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Europäischer Polizeikongress: Wie die Polizei mit Algorithmen experimentiert
DPA

Der Hype um Künstliche Intelligenz ist auch in der Polizeiarbeit groß: Viele Sicherheitsbehörden testen bereits Automatisierung und Prognosewerkzeuge. Doch viele Fragen sind ungeklärt.

spigalli 20.02.2019, 20:09
1. so schnell kann es gehen.

vor 2010: Helmut Bäumler: „Die einzelne Videokamera mag für sich gesehen sinnvoll und nützlich sein. Aber viele aneinander gereihte sinnvolle und nützliche Videokameras können gleichwohl freiheitsgefährdend sein.“ [Wikipedia]
2019: Striehhörtser: "Wir haben genug Überwachungskameras." [spiegel.de]

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spmc-12355639674612 20.02.2019, 20:30
2. Keine Nadel im Heuhaufen

Wir suchen ja keine Nadel im Heuhaufen, sondern eine etwas längere Nadel in einem großen Haufen unterschiedlich langer Nadeln. Ich kann die Schwelle entweder so einstellen, dass ich die "längere Nadel" mit höherer Wahrscheinlichkeit finde, womit auch die Wahrscheinlichkeit steigt, die "falschen Nadeln" zu finden, oder ich kann die Erkennungsschwelle so einstellen, dass ich möglichst wenige Fehlalarme erzeuge, womit jedoch die Wahrscheinlichkeit steigt, die "richtige Nadel" gar nicht zu finden.

Wer sich mit Personenerkennung beschäftigt, weiß, dass man - als Mensch - andere Menschen von weitem an der Art erkennt, wie sie sich bewegen, ohne dass man - als Mensch - dazu eine Gesichtserkennung benötigt. Leider stecken automatisierte Verfahren, die sich dieser Erkenntnis bedienen, noch in den Kinderschuhen. Ob sie bei großen Menschenmengen zuverlässig funktionieren würden, kann man nicht sagen.

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T. Wittlinger 20.02.2019, 21:08
3. Stochastik, ein weites Feld, für viele Kriminologen ein zu weites?

In Betrachtung des Artikels, stellt sich mir die Frage warum die folgende Pressemitteilung aus: >Unstatistiken< nicht bis in die Amtstuben der Entscheider vorgedrungen ist?
"Erfolgreiche" Gesichtserkennung mit Hunderttausenden Fehlalarmen (Prof. Dr. Gerd Gigerenzer Okt. 2918)
http://en.rwi-essen.de/media/content/pages/presse/downloads/181030_unstatistik_oktober.pdf
Gibt es bei den wissenschaftlichen Zuarbeitern, in den Innenministerien und den Polizeidirektionen, keine Mathematiker die >false positive< erläutern können?
Wer falsch rechnet, den bestrafen das Leben oder die Mathematiker, die nachrechnen aktuell z.B.
>Dirty Data, Bad Predictions: How Civil Rights Violations Impact Police Data, Predictive Policing Systems, and Justice<
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3333423
Vieleicht knüpft sich SPON mal das Thema >Risikokompetenz< ausführlich vor ;-)

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mantrid 21.02.2019, 09:14
4. Wahrscheinlichketien statt Wahrheit?

Algorithmen berechnen nur Wahrscheinlichkeiten, erfassen aber eben nicht die Wahrheit. Gefährlich wird es, wenn dieser Unterschied nicht erfasst wird. Wollen wir Urteile auf Basis von Wahrscheinlichkeiten statt von Beweisen? KI kann Polizeiarbeit unterstützen, Digitalisierung mühevoller Kleinarbeit vereinfachen, als Helfer fungieren. Mehr aber auch nicht! Noch gefährlicher wird es, wenn Politk sich auf Wahrscheinlichkeiten verlässt. Der Film "Minority Report" greift das exxellent auf.

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