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DSGVO-Hysterie: Ein Jahr nach dem Weltuntergang
Philipp Brandstädter/ DPA

Vergangenen Mai kamen die neuen Datenschutzregeln der EU zur Anwendung. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) führte zu Verwirrung und Verunsicherung - und viele Bürger verstehen sie bis heute nicht.

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Leser_01 07.05.2019, 15:23
1.

Was genau ist seit Einführung der DSGVO besser geworden?

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Düppel 07.05.2019, 15:37
2. Die Hoffung damit in Ruhe gelassen zu werden.

"... und viele Bürger verstehen sie bis heute nicht."

Die Bürger haben damit ja eher weniger zu tun, also mit dem Verständnis via Anwendung. Interessanter ist es, wenn man beruflich damit umgehen soll, also Daten "schützen" soll. Wenn man das alles ernst nimmt, ist man mehr mit dem "Datenschutz" beschäftigt, als mit seinem eigentlichen Job. Ergo macht man weiter, wie bisher, ist vertraulich und seriös, wie man es immer war und hofft damit in Ruhe gelassen zu werden.

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jarno80 07.05.2019, 15:37
3. Bei dieser Verordnung packt mich die blanke Wut

Was hat es uns gebracht? Einen irrsinnigen Aufwand in Unternehmen (aus eigener Anschauung bekannt). Ständig bekommt man bei jeder Gelegenheit so einen Wisch zur Unterschrift vorgelegt, von denen man sich die meisten Seiten garnicht mehr durchliest. Unsicherheit, was man nun darf was nicht.
Das schlimmste Gesetz ist das, welches missachtet wird weil die Leute resignieren.
Und wo sind die versprochenen Vorteile? Was hat sich bei Facebook und Co geändert? Man bekommt eine Mail zugeschickt auf dessen Link man zur Bestätigung des Einverständnisses klicken sollte und der Fall hat sich für diese Unternehmen erledigt. Welche Errungenschaft rechtfertigt diesen Wahnsinn? Vielleicht kann einer der Foristen hier die Antwort geben.

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RaKader 07.05.2019, 15:40
4. Glauben ist nicht Wissen

"Netzaktivistin Nocun glaubt, dass die meisten Menschen die DSGVO mittlerweile für eine gute Sache halten."

Eine Aktivistin ist keine Quelle einer unwiderlegbaren Tatsache, sie ist Partei. Tatsache ist, dass Vereine, wie im Artikel kurz angerissen, unter den Auflagen ächzen, Tatsache ist, dass die meisten Firmen die opt-out-Regel gar nicht beachten, sondern grundsätzlich die Zustimmung zu all ihren Datenauswertungstools und -diensten verlangen. Was hat es also gebracht? Für den Nutzer aus meiner Sicht bisher wenig, bei den Anbietern, ja, Akzeptanz, aber auch Frust.

Seiten, bei denen man dezidiert die Messung des Nutzerverhaltens aussperren. die Weitergabe an Werbedienstleister als Dritte unterbinden kann, sind trotz DSGVO immer noch eine Seltenheit.
Auf der anderen Seite überfordern die Vorgaben kleine Betriebe wie Restaurants oder Handwerker mit rudimentärem Budget für die Außendarstellung im Netz. Noch schlimmer Vereine mit regem Besucherverkehr auf der Vereins-Site. Ein Administrator einer solchen Site beschwerte sich kürzlich über die Forderung jeden Monat 1,5 Millionen Datensätze aufbewahren zu müssen. Für zehn Jahre.

Bei Vereinen und KMU muss nachgebessert werden.

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thseeling 07.05.2019, 15:41
5. alles panikmache

Die DSGVO ist nur der neue Name für das bisherige Datenschutzgesetz (BDSG bzw. Ländervarianten). Inhaltlich hat sich daran kaum etwas geändert, nur der Anspruch auf Auskunft, Korrektur und Löschung ist verschärft, die Informationspflicht ist schärfer formuliert und es gibt endlich vernünftige Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen. Die DSGVO hat sich am bisherigen deutschen Datenschutz orientiert und wesentliche Teile übernommen, wie z.B. das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, Minimalprinzip usw.
Ich habe die Hysterie letztes Jahr, gerade bei kleinen Vereinen und Firmen, vollkommen fassungslos verfolgt.

Umgekehrt warte ich eigentlich darauf, dass jemand mal verklagt wird, weil er WhatsApp verwendet und gerade *nicht* das Einverständnis aller seiner Kontakte hat, wenn die zu WhatsApp nach USA hochgeladen werden. Es muss ja nur einer im Adressbuch widersprechen.

