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Inszenierung der Demokratie: Die große Verstörungstheorie
DPA

Warum funktioniert politische Inszenierung in Zeiten von Social Media nicht mehr so, wie wir sie kennen? Warum schürt sie stattdessen Misstrauen bei den Bürgern? Deshalb.

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rabkauhala 23.11.2016, 14:51
1. Sehr gute Zustandsbeschreibung

Aber wie soll unsere im Grundgesetz definierte Demokratie denn mit/gegen/trotz diesen "elitären Politikdarstellern" weiter entwickelt werden bzw. gegen die Skrupellosen in den Vorständen der Grosskonzerne verteidigt werden. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft wird der Profitorientierung und Profilneurose der Entscheider geopfert - was ist die Lösung?

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ruhepuls 23.11.2016, 15:01
2. Inszenierung...

Jede Führung beruht immer auch auf einem Stück Illusion der Geführten. Ich will nicht wirklich wissen, wie der Chirurg, der mich operieren soll, privat tickt. Vielleicht würde mich das beunruhigen, obwohl er seinen Job trotzdem gut macht. Kluge Führer wussten immer, wie sie dieses "Image" gestalten und pflegen. Aber heute schaut jeder den "Royals" bei der Toilette zu - und da klappt das mit dem Image nicht mehr. Jetzt müssten eigentlich wir alle erwachsen werden und einsehen, dass Ärzte und Politiker und der Papst - und wer sonst noch alles - keine (Halb-)Götter sind. Aber genau das wollen wir nicht. Wir mögen keine realen Bilder, wir sind nur sauer, dass sie nicht so sind, wie wir sie gerne hätten...

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akkzent 23.11.2016, 15:08
3. Schöne Kolumne .... aber ich bleibe dabei!

"Große Teile des Volkes sind dumm", jedenfalls, so sage ich, zu unbedarft für unsere hochgelobte "Demokratie". Was so populistisch daherkommt gilt in Teilen schon. Der Durchschnittsbürger, so es den überhaupt gibt, hat kein wirkliches Interesse an Politik und verfügt daher über keinen geistigen Abwehrmechanismus gegenüber massiver Einflussnahme durch Lobby, Parteien, Medien und Wirtschaftsverbänden. Schade eigentlich.

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coyote38 23.11.2016, 15:12
4. Katastrophe ...

Der Pöbel nimmt sein grundgesetzlich verbrieftes Recht wahr und wählt ... das scheint für die selbsternannten "staatstragenden Demokraten" eine einzige Katastrophe zu sein. Gott, was waren das für schöne und ruhige Zeiten, als man es wie "weiland 2013" mit der im Kanzleramt erdachten Strategie der "Asynchronen Demobilisierung" schaffte, die größte "Partei der Nichtwähler" so nachhaltig einzuschläfern, dass überhaupt niemand zur Urne ging und damit für die Kanzlerpartei eine fast absolute Parlamentsmehrheit realisierte. Da war dann die Kanzlerin selbst fast ein wenig erschrocken: Fast hätte man alleine tatsächlich _regieren_ müssen und wäre ganz allein für alle sichtbar verantwortlich gewesen ...^^
Wenn nun ein Populist jemand ist, der dem Volk (man spricht übrigens auch vom _"Souverän"_) "nach dem Mund redet" ... was ist denn dann jemand, der sich _nicht_ nach dem artikulierten Willen des Volkes richtet ...? Bestimmt kein "Demokrat", oder ...?
Hillary Clinton verlautbarte sich - auf Tonband mitgeschnitten - gegenüber ihren Freunden von der Großindustrie dahingehend, dass "man als Politiker eine öffentliche und eine davon getrennte private Persönlichkeit haben muss". In anderen Worten: "Sag dem Pöbel nicht die Wahrheit oder Du kannst ihn nicht mehr über den Tisch ziehen."
--- Mir braucht niemand das "Denken abzunehmen". Mir braucht auch niemand "Politik besser zu erklären". Ich brauche auch kein "neues Narrativ". Ich bin ein politisch gebildeter, politisch interessierter und politisch engagierter mündiger Bürger, der sich - den technischen Errungenschaften des Jahres 2016 sei Dank - durchaus eigenständig eine Meinung bilden kann. Und _weil_ das so ist erkenne ich - wie mittlerweile _sehr_ viele meiner Mitbürger auch - wie vollkommen hilflos und inhaltsleer unsere politischen "Eliten" den Problemen der Zeit gegenüberstehen. Da sie _nichts_ gelernt haben außer Parteitaktik und "Machtmechanik", werden Probleme nicht gelöst, anstehende Fragen nicht entschieden und Verantwortung nicht übernommen. Stattdessen wird "geduckt", "geschoben", "gestreckt", "gestrichen", "geredet" und "getäuscht".
Ich bin es _satt_. Und viele meiner Mitbürger sind es _mit mir_ satt. Und deshalb schaut man sich nach politischen Alternativen um. So einfach ist das. Und dafür lasse ich mich von den "liberalen, toleranten und weltoffenen Demokraten" auch gerne als "Pack", "Wutbürger", "Anti-Irgendwas" oder "Irgendwas-Hasser" beschimpfen. Wahltag ist Zahltag.

