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Generationendebatte: Warum die Alten neidisch auf die Jugend sind
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Werden junge Politiker nicht ernst genug genommen? Die aktuelle Debatte hängt auch mit dem Wandel der Arbeitswelt zusammen. Denn der neuen Generation geht es nicht mehr nur um Karriere.

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shrufu 25.01.2018, 16:14
180.

Zitat von medium07
Erstens wissen wir inzwischen, dass durch den Synthesizer nicht das Klavier und durch die CD die Schallplatte nicht abgeschafft wurde, usw..
Ich sehe das anders. Die Schallplatte wurde zwar nicht abgeschafft aber sie hat dramatisch an Bedeutung verloren. Bei der Digitalisierung stehen ja die ökonomischen Probleme zZ im Vordergrund. Also wieso sollte ein Unternehmer auf eine personalfreie Option verzichten? Der Konkurrenz/Gewinndruck wäre ja nicht besonders klein wenn man ganze Stellen streichen kann. In bestimmten Bereichen könnten sich mMn jedoch wie beim Piano noch Nischen Entwickeln. Wenn man aber davon ausgeht das der Großteil der Bevölkerung ein geringeres Einkommen hätte würden kostengünstige Produkte im Fokus stehen. Die Gefahr droht, dass die Situation unvorbereitet getroffen wird, in der sich bei den Unternehmen die Effizienz steigert indem Stellen wegfallen, die Preise nach unten gehen, aber ein Teil der Bevölkerung in das Präkariat rutscht und oft auf staatliche Leistungen angewiesen ist. Das würde noch mehr Druck in einen ohnehin schon imao brodelnden gesellschaftlichen Kessel pumpen. Der Druck würde sich aus meiner Sicht politisch entladen und zwar in die Richtung die am meisten Veränderung suggeriert. Ich glaube eine eher kämpferische bis morbide Partei/politische Kraft wird die Wahl sein. Die Gefahr droht die Errungenschaften und eine offene globalisierte Welt gegen eine geschlossene repressive einzutauschen. Denn um Abschottung und allgemein unkooperative Verhalten "durchzudrücken" braucht es ziemlich hässliche Eigenschaften wie Ignoranz und nach innen Zuspitzung bis Lüge.
Hab mich jetzt etwas weit rausgelehnt.. aber ich finde es passend

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Licht aus ! 25.01.2018, 16:17
181. Schon sehr traurig ...

... was Sie da schreiben, Herr Lobo. Es gibt also die grammatische Kategorie "digital , digitaler, am digitalsten". Wusste ich bislang noch nicht. Es gibt aber immer noch das Reale: Ich ziehe eine Wurzel aus dem Boden und esse sie, ich pflücke einen Apfel vom Baum und esse ihn ... Das wird nicht verschwinden und durch das sog. Digitale ersetzt werden. Die Chimäre des "Digitalen" leistet keine Differenzierung zwischen Alten und Jungen sondern bestenfalls eine Ablenkung von den gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Fixierung auf die sog. digitale Arbeitswelt 2.0, oder ist es bereits 4.0, den staubgeborenen normalen Menschen bereit hält. Haben Sie sich schon mal gefragt, wer Ihnen die Pommes am Würstchenstand serviert in der sog. digitalen Arbeitswelt? Und was er dafür bezahlt bekommt? Mahlzeit.

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epicur 25.01.2018, 16:40
182. Überangebot

Die Jüngeren können sich diese Einstellung auch erlauben, weil die Arbeitgeber nicht mehr am längeren Hebel sitzen. Ich freue mich freue für sie.
Bei den geburtenstarken Jahrgängen konnten sie ja machen was sie wollten.
Die konnte man gängeln wie man wollte.

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moev 25.01.2018, 16:40
183.

Zitat von medium07
Erstens wissen wir inzwischen, dass durch den Synthesizer nicht das Klavier und durch die CD die Schallplatte nicht abgeschafft wurde, usw..
Es wurde auch durch das Auto der Hufschmied nicht abgeschafft. Es gibt halt statt 1.000 nur noch 5.

Daher ist zurücklehnen und gelassen abwarten für 995 Hufschmiede eben keine gute Idee, nur weil der Beruf als solcher weiter bestehen wird.

