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E-Scooter im Stadtverkehr: Gegenwehr aus Gewohnheit
Jens Kalaene / DPA

Das Geschimpfe und Getöse gegen E-Scooter ist typisch deutsch: Neues wird erst einmal pauschal abgelehnt, notfalls unter Verdrehung der Tatsachen.

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dw_63 17.07.2019, 18:34
70. Sascha Lobos Mikormobilität

Lieber Herr Lobo,

dass Deutsche eher konservativ (nicht politisch) sind, ist wohl ein alter Hut, jedes Jahr der gleiche Urlaubsort, das gleiche Hotel, ja Zimmer oder gar Strandliege, Nestle (Eigenheim) aufbauen, und bis zum Ende nicht verlassen, ja alles was Veränderung bedeutet stört den Deutschen.

Ich habe da meine persönliche Theorie, das empfundene Recht auf erlangten Besitz, sei es ein Arbeitsplatz, eine gemietete Wohnung, das Auto, jeder baut sich seine heile Welt auf, auf die er ein empfundenes Recht für sich festlegt, alles was diese heile Welt stören könnte, wird als Gefahr interpretiert und es wird sich dagegen gewehrt.

Spöttisch könnte man auch von einer Faulheit sprechen, aber es ist nicht etwas, was dem Deutschen angeboren ist, sondern was er erlernt hat.

Ist man in der Jugend noch flexibel und tolerant, so gerät man im zunehmenden Altern mit dem Ansammeln von Dingen und Beziehungen in eine Denke, das Erlangte nicht zu verändern, oder gar aufgeben zu wollen.

Ja, der unflexible Deutsche, und natürlich das böse Auto, dass der Tiger im Käfig ist, was ein blödsinniger Vergleich, um in ihrem Artikel werbend für eine Veränderung in Richtung Mikromobilität zu schreiben. Die Sache ist profaner, da kommt ein neues Verkehrsmittel und reiht sich in bestehende Verkehrsmittel ein. Sollen jetzt alle Autos abgeschafft werden, damit der E-Scooter, Fahrradfahrer oder Fußgänger sicherer sind?

Dafür dann ausgiebig den deutschen Konservatismus zu bemühen, grenzt an viel Phantasie. Natürlich ist die latente Angst bei jedem Neuen dabei, dass das Alte Einschränkungen erfährt, hier, dass dem Radfahrer Platz weggenommen wird, dort, dass ein E-Scooter die Straße dem Auto wegnimmt, aber diese Ressentiments sind nicht typisch deutsch, in Amerika herrschen die auch, nur haben die mehr Platz, in Paris greifen die inzwischen auch bei den E-Scootern durch, ja Herr Lobo, ihre doch so hoch gelobte Mikromobilität, die Paris nicht mehr verkraften kann, sind die Pariser jetzt besonders deutsch?

Ich bin ein wenig enttäuscht Herr Lobo, im Gegensatz zu ihren anderen Artikeln, war der mehr als lau und nur mit vielen Metaphern gespickt.

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MatthiasPetersbach 17.07.2019, 18:34
71. Typisch deutsch

...kann das ja garnicht sein. Weil "deutsch" in jeder Hinsicht bei jedem Thema und immer von 0 bis 100 geht - von Ablehnung zur Bejahung.

Wie auch bei englisch, amerikanisch, französisch und chinesisch, muslimisch oder christlich oder grün oder kariert.

Es gibt (deutsche) Leute, die den scooter verteufeln - es gibt (deutsche) Leute, die den wie Lobo absolut bejahen.

Beide mit zum Teil an den Haaren herbeigezogenen und völlg abstrus gewichteten Eigenschaften und Gründen.

Was durchaus legitim ist. Aber von der Ablehnung von Scootern auf die Autohörigkeit zu schließen, ist ziemlich banane - da gibts handfestere Gründe.

Aber es gibt eben auch den eher neutralen Sachverhalt: Scooter ersetzen kein Auto und werden nicht statt dessen gefahren - sondern statt des umweltfreundlicheren Gehens - soviel Respekt vor der Entscheidung des Kunden darf auch sein. Der erfüllt nicht das, was Lobo und der Werbesprech rausplappern.

Die Geschwindigkeit ist, solange es keine extra Fahrspuren gibt, für den jetzigen Verkehr suboptimal, die letzte Meile ist kein Problem und beim Fußgänger gut aufgehoben, ansonsten gibts was Besseres als den Scooter - nämlich das Fahrrad- und manche Dinge und Lebensweisen sind ohne Auto (noch) nicht denkbar. Alles da, wo es Sinn macht.

Das kann man alles anders sehen - aber ne Ablehnung zu unterstellen, die darauf beruht, daß man gegen alles ist, nur weils neu ist, ist ziemlich gegenstandslos.

Das Gegenteil wird eher der Fall sein - blinde Zustimmung, WEILS neu ist.

Aber Kritik und Verstand darf auch sein. Dinge haben sich durchgesetzt, wenn sie GUT sind - nicht weil sie neu sind. Das ist kein Wert an sich. Und Deutschland ist so gut, weil die Leute Fehler finden und ankreiden und ausschließen und verbessern wollen. Das Gegenteil sieht man z.B. in der Autoindustrie.

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Hajojunge 17.07.2019, 18:36
72. Der E-Antrieb ist überflüssig

In meiner Kindheit gab es echte Tretroller, mit Wippe und Zahnstange zum Freilauf am Hinterrad. Da konnte man allein durch Wippen den Vortrieb erzeugen, ohne sich mit dem Fuß abzustoßen,. Die Roller hatten große,
dicke Ballonreifen. Ich habe mir solch ein Gefährt öfter auf dem benachbarten Kohlenplatz ausgeliehen.
Hier gibt es eine Marktlücke. Ohne E-Antrieb sind die Dinger zulassungs- und versicherungsfrei. Man muß sie abends nicht einsammeln und aufladen. Natürlich wurde der Gehweg benutzt, die Fahrbahn war schon damals zu gefährlich. Allerdings gehörten wir zu der leider aussterbenden Generation, die noch Respekt und Rücksichtnahme gegenüber den Mitmenschen kannte.

