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Fall Deniz Yücel: Deutschlands Integrationsproblem in drei Tweets
DPA

Die Debatte um den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel zeigt: Türkischstämmige Deutsche gehören für viele irgendwie immer noch nicht dazu. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber.

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agua 01.03.2017, 17:17
10.

Es ist in den Diskussionen zum Thema(auch bei Frau stockowskis gestriger Kolumne) erkennbar, dass es Foristen gibt, die wegen der Rede- und Meinungsfreiheit, einen Auftritt Erdogans befürworten und ebenfalls der Meinung sind, dass yücel zu Recht im Gefängnis sitzt, oder Schreiben, der Vorfall wäre Aufgabe der türkischen Rechtssprechung.Für mich beinhaltet solche Argumentation einen Widerspruch.

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KarloFilipovic 01.03.2017, 17:21
11. Integration

Mit der "Integration" ist es so eine Sache. Was bedeutet dieser Begriff? Wann ist man integriert? Wann assimiliert? Und ist es denn nicht egal? Ich habe selbst Eltern mit Migrationshintergrund. Ich habe diese Gespräche oft. Vor allem weil ich atheistischer anti-Nationalist bin. Ich habe mich nie um den deutschen Pass bemüht, weil er mir egal ist. Mir ist Nationalität egal und damit bin ich wohl deutscher, als viele Deutsche. Ich denke wir müssen Werte definieren, akzeptieren was wir nicht verändern können und verändern, was wir nicht akzeptieren können. So lange das alles so verschwommen dargestellt wird, braucht man sich nicht wundern, dass Integration nicht "klappt". Es gibt keine Zielsetzung. Kein Ideal zu dem man streben könnte. Deswegen geht es den Populisten so gut. Sie haben schwachmatische Ideale, aber die sind zumindest nachvollziehbar mit einem IQ von 90-100. Klar, dass man damit dann eine gute Masse gewinnt. Wir müssen Toleranz abbauen und durch Ideale ersetzen. Toleranz ist im Bau das was man einplant, weil etwas nicht so gut werden kann, wie es sein sollte und für mich das gesellschaftliche Unwort schlechthin. Kann man denn Intoleranz tolerieren? Nein. Wir müssen, am besten Weltbürgerische (oder zumindest Europäische) Werte definieren zu denen man streben kann, oder es lassen kann und dann dorthin gehen muss, wo es besser passt. Solange wir für jeden passen wollen, passen wir für niemanden und der "Ausländer" in 10. Generation wird sich immer noch nicht als Teil von "uns" fühlen, weil er von seinem "Zuhause" ein romantisiertes Idealbild mit sich rum trägt, das nicht ersetzt wird, durch ein neues, besseres; Den Grund, warum er denn nicht mehr dort ist, wo er war, sondern hier. Ja, das mag erst mal eine höhere Überwindung kosten her zu kommen, aber man hat dann den Grund mehr an etwas größerem beteiligt zu sein. Es ist nicht mehr der Traum hier genug Geld zu verdienen, um sich in der "Heimat" einen Ruhestand finanzieren zu können. Die alte Heimat wird durch die neue ersetzt, weil sie besser ist und mehr den eigenen Werten entspricht. Der Begriff Heimat muss kathegorisch vom Begriff der Nation und Herkunft gelöst werden. Heimat ist jetzt, Heimat ist, wo man sich daheim fühlt, nicht wo der Uropa mal die Uroma geschwängert hat. Das hat nichts mit einer persönlichen Entscheidung zu tun und sollte absolut irrelevant sein. Was deren Gesellschaft an Werten hatte, lebt über die Erziehung der Eltern in einem weiter. Es war bei ihnen schon gefiltert durch den Fortschritt, bei einem selbst ist es noch mehr gefiltert und bei den Kindern ist es fast weg. Das ist ok, wäre es überlebenswert, hätte es überlebt. Naja langer Text und um es dem Autor des Artikels gleich zu tun tl:dr Werte definieren, Ideale schaffen, Heimat sein.

