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E-Scooter in Deutschland: Da wird etwas ins Rollen gebracht
DPA / Hans Klaus Techt

E-Roller sollen demnächst in Deutschland zugelassen werden. Wie das ablaufen könnte, hat Kolumnist Sascha Lobo mit fast hellseherischen Fähigkeiten vorausgeahnt. Im Podcast reagiert er auf Leserzuschriften.

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quark2@mailinator.com 05.05.2019, 14:22
30.

Zitat von Neustädter_02
Hier in Paris fahren die Dinger schon seit langem, die Fahrer verhalten sich manchmal ärgerlich, aber Riesenunfälle habe ich noch keine gesehen. Man hält sich eh nicht so besonders gern an Regeln, sondern jeder geht oder fährt, wann es die Verkehrssituation gerade erlaubt. Im Großen und Ganzen klappt das erstaunlich gut, Fußgänger, die im Beisein der Polizei bei Rot über die Straße gehen, Motorradfahrer, die auf dem Trottoir nach einem Stellplatz suchen, Elektroroller zwischen den Fußgängern - alles ein bisschen chaotisch, aber alles andere als lebensgefährlich. In Deutschland fürchtet man sofort den Weltuntergang, wenn der Staat einmal eine Winzigkeit ein kleines bisschen ungeregelt bzw. die Polizei Fünfe gerade sein lässt...
Es kommt eben auf die Leute an. In Indonesien hat das Rollerfahren sehr viel Spaß gemacht, weil es eine absolut kooperative Fahrweise aller Beteiligten gab. Egal was die Regeln gerade sagten, jeder hat für jeden gebremst, vorgelassen, gelächelt ... eben maximal kooperativ. Dann plötzlich ein Zwischenfall ... der einzige in 4 Wochen ... und wer pflaumte mich an ? Ein deutscher Rollerfahrer :-) ... Ich hätte nichts gegen die eRoller, wenn man davon ausgehen dürfte, daß ihre Benutzer sich rücksichtsvoll, vorsichtig und freundlich verhalten. Statt dessen besteht bei uns der Verkehr leider oft aus Wettbewerb, egal ob mit dem A8 auf der linken Spur oder mit dem Fahrrad in der Stadt. Die Masse der Leute ist voll OK, aber die 10% Knallköppe macht alles kaputt.

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mistersteve 05.05.2019, 14:47
31. Rücksicht auf die Schwächeren

Rücksicht scheint hier - politisch gewollt - auer Kraft gesetzt zu weerden. Genau wie man völlig zu Recht verlangt, dass Autofahrer nicht die Radfahrer (o.ä.) als die schwächeren Verkehrsteilnehmer bedrängen oder abdrängen oder schneiden (korrektes und umsichtiges Verhalten der Radfahrer im Verkehr unterstellt), sollte es selbstverständlich sein, dass ihrerseits die Radfahrer oder nun die E-Roller-Fahrer ihrerseits die Fußgänger - als abermals schwächere Verkehrsteilnehmer - nicht bedrängen oder abdrängen. Also kein Aus-dem-Weg-Geklingele etc. dort, wo sich Fußgänger und Radfahrer oder E-Scooter ein und denselben Verkehrsraum (z.B. Gehweg oder nicht gar so breite Fußgängerzonen) teilen. Dann MUSS eben der Radfahrer oder E-Scooter-Fahrer auch mal anhalten, absteigen und schieben, wenn das Gedränge dichter wird und er andernfalls nur durch rüdes Wegdrängeln oder Wegklingeln der Fußgänger durchkäme. Wer dann meint, dann "lohne" sich dieses Verkehrsmittel für ihn nicht, der möge was für seine Fitness tun und die "letzte Meile" zu Fuß zurücklegen.

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intercooler61 05.05.2019, 14:49
32. @neurobi: Das ist definitiv falsch!

Zitat von neurobi
E-Scooter mit v-Max von 20-25km/h und 20km Reichweite wiegen 10-12kg, haben ähnliche Aussenmaße wie einfache Trettroller und mit dem den Rohstoffen eines Tesla-Akkus können Sie hunderte Akkus für E-Scooter herstellen. Sie verfügen über breit Räder und eine mechanische Bremse, die ein schnelles und sicheres Bremsen ermöglicht. [...] Aber mit dem Glaubenskrieg haben Sie natürlich recht. Den sehe ich aber vor allem bei den Gegnern.
Bei ähnlichen Außenmaßen ist kein "schnelles _und_ sicheres Bremsen" möglich: Schwerpunkt incl. Fahrer 35-40 cm hinter der Vorderachse, aber rund 100 cm über der Fahrbahn. Das heißt, spätestens bei 4 m/s2 fliegen Sie über den Lenker. Zwingend. Wenn nicht schon früher, dank Kippmoment bei vorhandener Vorderradfederung.

