Forum: Netzwelt
Hetze im Netz: Wer duldet ist mit schuld
DPA

CSU-Politiker Andreas Scheuer äußert sich rassistisch und kommt in seiner Partei damit durch. Wer Hass nicht will, muss sich klar gegen Rassismus stellen. Die CSU sollte Scheuer entlassen.

Seite 11 von 24
mir-san-mir 21.09.2016, 16:08
100. Feindbild

Klar, Andreas Scheuer polemisiert und polarisiert. Das tun Generalsekretäre von Parteien recht gerne und werden dann zum Feindbild der Anhänger anderer Parteien. Aber wie im Artikel und in diesem Forum versucht wird, Scheuer als Ausländerhasser und Rassisten darzustellen, ist schon einmalig. Mag man den Duktus seiner Feststellung nicht mögen, so trifft er den Kern des deutschen Dilemmas: Ausländer, die nach Deutschland kommen und Asyl beantragen, erhalten dies in ganz überwiegender Zahl nicht, wobei die Zahl der abgelehnten Anträge für 2015 und 2016 aufgrund der Syrienflüchtlinge auf unter 50% gesunken sind. Wer jetzt glaubt, dass ein abgelehnter Ayslbewerber dann in absehbarer Zeit aus Deutschland ausreisen wird, sieht sich getäuscht. Die meisten abgelehnten Bewerber bleiben dennoch in Deutschland, ohne dass sie abgeschoben werden. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Einer davon ist die während der Verfahrensdauer eingetretene Integration des Bewerbers, wobei Kirchen und Vereine nur stellvertretend für andere Zugehörigkeiten stehen, die wir als integrativ bewerten. Am Ende bleibt also ein Ausländer, der ohne echten Asylgrund nach Deutschland kommt und bei dem sehr viel eher wirtschaftliche Gründe für sein Kommen waren, in Deutschland, aber eben aus anderen als den ursprünglich geltend gemachten Gründen. Nichts anderes hat Scheuer gesagt. Man mag darüber diskutieren, ob die zu lange Verfahrensdauer bei Asylanträgen diese Verfahren letztlich eher zu einer Farce macht. Man mag darüber diskutieren, welche Qualität der Aufenthaltsstatus eines abgelehnten Asylbewerbers haben sollte und ob es sinnvoll ist, ganze Familien jahrelang einer drohenden Ausreiseverfügung zu unterwerfen. Man sollte auch diskutieren, ob Deutschland nicht endlich ein vernünftiges Einwanderungsgesetz haben sollte, das die Unionsparteien bislang noch stets verhindert haben.
Man sollte aber nicht etwas diskutieren, was weder wörtlich noch zwischen den Zeilen gesagt wurde. Wer das tut, belegt nur, dass er keine sachliche Auseinandersetzung sucht, sondern einen politisch unliebsamen Kontrahenten diffamieren und in die braune Ecke stellen will - aber immerhin ist das dann auch eine gewisse Selbstoffenbarung.

Beitrag melden
Malto Cortese 21.09.2016, 16:08
101.

Der Widerstand gegen illegale Masseneinwanderung hat nichts mit Rassismus zu tun. In den USA und Australien entscheidet man an gesicherten Grenzen über Einwanderung - Illegale Einwanderer werden abgeschoben. Auch unsere europäischen Nachbarn haben keinerlei Interesse, zu failed states zu werden und verfahren entsprechend. In Großbritannien redet man zu recht von Merkels "Hippie State", der Brexit war mit Blick auf das Dschungelcamp von Calais die unmittelbare Folge. In Frankreich gilt die Kanzlerin schlichtweg als "folle". Wir reden hier immerhin über die ältesten Demokratien Europas. Der Grund für den wirtschaftlichen Rückstand Mitteldeutschlands ist mit Sicherheit nicht der Mangel an Analphabeten aus der arabischen Welt, sondern die vorsätzliche Deindustrialisierung der fünf neuen Länder durch die Treuhand, deren Ziel und Aufgabe der Erhalt der wirtschaftlichen und damit politischen Macht der traditionellen BRD-Eliten war. Daß dieser Ansatz erfolgreich war zeigt anschaulich, daß die Diskurshoheit auch angesichts der aktuellen migrationspolitischen Geisterfahrt noch immer bei den Medienoutlets der West-Parteien liegt.