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spon_12 17.07.2019, 18:36
73.

Zitat von Bondurant
[...], die zumindest teilweise ganz bewusst zu Fuß gehen, weil sie sich nicht ständig Sorgen um ihre körperliche Gesundheit machen wollen und stattdessen zum Beispiel in Ruhe nachdenken oder die Gegend genießen, [...]
Ich sehe das ähnlich. Immer wenn ich mich in den Zentren einer Stadt bewege, erfreue ich mich an den vielen Menschen, die sichtbar nachdenkend, bewußt ihres Weges gehen...
Es gibt Menschen, die behaupten, viele Fußgänger bräuchten eigentlich eine Lauf- und Bewegungsschule - ich gehöre nicht dazu. Fußgänger sind stets aufmerksam, vorausschauend, natürlich zurückhaltend und demütig gegenüber allen anderen Teilnehmern, ausgeglichen (liegt wahrscheinlich am bewußten Nachdenken und/oder dem schönen Fassadenanblick) und in sich ruhend. Es gibt überhaupt nichts friedfertigeres als den deutschen Fußgänger, der auch hier als heheres Vorbild einer dem Ideal zustrebenden Welt angesehen werden muss!

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einerkeiner 17.07.2019, 18:38
74. Träumerei

Die Dinger werden ganz sicher keine Autos ersetzen. Und das sage ich als jemand, der ständig elektrische Mikromobilität betreibt. Aber der Einsatzzweck ist einfach ein völlig anderer. Mikromobilität konkurriert eher mit Radfahren, Zufußgehen, und dem öffentlichen Nahverkehr. Der beste kurzfristig sinnvolle Ersatz für Autos sind _kleinere_ Autos, aber in diese Richtung denkt niemand, man träumt lieber von "Plattformen", die magisch sämtliche Probleme lösen.

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TheQuant 17.07.2019, 18:40
75. Meine erste Begegnung ...

war nicht so prickelnd. Ich habe als Fußgänger auf einem Gehweg einen anderen Fußgänger überholt - "ausgeschert" ohne nach hinten zu schauen. Ein E-Scooter-Fahrer konnte nicht mehr Bremsen oder Ausweichen und ist abgesprungen. Der Scooter ist mir in die Beine geknallt der Fahrer hat ein blutiges Knie.

Auf der anderen Seite finde ich todesmutig, sich mit den Dingern auf die Straße zu begeben, wenn es keinen Radweg gibt.

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit: Wenn man mehr Leute auf Fahrrädern und E-Scootern ... hat, muss man Platz zum Fahren schaffen. Kann ja nicht sein, dass die Autofahrer profitieren, weil weniger Autos auf "Ihren" Straßen fahren.

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Grekomat 17.07.2019, 18:40
76. Vielleicht mal nach San Francisco schauen ...

Um dieser etwas naiven Sichtweise mal etwas Realismus entgegenzusetzen, sollte man doch mal in das Mutterland der Startups und e-scooter schauen. Die angesprochenen Probleme sind real und haben auch in San Francisco zu einem Umdenken geführt und zu einer verhältnismäßig strengen Regulierung. Der Beitrag des ZDF dazu ist lesenswert: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/e-scooter-wie-san-francisco-damit-umgeht-100.html

Die Realität ist halt nicht immer so rosig wie sich das ein Lobo vorstellt ...

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Ignorant00 17.07.2019, 18:40
77. Von A nach A ist das natürlichste der Welt

Vieles in dem Kommentar finde ich gut und richtig.

Aber absurd war der Absatz,das Mobilität nur ist von A nach B zu kommen?! In 99 % der Fälle verlasse ich morgens das Haus A um abends nach Hause A zurückzukommen. Da brauche ich keine neue Mobilitätsplattform. Gegenbeispiel: Fahre hin und wieder mit einem Leihbike und da ist es mir schon passiert, das ich nach B gefahren bin und als ich zurückfahren wollte, war kein Rad mehr da ;-)
Da lobe ich mir doch das eigene Rad!

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harry.olschewski 17.07.2019, 18:43
78. Ökologisch sieht anders aus

Neben den im Artikel bereits genannten Punkten fehlt m.E. ein wichtiger. In seriösen TV-Berichten wurde gezeigt, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die Roller nach der Nutzung und leerem Akku per Auto, und damit per CO2-Erzeugung, sehr mühsam und km-fressend, gesucht und eingesammelt werden müssen, um sie nach der Aufladung erneut per Transporterfahrt wieder im Ort zu verteilen. Ales nicht gerade wenig.

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kaybehrendt 17.07.2019, 18:49
79. Alternaivlos

... Naiv ist doch der Gedanke, die Grundlage jeder Gefahr im Auto zu sehen.
Die möchte ich nicht in Frage stellen.
Allerdings halte ich die e-scooter für eine sehr naive Alternative zu co2 Vermeidung, da die Batterien. ..
Verglichen mit einem Fahrrad halte ich die Teile mit der steilen Lenkstange und den kleinen Rädchen für erheblich schwerer beherrsch- und vor allem bremsbar. Ohne Helm mit 20 gegen welches Hindernis auch immer ist aus meiner Sicht die eine Gefahr, die man nicht unterschätzen sollte. So ein Ding mit 20 in die Hacken der sowieso schon meistgefährdeten Spezies Fußgänger die andere.

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