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Internet-Kommentare von Automaten: AfD will im Wahlkampf Meinungsroboter einsetzen
DPA

Social Bots können die Meinungsbilder im Netz erheblich verzerren. Die im Bundestag vertreten Parteien lehnen deshalb den Einsatz solcher Tarnprogramme im Wahlkampf ab - nur die AfD will sie nach SPIEGEL-Informationen nutzen.

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mac4me 22.10.2016, 18:53
210. Gesellschaftliche Mechanismen

Ich erkläre, ich bewerte nicht. Wenn es gesellschaftlich bedeutsame Reaktionen gibt, so handelt es sich immer um Mechanismen, die viel größer als der Einzelne sind. Und Menschen reagieren seit Jahrtausenden ähnlich, das ist in der Invarianz der menschlichen Psychologie begründet.

Der Einzelne ist immer moralisch verantwortlich, ganze Teile der Gesellschaft - da Ist eine solche Kategorie nicht gerechtfertigt. Es gibt in diesem Sinne weder Tätervölker noch Opfervölker beispielsweise. Aber es gibt Täter und Opfer, manchmal sogar massenhaft.

Sie schreiben "All das rechtfertigt aber nicht jetzt, aufgrund der verständlichen Enttäuschungen vieler Ex-DDR-Bürger, die gesamte BRD wieder in ein totalitäres Regime zu treiben."

Gerechtfertigt oder nicht, es ist ein gesellschaftlicher Mechanismus. Sie und ich werden den nicht ändern. Den zweiten Halbsatz halte ich im Übrigen für übertrieben. Aber es ist wohl klar, daß das niemand will, von ein paar faschistoiden Schreihälsen abgesehen. Aber die fallen halt auf - das wollen sie ja auch.

Ich gestehe das übrigens auch der AfD zu, kein totalitäres Regime anzustreben. Es mag Ausfransungen zum Rechtsradikalismus geben, aber so etwas wie Reichsbürger oder NPD hat auch im Osten nie den Hauch einer Chance, relevante Wählergruppen zu erreichen.

Was am Osten nicht verstanden wird, ist die Tendenz in Medien, unangenehme Tatsachen unter den Teppich zu kehren oder klein zu halten, wenn sie nicht ins Bild passen. Das hatte man 40 Jahre und ist froh, es los zu sein. Das ist jetzt zwar besser geworden, war aber jahrelang der Fall. Der proletarisch geprägte Osten (im Gegensatz zum bürgerlichen Westen) ist grundsätzlich Schimanski-mäßig drauf und hat kein Verständnis für beschönigende Sprachregelungen oder Tabuthemen.

Invasion aus dem Osten, auf die sie anspielen: ich kann mir genau vorstellen, wie viele Arbeitnehmer im Westen reagiert haben, als sie plötzlich neue Billigkonkurrenz aus dem Osten bekamen. Die waren bestimmt auch nicht begeistert. Ich mache auch "dem Westen" keine Vorwürfe, jedenfalls nicht den einfachen Leuten. Den Verantwortlichen aber sehr wohl, denn die kannten ihre Pappenheimer und wussten, was passieren würde.

Das heißt - ganz stimmt das auch nicht, denn wenn ich höre, dass immer noch ein bedeutender Teil der Westler noch nie im Osten war - das stimmt mich schon bedenklich. Weil Urteile über "den Osten" hat ja wohl jeder.

Noch eine Korrektur: Der wirtschaftliche Bankrott war nicht ausschlaggebend für die "Wende". Diesen Bankrott hatten wir schon seit Jahrzehnten. Ausschlaggebend war die Möglichkeit, die sich durch Gorbatschow und die Paralyse der SED bot.

Aber etwas von außen sehen, und etwas selbst erleben und ein Teil davon zu sein, das sind zwei völlig verschiedene Schuhe. Ich kann Ihnen nur sagen: das müssen Sie erleben, um es nachvollziehen zu können. Oder aber besser nicht.

Es gibt noch mehr Strittiges, auf das ich aber jetzt aufgrund der bereits erreichten Länge des Textes nicht eingehe. Ich halte im Übrigen solche Diskussionen für dringend notwendig, stelle aber fest, dass sie kaum stattfinden.

