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E-Scooter im Stadtverkehr: Gegenwehr aus Gewohnheit
Jens Kalaene / DPA

Das Geschimpfe und Getöse gegen E-Scooter ist typisch deutsch: Neues wird erst einmal pauschal abgelehnt, notfalls unter Verdrehung der Tatsachen.

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MichaelundNilma 17.07.2019, 17:30
30. Wahrnehmungsprobleme bei Gefahren

Angesichts zunehmender Meldungen über Unfälle mit Elektro-Tretrollern ruft der Bundesverkehrsminister zu einem härteren Durchgreifen auf. Bundesweit gab es schon knapp einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern in Deutschland schon zahlreiche Kollisionen mit selbigen. Das sehen auch Ärzte in Notaufnahmen so. Insbesondere Fußgänger und Rollerfahrer seien dabei betroffen und trügen zum Teil schwere Verletzungen davon, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Nach Sascha Lobo ist das Geschimpfe und Getöse gegen den E-Scooter typisch deutsch. Nun in Madrid und Paris hat man inzwischen seine Lehren gezogen. Warum Scheuer trotz der Erkenntnisse über erwartbar schwere Unfälle mit E-Scootern die Einführung als Fortschritt feiert, bleibt sein Geheimnis. Wer etwas Lebenserfahrung hat, für den sind die schweren Unfälle eine Folge mangelnder Erfahrung und Voraussicht seitens des Herrn Scheuer. Besonders schlimm ist, daß man jetzt auch 14 Jährige mit einem gefährlichen Spielzeug, unnötig in Gefahr bringt. Angesichts der vielen Verkehrsverstöße mit Fahrrädern, auch durch Jurastudenten, kann ich Sascha Lobos Kolumne überhaupt nicht nachvollziehen. Offenbar hat er keine Kinder um die er sich Sorgen machen muß.

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sternum 17.07.2019, 17:34
31. Es ist noch keine Woche her,...

.. dass ich auf einem Fußweg folgendes erleben durfte. Ich spaziere da so in aller Gemütlichkeit lang. Da kommen mir zwei Fahrradfahrer entgegen. Die waren langsam unterwegs, weshalb ich die zunächst kaum zur Kenntnis genommen habe. Es störte mich lediglich, dass deren Fahrtrichtung falsch war und dass es eigentlich auch einen Fahrradweg auf der entsprechenden Straßenseite gibt. Nun sei es drum, der Fußweg war breit genug. Plötzlich kommt ein E-Scooter-Fahrer angerast, ebenfalls falsche Richtung und auf dem Fußweg. Und was brüllt dieser den Fahrradfahrern entgegen? Richtig, dass es auf der anderen Straßenseite einen Radweg gibt.
Ich kann es schon nicht leiden, wenn sich Fahrradfahrer nicht an die Regeln halten. Wieso brauchen wir jetzt noch ein Verkehrsmittel, mit dem das noch leichter ist?
Ich kann ja verstehen, dass man das nutzen/ausprobieren will. Schließlich ist es neu, also cool. Aber was ist wohl die durchschnittliche Strecke, die damit zurückgelegt wird? 1, 2 oder vielleicht 3 Kilometer? Sorry, aber wer das nicht zu Fuß bewältigen kann, der sollte sich wirklich mal Gedanken machen.
Das Argument mit den Akkus und der Umwelt ist in meinen Augen durchaus relevant. Ich kann mich erinnern, dass in meiner Kindheit Aluroller aufgekommen sind. Da musste man sich selbst bewegen, um vorwärts zu kommen. Was ist falsch daran, sich so ein Ding zu besorgen? Ungefährlich sind die auch nicht unbedingt, dafür deutlich günstiger. Achja, und die haben keinen Akku, der regelmäßig geladen werden muss. Im Gegenteil, im Vergleich zur E-Variante tut man seiner Gesundheit bestimmt eher einen Gefallen. Aber ich bin ja auch der Meinung, dass Fahrräder mit zusätzlichem Antrieb eher Leuten vorgehalten sein sollten, die es schlicht nicht mehr schaffen ein "normales" Fahrrad zu fahren.

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zeichenkette 17.07.2019, 17:34
32.

