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Griechenland und die Folgen: Sie haben mir Europa kaputt gemacht

Griechenland, Spähskandal, und jetzt spüren auch noch die Feinde des Internet in London und Budapest Rückenwind. Wie die Idee von Europa implodiert, ist bereits im Netz zu spüren.

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Despair 15.07.2015, 18:36
40.

Zitat von ecbert
Dieses Europa ist zumindest in Deutschland nie von den Menschen in einer Volksabstimmung geschaffen worden ! Es ist ein Europa der Politiker geblieben und wird daran auch zerbrechen. Denn die Demokratie ist hier auf der Strecke geblieben. Die Bürger wurden nie zur EU, Euro, Ostererweiterung, Griechenlandhilfen usw. je in einer Volksabstimmung befragt. Somit gibt es eigentlich kein demokratisch legitimiertes Europa !
Das ist Blödsinn, auch wenn man es noch so häufig wiederholt. Wir leben oder lebten zumindest in weiten Teilen in einer representativen Demokratie. D.h. der Souverän (Das Volk) wählt Vertreter die ihn in regieren, Gesetze erlassen und in seinem Namen Verträge mit anderen Nationen aushandeln und ratifizieren. Die Verträge sind also sehrwohl demokratisch legitimiert.
Ja, es gibt innerhalb des EU Konstrukts Strukturen auf die das nicht zutrifft, aber die EU als Gesamtes, genauso wie der Euro oder die Osterweiterung sind von unserem Grundgesetz abgedeckt und somit auch demokratisch legitimiert.
Dieser unsägliche Blödsinn von Volksabstimmungen ist glücklicherweise gerade bei solchen wichtigen Themen in absehbarer Zeit kein Thema für Deutschland. Denn sonst würden wir alle Gefangene der Demagogiemacht der Bildzeitung und ähnlicher Medien.

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geando 15.07.2015, 18:37
41. Zustimmung, aber...

Tja Herr Lobo, hier muss ich Ihnen im Grossen und Ganzen zustimmen. Was ich noch erwähnen möchte, ist die Tatsache, das die europäische Idee auch deswegen verraten werden konnte (und kann), weil eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik EU und Euro von den Europa Hurra-Schreiern von Anfang an torpediert wurde. Ohne eine offene Diskussion gibt es aber auch keinen Druck, die Sachen zu verbessern. Hier müssen sich die bedingungslosen Euro-Unterstützer auch mal kritisch hinterfragen.

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aufdenpunktgebracht 15.07.2015, 18:37
42. Sicherheit statt Freiheit,

das scheint der Trend weltweit zu sein. Das beobachte ich schon seit langem. Da wird die Terrorangst instrumentalisiert, um Freiheiten einzuschränken und die Leute jubeln dazu. In Griechenland wird die Freiheit wiederholt gegen Euros eingetauscht.

Obwohl die absolute Sicherheit mit den Jahren zugenommen hat, ist die gefühlte Angst größer geworden. Das nutzen unsere Politiker, um schärfere Kontrollen durchzusetzen. Auf Kosten der Freiheit, dem wichtigsten Gut der Menschheit.

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Jan Raffelt 15.07.2015, 18:38
43. sehr guter Kommentar