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mac4me 22.10.2016, 19:08
211. Das sehe ich ganz genau so

Zitat von luny
nach meiner bescheidenen Meinung werden ständig Gruppen aufeinander gehetzt, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Rechts gegen links, jung gegen alt, Ost gegen West und anders herum. Die sozialen Verwerfungen gibt es, weil die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Bis zur Wiedervereinigung gab es im Westteil Deutschlands die soziale Marktwirtschaft. Erst als der "Kommunismus/Sozialismus" (bzw. eben das, was dafür gehalten wurde) den Systemkrieg verloren hatte, konnte der Kapitalismus auftrumpfen und seine soziale Maske fallen lassen. Den Erfolg der AfD schreibe ich der fehlenden Opposition im Bundestag zu. Wenn die Wähler mit der Politik unzufrieden sind, weil viele erkennen, daß es für sie persönlich bergab geht, sollte diese Reaktion nicht verwundern.
Die AfD wird im Osten so lange weiter gewählt werden, wie die Politik sich weigert, das Ruder herumzureißen, d.h. dem Auseinanderdriften der Gesellschaft Einhalt zu gebieten.

An der Flüchtlingsfrage hat sich dies kristallisiert, diese ist aber nicht die eigentliche Ursache. Sie hat nur die latenten Widersprüche und Ungerechtigkeiten zugespitzt und ins Bewusstsein zurückgebracht.

Der Westen hat schon aufgegeben, das von der Politik zu erwarten, der Osten noch nicht. Eigentlich wäre die SPD dafür die geeignete Partei, nur hat die Hartz IV eingeführt, was als Verrat empfunden wurde und wohl auch einer war.

Die Politik hat kein Interesse an der Beseitigung der schreienden Ungerechtigkeiten, sie sitzt ja auf der Gewinnerseite. Divide et impera.

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ed_tom_bell 22.10.2016, 19:12
212. Chaotische Kausalitäten

Zitat von luny
Hallo Ed_tom_bell, nach meiner bescheidenen Meinung werden ständig Gruppen aufeinander gehetzt, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Rechts gegen links, jung gegen alt, Ost gegen West und anders herum. Die sozialen Verwerfungen gibt es, weil die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Bis zur Wiedervereinigung gab es im Westteil Deutschlands die soziale Marktwirtschaft. Erst als der "Kommunismus/Sozialismus" (bzw. eben das, was dafür gehalten wurde) den Systemkrieg verloren hatte, konnte der Kapitalismus auftrumpfen und seine soziale Maske fallen lassen. Den Erfolg der AfD schreibe ich der fehlenden Opposition im Bundestag zu. Wenn die Wähler mit der Politik unzufrieden sind, weil viele erkennen, daß es für sie persönlich bergab geht, sollte diese Reaktion nicht verwundern. LUNY
Naja, dass es eine Reaktion gibt wundert mich auch nicht. Den Mangel an Opposition sehe ich ja auch. Aber wieviel Sinn macht es nach rechts abzudriften? Ein großer Teil der westdeutschen Bevölkerung hat schon immer gegen die eigenen Interessen die Union gewählt. Ein sehr großer Teil der ostdeutschen Bevölkerung nach der Wende übrigens auch. Einfach aus diffusen Vorstellungen heraus die da lauten: "Konservativ ist gut, da weiß man wenigstens halbwegs was man hat, weil man es von früher kennt" und "Die Reichen können mit Geld umgehen, das garantiert Wohlstand, da fällt für uns bestimmt auch genug ab" (dieses vermeintliche Argument wurde ja in letzter Zeit auch von Trump-Anhängern allen Ernstes gebraucht). Und was man dann hatte waren eben zunehmend Verhältnisse in denen die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Feudale Verhältnisse, wie früher, als ja bekanntlich alles besser war. Der wohl effizienteste Wahlhelfer den die CDU je hatte, Gerhard Schröder, hat dem auch nichts entgegengesetzt. Er war wohl auch ein Produkt dieses absurden Wählerverhaltens. Jetzt fühlt man sich von diesen Verhältnissen, die man selbst gewählt hat, veräppelt und driftet nach rechts, weil die Rechten ja noch konservativer scheinen. Wundern Sie sich nicht wenn wir uns in der Steinzeit wiederfinden und unsere Nachbardörfer mit Keulen bekämpfen. Die dafür notwendigen Neandertaler können sie schon jetzt nachts mit Brandsätzen um Flüchtlingsheime schleichen sehen. Und die frustrierten Wähler und "besorgten Bürger", die denen in die Hände spielen, die da zündeln und das Land, die Demokratie, den Rechtsstaat kaputt machen, entschuldigen ihr verantwortungsloses Handeln damit, dass die Leute, die sie da früher immer hartnäckig gewählt haben, sie dazu provoziert hätten. Und schaden sich damit vor allem selbst und uns allen.

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manicmecanic 22.10.2016, 19:18
213. @25 schlaueralsschlau sehr witzig nur bei AFD gibts keine Kritik ?

merken Sie eigentlich was Sie da für Unsinn abgeben?Bei CDU SPD gibts also Kritik von Mitgliedern?Ah das war dann wohl als beim Parteitag Merkel standing ovations bekam oder Gabriel volle Zustimmung in Sachen Ceta als bei anderen Parteien die Kritiker sichtbar wurden?