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schwangerschaftsdrama 25.01.2018, 17:08
184. Alter Hut

Spaß, Neigung, Familie ..all das wollten die "Alten" auch...bis sie sich mit dem Berufsberater unterhalten haben und beruflich dort gelandet sind, wo es Arbeit gab. Die wenigsten haben ihren Traumberuf realisieren können. Auch heute hat sich da wenig geändert.

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Japhyryder 25.01.2018, 18:29
185. Betr.: Sascha Lobo Kolumne

Der Unterschied zwischen der nach 1980 geborenen und der Generation davor scheint mir zu sein: Die nach 1980 geborenen scheinen weniger zynisch zu sein. In Annika Kochs Rede auf dem SPD Parteitag schwang ja viel mehr mit, als das was sie sagte. Wie sie es sagte, das brannte sich mir ein. Uns sie ist ja nicht alleine. Selbst bei mir in einer norddeutschen Kleinstadt mucken plötzlich 21-jährige Jusos gegen ihre älteren Genossen auf. Die haben den einfach erklärt, nö so machen wir das einfach nicht mehr mit! Das kennen und kannten die gar nicht. Die wissen überhaupt nicht, wie ihnen geschieht. Bei aller Unterschiedlichkeit des Zeitgeistes erinnern mich diese jungen Leute an die Sixties.

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sonnemond 25.01.2018, 18:44
186. Im Ernst, Herr Lobo?

Die meisten Ihrer Beiträge lese ich gern, weil ich sie klug und zukunftsweisend finde. Auch berechtigte Warnungen über Datenmissbrauch etc. sind jederzeit angebracht. Mit diesem Artikel gehe ich nicht konform. Tatsächlich beneide ich die jüngeren Generationen kein bisschen. Deren Freiheiten hatte ich (fast) mein Leben lang, wobei ich natürlich oft darum kämpfen musste. Und dass mir die Arbeit gefallen musste, war immer ein wichtiges Kriterium, für viele Leute übrigens, die ab etwa 1950 geboren wurden, da hatte der Lebensstil der 68er bereits gegriffen. - Nein, umgekehrt, die jungen Leute tun mir leid. In einer Gesellschaft, in der Disruption wie ein Gott verehrt wird, ist das erste Problem: Was will ich überhaupt mal später machen, womit mein Geld verdienen, wenn fast alle Berufsmodelle jederzeit in Frage gestellt werden können? Vielleicht okay für eine Minderheit von digitale Nomaden o. ä., nicht okay für Menschen, die Spaß bei der Arbeit haben wollen und selbstverständlich - sollten sie eine Familie gründen wollen - auch Sicherheiten brauchen. Wer hätte z. B. vor ein paar Jahren gedacht, dass auch Chirurgen ihren Job an Roboter und KI verlieren könnten? Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Sehr wenig wird bleiben. Nicht umsonst sind grade die Chefs großer High-Tech- Firmen (wie Joe Kaeser bei Siemens) für das bedingungslose Grundeinkommen. Sie sehen wie viele Millionen Jobs wegfallen werden, wie Sie es auch in Ihrem Artikel beschrieben haben, Herr Lobo. Sorry, mit meinen 58 Jahren drücke ich den jungen Leuten mein Mitgefühl aus. Alles Gute.

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rilepho 25.01.2018, 19:33
187. Neidisch?

bin ich nicht. 73 Jahre alt. keinen Vater, weil der im Krieg vermißt geblieben ist. Mit 14 angefangen zu arbeiten. Bis 60. Danach wurde Firma an die Wand gefahren, ich arbeitslos und krank. Mein Mann und ich haben geackert und uns etwas aufgebaut - zusammen mit der Schwiegermutter, Witwe. Sie starb in unserem gemeinsamen Haus. Ach ja, 1 Kind haben wir auch großgezogen. Anfangs mit ganz wenig, dann mit guten Aussichten.
Aber: Immer eingebracht für die Gesellschaft: im Verein, dem Gemeinderat. Und jetzt sollen wir "neidisch" sein auf die Jugend? Ist es nicht legitim, selbst die Früchte seines Arbeitslebens auch ernten zu wollen? Übrigens: Unsere Nachkommen werden durch uns kräftig unterstützt. Sollen wir uns dafür jetzt schämen und im Stillen Kämmerlein verkriechen? Ich gönne jedem Freude am Leben! Rücksicht ist auch nicht schlecht und Verantwortung sowieso!

