Forum: Netzwelt
Diskussionskultur in Deutschland: "Lügenpresse" ist keine Medienkritik
DPA

Wer "Lügenpresse" schreit, will nicht bloß auch seine Meinung in den Medien sehen, sondern ausschließlich seine Meinung. "Lügenpresse" ist der Ruf nach einer autoritären Gesellschaft.

Seite 1 von 24
rst2010 30.11.2016, 15:55
1. der begriff 'lügenpresse'spricht für dummheit und mangelnde bildung:

es war immer so, das presse tenziell ist; die wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen, es gibt rote, schwarze, braune blätte, usw.; selbst aussagen von personen sind nicht vertrauenswürdig, da jeder nur projektionen der wirklichkeit sieht, nicht die wirklichkeit selber. journalisten können nur versuchen, der realität nahe zu kommen; aber schaffen werden sie das nicht.
wer das nicht weiß oder verdängt, sollte nochmal zur schule gehen.

Beitrag melden
gekreuzigt 30.11.2016, 15:58
2. Scheinselbstkritik,

um dann umso kräftiger draufzuhauen. Warum muss ich an Goethe denken? "Von dorther sendet er fliehend nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises." Rückzugsgefechte. Die Doofen sind immer noch doof. Bleiben Sie in Ihrem warmen weichen Kokon, Herr Lobo.

Beitrag melden
B!ld 30.11.2016, 16:05
3.

Das muss natürlich Herr Lobo sagen, der im TV gern als Falsch/Richtig-Diva auftritt. Intoleranz tritt Intoleranz.

Beitrag melden
spiegelobild 30.11.2016, 16:08
4. gute Entwicklung, Konkurrenz belebt den Informationsmarkt

Der Meinungspluralismus ist breiter geworden, die Vertreter der Mainstreammedien müssen damit leben, dass jeder im Internet durch bloggen, Teilnahme an sozialen Medien bis hin zur Herausgabe einer Internetzeitung Meinung und Information verbreiten kann.
Gut so, das ist Demokratie. Die Mainstreammedien müssen um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen, die Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigen. Sonst sind sie weg. Auch das ist gut so.
Und einen Alleinvertretungsanspruch auf Wahrheit gibt es auch nicht

Beitrag melden
Deine Mami 30.11.2016, 16:09
5. Lügenpresse ist .....

.... nur der Ausdruck für die eigene mentale Verblödung. Wenn ich meine persönliche Verantwortung im Bereich der Medienkompetenz komplett in fremde Hände gebe, habe ich eigentlich nicht mal das Recht den Journalismus in Deutschland so zu bezeichnen.

Beitrag melden
mwroer 30.11.2016, 16:10
6. Ach Herr Lob ...

Ob man jetzt 'Lügenpresse' sagt oder wie wir, und schon meine Eltern, das Wort 'Systempresse' benutzt - macht das wirklich einen Unterschied? Systempresse implizierte bei uns in jedem Fall 'die lügen für die da oben'. Also da nehmen sich links und rechts .... nichts.

Es ist aber in der Tat weniger Kritik sondern Zustandsbeschreibung. Die Kritik hat allerdings auch deswegen nachgelassen weil sie die letzten 10 bis 15 Jahre von den Medien weitestgehend damit beantwortet wurde die Kritiker gelassen und völlig unselbstkritisch in die rechte Ecke zu stellen.

Was ja bei Ihnen in Deutschland so ziemlich das Totschlagargument ist. Das Problem dabei ist halt dass es irgendwann nicht mehr greift wenn man über den Nachbarn hört dass der ein schlimmer Rechter Populist, wahrscheinlich sogar ein Nazi, sei und man gerade mit ihm und dem marrokanischen Nachbarn im Garten beim grillen sitzt. Vor allem wenn der marrokanische Nachbar weitaus konservativere Ansichten über die aktuell kommenden Flüchtlinge hat als man selbst.

Und so wurde Kritik ignoriert (ich will nicht sagen 'mundtot gemacht' aber es war nahe dran) und statt Kritik gibt es jetzt halt nur noch Vorwürfe. Kann man sich drüber beschweren, klingt dann aber so ein bisschen wie 'Warum hat mir keiner geglaubt dass es brennt als ich zum 5617 Mal "Feuer. Feuer" gerufen habe'.

Ich kann natürlich nicht für die anderen sprechen aber für einige Menschen aus meinem engeren Freundeskreis schon: Wir erwarten Informationen in den Medien zu finden, in der Hauptsache. Ausgewogene. Unbenommen dass jede Zeitung seine Vorlieben hat - aber wenn 80% der Artikel nur noch Meinungen sind und der Rest, der in der Tat noch ausgewogene Informationen enthalten mag, verschämt auf dem Netzäquivalent von Seite 10 versteckt wird .... dann kann der normale Leser schon daran glauben dass er hier erzogen statt informiert werden soll.

Und so kommt dann auch der Eindruck zustande das man eben nur liest was das System will. Denn die eigene Meinung finden viele dann wieder aber immer nur im Kontex 'Das ist böse, das ist falsch, die sind doof'.

Wundert es Sie da wirklich dass nach einer neuen Umfrage des ORF, der größten die in Österreich gemacht wurde, 85% der Befragten den normalen Medien misstrauen? Macht doch mal so eine Umfrage bei Euch in Deutschland, ich versuche rauszufinden ob wir sowas in den Niederlanden dieses Jahr schon gemacht haben.

Beitrag melden
vox veritas 30.11.2016, 16:10
7.

Erstaunlich selbstkritischer Beitrag für einen SPON-Artikel.

Der Begriff "Lügenpresse"wird allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit deshalb benutzt, weil man auf Demonstrationen keine ellenlangen Reden halten kann (wie das hier der Fall war), sondern mit Schlagworten arbeitet - ähnlich dem Ho-ho-chi minh auf den Demons der 70ern.

Insofern wird verkürzt all das gesagt, war Lobo hier in einem Artikel geschrieben hat - auch wenn der Begriff historisch belastet sein mag. Aber dann: Nicht jeder ist ein Wortakrobat oder Diplomat.

Beitrag melden
Neulandbewohner 30.11.2016, 16:11
8. Bravo Herr Lobo!

An dieser Stelle mal ein ausdrückliches Dankeschön an Sie und Ihre Kollegen! Bleiben Sie kritisch und lassen Sie sich nicht entmutigen!

Beitrag melden
Allesfresser 30.11.2016, 16:12
9. Also mal ehrlich

Hier beisst sich die Katze doch selbst in den Schwanz. Wer Lügenpresse sagt (was meiner Meinung nach einfach der Ausdruck eines gewissen Unmuts darüber ist, dass die Medien offensichtlich ihre Meinung transportieren: Siehe Brexit, Trumpwahl) ist gegen Freiheit, also nehmen wir den Menschen die Freiheit "Lügenpresse" zu sagen, indem wir sie diffamieren und beleidigen ("Populist";"Antidemokrat"; "Faschist"). Das ist doch irgendwie, ne?! Ist eigentlich noch nicht angekommen, dass Druck automatisch Gegendruck erzeugt?! - irgendwie wird mir bei diesem Artikel wahrlich unwohl, da man das Gefühl bekommt, wer etwas gegen die Medien schreibt unterdrückt wird..?! ist das nicht gerade dass was wir vermeiden wollten?

Beitrag melden
Seite 1 von 24
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!