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Download-Dämmerung: Wie das Streaming-Geschäft den Musikmarkt verändert
Corbis

Der deutsche Musikmarkt steht vor einem radikalen Umbruch: Die Telekom schließt ihr Downloadportal und setzt auf den Streaming-Partner Spotify. Die Analyse der Marktzahlen in Norwegen und Schweden zeigt: Download-Shops werden zu Nischenanbietern, Kaufmusik boomt vor allem durch Streaming.

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Tron3000 21.01.2014, 17:29
40. Scheitern..

Zitat von peter_1974
Dazu fällt mir spontan ein Spruch eines Profs im Studium ein: Die eigentliche Leistung des Marktes besteht darin, die Produktion bestimmter Güter zu verhindern. Wenn Sie denn so viel kreatives Potential haben und die Konsumenten alle zu doof & geizig sind das zu erkennen, wäre das eh Perlen vor die Säue. Da müssen Sie einfach lernen mit zu leben.
Da hat Ihr "Profs" recht, es einsteht eine eintönige, gleich geschaltete Mainstream orientierte Welt in der jegliche Innovation verloren geht.

Auf die Musik bezogen habe ich mal einen interessanten Artikel gelesen.

In der heutigen Zeit hätte es nie die Beatles gegeben, da deren Art Musik zu machen damals innovativ war, aber nicht Mainstream. Daher hätten sie nie die Möglichkeit bekommen sich weitergehend zu verwirklichen, da keiner das Risiko eingehen würde einen Fehler gemacht zu haben. Der Umsatz könnte ja nicht entsprechend den Erwartungen sein.

Mal so als Beispiel für die vielen Gruppen die versuchen sich am Markt zu behaupten.

Ich denke Ihr Profs war BWL'er, oder ? Bei uns in der Technik gibt es übrigens auch einen Spruch BWL'er verhindern Fortschritt und Innovation. Denn die gibt es nur im Zusammenspiel mit Scheitern....

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bigboom 21.01.2014, 17:40
41. Die Leistung des Marktes

Zitat von peter_1974
Dazu fällt mir spontan ein Spruch eines Profs im Studium ein: Die eigentliche Leistung des Marktes besteht darin, die Produktion bestimmter Güter zu verhindern. Wenn Sie denn so viel kreatives Potential haben und die Konsumenten alle zu doof & geizig sind das zu erkennen, wäre das eh Perlen vor die Säue. Da müssen Sie einfach lernen mit zu leben.
Ihr Prof meinte das sicherlich in dem Zusammenhang, dass im vollkommenen Markt (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Vollkommener_Markt) ein (fairer) Marktpreis über den Abgleich von Angebot und Nachfrage ermittelt wird (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Marktpreis). Sicherlich fallen da einige Akteure über den Tellerrand - und das ist auch gut so ;-)

Bloß handelt es sich beim Musikmarkt keinesfalls um einen vollkommenen Markt, schon allein deswegen, weil im Wesentlichen drei große Player das Spiel bestimmen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Major-L...n_Major-Labels). Somit ist die Musikindustrie viel eher ein Oligopol (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Oligopol) als ein vollkommener Markt (vgl: http://de.wikipedia.org/wiki/Major-Label#Entwicklung). Und selbst wenn der digitale Markt es einfacher und somit demokratischer erscheinen lässt, Musik losgelöst von den vorgegebenen (physischen) Vertriebs- und Produktionsstrukturen (selber) zu vermarkten, dann bleibt die Macht besagter großer Player. Deren Macht erstreckt sich nämlich über Tonträgervertrieb- und produktion hinaus auch auf (Werbe-)Medien und Live-Produktionen. Hier liegt der Hase im Pfeffer: Lizenzen, Tantiemen sowie Konzerteinnahmen - und zwar "Big-Time" und nicht popelig klein, indem Radio, Fernsehen und das Konzertgeschäft dominiert werden.

