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Fake News: Innenministerium will Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen einrichten
REUTERS

In der Debatte über Falschmeldungen im Internet prescht das Innenministerium vor: Nach SPIEGEL-Informationen will man eine Einrichtung im Kanzleramt aufbauen, die Desinformationen-Kampagnen bekämpft.

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m a x l i 24.12.2016, 16:52
90.

Zitat von mhinrichs
Ich hab mit Religion nichts am Hut. Aber erbringen Sie mal den Nachweis, dass Jesus nicht gelebt hat oder nicht Gottes Sohn war. "Nachweislich falsch" ist der springende Punkt.
Gut erkannt! Dass irgendein Jesus Soundso nicht gelebt hat, kann ich natürlich nicht beweisen. Aber man kann tatsächlich beweisen, dass mit Religionsfreiheit falsche Behauptungen unter Schutz gestellt sind, und das geht so: Nehmen sie zwei beliebige Religionen A und B. Dann sagt Religion A: Unsere Religion ist die Wahrheit. Religion B ist die Unwahrheit. Und Religion B (Sie ahnen es bestimmt schon) sagt: Unsere Religion ist die Wahrheit. Religion A ist die Unwahrheit.

Nach den Gesetzen der Logik muss mindestens eine der beiden Aussagen falsch sein. Da aber A und B beide durch die garantierte Religionsfreiheit geschützt sind, schützt die Religionsfreiheit mindestens eine unwahre Aussage.

Dann wären da noch naturwissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. über das Alter der Erde und Vieles mehr, die beweisen, dass alle Religionen falsche Aussagen machen. Aber ich wollte mal zeigen, dass man auch bei völligem Verzicht auf diese Erkenntnisse zeigen kann, dass Religionsfreiheit falsche Aussagen unter Schutz stellt.

Interessant wird es auch, wenn man darüber nachdenkt, dass der zum Artikel abgebildetes Minister einer C-Partei angehört. Wir wissen: Das C steht für eine Religion. Mit der prominenten Stellung des Cs im Parteinamen sollte man durchaus mal darüber diskutieren, ob das bedeutet, dass die Unwahrheit quasi Parteiprogramm ist. Läuft das angedachte "Wahrheitsministerium" also darauf hinaus, dass jemand, für den die Unwahrheit quasi Programm ist, zum Entscheider darüber, was Wahrheit und was Lüge ist, werden könnte?

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shotaro_kaneda 24.12.2016, 17:04
91.

Wie schon erwähnt, wer definiert was falsch und was richtig ist? Die Regierung? Auch bin ich irritiert von der Schnelligkeit der Umsetzung. Dieses Wahrheitsministerium soll ja schon vor der Wahl 2017 geschaffen werden. Angeblich damit die Wahl durch Falschmeldungen nicht beeinflusst wird. Oder eher doch um regierungskritische Meinungen zu verbieten und unter Strafe zu stellen? Die düstersten Dystopien werden wahr. Wo bleibt der Aufschrei und der Protest der Medien? Fakenews kann man am besten durch Bildung bekämpfen. Aber daran ist die Regierung Merkel ja nicht interessiert. Die möchte nur dummes, konsumfreudiges Wahlvolk. Auch macht es mir Angst, wie immer mehr das Feindbild Russland aufgebaut wird. Will Frau Merkel da irgendwann einmarschieren? Das hatten wir schon mal und ging gründlich in die Hose. Wie meine Großmutter schon sagte, die seinerzeit aus den Ostgebieten flüchten musste: Legt euch nie mit dem Russen an.

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mhinrichs 25.12.2016, 00:27
92.

Zitat von m a x l i
Aber man kann tatsächlich beweisen, dass mit Religionsfreiheit falsche Behauptungen unter Schutz gestellt sind, und das geht so: Nehmen sie zwei beliebige Religionen A und B. Dann sagt Religion A: Unsere Religion ist die Wahrheit. Religion B ist die Unwahrheit. Und Religion B (Sie ahnen es bestimmt schon) sagt: Unsere Religion ist die Wahrheit. Religion A ist die Unwahrheit. Nach den Gesetzen der Logik muss mindestens eine der beiden Aussagen falsch sein. Da aber A und B beide durch die garantierte Religionsfreiheit geschützt sind, schützt die Religionsfreiheit mindestens eine unwahre Aussage.
Nicht alles, was wie eine Tatsachenbehauptung aussieht oder gar so gemeint ist, ist auch wirklich eine Tatsachenbehauptung.