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kleinsteminderheit 23.11.2016, 15:13
5. Schön war die Zeitungszeit - sie kommt nicht wieder

Natürlich war es für alle Beteiligten einfacher, als die Politik ihre Multiplikatoren in Print- und Funkmedien bedienten und diese dann ihrem Publikum die Welt erklärten. Was wir nun erleben ist ein großer Demokratisierungsprozess. Waren zuvor Infos und Meinungen abseits des Mainstreams vereinzelt, so bündeln sie sich nun und schaffen eine Meinungsmacht jenseits von Parteien und Presse. Es besteht da natürlich immer die Gefahr der Desinformation, aber davor ist die Presse ja nun einmal auch nicht gefeit. Die neuen Medien sind eher eine Chance für die Demokratie, denn sie sind direkt Filtern nicht und überspringen Hierarchien. .
Verantwortung ja, auch Bestrafung von Hass, übler Nachreden, Verleumdung und Fake. Zensur nein.

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paula_f 23.11.2016, 15:16
6. Politik als Job - mit bezahlten Ratgebern

kaum ein Politiker kann sich über alle Themen welche zu entscheiden sind grundlegend informieren. Angewiesen sind die Politiker auf Institutionen wie den "Wissenschaftlichen Dienst" des Bundestages und externe Spezialisten. Dumm nur, dass diese externe Spezialisten oft nicht direkt die Interessen des Landes vertreten sondern als Lobbyisten direkt in den Büros der Abgeordneten sitzen. Die Rede von Frau Merkel heute war symptomatisch für neu geschürtes Misstrauen, aufgebaut wie eine Predigt.
Informierten Bürger zeigt diese Rede vor dem Bundestag blanken Zynismus. Der angebliche Erfolg der Energiewende ist keiner (mehr CO2 mehr Kohlekraftwerke mit Quecksilber im Abgas usw). Die Energiewende - ist weitgehend abgewürgt - sogar selbst erzeugter und dann selbst verbrauchter Strom aus Photovoltaik wird mit Steuern belastet, genau damit wird die dezentrale Versorgung welche auch viele neue Überlandleitungen entlastet oder überflüssig macht abgewürgt. Die Entsorgung der Atomkraftwerke und des Atommülls wurde vom Staat dem Energieerzeuger Oligopol abgenommen. Der von ihr als Erfolg gefeierte Klimaplan ist frei von allen konkreten Schritten und Maßnahmen, die Ursachenbekämpfung der Fluchtursachen geht sie erfolgreich an, dumm nur das gleichzeitig bekannt wird, dass die Waffenexporte nach Saudi Arabien und den nahen Osten und speziell die Türkei in nie gekannte Rekordhöhen schnellen. Frau Merkel nennt TTIP pauschal vernünftig notwendig und gut, die Fakten in den Verträgen schaffen jedoch eine private Nebenjustiz und sie schaffen unser Vorsorgeprinzip einfach ab, Erfahrungen wie Contergan oder PCB werden ignoriert. Frau Merkel feiert Handelsabkommen mit Afrika als Erfolg, bekannt ist jedoch das Landwirten und über Jahrhunderte gewachsene Strukturen in Afrika mit solchen Freihandelsabkommen zerstört werden und damit Existenzvernichtend für ganze Bevölkerungsgruppen. TTIP soll es den Saatgutmonopolen auch in Europa ermöglich genau so hart gegen Deutsche Bauern vorzugehen wie jetzt schon gegen amerikanische. Es sind die Fakten die die Wähler beeinflussen, dass angeblich postfaktische Zeitalter gibt es nicht.