Sicherlich muss man damit leben, dass in solch einem Markt keine Perlen sondern Strass unter die Massen gebracht wird. Man muss ja auch damit leben, dass von kleinen unabhängigen Musikgeschäften über Buchhandlungen bis hin zu Bauern und Tierzüchtern alles ausstirbt, was nich Amazon, Saturn oder Wiesenhof heißt. Bloß was wird dann aus dem vollkommenen Markt, um nicht sentimental zu fragen, was wird aus den Menschen? Wo bleibt die Konkurrenz, die das Geschäft BELEBEN sollte? Und wo die Diskussion schon so einen darwinistischen Touch hat: Wie wird Variation in die verbleibende Population eingeführt, vor Allem wenn die sich entwickelnden Individuen nicht Blind gegenüber den Rahmenbedingungen sind (vgl: http://de.wikipedia.org/wiki/Darwini...en_Darwinismus)?

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Celegorm 21.01.2014, 17:49
42.

Zitat von bigboom
Schlechtestenfalls klingt das dann aber genau so: Wie selber zu Hause mit billigem Equipment produziert.
Schlechtestenfalls ja, aber Talent sollte sich eigentlich auch dort durchsetzen.

Zitat von
Aber um Qualität zu liefern, insbesondere ein international konkurrenzfähiges Produkt, bedarf es Dienstleister und Partner. Alleine lässt sich das nicht stemmen.
Mag sein, aber wenn man ein international konkurrenzfähiges Produkt hat wird man diese Partner wohl auch finden können. Mir scheint eher das Problem, dass in der Musikbranche seit je her oft vom anderen Ende her gedacht wird: Ein potentiell erfolgreiches Produkt ist offenbar nur was lange genug zurecht gebogen und marketingmässig aufgeblasen wird. Die Qualität als solches ist praktisch irrelevant, was zählt ist die (teure) Aufmachung und Werbung. Letztlich verdanken wir also eher dieser Denkweise (und den Konsumenten, die da mitspielen) die heutige Situation.

Zitat von
Diese Vielzahl von Faktoren umfasst nunmal das Kaufverhalten des Endkonsumenten. [..] Es ist schlicht so, dass nur die dicksten Fische überlebt haben. Dies hat nichts mit dem Talent, der Kreativität oder Produktivität der anderen vielen kleinen Fische zu tun, sondern m.E. hauptsächlich mit Marktmacht.
"Marktmacht" entsteht eben genau aus dem Kaufverhalten des Endkonsumenten, und wenn der halt nur überproduzierten Pop-Mist hören will, dann bleibt alles andere konsequenterweise auf der Strecke. Das finde ich zwar auch überaus Schade, da ich andere Musik mag und lieber mehr davon hören würde, aber letztlich geht halt das an der Realität vorbei.

Wenn die Kunden fehlen und gleichzeitig Musiker sich in einem Überangebot kannibalisieren dann ist die Konsequenz davon so logisch wie offensichtlich. Was in jedem anderen Sektor auch als völlig normal hingenommen würde ist aber bei Musik komischerweise ein inakzeptabler Zustand. Als würden die Leute gezwungen, Musik zu machen. Ums mal gezielt polemisch zu sagen: Wieso hören all jene, die sich und ihre Musik nicht genug geschätzt fühlen, nicht damit auf, für wenig bis kein Geld Musik zu machen? Wenn dann irgendwann nur noch die Grütze von Rihanna und Co. zu hören ist verstehen die Leute vielleicht dann, dass es gute Musik nicht gibt ohne dafür auch etwas zu bezahlen..

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socrateased 21.01.2014, 17:52
43. Schade

Zitat von sysop
Der deutsche Musikmarkt steht vor einem radikalen Umbruch: Die Telekom schließt ihr Downloadportal und setzt auf den Streaming-Partner Spotify. Die Analyse der Marktzahlen in Norwegen und Schweden zeigt: Download-Shops werden zu Nischenanbietern, Kaufmusik boomt vor allem durch Streaming.
Schade. Musicload war eine meiner Bezugsquellen, und was ich - besonders in letzter Zeit - besonders mag, ist der alternative, preisgestaffelte Download ganzer Alben entweder in MP3/320 kbps oder (bei neu digitalisierten) Medien als WAV files. Zwar stört mich immer noch, daß ich mir jedesmal die liner notes sonstwo zusammenklauben muß, sowie die maschinell gesetzten, absurd langen und aus der Datenbank generierten Dateinamen von Hand bzw. per Umbenennungstool meinen bescheidenen Archivbedürfnissen anpassen muß, aber ich finde, Musicload ist insgesamt vernünftig strukturiert.