Egal, welches Alter oder welcher Background, es scheint doch eine Menge Leute zu geben, die so empfinden. Aber da steckt schon das Problem drin: wir empfinden. Spüren, Emotionen...ich will damit nicht die verurteilen, die das nicht spüren. Nur sitze ich auch in dem Boot wenn es untergeht. Dementsprechend ist es mir wichtig hier zu schreiben. Vor allem, weil ich es verstehen kann. Ich kann verstehen, wie man den Griechen mit Unverständnis begegnet, sich in der Welle von oft einseitigen Berichterstattungen und Überschriften verliert. Und in diesem Strudel gehen wirklich wichtige Dinge unter, die sie hier sehr treffend in Zusammenhang gesetzt haben. Genau den sehe ich auch und ich stelle mit Unbehagen fest, wie sich diese Gesellschaft gerade verändert. Wer mit offenem Herzen nach Griechenland geht, der spürt nicht nur Solidarität. Der begreift nicht nur, dass es auch Kinder trifft und Erwachsene, die sich ihr Leben lang nichts haben zu schulden kommen lassen. Derjenige würde auch merken, dass wir von diesem Land so viel lernen könnten und ablassen müssen von der aggressiven Rhetorik. Aber in einer Welt, wo das Geld und die Gier (die einzige christliche Todsünde, die meines Wissens nach nicht nur geduldet sondern Maxime geworden ist) in derartiger Weise regieren, haben anscheinend die das Recht, deren Wirtschaft brummt. Was haben wir geleistet? Wir haben unsere Vergangenheit aufgearbeitet, ja, bis sie keiner mehr hören konnte. Und nun stehen wir da und müssen uns fragen, was wir wirklich gelernt haben. Wirklich. Also im Herzen. Sind wir Vorreiter in Solidarität und Mitmenschlichkeit? Begreifen wir, zumindest manchmal, "fremd" als spannend und bereichernd? Oder sind wir einfach nur noch die fleißigsten Schüler des kapitalistischen Systems, die am schnellsten und diszilpiniertesten die Spielregeln verinnerlicht haben, und nutzen das um uns wieder zu erhöhen? Vielleicht verändert sich diese Gesellschaft gar nicht. Vielleicht werden wir nur insofern ent-täuscht, dass vielen Erwachsenen in diesem Land eine emotionale Reife fehlt, die wir ja schließlich auch nirgendwo einfordern (kein Vorwurf). Oder sprechen wir uns auf der Straße an und fragen: woher kommt ihre Wut wirklich? Wir, als Deutsche, scheinen es immer noch sehr nötig zu haben, ein gewisses Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren. Ist in Ordnung, damit sind wir sicher nicht allein. Nur sollte man das ab und zu einfach so aussprechen. Und das bedeutet neue Ansprüche und Normen. Das bedeutet, den erfolgreichen Politiker auch als solchen zu sehen, aber ihn zu fragen: Ihre Meinung schön und gut, aber merken sie, dass ihr Eifer, ihre Kaltherzigkeit, ihre Arroganz, Rückschlüsse auf ihren Charakter zu lassen, an denen sie dringend arbeiten sollten in dieser Position? Und den Mann auf der Straße. Den Nachbarn. Wir Deutsche sind viel: fleißig, erfolgreich... Aber vieles andere sind wir eben noch nicht. Die Werte, die wir noch nicht verinnerlicht haben, haben zum einen viel mit persönlicher Entwicklung zu tun und zum anderen sind sie gesellschaftlich nicht hoch gehängt. Obwohl wir alle deren Anwesenheit in unserer Umgebung genießen. Wir fahren ja nicht nur wegen des Strandes nach Griechenland

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amdorf 15.07.2015, 18:39
44. Schade

Bei vielen Beiträgen lese ich lieber die Kommentare der Foristen. Man hat dann den Eindruck die intelligenten Menschen in Deutschland wären in der Mehrheit und könnten eine bessere Zukunft schaffen, aber nach den nächsten Wahlen kommen wieder dieselben Parteien an die Macht. Trotz den Beiträgen der Herren Augstein, Münchau und Lobo unterstützen doch die Medien diesen verhängnisvollen Weg. Ich würde mir eine ehrlichere Berichterstattung wünschen und das die Journalisten den Politikern kritsch gegenüberstehen, aber dies meistens nicht der Fall.

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bjbehr 15.07.2015, 18:40
45. Und doch: ein Schrecken ohne Ende

Zitat von blowup
Ich fand die Idee eines vereinten Europas anfangs auch gut. Jetzt kann ich nur sagen: Nein, ich will dieses Europa nicht. Und ich sehne den Tag herbei, an dem Schluß ist mit diesem Alptraum. Ich bin sicher, ich stehe damit nicht alleine da.
Nein, tun Sie nicht. Ich dachte ehemals genau wie Sie. Die Trümmerfrau versucht verbissen, ihren Ruf zu retten und zu mauern (im doppelten Sinne!), was da an Resten noch vorhanden ist. Diese "Werte"gemeinschaft beschränkt sich rein auf Gold und Geld und gute Worte und man glaubte, eine Einheitswährung sei das ultimative und alternativlose Allheilmittel dafür. Dass vor solch einer Einführung noch viele, viele andere Vereinheitlichungen und Vereinfachungen nötig gewesen wären - jetzt ist es zu spät. Ein Fiasko = tausend Desaster - so sieht jetzt die Einheitswährung aus. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

