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EU-Abgeordnete Julia Reda im Interview: "Lieber keine Reform als diese"
Quelle: Julia Reda

Die einzige Abgeordnete der Piratenpartei im EU-Parlament, Julia Reda, will die Urheberrechtsreform verhindern. Im Gespräch erklärt sie ihre Kritikpunkte - und was sie nach ihrem Abschied aus der Politik vorhat.

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nanosci 22.03.2019, 09:52
1. Politik und Politiker

"Ich finde es erschreckend, wie wenig wissenschaftlicher Rat in der Politik interessiert" Das ist doch vernichtend... Ich bin sehr sehr traurig, dass Frau Reda nicht mehr antreten wird.

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Listkaefer 22.03.2019, 10:10
2. Ich weiß nicht, was daran ...

... schlimm sein soll, wenn diese seltsamen Influencer es in Zukunft nicht mehr so leicht haben werden, ihre seichten Informationen bedenkenlos im Internet zu verbreiten. Ein kultureller Verlust ist das eher nicht.

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balduinbandwurm 22.03.2019, 10:12
3. Alle reden über die Urheber...

"Die Reform ist eigentlich keine zugunsten der Urheber, sondern vor allem eine für die Rechteinhaber." Da wird so getan, als ob die Kreativen, die sich all die Filme, Serien, Bücher und Hörbücher ausdenken, sowieso nicht davon profitieren. Das ist quatsch! Die Rechteverwerter leiten ihre Einnahmen an die Urheber weiter. Sonst übertragen die Urheber ihnen diese nicht. Wer das bisher nicht getan hat, waren Plattformen wie Google, Youtube, Faceboock etc. Deren Haltung war: Wir nutzen munter Dein Material, zerstückeln es, weil wir Werbung dazwischen schneiden, und wenn es Dich stört, kannst Du es ja melden. Dann prüfen wir Deine Beschwerde und nach ein paar Wochen löschen wir dann alles. Die bis dahin erzielten einnahmen behalten wir aber... Gerecht?! Nun hat mein Film bis dahin nämlich schon 50000 Zuschauer auf einem privaten Youtube Kanal. Ein Mensch, den ich nicht kenne, der keinen Vertrag mit mir abgeschlossen hat, hat einfach mal einen Film hochgeladen, der ihm gefällt und er kassiert ab dem Moment für jeden Klick Geld! Und Youtube kassiert für die Werbung. Müsste Youtube für die Nutzung zahlen, würde der Urheber - über die Verwerter- gerecht entlohnt? Der Eigner des Kanals könnte immer noch hochladen, nur würde er nicht mehr so viel verdienen, weil Youtube einen Teil an die Verwerter abführen muss...
Warum sagt also niemand: Vor dieser Reform müssen sich nicht die kleinen Youtuber fürchten, sondern die großen Plattformen?
Oder anders: Was würden denn all die Youtube Blogger sagen, wenn das ZDF einfach ihre Shows über Mode, Schmicktipps und das Auspacken von neuen Handymodellen zur Primetime ausstrahlt, ohne einen Cent zu bezahlen?

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stolte-privat 22.03.2019, 10:20
4. @nanosci

Dieses Zitat beweist die allgemeine Befürchtung das FAKTEN nur dann akzeptiert werden, wenn sie dem jeweiligen Abgeordneten auch in seine persönliche Vorstellungswelt passen. Leider die Realität.

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doitwithsed 22.03.2019, 10:38
5.

Zitat von balduinbandwurm
Warum sagt also niemand: Vor dieser Reform müssen sich nicht die kleinen Youtuber fürchten, sondern die großen Plattformen?
Weil genau das nicht stimmt. Keiner hat was gegen gerechte Entlohnung von Urhebern. Ob da nicht zuviel Geld in den Wasserköpfen der Verwerter oder Verlage versandet, ist noch ein anderes Thema. Das Problem liegt in der Haftungsfrage, die z.B. vor allen die kleinen Themenforenbetreiber dazu zwingt, mehr oder eher weniger zuverlässige Uploadfilter zu installieren - oder ihre Platform zu schließen. Und wer hat so etwas als einzige im Angebot? Google und Co. Profitieren wird Google, vielleicht der eine oder andere Urheber mit etwas mehr Brosamen, die Verwertunggesellschaften sowieso.