Zitat von Bondurant
Wieder mal schreibt der Meisterdenker am Thema bzw. der Realität vorbei: das und als Krönchen der Bizarrnis sehen Autofahrer eine Gefahr darin, wenn E-Scooter auf der Straße unterwegs sind ist mir genauso sch...egal wie die Frage, ob ein übereifriger Scooter-Fahrer von einem Rechts- oder was weiß ich Abbieger übersehen wird. Seine Sache. Was nicht seine Sache ist: auf Bürgersteigen fahren und das machen sie letztlich fast alle. Sich selbst überschätzende alte weiße Frauen und junge Hüpfer, die nach dem Motto "es wird schon nichts passieren" sich durch Fußgängergruppen schlängeln und die Menschen, die zumindest teilweise ganz bewusst zu Fuß gehen, weil sie sich nicht ständig Sorgen um ihre körperliche Gesundheit machen wollen und stattdessen zum Beispiel in Ruhe nachdenken oder die Gegend genießen, buchstäblich aus der Ruhe bringen, also Stress verbreiten. Vielleicht sind die 20 km/h schnellen E-Scooter das Fortbewegungsmittel der Zukunft, aber bitte nur dann, wenn sie konsequent von den den Fußgängern vorbehaltenen Bürgersteigen verbannt werden.
Das ist teilweise ein hausgemachtes Problem: Auf Gehwegen fahren halt fast alle mit den Dingern, ob sie es dürfen oder nicht. Das geht auch gar nicht anders, denn es gibt praktisch nirgendwo einen durchgehenden Radweg von Punkt A zu Punkt B und die Dinger werden nunmal gerne als Gehhilfe benutzt, also dort wo man ansonsten laufen würde. Das sind technisch-penibel gesehen vielleicht "Kraftfahrzeuge", aber faktisch sind das eher sowas wie selbstfahrende Kinderwagen für Jugendliche und Erwachsene. Wenn man nun nicht auf dem Gehweg fahren darf und mit Strafe rechnen muss, wenn man erwischt wird, huscht man also so schnell wie möglich durch. Das ist Mist, aber es ist logisch und verständlich. Freigabe auf Gehwegen samt Pflicht, dort nur mit Schritttempo fahren zu dürfen und automatischer Schuldannahme bei Unfällen mit Fußgängern wäre da sinniger gewesen. Aber die völlige Weltfremdheit, mit der da entschieden wurde, ist wieder nur ein weiteres Symptom der orientierungslosen Getriebenheit der Politik. Da wird nur auf den gehört, der gerade am lautesten schreit, denn der eigene Durchblick fehlt völlig. Und an der obersten Priorität für Autos darf nie und nirgendwo gerüttelt werden, da sollen sich lieber die Fussgänger und Radfahrer und Rollerfahrer um 80 Zentimeter Platz streiten und die Autoindustrie grinst sich einen. Teile und herrsche...

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olli0816 17.07.2019, 17:35
33. Bis jetzt finde ich es auch übertrieben

Ich habe keine Abneigung gegen den E-Roller, höre mir aber alle Argumente an. Bisher bin ich einigen begegnet, aber als Fußgänger habe ich bisher noch keinerlei Beschränkungen erfahren. Meistens fahren sie an einem vorbei und sind sehr schnell wieder weg. Angenehm im Gegensatz zum Auto ist, dass sie recht leise sind. Gut, ich war in letzter Zeit nicht in Paris, vielleicht sind da noch viel mehr unterwegs. Wenn es aber nur 20.000 sind bei so einer Riesenmetropole, dann ist das eher zu vernachläsigen.

Positiv würde ich finden, wenn man die Radwege konsequent ausbaut und dort dann die Fahrräder/E-Scooter walten lässt. OK, dafür benötigt man mehr Platz. Aber eigentlich ist bei der Verkehrsdichte doch klar, dass Autos in großen Städten immer mehr das nicht geeignete Fahrzeug sind. Dafür wären z.B. kleine, autonom fahrende Fahrzeuge als individueller öffentlicher Verkehr von Vorteil. Quasi ein kleine mietbare Vehikel.

