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Hysterie im Netz: Was Horror-Clowns über den Zustand der Welt verraten
AP/ DC Entertainment

Die Aufregung um Horror-Clowns hat ihren Ursprung im Jahr 1976 - inhaltlich, technisch und medial. Sie zeigt: Es herrscht die Sehnsucht nach einer Welt, in der maskierte Möchtegern-Witzbolde die schlimmste Bedrohung sind.

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Holbirn 26.10.2016, 17:09
10. Zur historischen Erinnerung

Zur historischen Erinnerung: Scherze und Scherzbolde waren nicht immer die kleinstkindertaugliche, niedliche Erfahrung. Der klassische Clown hat eine rote Nase, weil mit ihm der Dorftrunkenbold abgebildet wurde. Ein Mensch, der nicht gerade gehen, sich nicht geradeaus artikulieren konnte.

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Jasro 26.10.2016, 17:14
11. Was macht den 'Horror' bei den 'Horror-Clowns' denn aus? Der Verkehrung von 'lieb und lustig' des Clowns ins genaue Gegenteil!

Der eigentliche "Horror" bei den "Horror-Clowns" entsteht doch dadurch, dass etwas, das eigentlich damit assoziiert ist, dass es gute Laune verbreitet und Menschen zum Lachen bringt, nämlich ein Clownsgesicht, für das genaue Gegenteil verwendet wird: Angst und Schrecken zu verbreiten. Mit einer Werwolfs- oder Frankensteinmaske etwa hätte man diesen Hype wie bei den "Horror-Clowns" nicht, denn Werwölfe und Frankensteins sind sowieso von vorneherein darauf ausgelegt, Angst und Schrecken zu verbreiten bzw. werden damit assoziiert. Aber bei Clowns ist das - normalerweise - eben anders.

(Im Übrigen finde ich die Anwendung der "Memtheorie" auf "Horror-Clowns", ehrlich gesagt, etwas bemüht und an den Haaren herbeigezogen.)

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nadennmallos 26.10.2016, 17:16
12. Sonderbare Analyse ...

... find' ich zumindest. Meines Erachtens ist es das Spiegelbild einer Gesellschaft, die zunehmend verunsichert und "satt" (Im Sinne von dekadent) ist. Es sind ja nicht nur diese Horrorclowns, sondern es ist die zunehmende Gewaltbereitschaft ( ...nö, Panik schieb' ich nicht), verbunden mit einem krankhaften Drang zur Selbstdarstellung, die immer mehr um sich greift. Ein Blick in die Beiträge im Internet (facebook & Co, youtube, etc) sagt eigentlich alles. Aber egal, die Zeit regelt das letzten Endes, ob es uns passt oder nicht.

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spon-facebook-10000523851 26.10.2016, 17:26
13. So viele Worte....

wenn's eigentlich auf Minderwertigkeitskomplexe und im besten Falle Mittelmaessigkeit und das Bewusstsein ein wenig bedeutungsvolles Leben zu leben. Dazu natuerlich junge Leutchen, die das "cool" finden , weil ihnen nichts intelligentes einfaellt.

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theanalyzer 26.10.2016, 17:54
14. Brilliant

Brilliant erkannt. Brillianter Beitrag vom Sascha Lobo.

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foaquito 26.10.2016, 17:59
15.

Irgendwie kam mir der Vergleich mit Telefonstreichen auf, die wir auch früher ab und an mal machten. 3 oder 4 Jungs sitzen vor nem Telefon, der erste denkt sich nen Streich aus und wählt ne zufällige Nummer (natürlich ohne Vorwahl, weil man ja wusste, dass Ferngespräche viel, viel, viel zu teuer waren...)... der Zweite denkt sich nen Streich aus (mit dem er natürlich Nr.1 "übertrumpfen" will) und wählt ne zufällige Nummer... der Dritte denkt sich nen Streich aus... usw., bis es langweilig wird oder man vom zufällig Veräppelten ordentlich die Meinung gegeigt bekam... Dann war die Sache aber auch erledigt und man hat sich mit sonstwas beschäftigt.

Die heutige "Prank.-Nr." funktionieren doch im Grunde genauso: Einer fängt ne alberne Sache an, der Nächste macht es nach, will den Ersten aber übertrumpfen, der Dritte will den Zweiten übertrumpfen usf... bis irgendwann Clowns mit Äxten o.ä. durch die Gegend laufen...
Nur eben heute nicht mehr bloss vor einem Publikum, das direkt neben einem sitzt und den "Erfolg" des Streiches mit Grinsern und Lachen quittiert. Heute gibts eben qua viralem MArketing eben "likes" als Quittierung des Erfolgs. Nur eben mit dem Unterschied, dass das mögliche Publikum weit grösser und die Masse derer, die man übertreffen möchte/muss ebenso wesentlich grösser ist. Mit der Konsequenz: Mehr Teilnehmer am "Streichespielen" auf beiden Seiten: mehr Leute die Streiche spielen und mehr Zuschauer = mehr "Kampf" um die meisten "likes" = Umso schneller: übertriebene, mithin idi..ische Aktionen, wie eben Clowns mit Äxten... Und die Protagonisten sind keine Zwölfjährigen mehr, sondern formal erwachsene Personen.

