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Geheimdienst-Operationen: "Wir überschätzen Desinformation in sozialen Medien maßlos"

Die russische Trollfabrik IRA ist "ein Sauhaufen", sagt der Geheimdienst-Experte Thomas Rid. Dennoch gebe es weitaus gefährlichere Desinformationskampagnen als deren Manipulationsversuche auf Facebook.

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lalito 19.02.2019, 10:12
10. Black & White

Wie das Bild suggeriert, ist es doch nicht das Polarisieren.

Es ist das Subtile, das Schleichende, das Feine, das Unsichtbare und nicht der grobe Klotz. Habe mich im Zusammenhang mit der Cambridge Analytica Story mal in die Möglichkeiten solcherart Beeinflussung eingelesen. Es geht doch eher darum, deiner Zielgruppe und deren Mitglieder das Wohnzimmer zu bereiten, sich wohlig warm betreut und zuhause in der kalten digitalen Welt wiederzufinden.

Wenn schon die Art des Tastaturanschlages einen Einzelnen aus meiner diffusen Zielgruppe identifizieren kann, welche Macht dann diesen zu lenken, maßgeschneidert?

Das hat nichts mit Hacken oder brutaler Manipulation zu tun, das ist eben subtil, nicht kontrollierbar und sobald man die Dinger mit den Accus oder seinen Desktop-PC eingeschaltet hat, sofort und funktionierend am Werk, mit Verortung in jeglicher Hinsicht.

Nicht mehr umkehrbar, bis auf Sonnenstürmchen oder nicht so lütter Komet auf Schnittpunktkurs . . .

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ihawk 19.02.2019, 10:15
11. Disinformation

Ich denke es ist es wert zu erwähnen, dass Thomas Rid die umfangreichen US Desinformations-Kompanien nicht darstellt.

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anders_denker 19.02.2019, 10:20
12. mal davon abgesehen - wer glaubt das wir das nicht auch nutzen?

es ist immer leicht auf andere zu verweisen. es ist aber kaum anzunehmen (und wer das tut ist maximal-naiv), das nicht auch unsere regierung, engländer, franzosen und vorneweg die usa ebensolche desinformationskampagnen durchführen.

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gluecklich_woanders 19.02.2019, 10:25
13.

Ich glaube, Desinformationskampagnen funktionieren nur im Rahmen anderer - oft sogar seriöser - Arten der Berichterstattung im Internet. Heutzutage ist jeder online und konsumiert einen Teil der Nachrichten quasi in Echtzeit auf Portalen wie SPON. Durch die häufigen Updates, die Nachrichtenseiten am Leben erhalten erhält man als Leser recht einfach den Eindruck, dass wir in der Hölle leben. Ständig passiert irgendwo irgendwas, und selten ist es etwas Gutes. Wenn man nun Online-Nachrichten ausblendet und sich mehr auf die klassischen Printmedien konzentriert, zeigt sich ein anderes Bild: Nachrichten sind vielseitiger, besser recherchiert, mit Hintergrundinformationen, und mehr auf das abgestimmt, was uns auch tatsächlich betrifft. Wer nun aber 100% seiner Nachrichten aus dem Internet holt und noch dazu ständig online ist, kriegt schnell die Krise - und genau da setzen Desinformationskampagnen an. Sie müssen einfach nur Ängste ansprechen, die durch die tägliche Nachrichtenflut ohnehin bei vielen schon verankert sind. Viel Desinformation ist da manchmal überhaupt nicht mehr nötig. Wichtiger als ein Kampf gegen die russischen Trollfabriken wären daher Medienkompetenz und besserer (sprich: reflektierterer) Online-Journalismus. Natürlich kann man aus jeder Geschwindigkeitsüberschreitung irgendwie eine Story basteln - aber sollte man das auch?

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lspring 19.02.2019, 10:25
14. Endlich sagt es mal einer

Thomas Rid hat absolut recht. "Wir überschätzen Desinformation in sozialen Medien maßlos". Denn die meisten Desinformationskampagnen von den Social Medias oder von beispielsweise RT deutsch, Sputnik News und der spezifischen Youtube-Blogger richten sich gezielt an das "Stammtischpublikum" der Leichtgläubigen, die keiner Weltverschwörung abhold sind. Bei dieser Klientel können diese Kampagnen ja durchaus als "Verstärker" wirken, aber ein einigermassen vernünftiger Mensch fällt doch auf diesen Quatsch nicht rein.

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maynard_k. 19.02.2019, 10:27
15. In dem Artikel die USA und Israel nicht mal zu erwähnen

ist aus meiner Sicht auch schon Desinformation! Auch wenn "weg
lassen" natürlich erst einmal etwas anders als falsch informieren ist.

"Bekannt ist dies beispielsweise von Nordkorea,[12]Russland[13]den USA[14]undIsrael[15][16][17]."