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Shelly 01.03.2017, 17:24
12. Naja, sehr deutschfreundlich war Yücel noch nie

und ja, man darf Deutschland und Deutsche kritisieren, aber er hat das immer aus seinem Wesen als Türke getan und nie aus seinem Wesen als dazugehöriger Deutscher.
Nun hat er zwei Pässe und ist als türkischer Staatsangehöriger in der Türkei nach geltenden türkischen Gesetzen (mögen sie demokratisch sein oder nich, das ist hier nicht die Frage) inhaftiert.
Und jetzt soll mir doch bitte mal ein Staatsrechtler erklären, wie ihm die deutsche Regierung mitsamt seinem deutschen Pass helfen soll.
Ich denke, das ist nicht möglich, die deutsche Regierung kann kritisieren, reden, Botschafter einbestellen, Schriftstücke verfassen - aber soviel Handhabe wie bei einem Deutschen mit einem (also 1) Pass hat die deutsche Regierung hier nicht (und bei einem deutschen Staatsbürger hätte unsere Regierung auch nicht viel Einflussmöglichkeit).
Das ist auch ein Grund, warum ich gegen doppelte Staatsbürgerschaft bin.

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wahrscheinlichwahr3 01.03.2017, 17:24
13. Deutschsein

Deutschsein heißt von Deutschen abzustammen oder sich zu der deutschen Nation und Kultur mit ganzem Herzen zu bekennen (kein exklusives oder). Außerdem teile ich die Auffassung nicht, dass man von Deutschtürken oder ähnlichem reden sollte. Ist man nun deutsch oder türkisch? Man kann sich nicht zu beiden Ländern gleichermaßen bekennen. Und ich sehe bei den "Deutschtürken" aktuell weitestgehend tiefe Verbundenheit mit der Türkei und nicht Deutschland. Wenn sie sich in Deutschland integrieren wollen, müssen sie diese Haltung ablegen. Deshalb man auch konsequent keine doppelte Staatsbürgerschaft erlauben.

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Atheist_Crusader 01.03.2017, 17:24
14.

"Da spiegelt sich eine Extremform des größten Integrationsproblems: Noch immer, während demnächst die vierte Generation türkischer Einwanderer aufwächst, gehören türkischstämmige Deutsche irgendwie nicht dazu."

Also ich kenne viele Türken(Türkischstämmige die sich als Deutsche sehen, oder Europäer oder Weltbürger. Die sprechen aber auch gutes Deutsch, schauen deutsche (oder englische) Medien, nehmen Religion nicht allzu wichtig, haben ein Mindestmaß an Bildung, deutsche Freunde und so weiter. Zum Urlaub fahren die nach Italien oder USA, Indien oder Japan. Und wenn ich mich mit denen über Politik unterhalte, dann vertreten sie unterschiedliche Standpunkte. Manche sind konservativ, manche liberal, manche grün und so weiter.

Ich kenne aber auch leider genug, für die Türkischsein eine Frage des Stolzes ist. Die die schlechtes und/oder schwer akzentbeladenes Deutsch sprechen, die sich nur mit Türken umgeben, schlecht gebildet sind, im Grunde jeder Religion außer dem Islam die Existenzberechtigung absprechen, nur türkische Zeitungen lesen, Türkisches Fernsehen schauen und im Urlaub nur in die Türkei fahren. Wenn ich mich mit denen über Politik unterhalte, dann ist die Türkei grundsätzlich super, Deutschland rassistisch und Israel die Inkarnation alles Bösen.

Würde man diese Gruppen getrennt sehen, dann würde ich der ersten Gruppe sagen dass es echt traurig ist, dass man sie immer noch nicht voll akzeptiert. Aber auch, dass sie sich dafür nicht bloß bei AfD und Konsorten sondern vor allem bei der zweiten Gruppe bedanken dürfen.

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uzsjgb 01.03.2017, 17:24
15.