Aber dafür verlieren wird die Vielfalt des Internets. Welcher Forumsbetreiber von Hobbyeisenbahnen kann sich einen Uploadfilter leisten oder will sich für die Verstöße seiner Teilnehmer in Haftung stellen lassen? Keiner. Spätestens nach der ersten Abmahn- und Prozesswelle bleiben nur noch Google und Co, die Großen Markbeherrscher, als Platformen übrig.
Ist es das wirklich wert? Ein paar Brosamen gegen die Monokulturisierung des Internets?

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demwz 22.03.2019, 10:45
6. Das liegt an der Unwissenheit

Zitat von Listkaefer
... schlimm sein soll, wenn diese seltsamen Influencer es in Zukunft nicht mehr so leicht haben werden, ihre seichten Informationen bedenkenlos im Internet zu verbreiten. Ein kultureller Verlust ist das eher nicht.
Es geht nämlich gar nicht um Influencer, denn die machen Werbung im Auftrag und sind damit abgesichert.
Treffen wird es viele kleine non- Profit Plattformen, die wohl einer Ziemlichen Klagewelle gegenüberstehen werden, denn wie kann der Betreiber eines Pilzforums sicher sein, dass alle hochgeladenen Bilder lizenziert sind

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Nia123 22.03.2019, 10:47
7.

@balduinbandwurm
Warum soll dann mit Artikel 12 (über den übrigens kaum einer Berichtet, den aber Frau Reda dankeswerterweise natürlich auch auf dem Schirm hat) ein Großteil dieser Gelder wieder beim Rechteinhaber verbleiben und nicht mehr an den Urheber ausgeschüttet werden? Haben Sie sich diese Artikel überhaupt mal angeschaut? Ist Ihnen klar, dass, wenn Artikel 13 durchgeht - so wie er ist - keinerlei Sportlivestream mehr möglich ist - läuft ja manchmal Musik im Hintergrund, für die die Übertragungsrechte vermutlich nicht eingeholt wurden. Nur mal so ein Szenario, was viele Menschen in Europa betrifft.

Die ganze Debatte geht immer vom klassichen Kulturgut aus. Inzwischen gibt es aber so viele andere Kunstformen, die es nur Dank des Internets und auch nur dort gibt.

Wir werden ja sehen, was passiert, wenn - mit Absegnen dieser unsäglichen Reform - demnächst vieles der Inhalte auf Google, in den Wikis und auf Youtube für die Europäer nicht mehr zur Verfügung stehen, weil irgendwelche Rechte nicht geklärt sind und die Plattformen für Europa lieber gar nichts mehr ausstrahlen. Für Kleinkünstler, die für sich selbst im Internet werben, ist das ganze jedenfalls eine Katastrophe. Aber ist ja egal, Hauptsache Springer und die GEMA (mit ihrem Siegel und Bohlen und wer sonst noch zu den ca. 3000 Hauptmitgliedern zählt) verdienen wieder ein wenig mehr. Die Kundschaft wird dennoch weiter wegbrechen. Die Zeit für klassische Zeitungsrenditen und altertümliche Verlags- und Musikverwertung ist einfach abgelaufen. Deshalb bräuchte es ja auch eigentlich eine vernüftige Reform.

Mit Frau Reda verliert das Europaparlament jedenfalls eine der wenigen vernüftigen Abgeordneten, die den Lobbies nicht verfallenen ist. Sehr schade. Kann man aber verstehen: Eine Promotion am MIT würde ich diesem Club an Altbackenen und Interessengesteuerten auch vorziehen.

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Nia123 22.03.2019, 10:48
8.

