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DSGVO-Geldstrafen: "Fehler werden jetzt teuer"
DPA

Bei Verstößen gegen die neuen EU-Datenschutzregeln müssen Firmen künftig mit hohen Geldstrafen rechnen. Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink erklärt, was Unternehmen erwartet.

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Mertrager 24.01.2019, 23:40
1. Schöne Worte

Und doch wird man den Verdacht nicht los, dasz diese zusätzliche Einnahmequelle willkommen ist und entsprechend ausgeschlachtet wird. Sehen wir uns doch die vielen Millionnen an, die durch Bußgelder bzgl. der Bilanz-Meldepflicht reinkommen. Dieses Instrument hat die EU „erzwungen“. Es erleichtert großen Firmen, die kleinen aufzukaufen. Wegen geringster Verstöße gegen die Meldepflicht werden tausende € als Strafen aufgerufen. Die Strafen sind oft völlig unverhältnismäßig und nehmen keinen Bezug zur Leistungsfähigkeit der Firma. Erlass- oder Ermäßigungsanträge werden immer abgelehnt, obwohl dieses Instrument vorgesehen ist.- Schöne Worte eben.

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masderr 25.01.2019, 05:45
2. Dieses Gesetz

ist wieder ein Zeichen dafür, dass unsere Politik den Realitätssinn verloren hat und mit dem normalen Bürger bzw. dem kleinen Selbstständigen nichts mehr zu tun hat. Für Konzerne, welche sich hauptsächlich auf das Sammeln von Daten verstehen, mag es ja sinnvoll sein. Der kleine Handwerksbetrieb nebenan oder die Zahnärztin um die Ecke müssen einen riesen Aufwand betreiben und können sich kaum auf ihr eigentliches Gewerbe konzentrieren. Dann kommen da noch solche Abmahnvereine, die nur damit beschäftigt sind diesen Leuten noch weitere Nerven und Geld zu kosten.

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dipl-ing 25.01.2019, 07:33
3.

Das Einzige, was die Datenschützer geschaffen haben, ist eine massive Verunsicherung bei den Firmen und Organisationen, die einfach nur ihre Arbeit machen und die Daten anderer Menschen zum Schreiben der Rechnung an diese benötigen. Die wahren Datenkraken sind davon nicht betroffen. Aber irgendwie müssen die Selbständigen und Kleinunternehmer ja beschäftigt werden und bei Verstößen dürfen diese dann für das Gehalt dieser “Datenschützer” aufkommen.

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ey-du-alex 25.01.2019, 08:15
4. Warum nur die Firmen?

Aus persönlicher Erfahrung: Ämter (in diesem Fall ein Jobcenter) gehen sehr lax mit der DSGVO um. Leider wird es grade trotz eindeutiger Verstöße auch vom BfDI geschützt und eine Anzeige wurde ebefalls nicht weiter verfolgt und wegen fehlender Strafwürdigkeit abgewiesen.
Es ist zum Fremdschämen, wenn bei Staatsorganen nicht nur ein Auge zugedrückt wird, während Unternehmen sich besser bemühen sollten die DSGVO bis ins kleinste Detail korrekt umzusetzen.
"Mit gutem Beispiel voran!" ist eben kein Spruch mehr der auf Deutschland zutrifft.

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Leser161 25.01.2019, 08:58
5. Formalitäten

Ich bin für Datenschutz und begrüsse die DSGVO. Aber die DSGVO an sich ist nur der Anfang, weil nicht gut gemacht:

Zum Einhalten der DSGVO müssen gewisse Formalien erfüllt werden. Nach dem Erfüllen dieser Formalien kann man prinzipiell so arbeiten wie vorher. Da es zusätzlich kein DSGVO-"TÜV" gibt weiss ein Unternehmen erst ob es korrekt arbeitet wenn es eine Überprüfung gab. Das ist für die Unternehmen ärgerlich und für die Bürger. Denn es gibt keine Sicherheit und was nützt eine Verordnung die keine Sicherheit bringt, dann hätte man es so lassen können.

Desweiteren verhindert die DSGVO nur den Datenmissbrauch von vor Jahrzehnten, nämlich Cold Calls. Aktuelle Themen wie Profiling kommen nur sehr kurz vor. Man muss halt kurz angeben das man profilt. Das Profiling selbst ist keinen Einschränkungen unterworfen.

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Allgemeinbetrachter 25.01.2019, 09:12
6. zweischneidiges Schwert

hoffe das mit der DSGVO geht nicht weiter nach hinten los. Auf der einen Seite ist es gut die Daten der Firmen und privat Personen zu schützen. Auf der anderen Seite könnten sich aber auch große Unternehmen weiter aus der EU zurück ziehen. Wenn man sich dem Fortschritt der Informationstechnologie verwehrt wird man hinten runter fallen. Die Geschichte hat das schon immer gezeigt. China früher fortschrittlich (Porzellan, Papier, Schwarzpulver) später wurde durch andere Regierungsformen der Fortschritt verwehrt. Was passierte... . China hinkt bis zum 20jhd. hinterher. Nach Öffnung der Märkte Boom. Römer durch Inovationen wie Straßen und Wasserversorgung zum Weltreich geworden scheiterten später aber... . Industrielle Revolution --> Groß Britanien und Frankreich gehen als Sieger hervor. Deutschland hinkt hinterher, kann dies nur durch einen Krieg mit Frankreich korrigieren (Reparationszahlungen). Christentum im Mittelalter verpönt und erstickt die Wissenschaft 800Jahre lang. Wo wären wir heute wenn dies nicht passiert wäre...usw . Datenschutz ist schon gut, sollte aber auch mit Weitsicht betrachtet werden.