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edvandale 07.05.2019, 15:42
6. Als Tierarzt,

der standesrechtlich und berufsethisch zur Ableistung von Notdiensten verpflichtet ist und sich auch diesbezüglich verpflichtet fühlt, ist es mir ein Anliegen, den Verfassern dieser großartigen Verordnung mal ein herzliches "Dankeschön" für die an einem Notdienstsonntag durchschnittlich anfallenden 60 Extraminuten sinnfreier bürokratischer Arbeit zuzurufen.

Wie schön man doch von einem Schreibtisch aus die Welt erklären kann, wenn man ausschließlich von Montag 8 Uhr bis Freitag Mittag arbeitet....

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j.w.pepper 07.05.2019, 15:47
7. Der grobe Unfug in der DSGVO...

...sind nicht die Schutzvorschriften im eigentlichen Sinn, die sich in der Tat kaum von der früheren (bis dahin allerdings fast komplett unbekannten und vom Normalbürger ignorierten) deutschen Gesetzeslage unterscheiden. Wie aber schon im Artikel erwähnt, werden viel zu viele unterschiedliche Sachverhalte, von der Facebook-/Google-/amazon-Datensaugmanie mit milliardenschwerem Datenhandel bis hin zu interner Mitgliederkommunikation bei kleinen, gemeinnützigen Vereinen, über einen Kamm geschoren.

Ausgesprochener Blödsinn sind m.E. die Hinweispflichten. Der Bürger wird jetzt mit wortwörtlich Millionen von Datenschutzerklärungen bombardiert, die zu fast einhundert Prozent inhaltlich übereinstimmen, die aber mindestens 95 Prozent der Leute gar nicht lesen wollen und mindestens 80 Prozent derjenigen, die sie doch irgendwie zur Kenntnis nehmen, überhaupt nicht verstehen. Was wiederum kein Wunder ist, denn ein ähnlicher Prozentsatz der Webseitenbetreiber und sonstigen "Verarbeiter", die sich die Belehrungen irgendwo abschreiben, verstehen ebensowenig, was damit im Einzelnen gemeint ist, und hoffen so wenigstens keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen. Ob die dann mehr vom Inhalt verstehen, bleibt abzuwarten.

Es gab mal das gute Prinzip, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, die Gesetze zu kennen - auch wenn sie für ihn günstig sind. Weshalb soll jeder Nutzer einer Website, jeder Kunde eines Unternehmens und jedes Mitglied eines Vereins ständig gleichlautend über Rechte aufgeklärt werden müssen, die ihm gesetzlich zustehen? Weil er zu faul ist, Gesetze zu lesen? Selbst schuld. Weil er die Gesetze nicht versteht? Das ist das Problem des Gesetzgebers, das aber nicht dadurch gemildert wird, dass die "Verarbeiter" genauso unverständliche Belehrungen über dieses Gesetz massenweise verbreiten müssen. Wäre das Gesetz für den Durchschnittsbürger verständlich formuliert, könnte man sich diesen Heidenaufwand sparen, der in Wirklichkeit komplett für den digitalen Mülleimer ist.

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Löschknecht 07.05.2019, 15:51
8.

"Was genau ist seit Einführung der DSGVO besser geworden?"
Alleine schon die Tatsache, dass erstmals amerikanische Konzerne ihr Verhalten auf europäischem Boden ernsthaft den hiesigen Gesetzen anpassen. Auf einmal gibt es alle möglichen Privacy einstellungen, die Möglichkeit megabyteweise gesammelte Daten einzusehen und Licht in das Dunkel der "wem werden welche Daten verhökert" zu bringen.

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stelzerdd 07.05.2019, 15:51
9. Nichts

Zitat von Leser_01
Was genau ist seit Einführung der DSGVO besser geworden?
Ja was wohl? Jetzt sagt mir jede Webseite fortwährend, daß sie mir Cookies unterjubelt um mein "Benutzererlebnis" zu verbessern. Und - seitdem ich das durch ein kleines Tool unterbunden habe - meckern manche Seiten eben dieses Tool an.
Und auf vielen Seiten fehlen nun Angaben, damit man überhaupt etwas damit anfangen kann

Das Tollste ist dieser Satz aus dem Artikel: Für einen "Webfehler" der Verordnung hält es der Datenschutzbeauftragte, dass für Vereine, deren Mitglieder sich ehrenamtlich engagieren, im Grunde dieselben Anforderungen gelten wie für Konzerne wie Facebook.

Selten so gelacht. Für die Datenkrake "Fratzenbuch" gelten "Anforderungen"?

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