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Diskussionskultur in Deutschland: "Lügenpresse" ist keine Medienkritik
DPA

Wer "Lügenpresse" schreit, will nicht bloß auch seine Meinung in den Medien sehen, sondern ausschließlich seine Meinung. "Lügenpresse" ist der Ruf nach einer autoritären Gesellschaft.

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domino31 01.12.2016, 10:37
170. Ganz so unschuldig sollten manche Medien nicht tun.

Wenn jemand die Presse als Lügenpresse verunglimpft, sind viele Pressemitarbeiter verschnupft. Wenn aber große Presseteile einen einzelnen Mann und seine Ehefrau jagen und kriminalisieren, nennt man das wohl Wahrheitspresse? Ich meine da das Ehepaar Wulff, deren Unschuld durch Gerichte nachgewiesen wurde. Ich bin zwar kein Fan der Wulffs, dennoch hat vor allem die so tüchtige Wahrheitspresse (Ist das jetzt Richtigsprech?)eigentlich eine Staatskrise verursacht, die uns heute noch Geld kostet in Form erheblicher Rentenkosten.
Ich nehme mal an, dass das heute keiner mehr hören will, dass man es mit der Wahrheit in diesem Fall nicht so genau genommen hat.
Oder kramen wir mal den Spiegel vom November 2004 hervor. Dort wird eine ganze Berufsgruppe unsachlich und seitenweise verunglimpft. Ich meine damit die deutsche Lehrerschaft. Dort wurde den Lehrern bis hin zu den Studienanwärtern soviel Unfähigkeit unterstellt, dass heute 12 Jahre später eigentlich niemand mehr lesen und schreiben können dürfte, in unserem Schlaraffenland, versteht sich. Hätte ich damals das Wort "Lügenpresse" gekannt, dann hätte ich es wohl akzeptiert, so wütend war ich damals.
Und da könnte man sicherlich noch andere Beispiele aufzählen, auch von Funk und Fernsehen, wie neulich den Beitrag über die Stadt Löbau.
Vielleicht befleißigt sich die Presse, damit meine ich sämtliche Medien, in Zukunft um die Verbesserung ihres Rufs durch ausgewogenere Berichterstattung. Dann wäre alles in trockenen Tüchern.

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farbkasten 01.12.2016, 10:38
171. heiko1977

Sie befürworten die Flüchtlingspolitik exakt so, wie "die Medien" sie darstellen? Welche "die Medien"? Alle Medien? Ihre "bevorzugten" Medien? Die "öffentlichen" Medien? Sind das tatsächlich auch die "mehrheitlichen" Medien?! Wie lässt sich "Mehrheit" tatsächlich über Medien feststellen? Betrifft es dann die Mehrheit der veröffentlichten oder der tatsächlichen Meinungen? Kann "veröffentlichte Mehrheit" in einer Demokratie ausschlaggebend sein für die "Feststellung einer Mehrheit" (zu einem Thema). Wie werden Mehrheiten innerhalb einer Demokratie festgestellt?

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IB_31 01.12.2016, 10:39
172.

Zitat von Bondurant
sondern darum, dass Lobo den Begriff "Lügenpresse" einzig in rechtsnationalen Zusammenhang stellt und -bewußt? - verschweigt, dass 68 eben dieser begriff von links ghebraucht wurde. Warum macht er das?
Na, das ist doch relativ einfach.
Nehmen wir mal den Begriff Populist.
Im Zusammenhang mit Trump dauernd verwendet.
Er ist ja auch einer.
Nur

Der hier

Ist natürlich auch einer.Nur wird er nicht permanent so etikettiert.
ganz im Gegenteil.
Es ist das alte:
Wenn zwei das gleiche tun,ist es noch lange nicht dasselbe und das
derjenige Recht bekommt, der letztlich auch darüber entscheidet, was denn nun das Gleiche und was dasselbe ist.
Also in diesem Fall Journalisten.