Beitrag melden
tulius-rex 21.09.2016, 16:08
102. Scheuer genauso wie AfD

Zitat von l.augenstein
auch hier auf SpOn richtiggestellt, dass es sich bei dieser Aussage um eine aus dem Zusammenhang gerissene überspitzte Darstellung handelt. Scheuer hat in seinem Vortrag über die Schwierigkeiten gesprochen, abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland abzuschieben. Wie allgemein bekannt, haben die abgelehnten Asylbewerber eine Menge Möglichkeiten, ihre Abschiebung zu verhindern oder hinauszuzögern. Dazu reichen schon fadenscheinige ärztliche Atteste oder unüberprüfbare Behauptungen des Abzuschiebenden. In dem Zusammenhang hat Scheurer ein reines Gedankenbeispiel aufgezeigt, unter welchen Voraussetzungen ein ansonsten nicht mehr Aufenthaltsberechtigter mehr oder weniger unabschiebbar wird. Und die Realität zeigt doch, dass diese Aussage stimmt. Was das mit Rassismus zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.
CSU und AfD in trauter Zweisamkeit: mit Absicht -und völlig unnötig- einen Stein ins Wasser werfen und hinterher sagen: nicht so gemeint. Sascha Lobo hat schon recht mit diesem verdammten Rassismus. Man stelle sich nur vor der Senegalese kickt so gut, dass der FCB hundert Millionen Transfer für ihn zahlen würde; muss er aber nicht, da "Wirtschaftsflüchtling" oder ganz normaler Einwanderer?
Einfach nur absurd diese rechtsnationale Denke.

Beitrag melden
hansa54 21.09.2016, 16:09
103. Sascha

hat mit seinem ellenlangen Artikel (Kolumne) erreicht, was erreichbar war und er erreichen wollte. Verunglimpfung, im Gespräch bleiben (gut für Einladungen zu Talkshows) und ein leicht "verdientes" Honorar! Schlimm!

Beitrag melden
jo_as 21.09.2016, 16:10
104. Mißstände

in der heutigen Zeit Mißstände anzusprechen, ohne gleich als Rassist oder Nazi verunglimpft zu werden, ist scheinbar nicht mehr möglich. Werter Herr Lobo, sie spalten mit derartigen Tiraden nicht weniger als der CSU-Mann. Besser machen ist das, was fehlt. Und Niveau.

Beitrag melden
horstnorbert 21.09.2016, 16:10
105.

An alle Relativierer - vom Generalsekretär einer Regierungspartei in Bund und Land erwarte ich, dass er sich so ausdrückt, dass er hinterher nicht zurückrudern muss und jeder nach seiner Fasson interpretiert, was er denn nun gemeint haben könnte. Er soll nicht zündeln, um die Wähler am rechten Rand abzufischen, sondern sich sachlich äußern. Beispielsweise in der Form: Die Asylverfahren dauern viel zu lange. Und wenn sich Menschen ohne Asylgrund mehrere Jahre bei uns aufhalten, bis entschieden wird, dass sie wieder gehen müssen, fällt es schwer, einen gut integrierten Menschen abzuschieben. Besonders problematisch ist es für die Kinder, die Deutschland nach mehreren Jahren als ihre Heimat ansehen. Hier müssen wir ansetzen.

Funktioniert ganz ohne rassistische ohne fremdenfeindliche Untertöne (Sengalese, warum wird ausgerechnet der herausgepickt? Weil man sich ihn so wunderschwar schwarzhäutig vorstellen kann oder weil wir alle so gut darüber informiert sind, wie die politische Lage im Senegal zur Zeit aussieht?)

Beitrag melden
vera gehlkiel 21.09.2016, 16:12
106.

