Forum: Netzwelt
Haftung bei Links: Urteil aus Hamburg sorgt für Entsetzen im Netz
DPA

Der Betreiber einer Website verlinkt auf ein Bild mit falschem Lizenzhinweis - nun soll er für den Urheberrechtsverstoß haften. Internet-Aktivisten sind empört.

Seite 3 von 10
Steve.Joe 09.12.2016, 17:07
20. Kontext

Ohne in die Details einsteigen zu wollen. Das Urteil bezieht sich auf einen kommerziellen Anbiter ... ganz ehrlich ... wenn jemand ein Gewerbe betreibt, und eine Webseite erstellt, sollte sie/er sich m.E. sehr wohl einmal um Urheberrechte Gedanken machen. Ein bißchen mehr Problembewußtsein ware angebracht. Mir scheint schon manchmal im Internet sehr freizügig mit dem "Urheberrechten" anderer umgegangen zu werden.
Verstehe aber auch etwas die Aufregung. Natürlich muss die Rechtsprechung ein gewisses Verhältnismäßigkeit beachten, damit nicht nur "Prozess-Treibern" in die Hände gespielt wird.

Beitrag melden
plutinowski 09.12.2016, 17:10
21.

"Da er seine Website kommerziell betreibt, sei es zumutbar gewesen, die verlinkten Inhalte auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen, heißt es."

Die bekommen halt jeden Monat ihr Gehalt. Wie es ist, am Markt sein Geld verdienen zu müssen (Geld, von dem auch sie bezahlt werden), interessiert diese Herren weniger.

Und da wundert man sich wirklich noch über die niedrige Selbständigenquote in Deutschland?

So etwas darf nicht möglich sein. Die Rechtsgrundlagen müssen dringend geändert werden.

Beitrag melden
spigalli 09.12.2016, 17:14
22. Super, ein neues Geschäftsmodell tut sich auf...

...ich werde gleich tausende Bilder unter einer CC-Lizenz ins Netz stellen, dann meine Frau bitten, diese _korrekt_ zu verlinken. Dann twittern facebooken und Instagramen wir die Bilder mit Hinweis auf ihre (meiner Frau seine) Lizenz. Nach 14 Tagen _ändert_ sie ihre Website auf "inkorrekte Lizenzbestimmungen" und ich mahne dann die Websites ab, die auf die Bilder meiner Frau verlinken!

Jetzt muss man zu jedem Link auch noch einen Signierten Screenshot in die Blockchain hochladen, damit man nachweisen kann, wie die Webseite aussah als man sie verlinkt hat. Die spinnen, die Römer!

Beitrag melden
PaulMeister 09.12.2016, 17:16
23. Ja ja...

Zitat von hdudeck
Continent Europa, Land Deutschland. Und die haben sich an das geltene Recht zu halten. Sie haben zwar das Recht, Gesetze und Urteile zu interpretieren und dementsprechend einigen Spielraum. Aber wenn das Gesetz es vorschreibt, haben sie keine Wahl. Da koenne Leute heulen, aber Unwissenheit schuetzt nicht vor Strafe. Wer im Netz beruflich taetig ist, weiss das auch sehr genau. Schliesslich ziehen sie daraus einen Nutzen Und soweit ich weiss gilt in Deutschland (immer) noch das Preussische Landrecht - Wer den Nutzen hat hat auch den Schaden.
Dann zeigen Sie mir doch bitte das Gesetz in dem konkret steht, dass nicht der Urheberechtsverletzer sondern der Verlinker zu eben diesem haftbar gemacht werden kann.

Das ist nicht als eine willkürliche und m.E. viel zu weite Auslegung des Urheberrechts, und einer Konstruktion der vom EuGH aufgestellten objektiven Tatbestandsvorrausetzung einer öffentlichen Verlinkung, die hoffentlich in nächster Instanz kassiert wird sofern es dazu kommt.

Beitrag melden
niroclean 09.12.2016, 17:20
24. ...völlig weltfremd.

...sind doch die Richter die solch ein Urteil fällen. Deutschland gilt schon jetzt als das gefährlichste Pflaster für Selbständige. Die Zahl der Anwälte die durch Abmahnungen ihren teilweise feudalen Lebensstil auf einfachste Weise finanziert wächst stetig und leidtragende sind vor allem kleinere Selbständige für die das Internet für das wirtschaftliche Überleben ein Muss ist. Mittlerweile kann selbst ein vergessenes Wort, ein nicht sofort umgesetzte Angabe zu irgendwelchen Hinweisen, von X-beliebigen Anwälten abgemahnt werden. Diese lassen sich einen einzigen Brief mit einem standardisierten Text mit 700€ oder mehr Euro bezahlen.