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Maria-Galeria 01.12.2016, 10:41
173. Das Wort Lügenpresse

ist ein Schlachtruf und es wird dabei spazieren gegangen und nicht marschiert. Ein ganzer Berufsstand wird dadurch in Verruf gebracht. Ein Schlachtruf gegen unser Gesellschaftssystem, das im Großen und Ganzen ganz gut funktioniert, dass Parteien weniger Dissens haben ergibt sich aus diesem Zustand. Der Schlachtruf Lügenpresse rüttelt vielleicht auch unsere überprivilegierten Wohlstandsbürger etwas auf und richtet ihren Blick auf diejenigen die nicht denselben Wohlstand geniesen, auf diejenigen die sich schwer tun und jeden Pfennig umdrehen müssen bevor sie ihn ausgeben, auf diejenigen die Angst haben ihren schwer errungenen kleinen Wohlstand zu verlieren oder durch rigide Harz IV Handhabe verloren haben. Letztends ist es ein Schlachtruf der einigen wenigen wiederum in privilegierte Positionen verhelfen soll siehe AFD. Dass individuelle Meinungen von Journalisten in die Presse mit einfließen ist nichts negatives, schließlich haben wir Meinungsfreiheit und jeder hat je nach seinen Erfahrungen die Freiheit sich diesen anzuschließen oder nicht. Aber ein noch so guter Journalismus kann nicht den individuellen Erfahrungen eines jeden gerecht werden aber offensichtlich ist, dass es immer mehr Menschen gibt die Angst vor der Zukunft haben, siehe z.B. zukünftige Altersarmut, ja und da können Journalisten Infos zusammentragen und das heißt nicht nur die wohlwollenden Statistiken aufs Tapet bringen, sondern reale Lebensumstände und letzt Ends damit die Politiker wachrütteln in unserem ach so reichen Deutschland, von dem immer mehr nichts mitbekommen.

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styxx66 01.12.2016, 10:44
174. xxx

Zitat von ThomasGB
sondern eine Unterlassungspresse. Typisches Beispiel hier: "Immer mehr Gewerbeanmeldungen durch Migranten". Klingt toll - nicht? Leider wird verschwiegen, in welchen Bereichen diese ein Gewerbe anmelden. Und daß diese den fehlenden Gewerbeertrag durch Hartz 4 aufstocken können (wie jeder andere übrigens auch). Warum wird immer nur ein Teil der Wahrheit gechrieben? Und warum gibt es dazu kein Forum, in dem man das einmal rückfragen könnte? Welche von beiden Seiten will den tatsächlich nur ihre eigene Meinung geschrieben sehen?
Sie haben recht, Unterlassungspresse erfasst die Situation bei den Medien wohl noch treffender.

Um bei Ihrem Bespiel der Gewerbeanmeldung von Migranten zu bleiben, wird sehr klar erkennbar, wie die Medien mit der Wahrheit spielen, sie geradezu zurechtbiegen, bis sie in ihr selbstgebasteltes Medienweltbild passen. Viele Gewerbeanmeldungen und der Rest der Geschichte ist Schweigen. Hier ein paar Worte weggelassen, da ein ganze Passage, ein paar Sätzchen umgebildet und schon haben wir das optimale mainstreamgebürstete wahre Medienweltbild.

Lügenpresse war vor einiger Zeit Unwort des Jahres. Ist es seit dieser Auszeichnung bei der Berichterstattung besser und ehrlicher geworden? Die Antwort kann sich jeder selbst geben. Sascha Lobo entwickelt schon einen richtigen, hammerharten Beissreflex, wenn ein Bürger es wagt, seine Meinungshoheit anzuzweifeln oder gar zu kritisieren.

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movfaltin 01.12.2016, 10:45
175. Hä?

Zitat von
Deshalb ist es so entscheidend, die antipluralistische Haltung hinter dem Ausruf "Lügenpresse" zu kontern, argumentativ aufzubrechen, und ja - zu bekämpfen.
Man bekämpft die antipluralistische Haltung, die in den paar deutschen Medienoligarchaten vorherrscht, genau durch was? Genau: Durch ein Anprangern. Etwa durch das Wort "Lügenpresse".
Dass Herr Lobo auch nach Jahren nicht verstanden hat, dass Putin, Orban, Assad, Janukowitsch, Trump, der gemeine Grieche und wie sie alle heißen aus-nahms-los durch die Bank weg verteufelt wurden - und eben kein Pluralismus vorherrschte: Genau das ist das Problem. Aber es liegt in der Intelligibilität der Bedeutungsheischer und Newskreischer begründet, in deren Merkbefreitheit - und eben nicht darin, dass die intelligenteren Leute auf der Straße der Verdrehung von Darstellung in Bezug auf die Realität gewahr wurden. Und somit ist der Punkt eben genau das: Gegen eine polyphone Presse hat doch niemand was einzuwenden. Niemand - außer den Pressepfeifen selbst.