Und gegen unfreiwillige Stopps durch Querfugen o.ä. hilft die _Breite_ der Räder: gar nichts.

@Glaubenskrieg: Den Spruch vom Splitter im Auge des Gegenübers kennen Sie?

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siemprenett 05.05.2019, 16:16
33.

Ein Trara (typisch deutsch) wird hier wieder veranstaltet. Ich komme grad aus Wien zurück und dort gehören die Roller wie selbstverständlich zum Strassenbild neben Droschken irgendwelchen Elektro Oldtimern Sightseeingdreirädern und werweisswas an Fortbewegungsmitteln. Vier Tage dort gewesen, den ganzen Tag inmitten der Menschenmassen dort vor Ort per Pedes in der Stadt, Unfälle oder rumgezeter anderer Verkehrsteilnehmer.. Nix dergleichen erlebt.
In meiner Heimat(Autostadt) wälzt sich annähernd täglich ein Radler in seinem Blut der von Rechtsabbiegern über den Haufen gefahren wurde, Konsequenz = 0 und kein Drama.
Hier bricht zu dem Thema die Regelungswut und wahrscheinlich der Untergang des Abendlandes aus. Hurra Deutschland!

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Kritik 05.05.2019, 17:16
34.

Zitat von Neustädter_02
Hier in Paris fahren die Dinger schon seit langem, die Fahrer verhalten sich manchmal ärgerlich, aber Riesenunfälle habe ich noch keine gesehen.
Paris (alleine die Stadt, ohne das Umland) hat 2,2 Millionen Einwohner.
Die Wahrscheinlichkeit, das Sie ausgerechnet dann zugegen sind, wenn irgendwo im Stadtgebiet einer dieser "Riesenunfälle" passiert, geht gegen null.
Gleiches gilt insofern für den Erkenntnisgewinn aus ihrer Aussage.

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Kritik 05.05.2019, 17:19
35.

Zitat von mr.peanutbutter
Eine sinnvolle Regelung um die Leute in den Städten aus den Autos zu bekommen wäre doch mal die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Roller, Mofas, E-Bikes, E-Tretroller etc. von 45kmh auf 60kmh hoch zu setzen.
Insbesondere die Höchstgeschwindigkeit für E-Tretroller auf 60 km/h hochzusetzen klingt sehr spannend.
Problematisch ist allerdings die Tatsache, das die Notaufnahmen in den Krankenhäusern heute schon chronisch unterbesetzt sind. Und genau dort landen die Rollerfahrer, die mit 60 km/h unterwegs sind, früher oder später.

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shrufu 05.05.2019, 17:20
36.

Zur Frage wer sich wie zu was äußern darf und wie was gewichtet werden sollte gibt es interessante Arbeiten von Phillip Tedlock. Er hat in einer ziemlich umfangreichen Studie festgestellt das öffentliche Expertenmeinungen zu Prognosen (zumindest im Zeitraum der Studie) kaum zuverlässiger sind als jegliche andere Meinungen oder Zufall und simple Modelle treffsicherer sind.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Philip_Tetlock#Expert_Political_Judgment

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Kritik 05.05.2019, 17:23
37.

