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EU-Urheberrecht: Lasst uns nicht auf diese Fake-Reform hereinfallen!
DPA

Stellt die EU-Urheberrechtsreform kreativ Schaffende besser? Viele glauben das - doch das Gegenteil ist wahr: Profitieren werden die großen Konzerne. Zeit, dagegen aufzustehen!

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werwil1 22.03.2019, 19:00
140. Abzocke

Weil ich für, dass was ich im Netz konsumiere ganz überwiegende direkt bezahle.
Youtube oder ähnliche Plattformen nutze ich nicht.
Warum sollte ich da eine Pauschalgebühr für nicht genutzte Dienste Zahlen?

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GoaSkin 22.03.2019, 19:04
141. die meisten Kreativen hätten keine Chance mehr, bekannt zu werden

Bei den meisten Kreativen handelt es sich eher um Leute, die semi-professionell Musik produzieren, Bilder malen oder Bücher schreiben. Wenn überhaupt, zum Nebenerwerb aber meistens verdienen Kreative ihr Geld eher anderweitig und legen für die Vermarktung ihrer Kunst sogar kräftig obendrauf. Eine Mitgliedschaft bei Verwertungsgesellschaften bringt ihnen garnichts, da sie dafür mehr drauflegen müssen, als sie wieder rausbekommen würden. Plattformen wie Soundcloud, Youtube oder Devianart sind für die meisten Kreativen ein bewährtes Mittel, um eine bescheidene Bekanntschaft zu erlangen. Durch Uploadfilter bedingt würden diese Möglichkeiten entfallen, ihre Werke unter die Leute zu bringen.

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Testtubebaby 22.03.2019, 19:22
142. Konsequenzen

Ich habe ehrlich gesagt bis jetzt nicht wirklich verstanden, wie die Reform auf Veröffentlichungen von Musik angewendet werden soll. Muß ich einen Verwerter dazwischenschalten, wenn ich ein neues Stück auch ohne kommerzielle Interessen veröffentlichen will? Wenn ich einen Nachweis erbringen muß, daß das Stück von mir stammt, bleibt mir in Deutschland nur die GEMA-Mitgliedschaft und die Registrierung jedes einzelnen Titels in der GEMA-Datenbank. Erst mit dieser GEMA-Registrierung kann ich überhaupt einen Verwerter beauftragen. Bedeutet also, die bisherige Kette Urheber-Plattform (Veröffentlichung über Creative Commons-Lizenz) ändert sich in Urheber-GEMA-Verwerter-Plattform. Das wäre natürlich bei nicht kommerziell orientierten Uploads ein erhebliches bürokratisches Hindernis, nachdem ich genau deshalb vor Jahren aus der GEMA ausgetreten bin. Wäre toll, wenn jemand meine Interpretation bestätigen könnte, der mehr Ahnung von der Materie hat.

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GoaSkin 22.03.2019, 19:23
143. @Maximilianmann

Dir ist aber schon klar, dass du nicht die Ansichten aller Künstler vertrittst? Wir haben selbst unsere Musikveröffentlichungen und können uns mit diesen Thesen überhaupt nicht identifizieren. Zu dem würden wir niemals auf die Idee kommen, in die GEMA eintreten zu wollen, wofür wir - wie die meisten anderen - ohnehin mehr drauflegen müssten, als das uns bringen würde und uns zugleich die Möglichkeiten verbauen würde, unsere Werke im Netz präsentieren zu können, ohne für unsere eigenen Sachen selbst erstmal GEMA-Gebühren zahlen zu müssen. Für uns ist es wichtig, dass wir unsere Werke im Netz präsentieren können, ohne dass uns dabei Upload-Filter einen Strich durch die Rechnung machen. Uns ist es auch völlig egal, ob die Leute unser Zeug kostenlos downloaden. Bei den ganzen Bezahldiensten sind wir ohnehin nur präsent, weil man an manche Leute über Soundcloud, Bandcamp und Co. nicht herankommt, aber nicht wirklich, weil wir uns davon irgendwelche Profite erwarten. Und physische Tonträger bekommt man eher unter die Leute, wenn sie es im Netz schon einmal gehört haben. Die Urheberrechtsreform nutzt eher den in den Mainstream-Medien präsenten Chartkünstlern und wird von Leuten befürwortet, die ernsthaft glauben, einestages von ihrer Kunst einmal leben zu können. Doch das macht die Reform auch nicht wahrscheinlicher. Sie versperrt eher Zugänge zum potenziellen Publikum.