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Frank Klipp 25.01.2019, 09:41
7. Alle Macht den Behörden

Bei solchen Äußerungen frage ich mich, ob der ursprüngliche Gedanke des Datenschutzes noch im Fokus der Aufsichtsbehörden steht. Datenschutz ist wichtig, kein Zweifel. Über die konkrete Ausgestaltung der Datenschutzgesetze kann und sollte man aber diskutieren, am besten mit denen, die sie umsetzen sollen. Tatsächlich wird die Gestaltung der Gesetze und ihrer Auslegung aber von Aufsichtsbehörden dominiert, die vorwiegend mit Juristen besetzt sind. Vor diesem Hintergrund machen mir die Aussagen von Herrn Brink Sorgen: vor einem weltfremden und bürokratischem System nämlich, das sich zunehmend in einer Filterblase bewegt. Die öffentliche Diskussion zum Datenschutz deutet darauf auch hin.
Zudem zeigt die Aussage, dass Fehler teuer werden, ein eigenartiges Verständnis vom Umgang mit Fehlern. Modern ist anders.

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MatthiasPetersbach 25.01.2019, 09:50
8.

Zitat von dipl-ing
Das Einzige, was die Datenschützer geschaffen haben, ist eine massive Verunsicherung bei den Firmen und Organisationen, die einfach nur ihre Arbeit machen und die Daten anderer Menschen zum Schreiben der Rechnung an diese benötigen. Die wahren Datenkraken sind davon nicht betroffen. Aber irgendwie müssen die Selbständigen und Kleinunternehmer ja beschäftigt werden und bei Verstößen dürfen diese dann für das Gehalt dieser “Datenschützer” aufkommen.
So siehts aus.

Klar, man kann versuchen, bei Google 50 Mio einzutreiben. Aber ich wette, daß der Reibach (wie so oft) mit denen gemacht wird, bei denen das ganze völliger Quatsch ist - unten, bei Handwerkern, Kaufleuten, beim Metzger. Incl. völliger Verunsicherung und Lockanwälten.

Wenn ich auf dem Amt aus beruflichem Anlaß ne Visitenkarte vom Bezirksleiter mitkriege - was dann? Wenn die Metzgerei meine am Telefon Adresse und Telefonnummer aufnimmt, weil ich 20 Mettbrötchen bestelle?

Weiß kein Mensch.

Ich bin jetzt Gottseidank altersmäßig sowieso "raus" - aber wenn das Ungetüm 2 Jahre früher gekommen wäre, hätte ich 2 Jahre früher aufgehört. Man muß nicht alles mit sich machen lassen.

Namen, Adresse und Telefonnummer als "schützenswerte Daten" zu bezeichnen, ist völliger Quatsch. Die stehen überall, die werden überall benutzt - und waren noch nie ein Problem.
Mit Geburtstag, Beruf, Kaufverhalten, Arzt, Kontonummer usw siehts schon ganz anders aus. Das hat aber mit dem normalen Leben nix zu tun.

Aber sie werden es noch schaffen, daß das einfache LEBEN des Bürgers praktisch ein Full-time-verwaltungsjob wird.

"Keep ist simple" scheint ein Fremdwort :) geworden zu sein.

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almeo 25.01.2019, 10:01
9.

Zitat von masderr
[...] Für Konzerne, welche sich hauptsächlich auf das Sammeln von Daten verstehen, mag es ja sinnvoll sein. Der kleine Handwerksbetrieb nebenan oder die Zahnärztin um die Ecke müssen einen riesen Aufwand betreiben und können sich kaum auf ihr eigentliches Gewerbe konzentrieren. [...]
Das ist leider so ein gerne vorgebrachtes Argument "Wir sind ein kleines Unternehmen, wir können da ja nicht so auf alles achten wie die großen!". Das ist aber natürlich eine Ausrede. Es ist ganz egal ob ich ein Abo vom Spiegel habe oder einen Termin beim Friseur um die Ecke mache, ich muss bei beiden davon ausgehen, dass sauber und ordentlich mit meinen Kundendaten umgegangen wird. Die Dsgvo macht auch größeren Firmen große Probleme und ich bin mir sicher, den Aufwand den große Medienhäuser damit haben ist um das zigfache höher als der, den ein zwei Mann starker Elektrikerbetrieb hat. Und wer eine eigene Firma eröffnet, sollte sich im Klaren sein, was das nun bedeutet.
Ein guter Freund von mir ist Elektriker mit eigener, kleiner Firma. Als die Dsgvo kam, habe ich mal ein Wochenende in seinem Betrieb verbracht und ihn nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt das umzusetzen, was gefordert ist. Das findet man zum Einen alles im Internet und zum Anderen hat mich mein Arbeitgeber dazu selbst geschult. Das war zwar alles sehr basal, da ich weder im Compliance noch im HR arbeite, aber es hat gereicht um einen abschließbaren Schrank für Rechnungen und Kundenakten aufzustellen, zu überprüfen ob alle Firmenhandys einen Entsperrcode haben und den Jungs das Verschlüsseln von pdf-Dateien zu zeigen. Alte Excellisten mit teils fünf oder sechs Jahre alten Adressen von Leuten, denen man mal ein Angebot geschickt hat wurden gelöscht und Datenschutzhinweise auf die Homepage mit aufgenommen. Alles in allem haben wir uns ein Wochenende an einer Checkliste entlanggehangelt und ich habe zweimal kurz mit meinem Kollegen vom Compliance telefoniert, mit dem ich zum Glück ganz gut befreundet bin. Ist das nun ganz sicher? Vermutlich nicht, aber ich würde mal sagen, in 95% der Fälle ist das nun ok...

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