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Inszenierung der Demokratie: Die große Verstörungstheorie
DPA

Warum funktioniert politische Inszenierung in Zeiten von Social Media nicht mehr so, wie wir sie kennen? Warum schürt sie stattdessen Misstrauen bei den Bürgern? Deshalb.

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fred2013 24.11.2016, 10:32
120. Dumm oder klug ist eigentlich egal ...

die politischen Parteien haben lt. GG die Aufgabe die Menschen bei der politischen Willensbildung zu unterstützen. Wenn aber wie bei den TTIP/CETA/TISA Verhandlungen berechtigte Zweifel einfach ignoriert werden und kein gesellschaftlicher Austausch geführt wird, sonder Gegenargumente mit Floskeln (Die Deutschen sind reich und hysterisch) vom Tisch gefegt werden, anstatt sich mit den Argumenten zu beschäftigen, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Wähler irgendetwas wählt, was durchaus auch zu seinem Nachteil gereichen kann.
Die Diskussion über Volksabstimmungen ist ein super Beispiel. Die Politiker argumentieren, die Bürger könnten keine Entscheidungen treffen, weil sie nicht das Wissen für wichtige Entscheidungen hätten, betreiben aber Desinformation im großen Stil. Dem Bürger also Unkenntnis zu unterstellen, bei einem fortlaufendem Prozess der Fehlinformation ist schon ganz großes Kino.
Beispiel TTIP: Die Gegner davon sind keine Gegener des freien Handels, sondern Gegner von Beieinträchtigungen der demokratischen Prozesse und der Möglichkeit Verbraucherschutzgesetze wegzuklagen. Das ist unanständig. Die Argumente der Gegener sind stichhaltig, Politiker sind gut beraten sich damit auseinanderzusetzen. Genau das passiert aber nicht und deshalb schwindet das Vertrauen in die Politik mit jedem Tag

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Dengar 24.11.2016, 10:37
121. Postfaktisch

Zitat von altmannn
zu "Mehrheiten" wäre ich vorsichtig. Letztes Mal haben sich 70% der Bevölkerung zum Merkelkurs bekannt. Entweder durch direkte Wahl, oder durch Wahlenthaltung.
Soll ich Ihnen mal die Gegenrechnung aufmachen?
2013 ist die Merkel-CXU von 29,67% der Wahlberechtigten gewählt worden, also von nicht einmal einem Drittel. Alle anderen Wähler haben andere Parteien gewählt - und da Sie hier ja auf die Nichtwähler abzielen, behaupte ich mal, die wollten Merkel auch nicht, weil sie sie sonst gewählt hätten.
Von der Leyen hat mit diesem unsäglichen Unfug der Vereinnahmung der (Nicht-)Wähler nach der Meck-Pomm-Wahl das Tor zum Postfaktischen weit aufgestoßen - und wenn sich diese Denke etabliert, dann sind wir dort angekommen.
Allerdings nicht die Bürger, sondern die Politiker.

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querdenker1964 24.11.2016, 10:45
122. An der Schwelle zur Zensur.

Ach, wenn es so wäre, wie Herr Lobo hier erläutert. Es ist noch viel einfacher - es geht hier nicht um Werte, wie Nächstenliebe, Moral oder Humanismus. Diese Werte werden von den herrschenden Eliten im Diskurs so instrumentalisiert, wie in früheren Zeiten Begriffe wie Ehre, Vaterland und Kameradschaft...Eine große Anzahl von Menschen lässt sich auf diese Weise hinter die Fichte führen, aber wie Lincoln schon sagte, nur temporär. Leider werden diese Werte damit auch pervertiert und daraus resultieren wiederum Begriffe wie "Gutmensch" oder "xxxxx-versteher" als Antwort. Worum es wirklich geht ist, es gibt Menschen, die Macht haben (Politische, Meinungs- oder Geldmacht) und Gruppen, die diesen die Macht abjagen wollen - so einfach ist das Herr Lobo! Es gibt da draussen irgendwo einen anderen "Lobo" mit ähnlicher Qualifikation, Hintergrund, Bildung etc., der eben genau das will, von dem er denkt, dass Sie es haben - ein zu kurz gekommener -wie man diese Menschen heute nennt. Davon gibt es anscheinend mehr, als es sich die Angehörigen der derzeitigen Elite vorgestellt haben - und die stimmten für den Brexit und für Trump, vielleicht nächstes Jahr für Le Pen oder Petry. Wer an der Macht bleiben will, sollte seine Machtbasis daher verbreitern - sprich "teilen", divide et impera!

