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HTML5: Web-Gremium muss über Browser-Kopierschutz entscheiden

Bürgerrechtler wenden sich gegen Pläne der Unterhaltungsindustrie, im kommenden Web-Standard HTML5 Kopierschutzmechanismen zu integrieren. Damit würden technische Neuerungen ebenso blockiert wie der freie Zugang zum Netz.

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st.esser 30.05.2013, 12:05
1. DRM im Web ist nicht mit Open-Source kompatibel

Zitat von sysop
Bürgerrechtler wenden sich gegen Pläne der Unterhaltungsindustrie, im kommenden Web-Standard HTML5 Kopierschutzmechanismen zu integrieren. Damit würden technische Neuerungen ebenso blockiert wie der freie Zugang zum Netz.
Das Problem von DRM in HTML5 ist, dass damit der Kopierschutz im Web-Browser implementiert ist. Wenn man aber den Source-Code eines Browsers mit DRM hat (wie z.B. Firefox oder Chrome), dann kann man die Einschränkungen des DRM umgehen.

Zum Beispiel könnte das DRM verlangen, dass Medien (Musik, Video) nur direkt wiedergegeben werden können, aber auf keinen Fall auf der Festplatte des Empfängers abgelegt werden können. Im Source-Code könnte man aber genau dies ändern (dem Server die Zusicherung geben, dass keine Kopie angefertigt wird, diese dann aber doch lokal speichern).

Damit gibt es nur zwei Möglichkeiten:

Entweder dürfen HTML5-DRM-Mechanismen nicht mit Open-Source-Webbrowsern zusammen arbeiten, oder aber die Entschlüsselung geschieht gar nicht im Webbrowser, sondern erst im Betriebbssystem bzw. im Grafik-Treiber (und der Browser reicht die DRM-Information und einen verschlüsselten Datenstrom dorthin durch).

In beiden Fällen werden DRM-geschützte Inhalte sich nicht mit Open-Source Browsers (im ersten Fall) oder Open-Source Betriebssytemen (im zweiten Fall) wiedergeben lassen.

Wenn sich DRM für HTML5 durchsetzt, dann werden sich Medieninhalte bald nur noch unter Windows, iOS und vielleicht MacOS wiedergeben lassen, vielleicht auch auf einigen Smart-TVs, sicher aber nicht z.B. unter Linux oder Android.

Ob das ein Problem darstellt muss jeder für sich entscheiden.

Dabei sollte man aber nicht aus den Augen verlieren, dass praktisch die gesamte im Internet eingesetzte Software auf Open-Source-Projekte zurück geht (und das schließt z.B. auch den Internet-Explorer sowie die Firmware der meisten Smart-TVs ein) und die Möglichkeit für grundsätzlich neue Konzepte und Möglichkeiten (deren Entwicklung kommerziellen Software-Herstellern oft zu riskant ist) damit gehemmt wird.

STefan

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Gallandor 30.05.2013, 13:07
2. W3c

"Das W3C setzt es sich zur Aufgabe das volle Potienzial des World Wide Webs durch die Entwicklung von Richtlinien und Protokollen zu entfalten."

Das stammt aus der Satzung des W3Cs. DRM dient dazu Potienzial zu verhindern und die Entwicklung des WWWs einzuschränken. Für mich ist die Sachlage klar, dass sich das W3C gegen DRM in HTML5 ausprechen muss.

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Crom 30.05.2013, 13:28
3. optional

Sich gegen DRM aussprechen und sich dann wundern, dass die Anbieter auf Silverlight und Co zurück greifen.

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ralf_si 30.05.2013, 13:40
4.

Zitat von st.esser
Wenn sich DRM für HTML5 durchsetzt, dann werden sich Medieninhalte bald nur noch unter Windows, iOS und vielleicht MacOS wiedergeben lassen, vielleicht auch auf einigen Smart-TVs, sicher aber nicht z.B. unter Linux oder Android.
Sie glauben wohl allen Ernstes, dass Google - ebenfalls Befürworter des Kopierschutzes - das Wohl des Verbrauchers im Blickfeld hat?Beenden Sie Ihre Träumerei und werden Sie endlich wach!