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)

https://www.dailymail.co.uk/news/article-1367535/U-S-military-using-fake-online-profiles-spread-propaganda.html

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mrsonnyrasca 19.02.2019, 10:27
16. Was ist den der richtige Umgang?

Mir scheint es beim Interview mit dem "Desinformations-Experten" ein wenig an Substanz zu fehlen. Wie sollen wir denn genau damit umgehen? Was ist der richtige Umgang? Schaut man in den (Social) Medien Kommentar-Sektionen, wo die Tendenz von anti-demokratischen oder anti-rechtstaatlichen Beiträge enormen Auftrieb geniessen, so muss man sich doch fragen, wie man mit Desinformations-Kampagnen und auch den daraus abgeleiteten Benutzer-Kommentaren umzugehen hat? Es ist einerseits logisch, dass eine Breittrettung solcher Fake News wie ein Katalysator dafür wirken. Aber Zurückhaltung, Kleinreden oder gar Ignorieren scheint mir nicht wirklich sinnvoll zu sein. Hingegen aber diese mit Fakten zu konfrontieren, und die Desinformation schonungslos aufzudecken um so mehr. Man wird den Kampf gegen Desinformation wohl nie gewinnen können, aber wenn man nichts dagegen unternimmt, hat man bereits verloren! In diesem Zusammenhang kann ich jedem die NYT Doku "Operation InfeKtion: How Russia Perfected the Art of War" empfehlen

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fleischwurstfachvorleger 19.02.2019, 10:30
17. Wow!

Russland und Iran also! Fehlt eigentlich aktuell noch Venezuela, Nicaragua und Kuba. - So sieht doch die "Tanzkarte" der CIA aus. Länder, denen die westliche Demokratie gebracht werden muss.

Desinformation ist auch, das bewusste Weglassen von Informationen.

Wir wissen, dass NSA und CIA deutsche und europäische Betriebe und Politiker ausspionieren und gerne auch Informationen streuen. Warum lese ich davon kein einziges Wort in diesem Bericht?

Ziemlich einseitig. Ziemlich durchsichtig.

Und nein, ich sitze nicht irgendwo in Russland, sondern im sonnigen, aber kalten Oberbayern.

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bimberle84 19.02.2019, 10:33
19. Gefährlicher Artikel

Das man sich hier nur auf die Machenschaften der IRA versteift und dies mit der Überschrift "Wir überschätzen Desinformation in sozialen Medien maßlos" begleitet finde ich höchst brisant. Mag sein, dass die russischen Trolle nur Amateure sind, aber diese ware auch nie wirklich die Protagonisten des Ganzen.
Die eigentlichen Akteure hinter Trumps Wahlsieg und wohl auch dem Brexit waren schon immer Cambridge Analytica und das Netzwerk Ultrakonservativer (allen vorran Robert Mercer) dahinter. Die haben eben nicht nur mit der Gießkanne ihren Müll im Internet ausgeschüttet, sondern sind dabei strategisch vorgegangen, indem sie ganz gezielt die kritischen Wählergruppen über Monate gezielt mit personalisierten Content weichgekocht haben. Das würde alles bekannt, ohne das sich die Öffentlichkeit darum gescheert hätte. War wohl zu kompliziert für viele. Warum hat Trump trotz 3 Mio weniger Stimme dennoch alle Swingstates gewinnen können? Wieso lagen beim Brexit und Trump praktisch alle Prognosen daneben? Weil man das System "geknackt" hat. Man muss nur die richtigen Leute ansprechen. Die, die Waage kippen lassen. Und man hat genau dies getan. Das hat der Skandal über Cambridge Analytica eindrucksvoll gezeigt. Man hat eben genau diese anhand von psychologischen Profilen sukzessive über Monate radikalisiert. in homopathischen Dosen wurde jeder mit dem Bedient, was er brauchte um am Ende sein Kreuz da zu machen, wo es hingehört. Weil man eben jedem einzelnen über Facebook zielgerichtet seine persöhnliche "Message" senden konnte und so Stück für Stück diese auf seine Seite gezogen hat. Gerade genug Leute um zu gewinnen. Durch das abgreifen der Daten von Facebook wußte man sehr genau, mit wem man es im Einzelfall zu tun hatte. Man wusste auch sehr genau, wer wirklich wichtig war um das Pendel zu seinen gunsten ausschlagen zu lassen. Big Data machts möglich. Jetzt hier zu suggerieren, dass Manipulation im Internet per se keine Gefahr darstellt, mit Verweis auf ein paar russische Trolle und deren Vorgehen ist eine sehr gefährliche Interpretation. Am Ende wird für viele Leser nur die Überschrift im Kopf bleiben. Die Quintessenz - Alles OK, wurde nur übertieben. Damit finde diesen Artikel reißerisch und journalistisch fragwürdig. Die IRA ist nun mal nicht die ganze Geschichte, sondern nur ein kleiner Teil davon.

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