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Einfluss auf die Gesellschaft: Radikal dank Facebook
REUTERS

Scheint es nur so, als ob derzeit immer mehr Menschen immer radikalere Positionen vertreten - oder ist es wirklich so? Aktuelle Studien legen nahe: Das Netz fördert gesellschaftliche Extreme.

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g0r3 25.01.2016, 15:24
60.

Zitat von kurt.wehrli
Die Wurzeln radikaler Entwicklungen liegen bei der dramatischen Ungleichverteilung der Ressourcen, und das spüren die Menschen und versuchen die Wut zu artikulieren, mit oder ohne Netz.
Bei diesem Beitrag weiß ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll.

Diese Hasstiraden liegen angeblich an der dramatischen Ungleichverteiltung? Ich stimme ja zu, dass die Ungleichverteilung zunimmt, und dass dagegen etwas unternommen werden muss. Aber in Europa und vor allem in Deutschland ist die "dramatische" Ungleichverteilung" in den allermeisten Fällen lamentieren auf relativ hohem Niveau, von Leuten, die relativ gut in Lohn und Brot stehen, was nicht im geringsten Hasstiraden und Verschwörungssümpfe in dieser Radikalität rechtfertigt. Einzelne Probleme einzelner Bereiche, die meist noch nicht mal akut sind, werden zu Gleichschaltung, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Herrschaft der Eliten hochstilisiert, nur um bei möglichst vielen Mitbürgern für möglichst heftige, unreflektierte Empörung zu sorgen.

Ich würde mir wünschen, dass diese Leute mal eine echte Diktatur erleben. Unwahrscheinlich, dass sie dann immer noch den gleichen Bullshit behaupten würden. Sorry, aber in den letzten 200 Jahren ging es der Bevölkerung mit einigen Aufs und Abs immer nur besser als vorher. Und trotzdem wird von großen Bevölkerungsteilen der Abgesang auf die westliche Welt angestimmt.

Und genau jener Menschenschlag, der so laut und bitterlich gegen die "dramatische Ungleichverteilung" lamentiert, verweigert im nächsten Moment Flüchtlingen und Kriegsopfern jede Solidarität und flüchtet sich in noch so hanebüchene Ausreden, warum man hier und jetzt keine dieser Menschen aufnehmen kann. Wie glauben Sie, wie die Ungleichverteilung der Ressourcen zwischen Deutschen und Syrern, Irakern usw aussieht? Und das sind noch nicht mal die ärmsten Länder der Welt. Könnte es sein, dass man die Deutschen im globalen Kontext so auffasst, wie Sie hier gerade hier die Reichen, welche eine "dramatische Ungleichverteilung" erzeugen? Man selbst ist trotz Zweitwagen und fünf iPhones in der Familie usw. ja immer noch zu arm, um etwas abtreten zu können.

Für das eigene Gewissen hält man immer noch an der sich selbst eingeredeten Weltbild fest, dass der grundphilanthropische Deutsche - inklusive einem selbst - natürlich selbstlos spenden und helfen würde. Wären denn nicht alle Flüchtlinge kriminell, gewalttätig, Sexualstraftäter und islamistisch. Solchen Menschen kann man nicht mit gutem Gewissen helfen - was für eine praktische Ansicht, da man mit ihr die eigene moralische Überlegenheit trotz der eigenen Tatenlosigkeit angesichts der erkannten Armut beibehält und gleichzeitig Geld spart. Liegt ja an der moralischen Verkommenheit des Flüchtlinges, dass man nix machen kann. Ein Schelm, der Böses denkt.

Ich für meinen Teil habe mich damit abgefunden, dass die zweite der im Artikel genannten Möglichkeiten jene ist, die für einen schmerzhaft großen Teil der Menschen zutrifft. Auch wenn sich jeder für großzügig, gerecht und einen guten Menschen hält.

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pandur1234567@yahoo.com 25.01.2016, 15:24
61. Ich finde Punkt 1,2,4,5 stimmen.