Und da ich als braver T-Kunde auch per Telefonrechnung bezahlen kann, erübrigt sich auch das Beschaffen resp. Nutzen irgendwelcher Rubbelkarten, Einzugsermächtigungen, Kreditkarten usw.

Falls Musicload als bisheriger Dienst also dichtmachen sollte, wird es für mich komplizierter, denn Spotify will ich nicht, genausowenig wie Deezer. DRM kommt mir nicht auf die Maschine, und ich will vernünftige Datenraten.

Natürlich bestelle ich auch oft meine Jazz- und Klassik-CDs direkt bei Anbietern oder über Amazon, aber da sind dann wieder Wartezeiten zu berücksichtigen, die ich bei Musicload so nicht habe.

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SkyNet_SO 21.01.2014, 18:06
44.

Zitat von bigboom
Und so waren meine Ausführungen auch keine Begründung für eine mangelnde Kreativität oder Produktivität in der Independent-Szene, d.h. alles was nicht bei den großen 3 oder bald vielleicht noch 2 großen "Playern" im weltweiten Musikmarkt unter Vertrag ist (siehe ). Es ist schlicht so, dass nur die dicksten Fische überlebt haben. Dies hat nichts mit dem Talent, der Kreativität oder Produktivität der anderen vielen kleinen Fische zu tun, sondern m.E. hauptsächlich mit Marktmacht.
Das ist doch Quatsch. Bei solchen Themen wird immer gejammert, dass es nun nur noch Mainstream Musik gibt und die ganzen ach so wertvollen kleinen Künstler keine Chance mehr haben.
Es gibt genug Bands/Musiker, die auch ohne Hilfe der Majorlabels ganz gut leben können. Gerade Musikstreamingdienste oder Youtube helfen hier doch ungemein bei der Steigerung der Bekanntheit. Man hört eben mal irgendwo rein, findet es gut und geht zu einem Konzert.
Ohne die Dienste, würden viele kleinere Künstler doch überhaupt nicht mehr wahrgenommen.

Klar gibt es viel Massen Mist, aber Qualität setzt sich auch heute noch durch. Konkurrenz belebt das Geschäft, das ist auch bei der Musik nicht anders. Schlechte Independent Künstler, die auch nur Einheitsbrei liefern können da von mir aus gerne auf der Strecke bleiben. Gute Künstler schaffen es auch mit (oder gerade durch) Streaming & Co.

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SkyNet_SO 21.01.2014, 18:09
45.

Zitat von singlesylvia
. Wenn ich einen Stream downloade und ihn mit z.B. dem VLC-Player abspiele, kann ich mit dem Player den Stream auch gleichzeitig aufnehmen; das funktioniert auf jeden Fall so mit Internet-Radio-Stationen. Kann ich mir da nicht eine Monster-Musik-Sammlung zusammenstellen, die nicht einfach futsch ist, wenn ich das Abo nicht weiter zahle?
Bei Simfy ist es zB so, dass die Musik, die sie offline abspeichern verschlüsselt abgelegt wird und dann nur mit dem Simfy Player abgespielt werden kann. Am PC könnte man natürlich dann das Audiosignal wieder abgreifen und aufnehmen, aber der Aufwand ist doch recht hoch und die Frage ist wozu?
Nur um den Sammlertrieb zu befriedigen? Beim Streaminganbieter bekommt man ja schon das volle Programm. Und sollte ein Anbieter mal die tore schließen, geht man eben zu einem anderen. Man verliert ja auch nichts. Die Preise zwischen den Diensten und das Angebot sind eh recht ähnlich,

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sieger500 21.01.2014, 18:26
46. Vergleich hinkt

In Ergänzung zu 35: Der Vergleich von Online-Verkäufen und Streaming hinkt sowieso. Das Streaming ist eher mit dem Abspielen eines Titels im herkömmlichen Radio zu vergleichen. Und auch dabei sieht es im Bezug auf den Verdienst für den Musiker besser aus. Durch einen Airplay im Dudelfunk (wenn dieser der Band überhaupt gegönnt ist) bekommt sie weniger an GEMA- und sonstigen Abgaben als durch einmaliges Streamen an einen einzelnen Empfänger eines Abo-Dienstes. (Quelle: Feature bei BBC Radio 4 vor ein paar Tage)

Das Streamen ist für den Musiker inzwischen wirklich die bessere Alternative um mit seiner Arbeit Geld zu verdienen.