@balduinbandwurm
Warum soll dann mit Artikel 12 (über den übrigens kaum einer Berichtet, den aber Frau Reda dankeswerterweise natürlich auch auf dem Schirm hat) ein Großteil dieser Gelder wieder beim Rechteinhaber verbleiben und nicht mehr an den Urheber ausgeschüttet werden? Haben Sie sich diese Artikel überhaupt mal angeschaut? Ist Ihnen klar, dass, wenn Artikel 13 durchgeht - so wie er ist - keinerlei Sportlivestream mehr möglich ist - läuft ja manchmal Musik im Hintergrund, für die die Übertragungsrechte vermutlich nicht eingeholt wurden. Nur mal so ein Szenario, was viele Menschen in Europa betrifft.

Die ganze Debatte geht immer vom klassichen Kulturgut aus. Inzwischen gibt es aber so viele andere Kunstformen, die es nur Dank des Internets und auch nur dort gibt.

Wir werden ja sehen, was passiert, wenn - mit Absegnen dieser unsäglichen Reform - demnächst vieles der Inhalte auf Google, in den Wikis und auf Youtube für die Europäer nicht mehr zur Verfügung stehen, weil irgendwelche Rechte nicht geklärt sind und die Plattformen für Europa lieber gar nichts mehr ausstrahlen. Für Kleinkünstler, die für sich selbst im Internet werben, ist das ganze jedenfalls eine Katastrophe. Aber ist ja egal, Hauptsache Springer und die GEMA (mit ihrem Siegel und Bohlen und wer sonst noch zu den ca. 3000 Hauptmitgliedern zählt) verdienen wieder ein wenig mehr. Die Kundschaft wird dennoch weiter wegbrechen. Die Zeit für klassische Zeitungsrenditen und altertümliche Verlags- und Musikverwertung ist einfach abgelaufen. Deshalb bräuchte es ja auch eigentlich eine vernüftige Reform.

Mit Frau Reda verliert das Europaparlament jedenfalls eine der wenigen vernüftigen Abgeordneten, die den Lobbies nicht verfallenen ist. Sehr schade. Kann man aber verstehen: Eine Promotion am MIT würde ich diesem Club an Altbackenen und Interessengesteuerten auch vorziehen.

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derjoey 22.03.2019, 10:55
9. Influencer wird diese "Reform" nicht stören

Zitat von Listkaefer
... schlimm sein soll, wenn diese seltsamen Influencer es in Zukunft nicht mehr so leicht haben werden, ihre seichten Informationen bedenkenlos im Internet zu verbreiten. Ein kultureller Verlust ist das eher nicht.
Ohje, dieser Beitrag zeigt sehr deutlich was passiert, wenn man irgendwelche Lobbyisten-Meinungen nachplappert statt sich mit dem Thema selbst zu befassen. :-/

"Influencer" sind die mit Unmengen billigst selbst produzierten Clips, in denen sie für etwas Geld von Seiten der Werbeindustrie irgendwelche Artikel hochhalten. Diese Personen wird die "Reform" am allerwenigsten treffen, weil sie ihre Inhalte schlicht selbst erstellen. Die "Reform" ist nämlich keineswegs ein Qualitätsfilter, wie Sie zu denken scheinen, sondern wird dafür sorgen, dass der Anteil der von Ihnen verwünschten Influencer-Beiträge eher noch anteilig steigen wird. Soweit also zum Kulturerhalt.

Bei vollautomatischen Abgleichen aka Upload-Filtern kann hingegen der Autor von Qualitätsprodukten ein Problem bekommen, wenn er versuchen wird, seine Inhalte auf mehr als einer Plattform hochzuladen, weil er dann die Meldung erhalten mag, dass ein Copyright-Verstoß vorliege ("Diesen Film gibt es schon auf Vimeo, Sie haben ihn offenbar widerrechtlich kopiert. Ihr Zugang wurde geblockt, wir behalten uns weitere Rechtsmittel vor"). Das passiert selbstverständlich auch dann, wenn er nur einen Trailer als Werbung für sein Produkt hochladen möchte, viel Spaß also in Zukunft bei der Selbstvermarktung.

Diese "Reform" wird ein Knieschuss wie das desaströse Leistungsschutzrecht, wo ebenfalls Lobbyisten-Wünsche mehr wogen als Experten-Meinungen und die Befürworter am Ende zu kompletten Lachnummern wurden.

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