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post.scriptum 25.01.2018, 20:15
188. Die Realität ist eine ganz ...

... andere: Im Allgemeinen verspürt die jüngere Generation Neid gegenüber die ältere, weil erstere spürt, dass es ihr voraussichtlich im Alter schlechter gehen wird. Hinzu kommt, dass Analysen fortwährend belegen, dass Ältere grundsätzlich zufriedenenr sind als Jüngere. Es wäre müßig, an dieser Stelle dafür die Gründe im Einzelnen zu benennen, sie lassen sich problemlos im Internet recherchieren. Folglich ist es mit dem Generationsneid genau umgekehrt wie die Kolumne zu begründen sucht.

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rgryf 26.01.2018, 09:49
189. Das ist ja mal ein schwammiger Kommentar von Sascha Lobo

Im Grunde sagt der aus: Alles ist freie selbstbestimmte Entscheidung. Ist es aber nicht!
Ich arbeite in einem großen petrochemischen Werk. Also fett oldschool und ja nicht zu empfehlen. Aber diese Schleudern sind wie auch die Tubes des Internets nicht wegzukriegen, bilden sie das Rückgrat der auf Industrie und mit einem Bauchansatz der "Weltmacht Bequemlichkeit" stehenden Gesellschaft. Vom Alter her stehe ich genau zwischen Alt und Jung. Ich habe beides. Verständnis für alt wegen des Wissens und des früheren Arbeitswegs (bergauf und im Osten lange weitgehend ohne Auto), aber auch für jung, wegen des Family first Gedankens. Letzterer häufig beigemischt durch die Priorität des Hausbaus (und diese ist nicht neu und liess schon immer die Leute von der Arbeit abschweifen). Also so revolutionär ist die Entwicklung nicht. Ich habe aber auch Skepsis gegen alt, ja im Osten vor allem wegen dem krassiierenden Besorgten Bürgers. denen schmettere ich gerne den Satz aus einem Sascha Lobo Kommentar von der "Weisheit der Jugend" entgegen. Aber auch gegen "jung" bin ich skeptisch, wegen der digitalen Auslieferung. Trotzdem sind irgendwie alle beieinander in ihrer Bequemlichkeit, da hilft auch keine "perfekte Vorbereitung auf Welt von morgen" mithilfe "der elektronische Populärkultur mit Videospielen, TV-Serien oder dem Internet". Diese Art von als Vereinfachunge getarnte Bequemlichkeit ist es nicht wert, sie ins Zentrum zu setzen. Das ist auch keine Selbstbestimmung, die man aus Sicht eines Bewohners eines durchindustrialisierten Landes naheliegend für sich einnimmt. In dieser Welt ist vieles einfach da und ich muss es nur ordern. Die andere Welt kennen wir vielleicht vom Weltkurztrip in die Länder oder aus Dokus. Es gibt Gegenden wo Ressourcenabbau spürbar und deutlich sind und ohne diese Negativentwicklung gibt es kein Artificial Intelligence mit ihren physischen Maschinen und Netzen. Dafür gibt es in den benachteiligten aber aufstrebenden Gegenden fast nur Leute, die sich neben den Arbeitslohn (aus Billigproduzierei, Bergbautagelohn Ölanbau) oder dem Sozialgeld, nebenbei selbst versorgen müssen - Digital ist da der TV oder das Smartphone. Da lässt sich Arbeit nicht vermeiden und das ist auch gut so. DAs ist eine andere aber erdige Welt. Wir reden dann aber neben der kommerziellen Arbeit von privater Arbeit. Bitte vergessen Sie diese nicht.
Deswegen bin ich dankbar, dass wir keine Kontext-Schulen haben, sondern allgemein bildende. Ich bin auch froh, dass meine Kinder nicht von Lehrern die dafür nicht up to date sind, digitale Momentaufnahmen vermittelt bekommen. Das kann ich mir auch nicht von digitalen Experten vorstellen, denen in der Langstrecke die pädagogische Basis fehlt. Wir brauchen Bewusstsein und dafür muss es auch mal unbequem werden!

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