Alles im Grunde ne ziemlich alberne Sache von Personen die die Pubertät offensichtlich um ein paar JAhre verschlafen haben. Wäre da nicht der Punkt, den ich bspw. in "meiner" Grundschule gerade erlebe: Reihenweise Kinder, die diffuse Geschichten über "Killer-Clowns" hören und weitererzählen und mit jedem "weitererzählen" wird die Geschichte diffuser aber in der Wahrnehmung der Kinder umso realer - weil ja alle von diesen Geschichten erzählen und sie deswegen wahr sein müssen..., 4.Klässler, die auf den "Prank-Karren" aufspringen und mit erfundenen "Clownssichtungen" die Ängste der 1.und2.-Klässler noch schüren, Kinder, die nachts nicht mehr richtig schlafen können, sich nicht mehr allein zur Toilette trauen o.ä., weil da ja sicherlich Clowns sind, die von den Kindern offenbar nicht als zufällige "streichespielende Einzeltäter" sondern als quasi "planende Gruppentäter", fast schon als eine Art "terroristische Vereinigung" wahrgenommen werden. Reihenweise Gespräche mit einzelnen Kindern um deren Ängste zu rationalisieren, was aber verdammt schwierig ist, wenn zwischenzeitlich schon wieder die nächste und übernächste Sau durchs Dorf getrieben wird, resp. Clownsgeschichte über den Schulhof verbreitet wird...
Das Gute ist, dass sich die Sache wohl schon in kurzer Zeit erledigt haben wird, weil ja dann die nächste virale Sau durchs Netz getrieben wird.

Dennoch: Ein Hoch auf unsere infantilen Likesüchtigen und ihre viralinduzierte Amoralität...

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edisonswaybacktogaslighti 26.10.2016, 18:03
16. Höre

jetzt - an dieser "Stelle" - erst mal auf, weiterzulesen: "Nichts anderes sind die Horrorclowns: ein Mem." Spontane Assoziationen: MacGuffin(?), Uniformität, Hülle, Form, Gestalt, Gefäß... Inhalt[e], Kopf, Schädel, Reliquie des Hl. Andreas! Kein Witz! Einfach mal schlau machen! ...

Was ist mit dem Menschen hinter der Maske (der Virtualität)? Verschwindet die einfach? Das ist beileibe kein soo... wahnsinnig neu[ zu beklagend]es Phänomen, nur weil's im Neusprech ein hübsches Wort dafür gibt! Vielleicht den Kopf einmal zu wenig angeschlagen? Lieber [Mann! Leg lieber] mal noch nen Ziegel (!) nach{legen}! Vor d[ein]em nächsten Anlauf...

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theanalyzer 26.10.2016, 18:28
17. Brilliant

Brilliant erkannt. Brillianter Beitrag vom Sascha Lobo.

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he-monsta 26.10.2016, 18:40
18. Immer wieder ein Schmunzeln wert

Großes Lob an Sascha Lobo, und wie er es immer wieder schafft, die Dinge aus einem Blickwinkel zu betrachten, der anderen unangenehm zu sein scheint. Hoch lebe das "anders Denken"! --- Auch wenn ich die Meinung nur bedingt teilen kann, öffnet sie doch weitere Facetten der Interpretationsmöglichkeiten. Danke dafür. --- Zurück zum Thema: Medien sind dafür geschaffen, das hellhörige Ohr genau mit den Inhalten zu beschallen, die es hören will. Berichterstattung über eben diese Themen zu unterlassen, würde Medienunternehmen dem Vorwurf aussetzen, selektiven Journalismus zu betreiben. Im Ergebnis würden Inhalte nur noch stärker durch die Netze geistern und dabei immer falschere "Wahrheiten" in die Köpfe pflanzen (wo wir beim Thema Mem wären). Die einzige Möglichkeit, die ich sehe: berichtet liebe Medien, berichtet berichtet berichtet, solange, bis es jedem zum Hals raus hängt, dann legt sich irgendwann der Hype von ganz alleine, siehe Pokémon (ist ja sooo 2016)!

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wombie 26.10.2016, 18:44
19. Es sind eher hunderte Berichte

Zitat von i.dietz
mit den sogen. Clowns - oft mit Messer, Baseballschläger oder Messer kann schon lange kein Mensch mehr über Clowns lachen. Hier kommt nur noch Panik auf !
über real einige, meistens harmlose, Vorfälle erzeugen bei vielen Panik und Hysterie.
Die Berichterstattung läuft von morgens bis spät in die Nacht auf allen Kanälen und in allen Zeitungen, so dass man sich Horror Clowns nonstop reinziehen kann.
Eigentlich ist das ganze ein schönes Spiegelbild für die Methoden von Populisten, die auch mit völlig absurden in Netzforen hochgeschaukelten Zahlen die Panik ansprechen und ihr Stimmvolk einsammeln.
Jeder erwachsene Mensch ist selbst verantwortlich für seinen Umgang mit Medien und selbst schuld, wenn er sich unreflektiert durch derartigen Medienhypeblödsinn seine Bewegungsfreiheit einschränken lässt und seine Gedanken so von unbegründeter Angst dominiert werden, dass die Lebensfreude reduziert ist. Bedenklich ist, dass diese Ängste auch auf die Kinder der Erwachsenen überschlagen, die sich draußen nicht mehr so unbefangen bewegen können.

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