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ritchi 22.03.2019, 23:51
144. Wer gewinnt?

Zitat von Maximalmann
Da bin ich aber komplett anderer Meinung, Lobo: im Zuge der aktuellen Diskussion um die Reform des EU-Urheberrechts möchte ich Ihnen als einer der betroffenen Urheber kurz meine Argumente nennen, warum die Verabschiedung der EU-Urheberrechtsreform in der geplanten Form wichtig und richtig ist. Ich bin seit vielen Jahren als Komponist tätig und finde meine Werke immer wieder in sämtlichen Kanälen und Netzwerken, ohne dass ich irgendwelche Vergütungen dafür bekäme. Die GEMA, sofern sie überhaupt Verträge mit den Plattformen hat, überweist mir nur Beträge in Mikrocent. Ich muss etwas hilflos und auch wütend zusehen, wie Google derzeit mit seiner (geschickten) Kommunikationsstrategie des angekündigten Einsatzes von sogenannten „Uploadfiltern“ anscheinend Erfolg hat, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, nur um weiter sein (illegales) Geschäftsmodell zu schützen. Es gäbe nämlich durchaus auch andere Möglichkeiten, Verletzungen des Urheberrechts künftig festzustellen. Diese sind Google u.a. natürlich zu personalintensiv und damit zu teuer. Die absolute Unverschämtheit war die Kampagne, dass YouTube wegen der Urheberrechtsreform nun eventuell „abgeschaltet“ werden müsste. Artikel wie kürzlich in Focus-Online, „Droht das Ende von Youtube, Facebook und Co? Datenschützer warnen vor Upload-Filter“ und nun bei Euch zeigen mir einmal wieder, wie mittlerweile in dieser Diskussion Tatsachen in den Medien verdreht werden. Ein Datenschutzbeauftragter sollte sich eher um die Daten und Dateien der Urheber kümmern. Das häufig zitierte Beispiel eines Fehleinsatzes von Upload-Filtern halt ich für sehr konstruiert. Wenn man die sogenannten "Upload-Filter" (ein tendenziöser Begriff, der bewusst von Google und Co in die Debatte geworfen wurde und so nicht in Artikel 13 erwähnt wird) durch geschultes Personal, das zumindest grobe Urheberrechtsverstöße aufdecken sollte, ersetzt, würden solche genannten konstruierten Vorfälle gar nicht auftreten. Aber das ist Google und Co, wie oben schon gesagt, natürlich zu teuer und schmälert deren bisherigen Milliarden-Umsatz auf Kosten der Urheber. Der Schutz der Werke von Künstlern und Kreativen sollte besonders den „Datenschützern" wichtiger sein als die offensichtliche Kampagne von Facebook, YouTube und anderer, dass angeblich die Meinungsfreiheit und sogar Demokratie in Gefahr sei. Google und Co wollen nur ihre Einnahmen weiter maximieren und spannen die YouTuber und ihre Nutzer dafür offensichtlich vor ihren Karren. Denn eigentlich ist es die FAAG-Gruppe (Facebook, Apple, Amazon und Google), die die Demokratie weltweit in Gefahr bringt und weniger die sogenannten Upload-Filter.
Lieber Maximalmann,
ich kann die Probleme, die sie mit Urheberrechtsverletzung haben, nachvollziehen. Aber glauben Sie wirklich, dass sich mit dem geplanten neuen Gesetz etwas für Sie ändern wird? Schauen Sie mal in den Gesetzestext, aus ihrer Situation heraus wird sich für Sie keine Verbesserung ergeben. Warum? Das erklärt Lobo ziemlich gut.