Zitat von intercooler61
Ich war zunächst einigermaßen konsterniert darob, dass Debatten zu diesem Thema meist schnell in eine Art Glaubenskrieg münden, in dem rationale Argumente aus Fahrphysik und Unfallforschung mit dem vorgeblich drohenden Niedergang des Abendlands gekontert werden. Inzwischen glaube ich aber, das dahinterliegende Missverständnis identifizieren zu können. Zwei technisch benachbarte Beispiele mögen das verdeutlichen: 1. Echte E-Scooter (elektrische Motorroller) sind ein praktisches und lokal emissionsfreies City-Mobil - nicht nur für die letzte, sondern für jede Meile, und sogar bei Nässe halbwegs gefahrlos zu bewegen. Man kann darauf sitzen, auch zu zweit, und neben Daypack oder Aktentasche auch kleinere Einkäufe sicher verstauen. Als Leichtkraftrad mit 80 km/h Vmax kein Verkehrshindernis und auch für manche Berufspendler geeignet. Das Unfallrisiko ist wohl rund 5x so hoch wie beim Pkw; dafür sind Kosten und ökologischer Impact deutlich geringer. 2. Unmotorisierte Tretroller und Kickboards (ich hab' selbst eins) sind Schönwetter-Gefährte für fußläufige Entfernungen. Mit ca. 4 kg lassen sie sich einfach zusammenklappen, in der Hand tragen und so überall mitführen. Realistisch erreicht man um 10 km/h, spart also etwas Zeit. Jederzeit fahrbereit ohne Aufladen, null Emissionen, null Sondermüll. Allerdings braucht man _etwas_ Übung und Kondition, um zügig voranzukommen und Stürze oder Kollisionen durch schnelles Abspringen zu vermeiden. Motor und Akku an einem Tretroller machen die genannten Vorzüge zunichte: 10-20 kg trägt man nicht mal eben wie eine Handtasche, und sie lassen sich auch nicht mehr per Absprung "auf der Stelle" stoppen. Hoher Schwerpunkt (incl. Fahrer) und kurzer Vorbau verhindern eine sturzfreie Vollbremsung, während die Empfindlichkeit gegenüber Fugen und anderen Unebenheiten hoch bleibt. Vorteile? Keine nennenswerten, außer dass man diese Missgeburt verbal unter "E-Mobilität" subsumieren und vielleicht(!) zu Geld machen kann. Und da liegt (glaube ich) der Schlüssel: Das bloße Auftreten des _Begriffs_ deaktiviert den Verstand und löst den Glaubenskrieg aus.
Kompliment für die klare und nachvollziehbare Analyse.
Ich würde mir wünschen, dass im Verkehrsministerium auch solche klugen Köpfe sitzen.
Tja, wenn bloß der Lobbyismus nicht wäre…

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Kritik 05.05.2019, 17:30
38.

Zitat von Neustädter_02
Hier in Paris fahren die Dinger schon seit langem, die Fahrer verhalten sich manchmal ärgerlich, aber Riesenunfälle habe ich noch keine gesehen. Man hält sich eh nicht so besonders gern an Regeln, sondern jeder geht oder fährt, wann es die Verkehrssituation gerade erlaubt. Im Großen und Ganzen klappt das erstaunlich gut, Fußgänger, die im Beisein der Polizei bei Rot über die Straße gehen, Motorradfahrer, die auf dem Trottoir nach einem Stellplatz suchen, Elektroroller zwischen den Fußgängern - alles ein bisschen chaotisch, aber alles andere als lebensgefährlich. In Deutschland fürchtet man sofort den Weltuntergang, wenn der Staat einmal eine Winzigkeit ein kleines bisschen ungeregelt bzw. die Polizei Fünfe gerade sein lässt...
Zitat aus Spiegel Online:

Frankreich verbannt E-Scooter von Gehwegen
Können E-Scooter eine Antwort auf den Verkehrskollaps in Europas Metropolen sein? Frankreich hat schon erste Erfahrungen gemacht - und zieht bereits eine rote Linie, "damit Fußgänger nicht länger gegen Häuserwände gedrückt werden".

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intercooler61 05.05.2019, 17:43
39. Brems- und Anhalteweg (zur Info)

Nur mal so zur Orientierung: Nehmen wir an, die Dinger hätten nicht nur eine starke Bremse, sondern auch ABS (optimistisch) und eine elektronische Abregelung der Bremskraft bei Entlastung des Hinterrads (sehr optimistisch).

Unter Berücksichtigung von Schwerpunktlage und Trägheit der Regelkreise sind so ca. 3,5 m/s2 als Mittelwert über die gesamte Bremsstrecke realistisch. Damit betragen reiner Brems- bzw. Anhalteweg rechnerisch:
- 1,59 m bzw. 4,92 m bei 12 km/h und
- 4,41 m bzw. 9,96 m bei 20 km/h.

Dessen sollte man sich bewusst sein, auch wenn die Miniflitzer sich subjektiv wendiger anfühlen als ein Fahrrad.
Ein guter(! d.h., die Vorderradbremse beherzt nutzender) Fahrradfahrer schafft mit guten Bremsen etwa die doppelte Verzögerung, was den reinen Bremsweg halbiert; die Reaktionszeit ist natürlich bei beiden gleich lang.

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