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Diskussionskultur in Deutschland: "Lügenpresse" ist keine Medienkritik
DPA

Wer "Lügenpresse" schreit, will nicht bloß auch seine Meinung in den Medien sehen, sondern ausschließlich seine Meinung. "Lügenpresse" ist der Ruf nach einer autoritären Gesellschaft.

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linksrechtsmitte 30.11.2016, 17:54
80. Coole Analyse

das ist eine wirklich gute, wenngleich schwer zu lesende Analyse.
Sie trifft meine Erfahrungen auf den Punkt.
Ergänzend möchte ich meinen, dass diejenigen, die in die der Lügenpresse - Verschwörung anhängen in ihren Informationsquellen durch die neuen Medien sehr eingeschränkt werden.
Das mag sehr seltsam klingen, da ja die neuen Medien eigentlich Vielfalt versprechen, jedoch durch interne Verlinkung in den einzelnen Foren und Beiträgen und durch das Algorithmus gesteuerte Ergebnis der Anfragen in den Suchmaschinen kommen diese Menschen in ein Meinungsuniversum, in welchem sie in Ihrer Voreingenommenheit immer wieder bestätigt oder bestärkt werden.
Diskussionen im privaten Bereich sind mit diesen Leuten sehr unerfreulich.
Es macht mich manchmal sehr betroffen, wie stur dann diskutiert wird.
Ich gehe mal davon aus, dass das bei der Mehrheit der Diskussionsbeiträge hier im Forum zu beobachten sein wird.
Unabhängig davon ist in den alten Medien eben die Pluralität zum Teil ebenso eingeschränkt, weil deren Vertreter sich in ebensolchen Blasen befinden und diese monokausale Betrachtungsweisen überhaupt nicht vorstellen können. Somit entfernen sich diese beiden Gruppen immer mehr voneinander. Das ist fatal, denn irgendwann wird die einfache Erklärung bei der Mehrheit schlüssiger sein als die komplizierte und die Alternativlosigkeit des Pluralismus jenen nur noch als Farce erscheinen.
Auch deshalb ist eine Berichterstattung, die den Menschen "mitnimmt", die mitreißend ist und auf einer Demo in Dresden nicht nur die Nazi´s zeigt, die zweifellos da sind, aber in der extremen Minderheit, und die die Hintergründe beleuchtet, die aber nicht so einfach aus dem Munde der Teilnehmer zu erfahren sind, weil die meisten Teilnehmer von Demo´s gefühlsgeteuert dabei sind, um so wichtiger.
Zudem lassen sich jene individuellen Meinungsblasen extrem leicht steuern. Das hat schon Göppels erkannt und gnadenlos ausgenutzt.
Herr Lob, es ist an Ihnen, die einzelnen Universen wieder näher zusammen zu führen und zu vereinen. Die alten Medien müssen ihre Stärken besser in´s Licht rücken, denn sie haben im Zweifel die rechten Argumente. Dabei ist möglicherweise die Subtilität der Informationsübermittlung stärker zu nutzen. Mit einfachen Argumenten sind die abgewanderten Konsumenten nicht mehr so einfach zurückzugewinnen.

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somplatz 30.11.2016, 17:55
81.

Die Kolumne trifft den Nagel auf den Kopf.
Wenn ich mir allerdings die Kommentare dazu durchlese beschleicht mich das Gefühl, dass sie gut die Hälfte der Schreiber nicht verstanden hat oder nicht verstehen will: Der Autor räumt klar ein, dass es Medienprobleme gibt und auch das Zitat von Herrn Steinmeier macht das sehr deutlich. Trotzdem stehen hier diverse Kommentare, die nur den Finger gen Medien und Herrn Lobo persönlich erheben und die Essenz des Artikels offensichtlich ignorieren. Ist das Absicht?

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Sabi 30.11.2016, 17:56
82. Vertreter

Der Beitrag-Schreiber von Spon ist selbst ein Vertreter der Lügenpresse - basta !