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feuertraum 23.03.2019, 22:37
145.

@Schienbeinschoner (und anderen Artikel 13-Befürworter):

Angenommen, Sie und ich würden in unseren Autos durch eine Stadt fahren. Ebenfalls angenommen, ich führe gerade auf einer Straße und nähere mich mit schnellem Tempo einer Ampel, die ein wunderschönes Rot zeigt, während Sie sich einer Ampel nähern, die das grüne Lichtlein zeigt.
Gehen wir weiters davon aus, dass ich über die rote Ampel fahre (ob absichtlich oder weil ich es übersehe sei jetzt einmal dahingestellt), was zur Folge hat, dass ich in Ihren Wagen reinfahre.
Wer hat Schuld?
Richtig: Ich, ich habe mich schließlich nicht an die STVO gehalten.
Angenommen aber, die EU beschließt ein Gesetz, in der Städte dazu verpflichtet werden, eine Technik einzubauen, die sofort einen Motor lahmlegt und einen Wagen ebenfalls sofort zum Stehen bringt.
Angenommen, diese Technik versagt, ich übersehe die rote Ampel und ich knutsche wieder Ihr Fahrzeug. Wer hat Schuld? Richtig: Die Stadt, schließlich ist sie ja dazu verpflichtet, gegen Autounfälle gewappnet zu sein.

Nun kann es durchaus sein, dass große Städte sich tatsächlich eine solche Technik leisten können, aber ein 700-Seelen-Dorf kann das nicht. Muss es aber, weil es ja Gesetz ist. Diese Dörfer müssten dann schließen, die Einwohner umziehen, sozusagen zur Geisterstadt mutieren.

Und genau das kann mit Foren passieren, wenn Artikel 13 (11 und 12 dabei nicht vergessen) so wie er derzeit geplant ist durchgewunken wird.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Etwas Kreatives zu erschaffen ist harte Arbeit, und diese sollte auch honoriert werden, sei es durch fragen, ob man dieses nutzen darf oder auch in bare Münze. Keine Frage, da bin ich bei Ihnen (und allen anderen Kreativen, zu denen ich mich übrigens auch zähle).
Ich habe nur ein Problem damit (ein sehr großes sogar, da will ich ehrlich sein), dass ich dafür zur Rechenschaft gezogen werden soll, wenn jemand meiner User im Forum (oder meiner beiden sozialen Netzwerke, die ich aufbauen will) ein Bild postet, an dem er keinerlei Rechte hat. Oder einen Text. Oder eine Audiodatei.
Und wenn Artikel 13 durchkommt, dann habe ich 3 Möglichkeiten:

1) Ich bezahle Lizenzen (Summe unbekannt) dafür, dass jemand eventuell mal ein Bild/Text/Audio auf meinen Webspace lädt. Übrigens will ich darauf hinweisen, dass sowohl Forum als auch die Netzwerke keinerlei Einnahmen generieren werden (was sie dann aber eventuell müssten, was ich aber nicht will)

2) Ich muss mich von einem der großen Anbieter wie Google oder facebook in deren Uploadfilter einkaufen (Summe ebenfalls unbekannt). Und das für eine Software, die noch nicht mal 100%ig arbeitet. (Sie glauben doch nicht wirklich, dass CDU/CSU und CNetz ihren Kompromiss auf immer und ewiglich aufrecht erhalten?)

3) Ich muss alles schließen. Und viele andere Foren unter Umständen auch. Womit das Internet um ein Vielfaches ärmer wird.
Urheberrecht: Ja!
Künstler und Kreative fair bezahlen: Ja!
Und das alles auf Kosten derer, die nur einen Platz bieten wollen zum Austausch, zum Wissen, zur Vielfalt: Nein!

Darum gegen Artikel 13 - in seiner jetzigen Form.

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jjcamera 24.03.2019, 09:07
146.