Wenn dann beamtete Richter sagen das jeder der eine Internetseite mit Gewinnerzielungsabsicht betreibt sich mit allen juristischen Haken und Ösen auskennen (oder eben einen Juristen beauftragen) muss und dafür haftet, der hat von der Lebenswirklichkeit der meisten Selbständigen nicht den Hauch einer Ahnung. Ich behaupte das der überwiegende Teil der Selbständigen im täglichen Kampf um Aufträge und das damit verbundene wirtschafliche Überleben kaum die Zeit und schon gar nicht das Geld (für einen Juristen) übrig hat um die Flut von Gesetzen und Verordnungen überhaupt zu erfassen und dann auch noch umzusetzen.

Offensichtlich ist das aber politisch so gewollt, denn das Netzwerk der Juristen in der Politik ist groß; denn überwiegende Zahl der Politiker sind Juristen und scheinbar bereiten sie Ihrem Berufsstand mit der Gesetzgebung eine lukrative Einnahmequelle.

Wann kommt endlich eine Partei mit dem Vorstoß das auch bei gewerblichen Anbietern die 1. Abmahnung max. 50 Euro kosten darf - damit würde den meisten dieser unlauteren Blutsauger die Basis für das schnelle Geld entzogen werden und sie würden für diesen Brief einen reellen Gegenwert bekommen, nämlich in etwa das was ein kleiner Selbständiger für den gleichen Zeitaufwand bekommt.

Das Hamburger Urteil setzt dem Ganzen die Krone auf - in welcher Welt leben diese Richter?

Beitrag melden
Sokrates1939 09.12.2016, 17:21
25. Recht(s)prechung

Wenn der "Verlinker" auf Verlangen des Abmahners eine sogenannte strafbewehrte Unterlassungserklärung abgibt, sind die Kosten geringer. Gerichtskosten fallen nicht an. Wenn Abmahner die Urheberrechtsverletzung feststellen können, ist nicht einzusehen, warum dies nicht auch den Rechtsverletzen möglich gewesen sein sollte, insbesondere, wenn sie kommerziell tätig sind.
Rechtsprechung schreibt sich übrigens auch nach der Rechtschreibreform Rechtsprechung und nicht "Rechtssprechung."

Beitrag melden
sefopo 09.12.2016, 17:25
26. Anmaßung

Die Richter maßen sich an,
a) das Recht
b) den Gegenstand
beurteilen zu können.
Ich glaube, beides trifft nicht zu.

Beitrag melden
kufu 09.12.2016, 17:30
27.

Zitat von PaulMeister
Damit müsste ja Google jetzt zu praktisch jeder Seite abgemahnt werden können, die im Google Suchindex enthalten ist und eine Urheberrechtsverletzung enthält, da vermutlich nahezu jede Seite von Google verlinkt wird. Ich würde sagen Google kann man sicher auch eine Gewinnerezielungsabsicht attestieren und öffentlich gemacht wird die Website mit der Urheberrechtsverletzung, der Argumentation des Landgericht Hamburg folgend, ja auch. Damit dürften wir ja alle objektiven Vorraussetzungen zusammen haben, oder hab ich was vergessen?
Das hatte ich mir auch als erstes gedacht, was ist wenn die Seite unter der Trefferliste bei Google auftaucht? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Der Abmahn-Geier weiß, dass er sich bei den Google-Anwälten eine blutige Nase holen würde und lässt es bleiben.

Beitrag melden
niroclean 09.12.2016, 17:32
28. Petition gegen dieses Gesetz

Hier gibt es eine Petition für alle Selbständigen und andere mündige Bürger die sich zu Wehr setzen wollen: https://www.change.org/p/rette-den-link-eugh-entscheid-zur-linkhaftung-kippen?utm_medium=email&utm_source=notification&ut m_campaign=signature_receipt

Beitrag melden
noalk 09.12.2016, 17:34
29. Verweis, aber kein Link?

Was gilt denn in dem Fall, wenn ich lediglich einen Ziel-URL auf meiner Website angebe, diesen aber nicht verlinke? Soll heißen: die Zielseite kann nicht durch Anklicken (Hyperlink) des angegeben URLs aufgerufen werden, sondern nur durch Kopieren (oder Abschreiben) des URLs und Einfügen in das Adressfeld des Browsers. Begründete das ggf. auch eine Urheberrechtsverletzung?

Beitrag melden
Seite 3 von 10
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!