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markushatt 21.01.2014, 18:27
47. Streaming ist Klasse!

Ich finde die Entwicklung sogar sehr gut! Ich hoffe, dass immer mehr Menschen streamen und hoffentlich weniger kaufen. Warum das ganze? Nun denn, ich persönlich kaufe Vinyl und hin und wieder eine CD. In einem Laden wie Karstadt oder Mediamarkt muss ich gar nicht erst nach Musik suchen, die haben eh nur die 100 Popstücke der Jahrzehnte. Ich muss mir mein Vinyl teilweise aus dem Ausland zu horrenden Preisen (50€/Platte) kaufen, aber das ist es mir Wert für qualitative Musik von Künstlern, die mir was bedeuten.
Wenn die Verwertungsindustrie ausstirbt, werden meine Vinyls billiger, da qualitative Musik wieder wird.
In diesem Sinne: PoPoPoPokerface, catch a grenade for love, und der Rest...

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bigboom 21.01.2014, 18:47
48. Bitte Beispiele

Zitat von SkyNet_SO
Es gibt genug Bands/Musiker, die auch ohne Hilfe der Majorlabels ganz gut leben können. Gerade Musikstreamingdienste oder Youtube helfen hier doch ungemein bei der Steigerung der Bekanntheit. Man hört eben mal irgendwo rein, findet es gut und geht zu einem Konzert. Ohne die Dienste, würden viele kleinere Künstler doch überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Klar gibt es viel Massen Mist, aber Qualität setzt sich auch heute noch durch. Konkurrenz belebt das Geschäft, das ist auch bei der Musik nicht anders. Schlechte Independent Künstler, die auch nur Einheitsbrei liefern können da von mir aus gerne auf der Strecke bleiben. Gute Künstler schaffen es auch mit (oder gerade durch) Streaming & Co.
Können Sie Beispiele Zahlen für die kleineren Künster geben, die auf dem von Ihnen genannten Weg zu Ruhm und eventuell sogar Reichtum gelangt sind?

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SkyNet_SO 22.01.2014, 00:19
49.

Zitat von bigboom
Können Sie Beispiele Zahlen für die kleineren Künster geben, die auf dem von Ihnen genannten Weg zu Ruhm und eventuell sogar Reichtum gelangt sind?
Das wohl populärste und polarisierenste Beispiel dürfte die Band Freiwild sein. Die Vermarkten ihre Musik ohne die üblichen Majorlabels (und sogar ohne Streaming) und sind bei den meistverkauften Alben ziemlich weit vorne.
Ob man die Musik nun mag oder nicht steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Aber noch ein anderes Beispiel warum Streaming gerade für kleinere Künstler viel bietet:
auf einem Metal Konzert habe ich kürzlich eine mir unbekannte, relativ kleine Vorband gesehen. War ganz gut und ich war überrascht, dass es bei Simfy diverse Alben von den Jungs gab. Habe die Alben durchgehört und finde sie gut und würde das nächste mal auch auf ein eigenes Konzert von den Jungs gehen. Ohne Streaming, wäre die band wieder in Vergessenheit geraten.

Für mich ist es einfach unverständlich wo Musiker Ihren Anspruch auf gute Bezahlung ableiten. Wenn der Markt nicht da ist, dann kann man eben auch nicht erwarten davon leben zu können oder aufwändige Produktionen zu starten. Ich behaupte, dass es früher für die kleinen Bands viel schwerer war als heute. Die Vermarktungsmöglichkeiten sind mittlerweile viel zahlreicher, von der Möglichkeit, seinen Namen bekannt zu machen mal ganz abgesehen.

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