Meine Einschätzung ist, dass sich Verkehr stark verändern wird. Der E-Scooter ist nur eine Möglichkeit von vielen. Fliegende Drohnen werden auch kommen. Hier haben wir das gleiche wie bei den E-Scootern: Viele Leute, die neue Methoden der Fortbewegung von Haus aus ablehnen, weil sie ja immer schon mit dem Auto alles gemacht haben. Die jüngere Generation ist da anders eingestellt. Zum Glück, kann ich nur sagen. Und ja, in einem stimme ich Herrn Lobo voll zu: Wir haben viel zu viel fortschrittsfeindliche Leute in Deutschland. Das trifft aber auf jedes technologisch weiterführende Gebiet zu. Man schaue sich nur mal die Kommentare unter Weltraumartikel an. Das gute daran: Mehr als in Kommentarspalten rumzubeppern wie die zwei alten Idioten in der Muppetshow dürfen sie eh nicht. Die Entscheidungen werden weltweit von ganz anderen Personen getroffen. Das ist nicht schlecht, sonst müßte ich mir heute in meiner Höhle noch Sorgen ums Brennholz machen. Das habe ich nämlich noch nicht gesammelt. Zet wirds.

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kuh 17.07.2019, 17:38
34.

Dieser Dilbert beschreibt die Probleme mit e-Scootern (wie viele andere Dinge der modernen Welt) ziemlich genau: https://dilbert.com/strip/2014-01-01

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specialbiker 17.07.2019, 17:38
35. Bringt es wieder einmal auf den Punkt . . .

völlig deckungsgleich mit meinen Eindrücken: Gefühlt 99 von 100 Artikeln zum Thema beschwören Risikoptenzial und Unbrauchbarkeit des E-Sooters, leider auch vertreten von Autoren, bei denen ich ein gewisses Verständnis von neuen Technologien und den damit verbundenen Anlaufschwierigkeiten eigentlich voraussetzen könnte - schade. Wer nun meint, dies sei nur ein Thema für irgendeine Psychokiste, die ausserhalb dieses Blogs weiter niemand interessieren wird, dem würde ich empfehlen, das von Lobo angesprochene Prinzip der "übertriebenen Beharrlichkeit" auf unsere Wertschöpfungsketten anzuwenden: Was sich nicht in Seelenruhe über möglichst viele Jahrzehnte ausentwickeln lässt hat bei uns wenig Chancen - das Automobil klassischer Prägung (eben im Ausssterben begriffen) gehört zu dieser Gattung, andere, modernere Geschäftsfelder eher nicht: Dies stimmt mich nicht gerade optimistisch.

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phg2 17.07.2019, 17:38
36.

Da wo ein e-Scooter ein Auto bzw. eine Autofahrt ersetzt finde ich sie ok.
Aber eben nicht wo ein e-Scooter einen Fußweg oder eine Fahrt mit dem ÖPNV ersetzt, es sei denn jemand ist in seiner Mobilität eingeschränkt. Für Bewegungsmuffel empfehlen Ärzte ja z.B. 1 bis 2 Haltestellen später in Bus/Bahn zu steigen und entsprechend früher auch wieder auszusteigen. (Wenn man sich dran gewöhnt hat möchten viele das gar nicht mehr missen, z.B. anstatt von der Bahn 2 Haltestellen mit dem Bus fahren gehen die lieber zu Fuß). Der Mensch ist bequem, ich auch aber übertreiben muss man's nun auch nicht.
(Und teuer sind die Ausleih e-Dinger, dafür bin ich echt zu geizig!)

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wolfabc 17.07.2019, 17:40
37.

