auch ganz schön vom "original" abweichen, da sind manche Firmen ganz schön beschäftigt Ihre alten Office Dokumente wieder gerade zu siehen.

Aber der Vatikan und die Nasa hätten bestimmt ewig viel Lust alle paar Jahre jedes Dokument wieder auszugraben um es neu zu formatieren das es auch mit der neuen Version von M$ Software wieder exakt so aussieht wie sie es mal gespeichert haben.

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luftschutz 08.05.2010, 01:24
5. handhaben oder verstecken

Zitat von Stefan Albrecht
Da sind "alte Pergamente" doch wesentlich weniger aufwendig zu handhaben...
sind sie eben nicht, wenn sie tatsächlich gehandhabt werden und nicht nur in entsprechend klimatisierten Bunkern versteckt werden. Es geht um den Zugang zu Informationen, nicht nur um den Erhalt von Reliquien.

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erich m. 08.05.2010, 09:48
6. Kann das sein?

Sie schreiben: „Das sind mit 80.000 Handschriften an die 40 Millionen Seiten, die Experten schätzen den erforderlichen Speicheraufwand auf 45 Petabyte (45 Millionen Gigabyte).“

Das sind rund 1 GIGABYTE pro Seite. Daran muss ich nun aber doch zweifeln!

www.erichmarre.com

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