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GoranBaranac 24.11.2016, 10:48
123. Vielleicht ist das bei einigen so.

Zitat von muellerthomas
Aber da die AfD mit solchen Aussagen genauso redet, wie ein Teil der Bevölkerung, die genau wie die AfD-Politiker noch nie dort vor Ort war, trifft sie den Zeitgeist. Es handelt sich um gefühlt richtige Aussagen. So wie es in Sachsen auch kaum Ausländer gibt, aber offenbar sehr viele Menschen Angst vor Überfremdung haben - während ich nicht den Eindruck habe, dass die Menschen in Berlin Kreuzberg oder der Dortmunder Nordstadt diesen Eindruck so teilen.
Mit 6 Jahren als Mieter in einer Sozialwohnung in Köln-Ehrenfeld und mehreren Freunden in Köln-Kalk habe ich das Gefühl aus eigener Erfahrung sprechen zu können. Ich kann Herr Lobo bestätigen - mir ist nix passiert.

Aber da hab ich das erste Mal in meinem Leben Prügeleien am helllichten Tag neben einem Spielplatz erlebt, dunkle Gestalten die sich in Parks Ecken zum dealen suchen, eine heulende 18jährige die frisch von ihrem "Freund" durchgebleut auf der Straße hockte weil sie nicht für ihn anschaffen wolle, Leute die mir ihre leere Burger-Packung vor die Füße warfen und meine Frage was das soll mit "Willsu auf´s Maul?" beantworteten, Südländer die meinen ihre Schwester/Cousine/Freundin öffentlich mit Ohrfeigen auf Spur bringen zu dürfen, Leute die ihre Ehefrau in einer Ubahn-Haltestelle verprügeln, einen bulgarischen Arbeiterstrich, türkische Hochzeitskolonnen bei denen die männliche Besatzung dich im Vorbeifahren anguckt als ob sie nur darauf warten, dass Du was falsches sagst oder machst damit sie dich verdreschen können, Roma die auf offener Straße ihre "Ehren"-Probleme so laut diskutieren, dass man denkt es wird gerade jemand umgebracht, Fitnessclubs in denen man sich ohne Vollbart, Pluderhose und Tshirt mit arabischen Schriftzeichen total fehl am Platz vorkommt, Einwandererkinder die zwischen Zapfsäulen an einer Tankstelle spielen weil es die Erziehungsberechtigten nicht kümmert und denen man nicht sagen kann dass das gefährlich ist weil sie einen nicht verstehen und es sie auch nicht interessiert, einen Typ der sich wegen seiner Ausweisung vorm REWE angezündet hat, einen Türke der an Silvester von zwei halbstarken Landsleuten totgeschlagen wurde weil er ihnen sagte sie sollten ihre Böller nicht mehr den Leuten unter die Füße werfen, die Auseinandersetzungen zwischen Teens in Jungendzentrum gegenüber an jedem Wochenende und das um zerbrochene Bierflaschen, Erbrochenes und vollgewixte Taschentücher Drum-rum-laufen am Morgen danach wenn man Brötchen holen geht genauso wie das hin-und-wieder vorkommende Bürgersteigwechseln wenn einem wieder Gruppen junger Männer mit stieren Blicken entgegenkommen.

Also mir ist nix passiert - ja. Richtig toll fand ich die 6 Jahre Multikulti in Ehrenfeld aber nicht...

Was ich noch erschreckender finde ist aber, dass Ausländer die nur gelegentlich ins Rheinland kommen meine Eindrücke bestätigen. Einen Landsmann von mir lernte ich beim Lidl an der Kasse kennen. Nach zwei Sätzen fing er an zu lamentieren, dass dieses Land hier nicht mehr Deutschland sei - Pakistan, Türkei, irgendwas in der Richtung, aber nicht mehr das Deutschland in welches er seit Jahren auf Montage fährt. Raten Sie mal ob er das positiv meinte...?

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querdenker1964 24.11.2016, 10:59
124.