"Das ist die Revolution der digital vernetzten Mobilität, die bisher verkannt wird - es handelt sich um öffentlichen Individual-Nahverkehr."
Geht's auch 'ne Nummer kleiner? Die E-Roller treten keine Revolution los, sondern werden eines Tages zum Freizeitvergnügen wie Radfahren, Schaufensterbummel, Spazierengehen, Spazierenfahren usw. gehören. Das alles macht der Normalbürger aber nur bei gutem Wetter. Bei Regen sind die Straßen und Wege leer, von ein paar hartgesottenen Radfahrern und Joggern einmal abgesehen. Der öffentliche Nahverkehr unterscheidet sich also dadurch, dass man ihn auch bei Sauwetter und Glatteis benutzen kann, aber den Roller nicht. Noch nicht einmal im Verhältnis zum Fahrrad bietet so ein Roller Vorteile, wenn man einmal von der mühelos zu erzielenden Geschwindigkeit absieht. Man steht, die Beine hintereinander, unnatürlich und deshalb mit der Zeit anstrengend auf so einem Dingen und kann das Gleichgewicht kaum auspendeln. Auf einem Fahrrad sitzt man immerhin und kann auf dem Gepäckträger und am Lenker mit Korb Gegenstände transportieren. Beim Roller braucht man beide Hände, um das Dingen mit den kleinen Rädern zu steuern und halbwegs zu beherrschen. Und schon mir einer Aktentasche unterm Arm wird’s schwierig. Als Berufstätiger würde ich es mir sehr gut überlegen, ob ich mich tatsächlich tagtäglich auf so ein eigentlich doch albernes Forbewegungsmittel stelle und mich auch noch darauf verlassen will, dass es verlässlich zur Verfügung steht. So einen Roller kauft sich aus den genannten Gründen auch niemand privat, auch nicht, weil er relativ teuer ist. Und all die Umweltbewegten schaffen sich so ein Gefährt allein schon wegen der Batterie nicht an und die Jugendlichen, die da freitags für die Zukunft unterwegs sind, machten sich lächerlich und unglaubwürdig, sähe man sie auf einem E-Roller. Die alten Leute kaufen sich lieber ein Fahrrad mit Batterie, sie wissen warum, wobei Stützräder sicherlich hilfreich wären. Wer etwas für seinen übergewichtigen Körper durch Bewegung tun will, bleibt bei seinem Fahrrad. Ich auch. So ein Dingen leihe ich mir bestenfalls dann einmal aus, wenn ich eine fremde Stadt erkunden will. Und düse dann, wie die Radfahrer auch, durch Fußgängerzogen und Einbahnstraßen und auf den Gehwegen.

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anon.y.mous 17.07.2019, 17:49
38. Thema verfehlt

Ich habe selten einen Beitrag gelesen, der so weit an der Realität vorbei ging. Bei der Debatte geht es in keinster Weise darum, irgendeine Technik zu verteufeln, wie albern sie auch immer sein mag. Die Geschwindigkeit, mit der die Freigabe durch die Gesetzgebung geprügelt wurde, sollte da gerade für einen politisch interessierten Menschen einen Hinweis geben. Es geht darum, welche ZUSÄTZLICHEN Gefahren, Belästigungen und sonstigen Herausvorderungen EIN NEUES VERKEHRSMITTEL mit sich bringt.
Beispiel 1: Es wird der Vergleich der Gefahren des eScooters mit dem Auto angestrengt. Glaubt hier irgedwer ernsthaft, dass durch das elektrische Brett mit Lenkstange ein im Verkehr durch Autos Getöteter oder Verletzter nur aufgrund der Einführung dieses Spielzeugs nicht mehr getötet oder verletzt wird? Wohl kaum. Die neuen Gefahren kommen on top. Darum geht's.
Beispiel 2: Es wird auf die Belästigungen durch herumliegende Roller eingegangen. Glaubt hier irgendwer, dass durch den Roller auch nur ein Quadratmeter Straße oder ein herumliegendes Leihfahrad verschwindet? Wohl kaum. Auch hier kommen die Belästigungen insbesondere von Fußgängern und Anwohnern on top. Darum geht's.

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Rhabarbergrütze 17.07.2019, 17:50
39. Nein!

E-Scooter sind kein sinnvolles Transportmittel.
Sie auszuprobieren ist sicher spaßig – für Bewohner größerer Städte erledigt sich das nach kurzer Zeit, danach bleibt es ein Spaß für die Besucher aus der Provinz.
Fahrräder sind als Transportmittel den E-Scootern in nahezu jeder Hinsicht deutlich überlegen. Und für regelmäßige Fahrradfahrer ist das "eigene" Fahrrad nicht nur billiger, sondern hoffentlich fast immer bequemer und/oder schneller.
Die E-Scooter sind auch selten arme Häschen im Tigerkäfig, viel öfter nerven sie einfach auf dem Gehweg.
In Berlin wäre das Tempelhofer Feld (ehemaliger Flughafen Tempelhof) ideal für E-Scooter.
Das macht die Dinger aber nicht besser …

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