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bärbel_steinacker 22.10.2016, 19:25
214.

Na klar, alle anderen sind die reinsten engel. Wer benötigt denn eigentlich meinungsumfragen? Also ich nicht wirklich denn die meisten davon sind manipuliert. Also setzt die AFD jetzt bots ein, na und? Dafür haben die altparteien ihre medien, welche so manches für sie ins "richtige licht" setzen. Ich bilde mir selber meine meinung ohne mich von medien oder bots beeinflussen zu lassen. Aber wollen wir schon auf eines wetten....? Je näher wir den wahlen rücken um so beliebter wird Frau Merkel werden > zumindest nach sogenannten meinungsumfragen ;-)

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Leser161 22.10.2016, 19:49
215. Wo ist das Problem?

Stellen wir uns jetzt mal vor die Hälfte der Posts in diesem Thread würde lauten "Flüchtlinge sind an allem schuld" würde das irgendwas ändern irgendwen überzeugen?

Nein.

Es kommt auf das Argument an. Entweder man hat ein gutes Argument oder nicht. Xmal hohle Phrasen zu verbreiten macht sie nicht wahrer.

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luny 22.10.2016, 22:44
216. Ein politisches Dilemma

Zitat von mac4me
An der Flüchtlingsfrage hat sich dies kristallisiert, diese ist aber nicht die eigentliche Ursache. Sie hat nur die latenten Widersprüche und Ungerechtigkeiten zugespitzt und ins Bewusstsein zurückgebracht. Der Westen hat schon aufgegeben, das von der Politik zu erwarten, der Osten noch nicht. Eigentlich wäre die SPD dafür die geeignete Partei, nur hat die Hartz IV eingeführt, was als Verrat empfunden wurde und wohl auch einer war. Die Politik hat kein Interesse an der Beseitigung der schreienden Ungerechtigkeiten, sie sitzt ja auf der Gewinnerseite. Divide et impera.
Hallo Mac4me,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Zufällig habe ich die Rede des Agenda-2010-Kanzlers am 14.03.2003
live im Fernsehen verfolgt.

Den "Genossen" im Plenum fiel merklich die Kinnlade herunter.

Mir auch.

Okay, wenn CDU/CSU/FDP den sozialen Kahlschlag verkündet hätten,
wäre die Verwunderung gering gewesen.

Aber die SPD/Grünen?

Die "Volkspartei" SPD war einmal. Die CDU verliert auch gravierend
an Boden. Völlig zurecht! 2013 stand die CDU/CSU knapp vor der
absoluten Mehrheit. So ändern sich die Zeiten.

LUNY

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luny 22.10.2016, 23:06
217. Hilfe! WEN oder WAS sollen wir denn wählen???

Zitat von ed_tom_bell
Naja, dass es eine Reaktion gibt wundert mich auch nicht. Den Mangel an Opposition sehe ich ja auch. Aber wieviel Sinn macht es nach rechts abzudriften? Ein großer Teil der westdeutschen Bevölkerung hat schon immer gegen die eigenen Interessen die Union gewählt. Ein sehr großer Teil der ostdeutschen Bevölkerung nach der Wende übrigens auch. Einfach aus diffusen Vorstellungen heraus die da lauten: "Konservativ ist gut, da weiß man wenigstens halbwegs was man hat, weil man es von früher kennt" und "Die Reichen können mit Geld umgehen, das garantiert Wohlstand, da fällt für uns bestimmt auch genug ab"
Hallo Ed_tom_bell,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Wenn ich die Bundestagswahl 2013 Revue passieren lasse, kann
ich Ihnen versichern, daß ich mich selten so hinter die Fichte geführt
fühlte wie im September 2013.

Es gab die Kanzlerkandidatin der CDU/CSU, es gab den Kanzler-
kandidaten der SPD, die GEGENEINANDER antraten.

Dem Wähler wurde suggeriert, er habe eine WAHL.

Wahlergebnis: Die SPD/Grünen/LINKE hatten die Bundestagswahl
GEWONNEN.

Die amtierende Bundeskanzlerin war 2013 abgewählt. Die
CDU/CSU verfehlte die absolute Mehrheit zwar nur knapp, aber
verfehlt ist eben verfehlt.

Danach folgte ein wochenlanges Gewürge, mit dem Ergebnis, daß die
abgewählte Bundeskanzlerin in der großen Koalition im Amt blieb.

Um das 2017 zu verhindern, kann der geneigte Wähler sein Kreuzle
irgendwo machen, aber nicht bei der CDU/CSU/SPD/GRÜNEN/FDP.

LUNY

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