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prozesskostenhilfe 30.11.2016, 17:57
83. Genauso ist das!

Zitat von Europa!
Der Artikel enthält ein paar nützliche Begriffe wie "Meinungskorridor" und "Gatekeeper-Haltung", die das, was da passiert einigermaßen gut beschreiben. Was völlig fehlt, ist die Tatsache, dass Journalisten auch nur Menschen sind, die in einer stark überbesetzten Branche von großen Existenzängsten gequält werden. Immer wieder höre ich davon, dass die meisten Journalisten "hinter vorgehaltener Hand" oder abseits von Kamera, Mikrofon und Schreibtisch völlig andere Ansichten als die vertreten, die sie gerade veröffentlicht haben. Diese gefährliche Schizophrenie verschweigt der Autor geflissentlich. Um so größer ist dann das Erstaunen, dass es z.B. in den Reihen der AfD und der außerparlamentarischen Opposition (angefangen bei Herrn Gauland) so viele ehemalige Journalisten gibt, die der Presse außerordentlich kritisch gegenüberstehen.
Kann ich bestätigen. Habe ich mit naivem Erstaunen zuletzt auch bei einem Journalisten erlebt. Wenn sie das anders machen, dann werden sie bei bestimmten Presseterminen wohl "Persona non grata" und irgendwann kommen sie da nicht mehr rein, tut mir leid, voll, Tür zu. Und dann gehen sie mal zurück zu ihrem Chefredakteur und sagen "sorry, ich habe zuletzt das offizielle Mantra der Bundesregierung wohl etwas zu kritisch hinterfragt" - oder er hat zwischenzeitlich selbst einen höchst informellen Wink erhalten. Der kann sie nicht mehr brauchen. Und ich kann das bis zu einem gewissen Grade verstehen, die Leute haben Familie und Kinder, da setzt die Schere automatisch im Kopf an, da braucht noch nicht mal jemand was zu sagen. Der Fisch beginnt vom Kopf her zu stinken - nicht im Kopf des Journalisten, sondern im Kopf desjenigen, der mit Pressevertretern so umgeht. Und, Herr Lobo, viele Leute, die "Lügenpresse" schreien, wissen aufgrund ihrer möglicherweise etwas einfacher gestrickten Persönlichkeit in der Tat nicht, was sie da eigentlich mit ausdrücken wollen - aber eines wollen die garantiert nicht: Autorität. Viele spüren nur intuitiv, dass da etwas nicht mehr stimmt - und sie erwarten von "der Presse", dass sie ein breites Bild bietet und auch schonungslos und offen die Kinder beim Namen nennt und zwar sofort und nicht immer erst dann, wenn sich unangenehme und vom Mainstream abweichende Tatsachen nicht mehr verheimlichen lassen - siehe Köln.

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Bananenschale 30.11.2016, 17:58
84. Einverstanden

Zitat von talkpoint
Sie finden es also in Ordnung die Medien als Lügenpresse zu titulieren (was in meinen Augen eine Beleidigung ist) aber selber bestehen sie darauf nicht beleidigt zu werden? Mir wird Unwohl bei dem Gefühl das andere Meinungen ausser die eigene nicht mehr aktzeptiert wird... und das von beiden Seiten!
Sie haben ja Recht. Doch welche Einstellungen und / oder Erfahrungen stehen hiner dem Schlagwort "Lügenpresse"? Bloß festzustellen, daß dieses Schlagwort unziemlich ist, wäre sehr verkürzend und somit kontroproduktiv. Daß diejenigen, die dieses Schlagwort führen, falschen Medien hinterher rennen ( z.B. Pussia Today ) mag sein ( Ich denke, es ist auch so! ). Aber: Wie kam es dazu?

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martinbabenhausen 30.11.2016, 17:58
85. Lügenpresse kommt nicht von ungefähr.