Zeitungen sollten die Wahrheit berichten nicht versuchen ihre Leser zu erziehen. Vielleicht haben Vorurteile doch immer einen wahren Kern? Punkt 1,2,4 u 5 braucht man nicht über falsche Aussagen zu definieren. Es gibt Köln 1, Gerichtsurteile über Hartz IV und nicht deutsche 2, Aussagen der Kanzlerin das sich Deutsch an die Gewalt von Migranten gewöhnen müssen aber Gewalt gegen Flüchtlinge nicht hinnehmbar sei 4, die oft verspäteten oder nicht vorhanden Reaktionen bei Verbrechen von Flüchtlingen weglassen von Nationalitäten bei entsprechenden Vorfällen in Berichten vs. der Brüderle Kampangne 5.

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kevinschmied704 25.01.2016, 15:28
62. klingt logisch..

wenn ich im netz nach schuhen einer marke suche, bekomme ich im nachhinein auch dafür Werbung. warum sollte das in sozialen Netzwerken nicht auch für Meinungen gelten? wenn ich also mir ständig auf Facebook in den Bereichen mit rechtsradikalen oder linksradikalen herumtreibe, bekomme ich nur Meldungen aus dieser Richtung. diesbezüglich schlage ich vor die Algorithmen bei such Maschinen und sozialen Netzwerken zu verbieten. bzw. ich glaube es wird langsam mal zeit für die Verteilung von einer festen ip! ich wahr selber ein Gegner dessen, aber es wird notwendig sein. jeder Mensch kann mir nichts dir nichts, falsch Meldungen verbreiten um damit zu hetzen. wie man sieht geht das sogar mit Medien, die total aus dem Kontext gerissen werden um der eigene Propaganda zu dienen. natürlich herrscht freie Meinung Äußerung, das soll so bleiben. aber mit einer festen ip, muss sich der eine oder andere auch rechtfertigen und beweise, quellen usw. angeben. aber davon mal abgesehen, wer alles ohne quellen Angabe glaubt, dem sollte man sowieso das i-net entziehen. gruß

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kj.az 25.01.2016, 15:29
63. Unglauben

Man muss zu diesem Thema keine grossartigen wissenschaftlichen Theorien bemuehen: eine einfache Erklaerung ist die, dass viele Menschen merken, dass man ihnen das Recht auf Information und Wahrheit in der juengeren Vergangenheit immer mehr beschnitten hat. Auf diesem Naehrboden wachsen natuerlich Spekulationen, Verschwoerungstheorien und Frustration.
Dann ist der Weg zum allgegenwaertigen Zugang zu den
(anti)sozialen Medien nicht mehr weit; diese bieten an, den eigenen Frust anonym abzuladen - vielleicht ganz gut als Ueberdruckventil geeignet ?

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novoma 25.01.2016, 15:30
64.

Facebook als Informationsquelle taugt genauso wie eine Jauchegrube als Trinkwasserquelle. Wer das beim Konsum aus solchen Quellen nicht merkt, muss sich über Folgen für die geistige und körperliche Gesundheit nicht wundern. Viele merken aber offensichtlich nichtmal bei sich selbst diese Folgen. Schuld an der Radikalisierung sind also weniger die sozialen Netzwerke, als vielmehr das einzige, dem Albert Einstein die Unendlichkeit anerkannt hat - die menschliche Dummheit.

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wehrhaftergutmensch 25.01.2016, 15:31
65. Facebook fördert die Verpöbelung

Der Artikel hat völlig recht.
Die sozialen Netzwerke demokratisieren die Meinungsbildung nicht, sondern sie verpöbeln den öffentlichen Diskurs. Ein Verbreitungskanal, der anonyme Hetze, Beleidigungen, Verleumdungen usw. fürs große Publikum zum Kinderspiel macht, kitzelt "DUNKELDEUTSCHLAND" (ich liebe Gaucks polemische Wortschöpfung!) aus seinen Löchern hervor. Viele Zeitgenossen können offenbar nicht widerstehen, auf diesen Plattformen können sie endlich pöbeln, ohne bestraft zu werden. Verschwörungstheoretiker aller Couleur reiben sich ebenfalls die Hände, sie haben es leichter als früher. Der "Volkszorn" kann sich im Netz austoben - und (logische Folge) immer häufiger auch auf der Straße.

Wie gut, dass wir eine repräsentative Demokratie haben, in der Funktionseliten in Parlamenten, Verwaltungen, Justiz und professionellen Medien (!!) das Rumoren und Brodeln dämpfen und populistische Exzesse domestizieren.