Für mich ist "Unsere Religion ist die Wahrheit. Andere Religionen sind die Unwahrheit" eine Meinung und keine Tatsachenbehauptung. Auch wenn sie zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht als Meinung erkennbar ist.

Da ich - wie bereits oben erwähnt - mit Religion nichts am Hut hab, begebe ich mich ein paar Ebenen weiter nach unten:

"Das Wetter ist schlecht" - das klingt nach Tatsachenbehauptung. Überprüfen lässt sich diese Aussage vermeintlich auch. Einfach mal aus dem Fenster schauen. Wenns dort regnet, dann scheint der Beweis für diese Aussage erbracht. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, es fehlt der Kontext. - Ich habe einige Jahre eine Kinder- bzw. Jugendfußballmannschaft trainiert. Mit Regenwetter kamen die Kids gut klar. Ganz im Gegensatz zu anderen Mannschaften. In diesem winzig kleinen Kosmos (meine Mannschaft, nur am Spielort, nur während der Spielzeit) ist Regenwetter gutes Wetter. 5 Meter außerhalb des Spielfeldes, also da wo die Eltern stehen, sieht man das schon wieder deutlich anders.

Oder mal unabhängig von meinen persönlichen Vorlieben, folgendes Szenario: Mitte Januar, es hat die letzten Tage ordenlich geschneit. Aktuell fallen weiter Schneeflocken vom Himmel.

Möchte ich mit meinen Kids im Park Schlitten fahren, geht das super. > "Das Wetter ist gut!"
Möchte ich im Auto von A nach B, habe ich mit matschigen Straßen und schlechter Sicht zu kämpfen. > "Das Wetter ist schlecht!"

Auch da haben wir zwei sich total widersprechende Aussagen. Trotzdem können beide richtig sein. Es kommt halt immer auf die persönliche Sichtweise an. Daran erkennt man, dass man es mit Meinungen zu tun hat und nicht mit Tatsachenbehauptungen.

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Das mit den Wissenschaften ist auch so eine Sache. Ich kann eine Banane nehmen und beweisen, dass diese Banane gelb ist. Damit habe ich aber noch nicht bewiesen, dass es nirgends auf der Welt lila Bananen gibt oder (und da gehts in Richtung Religion) dass es niemals lila Bananen gegeben hat. (Ob dieses Beispiel jetzt auf alle religiösen Geschichten anzuwenden ist, weiß ich nicht. Ich kenne kaum eine.)

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mhinrichs 25.12.2016, 01:09
93.

Zitat von shotaro_kaneda
Wie schon erwähnt, wer definiert was falsch und was richtig ist? Die Regierung? (...) Oder eher doch um regierungskritische Meinungen zu verbieten und unter Strafe zu stellen? Die düstersten Dystopien werden wahr. Wo bleibt der Aufschrei und der Protest der Medien? Fakenews kann man am besten durch Bildung bekämpfen. Aber daran ist die Regierung Merkel ja nicht interessiert. Die möchte nur dummes, konsumfreudiges Wahlvolk. (...)
Es muss nicht definiert werden, was falsch ist und was richtig ist. Auch der hier im Forum häufig erwähnte Begriff "entscheiden" geht in die völlig falsche Richtung. Es geht hier nur um Meldungen, bei denen eindeutig bewiesen werden kann, dass sie falsch sind. Völlig ohne Berücksichtigung von persönlichen oder parteipolitischen Interessen.

Aktuelles Beispiel: Gestern ist mir in den sozialen Medien ein Bild begegnet auf dem mehrere Politiker der Grünen mit roten Händen abgebildet waren. Text dazu "Führende Politiker der Grünen feiern mit mit der Aktion 'blutige Hände' ihre Mitschuld am Berliner Anschlag"

In Wahrheit zeigt das Bild die Grünen bei der Aktion "Rote Hand", die gegen den Einsatz von Kindersoldaten engagiert. Die Bilder sind auch schon etwas älter. > Meldung ist bewiesenermaßen falsch. Kann also weg. Ersteller solcher Meldungen dürfen auch gerne bestraft werden.