Zitat von jumbing
Wenn jemand wie Herr D. Yücel in einem Artikel der TAZ im Jahre 2011 einen für Deutschland und seine Bürger wenig schmeichelhaften Artikel mit dem Satz abschließt " Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal", dann muß der Wille zur Integration doch stark bezweifelt werden. Sein Aufenthalt in einem türkischen Gefängnis sollte ihm Gelegenheit geben, diese Aussage zu relativieren.
Ihre Aussage zeugt davon, dass Sie selber nicht gut integriert sind, da Sie es nicht so mit der Rechtsstaatlichkeit und der freien Meinungsäußerung haben.

Aber wie wollen Sie diese Defizite in einem türkischen Gefängnis ausmerzen? Möchten Sie nicht lieber etwas mehr in Ihre eigene Bildung investieren, um ein voll integriertes Mitglied der Gesellschaft zu werden?

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Shelly 01.03.2017, 17:26
16. Vielleicht würde Yücel

Zitat von jjcamera
Yücel hat viele Feinde: die Mehrheit, der in Deutschland lebenden Türken, die Mehrheit der in der Türkei lebenden Türken und die ultrarechte Minderheit in Deutschland. Ich bin mir sicher, Erdogan wird den Deal anbieten: Freiheit für Yücel gegen AKP-Wahlkampfauftritt in Deutschland. Da möchte ich nicht in Merkels Haut stecken...
genau deswegen inhaftiert?

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keksguru 01.03.2017, 17:26
17. Doppelstaatsbürgerschaft, Herr Yüksel und die Integration...

Wie man sieht wird Herr Yücel in der Türkei erstmal wie ein Türke behandelt, logische Konsequenz des zweiten Passes in der Tasche.

Soviel zum Thema Integration, meiner Ansicht nach ist so eine Doppelstaatsbürgerschaft so ein Ding "ich hab noch einen Rettungsboot in der Tasche". Nur wofür? Den Buchstaben des Gesetzes nach ist das verboten, und die Betroffenen haben eine Wahlpflicht. Türke oder Deutscher, das ist die Frage die allzuviele Leute dann nicht beantworten, und keiner merkt das.

Als Deutscher (ohne Doppelstaatsbürgerschaft) wäre er schon längst raus aus der Sache, als Türke hat er von dem Moment an keine Bürgerrechte mehr sobald einmal das Wort "Terrorismusverdacht" im Raum steht, oder "Gülen" und dann hilft der deutsche Paß auch nicht mehr.

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anton_otto 01.03.2017, 17:27
18. Eine Träne für Deniz Yücel

Zumindest die Kritik von deutscher Seite hat sich Yücel selbst zuzuschreiben: Die von Lobo verlinkte unterirdische Kolumne oder daß er Thilo Sarrazin einen nächsten Schlaganfall an den Hals wünschte, kommt nicht überall gut an. Ebenso soll Mely Kiyak nicht herumjammern über das Echo, daß sie auf ihre unsäglichen Kolumnen bekommt. Wem es in der Küche zu heiß ist, der soll nicht Koch werden. Das hat nichts mit dem Gewinsel zu tun, daß der arme türkischstämmige Journalist von den bösen, rassistischen Deutschen nicht gut genug integriert worden wäre. Linke deutsche Schreiberlinge können aufhören, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen. Auch deswegen, weil Erdogan bei seiner Diktaturerrichtung nicht auf gehässige Kritik aus Deutschland an türkischstämmigen "Journalisten" angewiesen ist.

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freekmason 01.03.2017, 17:28
19.

Zitat von jumbing
Wenn jemand wie Herr D. Yücel in einem Artikel der TAZ im Jahre 2011 einen für Deutschland und seine Bürger wenig schmeichelhaften Artikel mit dem Satz abschließt " Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal", dann muß der Wille zur Integration doch stark bezweifelt werden. Sein Aufenthalt in einem türkischen Gefängnis sollte ihm Gelegenheit geben, diese Aussage zu relativieren.
muss es das? warum? nicht zwingender als bei all den leuten, die ihre beiträge mit "armes deutschland" abschließen. vielleicht hilft bei denen auch ein gefängnisaufenthalt?

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