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quark@mailinator.com 30.05.2013, 14:28
5. :-(

Ist doch die logische Fortsetzung des "App-Shop"-Gedankens. Am Ende landen nicht nur Musik und Videos in der Kryptobox, sondern auch die Software. Jegliche Inhalte, egal ob Wetter, Zeitschriften oder anderes wird nicht mehr frei zugreifbar sein, sondern nur noch über das verschlüsselte Interface. Damit ist dann der "Tunnel" in die schon heute abgeschlossenen Mobilgeräte verbaut, der heute noch über den Browser führt. Die Mobilgerätehersteller versuchen ja zu verhindern, daß Fremdbrowser auf ihren Geräten laufen - und schränken den installierten Browser ein, damit die Leute Apps kaufen müssen. Es geht nicht (nur) um die Rechte der Unterhaltungsindustrie, es geht um die vollständige Kontrolle des Vertriebswegs Internet um dann für jedes Byte Kohle abgreifen zu können. Schluß mit "für Umsonst".

Danke Apple, daß Ihr uns diesen Mist gebracht habt :-(.

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Tostan 30.05.2013, 16:07
6.

Zitat von
Denn kommerzielle Inhalte gingen dorthin, wo die Nutzer seien. Und die wiederum würden die Orte bevorzugen, an denen ihre Rechte und Bedürfnisse am meisten respektiert würden
Also ich glaube, da überschätzt jemand den gemeinen User ganz gewaltig. Sonst hätte Facebook nicht solche Nutzerzahlen(Rechte und Bedürfnisse werden dort wohl kaum "am meisten respektiert").

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teutoniar 30.05.2013, 17:18
7. Es ist HÖCHSTE ZEIT für DRM im Browser!

Zitat von st.esser
Das Problem von DRM in HTML5 ist, dass damit der Kopierschutz im Web-Browser implementiert ist. Wenn man aber den Source-Code eines Browsers mit DRM hat (wie z.B. Firefox oder Chrome), dann kann man die Einschränkungen des DRM umgehen.
Das ist Nonsens. Wäre es so, dürften Programme wie ssh bzw. das im Browser implementierte SSL gar nicht sicher sein. Denn all das ist Open Source.

Davon abgesehen kann man Systeme immer gut oder schlecht implementieren. Das hat mit Open Source bzw. dem Browser überhaupt nichts zu tun.

Es ist übrigens HÖCHSTE ZEIT, dass DRM-Technik Einzug in den Browser hält. Ideologisch motivierte Bedenken seitens der EFF führen maximal dazu, dass wir uns für Miet-Inhalte weiterhin mit Flash im Browser herumschlagen müssen.

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bb1337 30.05.2013, 18:07
8.

Dass dieses Vorgehen im Sinne der kommerziellen Anbieter ist, wundert wenig. Dass es keine positiven Auswirkungen auf das Internet haben würde, auch nicht.

Schade das z.B. Google seine kommerziellen Interessen immer über den Fortschritt stellt.

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snigger 30.05.2013, 18:26
9.

Zitat von teutoniar
Es ist übrigens HÖCHSTE ZEIT, dass DRM-Technik Einzug in den Browser hält. Ideologisch motivierte Bedenken seitens der EFF führen maximal dazu, dass wir uns für Miet-Inhalte weiterhin mit Flash im Browser herumschlagen müssen.
ihr beitrag ist noch grösserer nonsens als der beitrag, den sie versuchen zu schmähen.
DRM hat in meinen Augen nichts im browser zu suchen.
folgende argument:
-der browser soll inhalte darstellen.
-diese inhalte werden mittels OpenSourceCode (HTML) dargestellt.
-flash ist immer weiter auf dem rückzug.

diese ideologische gedanken, die sie "bedenken" nennen ("wir wollen ein offenes netz für jedermann" und "dazu brauchen wir offene standards") waren in der jüngeren vergangenheit des netzes immer der antreiber (und nicht der bremser) für neuerungen.

worauf m.E. übrigens nicht ausreichend hingewiesen wurde ist folgendes: durch DRM im Browser geben SIE als benutzer wieder ein stückchen (persönlicher) freiheit ab. Wollen Sie das?

DRM nutzt nur wenigen leuten, OpenSource nutzt allen!

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