Anders würde das schon aussehen, wenn Foto und Text etwas anders wären. Also neutrales Foto (Grüne ohne die roten Hände) und "Führende Politiker der Grünen freuen sich über ihre Mitschuld am Berliner Anschlag" > Einen Wahlkampf auf so einem Niveau möchte ich nicht erleben, dennoch sollte das Fakenews-Abwehrzentrum die Finger von dieser Meldung lassen. Es kann kein eindeutiger Beweis erbracht werden, dass diese Meldung falsch ist. Ob sie in dieser Form noch von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, würde ich mal anzweifeln. Eventuell ist es sogar strafrechtlich relevant. Aber das haben dann weder ich noch das Abwehrzentrum zu entscheiden. Das muss ein Richter entscheiden. In diesem Fall müsste die betroffene Partei also selber tätig werden.

Zweifelsfrei zu einer "regierungskritischen Meinung" wird dieses Beispiel erst, wenn die dazugehörige Meldung "Die Grünen tragen Mitverantwortung am Berliner Anschlag" lautet.

(Achtung: Ich setz mich hier nicht speziell für die Grünen ein. Im aktuellsten mir bekannten Beispiel gehts halt um die. Einfach die Grünen durch die persönlich bevorzugte Partei ersetzen und die oberen Absätze nochmal lesen.)

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shotaro_kaneda 25.12.2016, 15:46
94.

Ich glaub schon, dass die Bundesregierung dann Einfluss darauf hat, was falsch und was richtig ist. Dieses "Wahrheitsministerium" soll ja innerhalb des Bundespresseamtes eingerichtet werden, welches dem Bundeskanzleramt untersteht. Es werden dann Dienstanweisungen vorgegeben, nach was zu suchen und was zu bekämpfen ist. Dabei spielt kein Richter eine Rolle. Mich würde ja auch interessieren, ob dann komplett missliebige Internetseiten gesperrt werden können. Ich hoffe nur, dass die ganze Sache, wie üblich, vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird und das wieder in einen extrem kostspielig gescheiterten Experiment der Regierung endet. Zum Thema soziale Medien: Niemand sollte dort Nachrichten beziehen und wenn, dann unabhängige Berichte gegenprüfen. Das weiß eigentlich jeder. Außerdem könnte man sich bei Fakenews immer auf die Satire berufen. Oder glauben Sie alles in der Heute-Show? Anderes Bsp: Schon allein bei der Leugnung des Klimawandels wird es schwierig. Konsens ist: er existiert und ist menschengemacht. Es gibt aber auch ein paar Fakten, die dagegen sprechen und einige Professoren, die das anders sehen. Was ist dann Fake? Allgemein, alles was auf Statistiken beruht und kein Naturgesetz ist, ist auch anfechtbar. (siehe Arbeitslosenquote, Armutsbericht, Kriminalität usw.)

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Hans Neumann 25.12.2016, 16:16
95.

Ich verstehe die logische Ableitung von Trump bzw. der US-Präsidentenwahl nicht. - Soweit ich mich erinnere, hatten >90% der Medien ins Horn von Hilary Clinton getutet, und zwar absolut nicht immer die Wahrheit? Sollten jetzt bei den verbliebenen 10% die Hälfe fake-News sein, dann wären die resultierenden 5% unter normalen Bedingungen einer Demokratie dem mündigen Bürger (und Politiker und Journalisten) durchaus zuzumuten. Das trainiert den kritischen Geist und den wachen Verstand.
Wollen wir wirklich nur eine sozialistische Einheitspresse? Kommen wir so der Wahrheit wirklich näher?

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ProDe 28.12.2016, 13:54
96. Einheitspresse

Zitat von Hans Neumann
I Wollen wir wirklich nur eine sozialistische Einheitspresse? Kommen wir so der Wahrheit wirklich näher?
wäre wenigstens mal eine Abwechslung zu der vorherrschenden neoliberalen - Atlantik Presse, die wir derzeit haben.

Aber im Ernst - was wir wieder benötigen sind unabhängige Journalisten. Das ist - zumindest in Deutschland - derzeit nicht mehr möglich da die Medien in einem Oligopol aufgeteilt sind und der Wettbewerb keine Zeit für Recherche lässt.

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