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migeha 01.12.2016, 10:51
176. Wie wäre es denn

wenn die Medien es einmal mit der ganzen, ungeschminkten Wahrheit versucht, und zu jedem Thema beide Seiten beleuchtet.

Lüge ist auch durch eine Verkürzung von Nachrichten bestens möglich. Man möge sich nur die Berichterstattung des US-Wahlkampfs ansehen, die schon bei Sanders nicht umfassend berichtete und bei Trump die letzten Hüllen fallen ließ. Zu sehen war dann, was der Volksmund eben Lügenpresse nennt.....

Ach und die Syrien Berichterstattung ist einfach nur noch traurig zu nennen, da hilft einem das Wort Lüge schon nicht mehr weiter.

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styxx66 01.12.2016, 10:51
177. xxx

Zitat von Maria-Galeria
ist ein Schlachtruf und es wird dabei spazieren gegangen und nicht marschiert. Ein ganzer Berufsstand wird dadurch in Verruf gebracht. Ein Schlachtruf gegen unser Gesellschaftssystem, das im Großen und Ganzen ganz gut funktioniert, dass Parteien weniger Dissens haben ergibt sich aus diesem Zustand. Der Schlachtruf Lügenpresse rüttelt vielleicht auch unsere überprivilegierten Wohlstandsbürger etwas auf und richtet ihren Blick auf diejenigen die nicht denselben Wohlstand geniesen, auf diejenigen die sich schwer tun und jeden Pfennig umdrehen müssen bevor sie ihn ausgeben, auf diejenigen die Angst haben ihren schwer errungenen kleinen Wohlstand zu verlieren oder durch rigide Harz IV Handhabe verloren haben. Letztends ist es ein Schlachtruf der einigen wenigen wiederum in privilegierte Positionen verhelfen soll siehe AFD. Dass individuelle Meinungen von Journalisten in die Presse mit einfließen ist nichts negatives, schließlich haben wir Meinungsfreiheit und jeder hat je nach seinen Erfahrungen die Freiheit sich diesen anzuschließen oder nicht. Aber ein noch so guter Journalismus kann nicht den individuellen Erfahrungen eines jeden gerecht werden aber offensichtlich ist, dass es immer mehr Menschen gibt die Angst vor der Zukunft haben, siehe z.B. zukünftige Altersarmut, ja und da können Journalisten Infos zusammentragen und das heißt nicht nur die wohlwollenden Statistiken aufs Tapet bringen, sondern reale Lebensumstände und letzt Ends damit die Politiker wachrütteln in unserem ach so reichen Deutschland, von dem immer mehr nichts mitbekommen.
Kurze Frage, glauben Sie, was Sie da posten und wenn ja, wo haben Sie die letzten 15 Monate gelebt, dass Sie so wenig mitbekommen haben? Alles Friede, Freude, Eierkuchen oder was? Ausserdem gebrauchen Sie das Wort Schlachtruf etwas "inflationär".

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akkzent 01.12.2016, 10:54
178. Ein richtiger Gedanke

Zitat von Ikarus Schmidt
Ich glaube nicht, dass es viele Leute mit Abitur gibt, die schon mal irgendwo Lügenpresse geschrien haben. Man braucht eben ein gewisses geistiges Repertoire, um die Vorgänge in der Welt beurteilen zu können. Da sollten wir insgesamt dran arbeiten.
Bildung ist auch in übrigen Bereichen das beste Rüstzeug fürs tägliche Leben. Abitur ist aber noch lange kein Leisungsnachweis. Da wird nur noch der Benotung wegen gelernt um möglichst schnell wieder zu vergessen.

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Theke 01.12.2016, 10:55
179. Lückenpresse passender

Wer von Islamisten in Mossul berichtet, sollte eben nicht von gemäßigten Rebellen in Aleppo berichten.
Wer von toten Zivilisten und Fassbomben in Aleppo berichtet, sollte auch im gleichen Maße über Mossul berichten.
Warum wird von Machthaber Assad und Kreml-Chef Putin gesprochen und jeweils von Präsident, wie es sonst auch geschieht?
Das war nur ein paar Beispiele.

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