Ich gebe zu: Einst hielt ich die öffentlich-rechtlichen Medien für so gut wie überflüssig. Jetzt bin ich ihnen dankbar, denn sie wirken aufklärend. Aber an der Polarisierung der Gesellschaft können sie auch nichts ändern. Es geht ein Riss durchs Land.

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Freiheit für Europa 25.01.2016, 15:33
66. 1990er Jahre: rauher Ton in Newsgroups, Emails

Es könnte sich um ein ähnliches Phänomen handeln wie vor 20 Jahren, als Emails noch wirklich eher kurze, schnelle Mitteilungen waren - insbesondere auf die äußere Form maximal verzichtet wurde, während heute kaum ein Unterschied zum aufwändigen Geschäftsbrief mit Anrede und Grußformel besteht; auch in Newsgroups wurde oft maximal beleidigend diskutiert, was aber praktisch völlig OK schien, da es ein uniformer Standart war. Heutige Foren sind natürlich etwas gefiltert, aber letztlich lohnt sich doch nur eine extremere, radikalere Meinung - sonst kann man es doch gleich lassen... Aber wer facebook, google und Co. heutzutage noch nutzt, ist wirklich selber schuld.

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meroswar 25.01.2016, 15:33
67. Sehr treffende Analyse.

Die Auswirkungen dieser Radikalisierungen auf die Bevölkerung sind fast nicht abzusehen. Die Politik muss sich endlich international verständigen, um gegen die Gefahr, die von den Internetriesen ausgeht, vorzugehen. Die Menschheit kann man nicht den Algorithmen überlassen, sonst ist auch die Freiheit der Menschheit dahin.
Dass sich hier wieder Rechte tummeln, um sich über den Artikel aufzuregen, bestätigt diesen im Übrigen nur.

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Newspeak 25.01.2016, 15:35
68.

Es ist doch nicht das Netz, das Menschen radikal werden lässt. Das Netz ist lediglich ein Medium.

Es ist soziale Ungleichheit, die Menschen radikal werden lässt. Falsche Versprechungen. Bereicherung von Wenigen. Fehlende Chancen und Perspektiven. Eliten, die lügen. Fehlende Demokratie. Fehlende Teilhabe. Das kennt man seit Jahrhunderten und seit Jahrhunderten erzeugen diese Dinge radikale Gegenbewegungen. Vor 20 Jahren hätte ich gedacht, so eine Gesellschaft muß weg, heute kann ich es ins Netz schreiben, das ist der einzige Unterschied.

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altmannn 25.01.2016, 15:36
69. Schlimmer

Zitat von jaduk
Es ist ganz simpel, jeder, der derartige Videos mit falschen Zusammenhang veröffentlicht, teilt oder in Kommentaren zur Gewalt aufruft, muss in den Knast wegen Volksverhetzung. Der Rechtsstaat hat die Mittel, schaut aber nur zu. Letztlich ist den ganz Rechten ohnehin nicht mehr zu helfen und auch hier muss sich eine Demokratie wehren und nicht Meinungsfreiheit mit Volksverhetzung überall verwechseln. Jeder kann seine Meinung haben, aber wo sie stehen darf, ist etwas ganz anderes. Daher würde ich mir auch mehr Aufräumarbeiten bei Kommentarfunktionen im Web wünschen.
ist doch noch, wenn sich immer mal wieder anfängliche Verschwörungstheorien plötzlich als wahr erweisen.
Z. B. Totalüberwachung des Internets und der Telefonkommunikation, oder jetzt auch der jetzt von hochrangigen Polizeibeamten zugegebene "politisch sensible Umgang" mit Tatsachen hinsichtlich Migrantenkriminalität bestätigen dann, wenn auch nur in Einzelfällen dann die Verschwörungstheoretiker in ihrem Denken.
Man nehme dazu die Auswüchse des Nanny-Journalismus des Staatsfunkes und die freiwillige Presseselbstbeschränkung durch Codizes. Das ist natürlich sehr reichlich Wasser auf die Mühlen derer, die sich hinter die Fichte geführt wähnen und dann noch Bestätigung im Netz finden.

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