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Diskussionskultur in Deutschland: "Lügenpresse" ist keine Medienkritik
DPA

Wer "Lügenpresse" schreit, will nicht bloß auch seine Meinung in den Medien sehen, sondern ausschließlich seine Meinung. "Lügenpresse" ist der Ruf nach einer autoritären Gesellschaft.

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schuhks 01.12.2016, 13:34
230. Da sind Sie ja gerade der richttige

Zitat von winkdon
Die Politik hat sich von "Mehrheiten" nicht beeinflussen zu lassen? Na immerhin räumen Sie ein, dass Ihnen alle demokratischen Prinzipien egal sind. Genauso dämlich ist die Argumentation mit "internationalem Recht". Wenn einem das Resultat des demokratischen Prozesses nicht gefällt, soll man sich irgendeinem "internationalem Recht" unterwerfen? Nein. Mit Sicherheit nicht.
In dem von Ihnen zitierten Beitrag wird Bosbach zitiert mit seiner subjektiven Wahrnehmung von `Mehrheit` (eine Hand voll Leute aus einem Wahlkreis von Zehntausenden). Dies ist keine Mehrheit, sondern eine selektive Wahrnehmung des Herrn Bosbach. Hat mit "demokratischen Prinzipien" nichts zu tun. Ein demokratisches Prinzip ist, dass das Parlament vom Volk für 4 Jahre gewählt ist und mit den daraus entstandenen Mehrheiten die Regierung (Exekutive) bildet. Es ist nich bekannt, dass sich das Parlament nach jeder Meinungsumfrage (Meinungsumfrage ist Meinungsumfrage und kein "demokr. Prozess") neu zusammensetzt oder eine neue Regierung gebildet wird. Gleiches gilt für die subjektive Wahrnehmung dessen, was das "Volk" angeblich zu meinen glaubt. Und "internationales Recht" ist für jeden zugehörigen Staat verbindlich und zwar mit Sicherheit doch (Jura 3. Semester). Um Sie selbst zu zitieren: "Dämlicher Beitrag" von Ihnen. Gnadenlos unqualifiziert.

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maja_sander 01.12.2016, 13:37
231. Weil sie es können.

Lieber Herr Lobo,
Ich schätze Ihre Kolumnen weil Sie so klar fundiert und intelligent Stellung beziehen gegen Dummheit und INTOLERANZ.
Aber mir scheinen ihre Erklärungsansätze von Hass im Internet oder die Redundanz in sozialen Medien wie die Fleißarbeit eines Musterschülers.
Die traurige Wahrheit, die sich kein Journalist zu sagen traut, ist:
1. Menschen hassen im Netz so uferlos weil sie es können OHNE KONSEQUENZEN fürchten zu müssen. Genau so skrupellos wie sie zu Mördern und Folterern werden wenn sie in diktatorischen Regiemen genau mit der Grausamkeit Karriere machen, die in unserer Gesellschaft als Verbrechen geahndet würden.
2. Bildung schützt leider vor Fanatismus nicht. 42 % der N-TV Zuschauer sowie 35 % der Sponleserschaft wollten Trump als Präsidenten sehen.
3. Genau wie das Wort der "Lügenpresse" in der NS Zeit der Gleichschaltung der Medien vorangeschickt wurde, werden die "neuen rechten" heute von ihren eigenen Medien Wirklich dreist belogen. ganze Artikel erfunden, Videos gefaked, Schein-Mehrheiten in social media gekauft. So hat Trump schon einen Tag nach dem Wahlsieg viele umstrittene Versprechungen wieder von seiner Seite löschen lassen. Die Brexit Fraktion musste nach dem Referendum erschüttert zugeben, dass sie gar keinen Plan für die Briten nach dem EU-Austritt haben und zerfleischten sich erstmal selbst. Gleiches bei den Rechten in der BRD. Niemand wird mehr belogen als die, die den Rechtspopulisten nachlaufen.
Offensichtlich hat die Menschheit das nach dem letzten Krieg und und der Hölle in die Europa dadurch verwandelt wurde noch nicht begriffen. Mal sehen wieviel Leid und Elend wir "diesmal" ertragen müssen bis wir aufhören uns wie ängstliche Tiere zu verhalten, die alles fürchten und bekämpfen was ihnen fremd ist.