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zeisig 15.07.2015, 18:41
46. Ich bin für Europa...

aber ich will mich nicht von einem Land wie Griechenland, das aufgrund seiner Misere eigentlich ganz bescheiden als Bittsteller auftreten müßte, beschimpfen lassen. Die Arroganz, mit der hier Solidarität eingefordert wurde, sucht seinesgleichen. Und wenn jetzt auch noch die eigenen Landsleute ihr eigenes Land als unsolidarisch und uneuropäisch bezeichnen, dann bin ich ab sofort die längste Zeit ein Freund der EU gewesen. Zuerst kommt Deutschland, dann kommt Europa. Und ja, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, ohne gleich in die ..blah blah...nein, ich schreibs nicht.

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assi2253 15.07.2015, 18:42
47. an kayakclc

Von wegen eine Sprache! 1/3 der US-Bürger spricht kein Englisch. Es besteht ein enormer Rassismus in dem Land, wo die verschiedenen Ethnien nichts miteinander zu tun haben wollen. Weiße Kinder gehen auf Superschulen, schwarze auf schlechte. Ein Großteil lungert ohne Job und Zukunftsperspektive auf der Straße rum, etc etc. Und der Neid und Hass! In den USA ist auch vieles nur Fassade.

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AundZwanzig 15.07.2015, 18:43
48. War Europa nicht als Wertegemeinschaft gedacht? - Nein!

Es mag ja sein, dass die ganze Entwicklung seit den 1990er Jahren in dieser Form beschrieben wurde, um sie der Bevölkerung näher zu bringen und sie irgendwie durchzusetzen, aber in den 1980er Jahren habe ich in einer internationalen Firmenzentrale eine etwas andere Zielsetzung erlebt.

Entwicklungen, so war (und ist?) jedenfalls die allgemeine Auffassung, müssen über den "Home Market" finanziert werden, auch um anschliessend bei Exporten grösseren Spielraum zu haben. Damals waren aber laut Unterlagen die Heimmärkte in den Bereichen, die man heute als "IT" begreift, ungefähr folgendermassen aufgeteilt: 25% Nordamerika, 25% Japan, 25% Europa und 25% "Rest der Welt". Kein europäisches Land hatte einen Anteil grösser 6%.

Das Ziel der international agierenden europäischen Technologiekonzerne bestand darin einen grösseren Heimmarkt mit einheitlichen Bedingungen und einer einheitlichen Währung zu schaffen. Einer der Konzerne begann damals damit seine Bilanzen in ECU zu veröffentlichen - das war als Verrechnungseinheit der Vorgänger des Euro.

Alle anderen Ziele spielten eine untergeordnete Rolle und die Lobbyarbeit wurde selbstverständlich dementsprechend gestaltet. "Goldgräberstimmung" kam dann natürlich erst recht ab 1989 auf.

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maxi_stulz 15.07.2015, 18:44
49. Richtig Herr Lobo, allerdings

unterliegen sie wie viele der irrigen Meinung, daß EU und Euro Europa sind. Europa ist viel mehr und das wird gerade durch naive, inkompetente und korrumpierte Politiker zerstört. Wir sind eben nicht alle gleich und das ist auch gut so. Das macht Europa aus. Mit Gewalt kann man das nicht in den gleichen Hut zwängen. So gern Frau Merkel sich auch als große Europapolitikerin sehen will, sie ist es nicht und versteht das einfach nicht. Letztendlich zählen auch in einer Staatengemeinschaft die immer gleichen Werte. "Bei Geld hört die Freundschaft auf" ist so universell wie "Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben als man hat". Gesetze und Verträge werden am laufenden Band gebrochen. Die Reichen werden immer reicher auf Kosten der anderen. Kein Wunder, daß die Bürger wütend werden. Langsam lernt es auch der Letzte, daß er belogen wird. Bei einigen dauert es eben. Die Idee von Frieden, Freundschaft und Wohlstand durch Euro und EU ist tot. Solange Lobbyisten die Politik und die Gesetze bestimmen, gibt es keine Hoffnung auf Besserung.

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