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blurps11 23.11.2016, 15:21
7. Dumm ? Nö.

Selbst wenn man Lobos Argumentation folgen wollte, wie sollte man sich denn diesen Fokus auf -Verantwortung- der Wähler vorstellen ?

Man nehme den Brexit, die Jahrhundertentscheidung für die Briten. Trotzdem lag die Wahlbeteiligung gerade mal knapp über 70%, viele wussten selbst über grundlegende Aspekte nicht ansatzweise Bescheid, die man mit 10 Minuten googeln hätte klären können, oder haben sogar einfach nur gegen "die da oben" getrollt.

Die einzige Schlußfolgerung daraus kann doch eigentlich nur lauten, dass die Mehrheit der Wähler vielleicht nicht dumm, aber zweifellos faul, ignorant und auch gerne mal, wait for it, verantwortungslos ist.

Finde ich jetzt nicht unbedingt ermutigend und stützt Lobos sowieso nur angedeutete Konsequenzen auch nicht gerade.

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dreamrohr2 23.11.2016, 15:21
8.

Zitatauszug aus dem Artikel
"Neben den tatsächlichen (in meinen Augen funktionierenden), demokratischen Instrumenten wie Wahlen, Abstimmungen, Parlamenten gibt es deshalb eine allgemein akzeptierte öffentliche Darstellung zur Politikvermittlung"

Also ich weiß nicht, woher der Autor diese Erkenntnis nimmt, dass die demokratischen Instrumente noch funktionieren, ich kann als Beispiel das Volksbegehren gegen Ceta in Bayern bringen, welches sehr beeindruckend mit vielen Unterschriften für die Zulassung begann, als dann aber seitens des Bayerischen Innenministeriums einen Riegel vorgeschoben wurde, indem dieses Volksbegehren NICHT zuließ. IST DAS DEMOKRATISCH? In Anbetracht der Rechtsprechung, dass Ceta erst mal durch den Bundestag muss??
SO hungert man Demokratie aus!!! Für mich ist es mittlerweile SEHR OFT, nur Augenwischerei!
Das ist eines der vielen Beispielen, wo unsere "Demokratie" einfach nicht mehr das ist, als was man sie uns verkauft.
Ist es demokratisch, dass Finanzunternehmen den Banken zur Seite stehen, um den Staat um 10 Milliarden Steuereuro zu erleichtern?
Demokratie steht leider nur noch auf der Packung, der Inhalt ist Neofeudalismus!!!

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wecan 23.11.2016, 15:21
9.

Das mag ja alles durchaus so sein, aber es ist nicht die Hauptursache für meine unguten Gefühle gegenüber der aktuellen Politik. Die Hauptursache liegt ganz einfach darin, dass die Aussagen der Politiker meinen Intellekt beleidigen.

Mal ein ganz aktuelles Beispiel: „Offenheit wird uns mehr Sicherheit bringen als Abschottung“, erklärt die Kanzlerin.

Klar, wenn ich meine Haustür Tag und nacht sperrangelweit offen stehen lasse, lebe ich sehr viel sicherer, als wenn ich diese zumache und abschließe. Das leuchtet natürlich jedem intuitiv ein.

Das ganze hat doch mittlerweile schon etwas von Orwells Neusprech. Aber ich persönlich werde mich so lange wie möglich dagegen wehren, mir das politisch verordnete Wunschdenken indoktrinieren zu lassen.

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