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seetaucher 01.12.2016, 13:47
232.

Zitat von lexxaa
, der Mann der Aufklärung sagte einmal: „Ich mag deine Meinung hassen und verachten, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, damit du sie sagen kannst.“ Das scheint mir heute im poltical correctness Deutschland etwas in Vergessenheit geraten zu sein.
Nein, dieser Satz ist nicht in Vergessenheit geraten. Dieser Satz wird nur von Anit-PC-Leuten immer dahingehend missverstanden, dass man kritiklos etwas sagen darf.
Und genau das hat Voltaire nicht gesagt.

Die Sprechverbote, die immer wieder behauptet werden, existieren nicht. Das kann man jeden Montag schön in Dresden sehen oder eben auch hier im Forum.
Übrigens, was ich bis heute nicht verstanden habe: Was ist denn eigentlich an PC auszusetzen? Mal ganz konkret und ohne Wischiwaschi.
"Man wird ja wohl noch Neger sagen dürfen". Dürfen Sie. "Man wird ja wohl noch Zigeuner sagen dürfen". Dürfen Sie. "Man wird ja wohl noch Homo sagen dürfen." Dürfen Sie. "Man wird ja wohl noch Mongo oder Spast sagen dürfen." Dürfen Sie.

Die Frage ist: Warum will man sich so ausdrücken?

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gegenpressing 01.12.2016, 13:47
233.

Zitat von farbkasten
Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass Journalisten Lügen aufdecken. Im Gegenteil machen sie damit ihren Job in bester Art und Weise. Allerdings sollten sie innerhalb einer Demokratie Belege und Argumente haben, die den Vorwurf .....
Komisch, das in dubio pro reo gilt aber für die Presse offenbar nicht, oder?
Und bei Trump wurde es nun wirklich oft genug nachgewiesen.

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Stresspille 01.12.2016, 13:50
234. Leben wir wirklich in einem so schrecklichen Land?

Der Schrei "Lügenpresse" ist die Sehnsucht nach einer autoritären Gesellschaft. Und die radikale Ablehnung unseres Staates, seiner Demokratie und Verfassung ist so erschreckend wie besorgniserregend.
Es gibt meiner Meinung nach zwei Gründe für diese Ablehnung.
Zum einen, meinen viele zu Recht, daß ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Immerhin hatte Kohl "blühende Landschaften" im Osten versprochen. Kohl hat natürlich nicht gesagt, daß es nicht Aufgabe des Staates ist, sondern in der Fähigkeit und Eigeninitiative der freien Menschen liegt, diese blühenden Landschaften zu erschaffen - oder eben nicht.

Der Staat garantiert Gleichheit Recht und Freiheit. Jeder hat die Möglichkeit, sich aus dem Schlamm zu ziehen, aber niemand wird ihm die Hand reichen.

Zum anderen lesen die Menschen über viele Skandale in der Presse und meinen, in einem völlig katastrophalen Land zu leben. Dagegen liest man in Putins Presse, dass dort alles ganz super sei. Was für ein Mißverhältnis! Aus Frust wenden sich viele ab von diesem Staat.
In einigen Ländern, scheint es einen Trend zur Abkehr von Pluralismus und Demokratie zu geben. Besonders stark ist dies in den ehemaligen Ostblockländern.
Man sehnt sich nach der Zeit, in der man nichts kritisches in der Presse finden konnte. In dieser Zeit gab es scheinbar kein Chaos, keine Fehler, keine Korruption und keine Mißwirtschaft. Man konnte sich der Illusion hingeben, daß alles in Ordnung sei und man konnte vor allem Stolz sein auf sein Land.

In Wirklichkeit aber sind in den Ländern, in denen es keine Kritik gibt und in denen keine Mißstände aufgedeckt werden die Verhältnisse und der Filz am Schlimmsten.
Es ist also genau umgekehrt. Der Staat funktioniert besser als die meisten anderen. Und wir können Stolz sein auf unser Land, seine Menschen und seine Presse, gerade weil wir über so viele Affairen und Skandale lesen dürfen.

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