Jeder will "sachlich" informiert werden und frei von irgendwelchen Meinungen. Welch Illussion.
Ich wäre schon froh, wir würden endlich auf faire Art und Weise mit den kontroversen Meinungen konfrontiert, die in unserer Gesellschaft vorhanden sind. Wolfgang Bosbach sagte neulich : "Noch nie in meiner politischen Laufbahn lagen die öffentliche und die veröffentlichte Meinung derart weit auseinander wie in der Flüchtlingsfrage!". Lügenpresse kommt nicht von ungefähr.

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muellerthomas 30.11.2016, 17:59
86.

Zitat von iconoclasm
Lobo hat es mal wieder nicht verstanden. Kritiker der Presse wollen keine andere Meinung lesen. Man will gar keine Meinung oder zumindest viel weniger Meinung in den Artikeln lesen, ausser wenn die Artikel so gekennzeichnet sind. Oder kurz: Ich will informiert werden und nicht die Meinung der Journalisten lesen. Auch wenn man es euphemistisch als "in den Kontext einordnen" verschleiert.
Und weil ich gar keine Meinung lesen will, lese ich dann als Alternative DWN, rt, sputnik, compact und contra?

Wer nur pure Fakten will, sollte sich nur die Statistiken ansehen - aber die sind natürlich auch alle gefälscht.

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Bananenschale 30.11.2016, 18:02
87. In der Tat!

Zitat von squaregrouper
... der Überschrift schon auf die Kommentare gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht. Immer wieder interessant was die Leute so von sich geben....
Meistens erfährt man in der Überschrift mehr als im Artikel ...

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muellerthomas 30.11.2016, 18:03
88.

Zitat von bruno_67
Merken Sie was ? Sie begründen Ihre Kritik an der Auffassung der Foristen karabas, der einen Diskurs zwischen der Wahrnehmung in den Medien mit seiner persönlichen Wahrnehmung (und der von Herrn Palmer) sieht, exakt auch nur wieder mit ihrer persönlichen Wahrnehmung, dass "die allermeisten Menschen (wenn auch nicht alle), die SIE KENNEN, die Flüchlingspolitik für einen der großen Pluspunkte der Regierung halten. ... http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/boris-palmer-im-gastbeitrag-erfahrungen-in-der-fluechtlingskrise-14541360.html
ja, ganz bewusst habe ich nun mal nicht mit Fakten und Zahlen und Statistiken arugmkentiert, um so die Argumentation des Foristen 1:1 aufzugreifen.

Und ich wollte ja gerade nicht zeigen oder behaupten, dass meine Meinung die absolute Mehrheitsmeinung ist - kam das so rüber? - sondern zeigen, dass das die Meinung des Foristen oder von Herrn Plamers möglicherweise entgegen der eigenen Auffassung nicht die Mehrheitsmeinung darstellen, sondern eine Meinung unter vielen.

Und nein, unsere Medienlandsachaft vertritt nicht unisono eine bestimmte Meinung. Sehe ich überhaupt nicht so. Sie finden von Welt bis taz ein breites Meinugnsspektrum auch zum Thema Flüchtlinge.

:-) achso...das ist dann auf einmal ein Beispiel für Pluralismus, den es sonst nicht gibt? Offenbar gibt es den von Ihnen vermissten Pluralismus ja doch oder wollen Sie behaupten, die FAZ gehöre nicht zum Mainstream?

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bibabuzelmann 30.11.2016, 18:04
89. Lügenpresse vs. Postfaktisch

Lügenpresse ist sicherlich ein dämlicher Begriff. Aktuell gibts nun das neue Modewort "postfaktisch".
Das bezeichnet auf den ersten Blick den gleichen Sachverhalt: Meinung statt Fakten bei der jeweils anderen Partei, aber nicht sich selbst.

Kann man das so sehen, was meinen die Mit-Diskutanten?

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