Zitat von kayakclc
Das post-faktische Zeitalter erfährt einen laufenden Zustrom von Leuten. Die Welt ist komplex, und komplexe Zusammenhänge lassen sich oft nicht mehr in 2 Minuten MTV (youtube) clips erklären. Die Menschen sind ungeduldiger geworden, und gleichzeitig nicht mehr bereit, sich mit Themen intensiver zu beschätigen. Fakten und Erkenntnisse werden daher sehr schnell durch Glaubensbekenntnisse ersetzt. Ob die mit Fakten untermauerbar sind, interessiert wenige. Das Phänomen ist nicht neu. Oft versuchen Leute, Fakten und Naturgesetze durch Abstimmungen (Demokratie) oder Dekrete (Diktatur) außer Kraft zu setzten. Eine eigene bequeme Realität wird erschaffen. Das gilt für die Meinungsmacher in der Politik genauso wie für Leute auf der Straße, dem Wahlvolk. Wir machen es uns zu einfach, Andersdenkende in die Kategorie "Verschwörungstheoretiker" zu stecken, anstellen sich mit der Ursache zu beschäftigen, warum Leute in unserem post-faktischen Zeitalter gerne Fakten ignorieren, wenn sie der eigenen Weltanschaunung widersprechen. Das gilt nämlich für alle Gruppe, Linke, oder AfDler ebenso wie die Trumpwähler. Für mich ist die Sehnsucht nach der Erde als Scheibe, die Rückbesinnung auf die Voraufklärungszeit des Mittelalters im Jahre 2016 eine nicht nachvollziebhares aber doch bedrohliches Phänomen, das auf eine tiefe Verunsicherung der Menschen hinweist. Im Zeitalter des Internetz scheinen wir dem Datenkollaps zu erliegen, weil die Schulbildung nicht gut genug ist, aus der Informationsflut die relevanten Fakten herauszufiltern. Gefühlt ist bei vielen Menschen eben 1+1=3!
Schön dargestellt, leider gibt es nicht nur "eine" Wahrheit. Wenn dies so wäre, wäre eine wirkliche Auseinandersetzung um politische Ziele reine Zeitverschwendung. "Postfaktisch" ist zudem eine Worthülse, um Andersdenkende als "Blödlackel" zu diffamieren. "Fakten" sind in diesem Zusammenhang leider oft Aussagen, die von eigenen Denkmodellen oder Theorien gestützt werden und Statistiken sind menschengemacht an die man, folgt man der sarkastischen Begründung, nur glauben sollte, wenn man sie selbst gefälscht hat. So und jetzt sind Sie dran, mit der Wählerschelte.....

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Premiumbernd 24.11.2016, 11:04
125. Tschuldigung

Zitat von mostly_harmless
Tschuldigung, was fabulieren Sie hier über "aufoktroyieren"? Das hier ist ein freies Land, und jeder ist frei in der Wahl seines Wohnortes. Sie möchten das ändern, Sie möchten "rassisch reine" Wohngebiete? Da würd ich ihnen aber dringend empfehlen, sich ein anderes Land zu suchen. Ist ja unglaublich was mancher hier an geistigen Ergüssen produziert.
Das heißt, sie wollen den Menschen dort Flüchtlinge zuweisen / zuteilen (aufoktroyieren) und wem das nicht passt soll wegziehen?
Interessante Meinung. Und sie wundern sich über die Erfolge der AfD? Doch nicht wirklich.
Wie sie allerdings jetzt auf rassisch reine Wohngebiete kommen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber eigentlich ging es ja um den Kommentar zu Parallelgesellschaften auf den ich geantwortet habe.
Aber wie schrieben sie so schön: Ist ja unglaublich was mancher hier an geistigen Ergüssen produziert.

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querdenker1964 24.11.2016, 11:09
126.

Zitat von reviloland
Wer hätte das gedacht, dass die Informations-Revolution des Internets die Grundlagen der Demokratie untergräbt. Wir dachten die Social Media Revolutions gäbe es nur im Arabischen Frühling. Tatsächlich wird durch das Internet gerade die herkömmliche Presse abgeschafft. Und ohne Presse keine Demokratie.
Ohhh weiha, sind Sie Journalist? Oder lesen Sie zumindest Printmedien? Dann erklären Sie mir einmal, warum es in der Presse nur noch graduelle Unterschiede in der Beurteilung des politischen Tagesgeschehens gibt? Ach so, die sind alle einer Meinung, weil es die Richtige ist - dann sollte ich die vielleicht auch wieder lesen.....

