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Futorologie: Die rote Liste der aussterbenden Presse

Futorologen sind die Auguren der modernen Welt. Doch ihre Visionen und Halluzinationen sind mitunter mehr als Entertainment:*Auch die Medienbranche schaut gern nach vorn - und nichts liebt sie mehr, als Prognosen über ihr baldiges Ableben. Gestatten, dass wir spötteln?

Emmi 02.11.2010, 14:52
1. Zukunft nicht vorhersagen, sondern gestalten!

Medienleute wie Politiker sollten sich die Zukunft nicht vorhersagen lassen, sondern sie (die ihrer Länder bzw. Medien) gestalten!

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Ares Skye 02.11.2010, 15:05
2. Halte die Prognose für eher richtig

Es geht nicht darum, dass es dann keine Medien/Zeitungen mehr gibt.
Sondern nur darum, dass "Zeitungen in heutiger From unbedeutend" werden.

Und das wiederum glaube ich.
Klar, Spiegel wirds auch 2050 in irgendeiner (online) Form noch geben. Aber ob die Printauflage so weit sinkt, dass sie relativ gesehen "unbedeutend" wird? Wer weiß.

Außderm haben grade die großen Medien in Sachen EU, Immigration, etc. eine so "politnahe" Stellung erreicht, dass sie hier viel Glaubwürdigkeit und Reichweite eingebüßt haben.
Die meisten Artikel liegen - von der inhaltlichen Färbung - irgendwo zwischen den Grünen und dem linken Flügel der SPD:
- Republikaner in den USA können nur böse sein
- EU ist per se fast immer gut
- Immigration, egal wie unqualifiziert und kulturfremd, ist fast immer gut
- Wenn Integration scheitert ist irgendwie immer die Mehrheitsgesellschaft schuld
- Wer den menschgemachten CO2-Klimawandel anzweifelt ist ein Irrer und Ketzer

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Indigo76 02.11.2010, 15:52
3. Titelverweigerer

Im Sommer 2001 sagte so ein Möchtegernprophet den baldigen Tod des Buches voraus (nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal). Womit der gute Mann nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass im Winter des selben Jahres die ersten Teile von "Herr der Ringe" und "Harry Potter" in die Kinos kam. Die Folge war, dass Weihnachten 2001 jedes dritte Geschenk unter deutschen Weihnachtsbäumen ein Buch war! So möchte ich auch sterben.

Natürlich ist das ein Extremfall unf niemand konnte wirklich damit rechnen aber es zeigt sehr schön, wieviel diese Futurologen wert sind - nämlich nichts.

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Mort 02.11.2010, 16:31
4. Online vs. Zeitung

"Wenn Sie wollen lesen Sie gerade darin".
Das würde ich zumindest derzeit nicht so sehen.
Von Online-News erwarte ich schnelle Information - sowohl was die Zeit zwischen Geschehen und Veröffentlichung als auch die der Rezeption angeht.

Von Zeitungen hingegen erwarte ich, dass die Zeit bis zur "periodisch erscheinenden" nächsten Ausgabe dazu genutzt wird, ein paar Hintergrundinformationen zu sammeln, angebliche Fakten vernünftig zu prüfen, und daraus ein lesenswerter Artikel entsteht, der gerne auch mal so lange ist, dass man lieber auf ePaper oder toten Pflanzen liest als auf blendenden, unscharfen Bildschirmen. Dass viele Zeitungen diese Erwartung nicht erfüllen, steht auf einem anderen Blatt und dürfte in Kombination mit der Tatsache, dass man umformulierte Agenturmeldungen auch kostenlos auf zig Webseiten bekommt, der Hauptgrund für sinkende Auflagen sein.

Fraglich ist natürlich, ob man längere Hintergründe nun unbedingt täglich benötigt oder ob's (halb)wöchentlich nicht auch reicht.

Und last not least ist natürlich auch die Frage, wie schnell und zu welchen (preislichen) Konditionen die Verlage digitale Alternativen bieten. Hierzulande bieten ja derzeit soweit ich weiß gerade einmal taz und FAZ Online-Abos an, letztere aber nur für den Kindle (und iPad?).

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georg_doerner 02.11.2010, 18:40
5. Zu Recht „gespöttelt“

Es ist immer wieder interessant zu sehen wie diese selbsternannten Experten Trends voraussagen. Wurde Print nicht schon 2000 im Internet-Hype totgesagt? Und gleiches gilt in der aktuellen Social-Media Debatte.
Und was heißt hier „Vision“? Wenn man sich die Karte von Mr. Dawson anschaut, fällt auf, dass die Verbreitung des Internets mit dem Aussterben der Zeitung einhergeht. Woher nimmt er die Zeitangaben?
Sicherlich wird sich das E-Paper erst dann durchsetzen, wenn es so leicht wie Papier ist und Kosten-, und Umweltschutzvorteile und Komfort dafür sprechen. Aber er verkennt auch die starken Unterschiede der Medienmärkte. Siehe auch:
http://www.zaw.de/index.php?menuid=98&reporeid=675

Und dass wir Deutschen ein Problem mit der Rolle des Early Adopters haben ist offensichtlich. Die Medien haben sich ganze Geschäftsfelder abnehmen bzw. kannibalisieren lassen. Als Beispiele seien nur die Abwanderung der Anzeigenmärkte bei Stellenanzeigen, Kleinanzeigen (siehe Auto, Partnersuche, Wohnungssuche u.a.) genannt. Auch wenn es den „late Followers“ in Deutschland wirtschaftlich gerade wieder etwas besser, an der prekären Situation ändert das wenig.
Der Vergleich von SPON mit den SUVs und den Rentnern veranschaulicht es auch sehr gut. Die SUVs sind mittelfristig auch vom Aussterben bedroht. Die veränderte Mediennutzung der nachfolgenden Generationen von (Nicht-Mehr) Lesern wird für die Medien zum weitaus größeren Problem. Ob sie E-Paper oder Print konsumieren können ist dabei zweitrangig.

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keyoz 03.11.2010, 09:47
6. spon

obwohl der "hardware"-spiegel ausführlicher ist, habe ich ihn, seit ich spon konsumiere, seltener gekauft.

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keyoz 03.11.2010, 10:36
7. so isses

Zitat von sysop
Futorologen sind die Auguren der modernen Welt. Doch ihre Visionen und Halluzinationen sind mitunter mehr als Entertainment:*Auch die Medienbranche schaut gern nach vorn - und nichts liebt sie mehr, als Prognosen über ihr baldiges Ableben. Gestatten, dass wir spötteln?
in Zukunft heisst es Futurologen ;)

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