Zitat von GoaSkin
Dir ist aber schon klar, dass du nicht die Ansichten aller Künstler vertrittst? Wir haben selbst unsere Musikveröffentlichungen und können uns mit diesen Thesen überhaupt nicht identifizieren. Zu dem würden wir niemals auf die Idee kommen, in die GEMA eintreten zu wollen, wofür wir - wie die meisten anderen - ohnehin mehr drauflegen müssten, als das uns bringen würde und uns zugleich die Möglichkeiten verbauen würde, unsere Werke im Netz präsentieren zu können, ohne für unsere eigenen Sachen selbst erstmal GEMA-Gebühren zahlen zu müssen. Für uns ist es wichtig, dass wir unsere Werke im Netz präsentieren können, ohne dass uns dabei Upload-Filter einen Strich durch die Rechnung machen. Uns ist es auch völlig egal, ob die Leute unser Zeug kostenlos downloaden. Bei den ganzen Bezahldiensten sind wir ohnehin nur präsent, weil man an manche Leute über Soundcloud, Bandcamp und Co. nicht herankommt, aber nicht wirklich, weil wir uns davon irgendwelche Profite erwarten. Und physische Tonträger bekommt man eher unter die Leute, wenn sie es im Netz schon einmal gehört haben. Die Urheberrechtsreform nutzt eher den in den Mainstream-Medien präsenten Chartkünstlern und wird von Leuten befürwortet, die ernsthaft glauben, einestages von ihrer Kunst einmal leben zu können. Doch das macht die Reform auch nicht wahrscheinlicher. Sie versperrt eher Zugänge zum potenziellen Publikum.
Sie betreiben die Musik offenbar als Hobby und sehen die GEMA als eine Art geldgierige Blockadeeinrichtung für Kreative, die keine Profite erwarten. Es gibt aber zahlreiche Menschen (nicht nur Chartkünstler), die mittels ihrer Kreativität die Miete bezahlen und ihre Familie ernähren müssen. Die Verwertungsgesellschaften schütten mehr als 90 Prozent ihrer Einnahmen wieder an die Urheber aus. Der Rest geht in die Verwaltung und Erfassung von Aufführungen. Das ist fair und angemessen.
Das Urheberrecht und seine Umsetzung ist viel zu komplex und vielschichtig, als dass man darüber "auf der Straße" mit Fähnchen debattieren sollte.

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jocmet67 24.03.2019, 10:47
147. Gewerkschaft

Eine Gewerkschaft als Interessensvertretung würde was bringen, wenn die ach so armen Kreativen sich nicht bei der erstbesten Gelegenheit gegenseitig in den Rücken fallen würden.

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killhill 24.03.2019, 16:21
148. Fehler im Podcast

Etwas schade finde, dass Herr Lobo im Podcast sagt, das die GEMA lange YouTube zum Sperren gezwungen habe. Das stimmt so nicht. YouTube wollte nicht zahlen (ob zu Recht oder nicht sei mal an der Stelle dahingestellt), und hat die Title lange selbst vorsorglich gesperrt. Es gab ja sogar zu den “Sperrtafeln” eine rechtliche Auseinandersetzung, in welcher der GEMA Recht zugesprochen hat.

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tok1 25.03.2019, 19:20
149. Kein Lügner?

Lobo schwadroniert über Verwerter, Verwerterindustrie und Verwerterlobbys und reiht dann die Gema nahtlos unter letzteren ein: "Ein Aufsichtsrat der Gema erklärte öffentlich, ich sei ein 'verdammter Lügner' und entweder 'dumm' oder 'gekauft'". Weiß Lobo nicht, daß die Gema kein Verwerter ist, sondern die Vertretung und Ikassobeauftragte der Urheber? Falls er es wirklich nicht weiß, wäre dies recht sachlich als "dumm" zu werten. Erweckt er den falschen Eindruck absichtlich, träfe "Lügner" zu. "Gekauft" ist natürlich eine böswillige Vermutung.

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