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Freier.Buerger 24.11.2016, 11:34
127. post-verantwortlich

Seit mindestens 20 Jahren wird den Leuten eingebläut, für nichts verantwortlich zu sein, weder für das eigene Auskommen noch für die eigene Bildung auch nicht für die Bildung seiner Kinder, nicht für seine Gesundheit, nicht für Vorsorge eben für gar nichts.
Ein Schuldiger ist schnell ausgemacht, es ist DIE GESELLSCHAFT. Natürlich nicht die ganze Gesellschaft, Frauen nicht, Arbeitslose nicht, Migrationshitergründige schon mal gar nicht...
Wenn doch mal irgendjemand ganz leise den Finger gehoben hat und meinte, dass jeder doch ein bissel Verantwortung wenigstens für sich selbst, seine Bildung und/oder die seiner Kinder übernehmen sollte, war er medial ganz schnell untern durch, weil das ja unsozial und neoliberal und überhaupt wäre.
Jetzt zeigt das Wegreden von Verantwortung endlich Wirkung. Immer weniger übernehmen sie für sich, ihre Familie, ihr Umfeld, ihre Gesellschaft und die, die das verursacht haben - Politiker, Medien, auch Sie Herr Lobo - wundern sich.
Diejenigen, die keine Verantwortung spüren für sich oder unsere Gesellschaft, wählen entweder gar nicht mehr oder jene, die ihnen irgendetwas blaues vom Himmel versprechen.

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DerBlup 24.11.2016, 11:44
128. interessante Analyse

Danke für diese interessante Analyse.
Ich kann allerdings der versöhnlichen Schlussfolgerung nicht ganz folgen. Ich persönlich erwarte, dass die Politik 2 Dinge tut:

1.) Aktuelle Probleme lösen.
2.) Eine langfristige Agenda verfolgt, zB 'soziale Gerechtigkeit' oder 'alle Macht dem Markt' und die mittelfristigen Ziele klar definiert.

Ich finde es ja auch interessant, wenn die Politiker sich in den Talkshows fetzen, aber das ist nicht ihr Job. Wenn sie das gerne tun möchten, bitte schön, aber ich erwarte, dass sie og. Dinge tun. Nur dafür werden sie gewählt. Nicht für das Kasperletheater.

Das tun sie nicht. Politiker denken, die Verbreitung ihrer Ansichten, das Marketing, wäre ihr Job.
Der Grund dafür ist wohl, dass politische Ämter nicht mehr als Berufung wahrgenommen werden, sondern als Karriere. Die meisten Politiker heute haben in ihrem Leben nichts anderes gemacht als Politik. Nach ihrem Jura- oder Lehramtsstudium sind sie als Profis in die Politik gegangen. Ihr Interesse liegt im Joberhalt und das funktioniert nur, indem man sich aus der Lösung schwieriger Fragen heraus hält und so das Risiko für Fehler minimiert, die ja den Job kosten könnten. Gerade in einer Kultur, die keine Fehler verzeiht.

Der Bürger nimmt dies wahr. Er kennt diese Muster aus seinem eigenen Berufsleben. Er verdient allerdings nur einen winzigen Bruchteil (auch als qualifizierter Akademiker) des Gehaltes eines Politikers. Deshalb erwartet er von den Politikern, mehr Risiko zu gehen und eben die Probleme anzugehen. Das passiert nicht. Stattdessen wird an der eigenen Karriere geschraubt. Das nimmt der Bürger als Establishment wahr und genau das ist ja auch die Definition.

Politik sollte als Projektarbeit angesehen werden, als ein vorübergehendes Lösen von Problemen. Man könnte zB die gesamte Zeit in politischen Ämtern auf zB 10 Jahre beschränken. Das hätte ausserdem zur Folge, dass wir mehr berufs- und lebenserfahrene Leute bekommen, was IMHO eine substanzielle Verbesserung wäre.

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w.schuler 24.11.2016, 11:58
129. Ein Beispiel aus der Zoologie

Ratten nehmen durch Aufnahme von Rattenkot B-Vitamine auf. Hindert man sie daran,z.B. durch einen Gitterrost im Käfig, gehen sie ein.
Das breite Publikum nimmt die geistigen Exkremente der Bewußtseinsindustie, zu der auch Münkler gehört auf und gedeiht prächtig dabei. Der Kot ist für die Ratte kostenlos. Die o.g. Industrie aber kassiert kräftig ab, lebt in Saus und Braus und verhöhnt das vorher verdummte Publikum am Ende der Veranstaltung wegen eben dieser Dummheit.
(Lebte Ambrose Bierce noch hätte er genau das gesagt)
Ein Beispiel: Das Remake des Pearl Harbour Films wurde vor dem 11.9.2001 geplant. Die Premiere war exakt getimt um die Kriegswut zu stimulieren und trieb scharenweise junge Menschen in die Streitkräfte.

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