Zitat von Barath
Zum Thema will ich gar nichts sagen, aber ihre Rassismus-Definition passt nicht, weil sie imho nicht den normalen Sprachgebrauch abbildet. "Rassismus" wird meiner Erfahrung nach im Alltagssprachgebrauch in Deutschland seit Jahrzehnten synonym mit "Xenophobie" benutzt. Historisch und wissenschaftlich mag das falsch sein, aber so sprechen die Menschen nunmal. Zudem kann und muss man in der Realität oft unterstellen, dass hinter vordergründig "nur" xenophob argumentierenden Postionen in Wirklichkeit rassistische Ansichten stehen. Die Grenzen sind da psychologisch gesehen ohnehin viel fließender als mancher das gerne hätte (ähnlich wie bei dem "Nationalismus"/"Patriotismus"-Phänomen). Just my 2 cents
Eben weil es sich um in der Tat fliessende, oder zum Fliessen gebracht werden könnende, Grenzen handelt, sollte man wohl genau darauf aufpassen. Wer wäre da wohl noch zuständiger als Volksvertreter, oder eben Journalisten? Ich will Scheuer gar nicht unterstellen, dass er ein eingefleischter Rassist ist. Hier geht es aber eben darum, dass sich namentlich die CSU seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise einer Wortwahl befleissigt, die eigentlich schon schlimm genug wäre, hätte die AfD dafür den Alleinvertretungsanspruch. Es hat mit der in der Tat ziemlich überstrapaziert gewesenen 'political correctness' absolut nichts zu tun, wenn dieses Problem endlich einmal aufgegriffen wird. Hier wird Sprache benutzt, um direkt zu emotionalisieren, um den Weg über das Grosshirn durch einen reflexhaften Kurzschluss zu umgehen. Kurzschlüsse sind bekanntlich gefährlich, um das zu wissen, braucht man keine Elektrikerin zu sein, und noch nicht einmal sonderlich klug, es genügt der gesunde Menschenverstand. Für mich ist evident, dass dies mit voller Absicht so geschieht. Und in der Tat ist zu hinterfragen, inwieweit man sich mitschuldig macht, wenn man sich zu solchen Einlassungen einfach nur ausschweigt. Danach könnte man im übrigen ganz direkt mal Frau Merkel fragen.

Beitrag melden
CyberDyne 21.09.2016, 16:13
107. Was heißt hier

Von einer rassistischen Partei erwarte ich nichts anderes wie rassistische Äußerungen. Die CSU ist was sie ist!

Einziger Unterschied zu früher, sowas wird nun öffentlich in die Kamera geblökt! Das rassistische Gedankengut jedoch war schon immer bis in die höchsten Ebenen dieser Partei präsent!

Beitrag melden
kerselcuk 21.09.2016, 16:15
108. wer hat Herrn Scheuer erzogen?

Ich lebe als Zuwanderer seit 1962 in Bayern und habe die hiesige Bildung und Erziehung genossen. Wer hat aber diesen Herrn Scheuer, der halb so alt wie ich bin diese Dummheiten in den Kopf gesetzt?
In der Schule oder in einem Jugendverein kann es nicht gewesen sein.
Diese Personen sollte man zur Rechenschaft ziehen, nicht diesen Lausbub mit Komplexen.

Beitrag melden
Goonie2 21.09.2016, 16:15
109. Ah, ok, ich schreibe schnell einen Artikel...

... der mein Profil stärkt (a la "Bin ich nicht ein toller Mensch, der sich klar positioniert? Journalist? Ja deshalb bin ich es ja geworden, damit ich meine Meinung sagen und die Welt verbessern kann". Lieber Herr Lobo, bitte lassen Sie nun auch noch so vereinfachende Artikel - Sie haben sonst schon häufig besseres geschrieben. Er ist weder Rassist, wenn er einen fiktiven Senegalesen herannimmt? Wenn auch sehr platt ausgedrückt, ist da doch zynisch-satirisch gedacht durchaus etwas dran oder nicht?

Im übrigen hilft die Denke nicht weiter, alles rechts der vermeintlichen Mitte (die wohl leider weiter rechts Ihrer gefühlten Mitte ist) zu verteufeln. Würde die CDU etwas mehr die CSU Position einnehmen, hätte die AFD bestimmt 10% weniger Stimmen. Das nur die CSU nun machen lassen, ist leider der fehlenden CDU Vielfalt geschuldet, die aber nun langsam wiederkommt. Glauben Sie mir, daß eine Partei wie die CSU, die vielleicht ein ländlich-konservatives Weltbild hat, aber durchaus eine seriöse Partei ist, da schon gut aufgestellt ist, den rechten Rand der Standardnormalverteilung der Wählerschaft aufzusammeln. Ohne sie hätte die AFD vermutlich locker 20%. Was hätten Sie denn lieber? Also bitte, einfach entspannt bleiben. Deutschland steht nicht anders da mit seiner Wählerschaft als Frankreich, England, die USA, ja selbst Schweden, Polen uvw. Schöne Grüße!

Beitrag melden
Seite 11 von 24
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!