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Ist Street View ein Problem?

Fühlen Sie sich von Googles Kamera-Autos in ihrer Privatsphäre bedroht? Oder sind die Straßenansichten ein nützlicher Dienst, die Fotos öffentlicher Orte unproblematisch?

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ekdotin 26.02.2010, 10:44
1.

Zitat von sysop
Fühlen Sie sich von Googles Kamera-Autos in ihrer Privatsphäre bedroht? Oder sind die Straßenansichten ein nützlicher Dienst, die Fotos öffentlicher Orte unproblematisch?
Ich bin zu diesem Thema selbst noch hin- und hergerissen. Immerhin muß ich aber anerkennen, daß die Software inzwischen sehr gut dazu in der Lage ist, Nummernschilder und Gesichter unkenntlich zu machen. Wenn nun aber einer mit einem bunt angemalten Hippie-Bully oder auch nur auffälligen Klamotten unterwegs ist, helfen natürlich auch solche Maßnahmen nichts. Nein, eigentlich ist mir das zu viel Eingriff in die Privatsphäre. Wenn die Amis auf sowas Bock haben, bitteschön, vielleicht sollten wir Europäer das ausnahmsweise mal nicht kopieren.

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superpuper 26.02.2010, 11:13
2. Bedrohung

Ich, ganz persönlich, sehe in der Gesamtheit der Aktivitäten von Google eine größere Bedrohung der demokratischen Freiheiten als durch irgendwelche andere Terroristen. Agressives Geld, schnell verdient und dann sofort zur Eroberung neuer claims eingesetzt, dagegen kann sich ein kapitalistisches System kaum wehren, denn davon nährt es sich...

Und kommt bloß nicht auf die Idee, einer Erfassung zu widersprechen. Nichts macht euch verdächtiger: Der hat was zu verbergen!

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tobin 26.02.2010, 11:19
3.

Also bei aller Liebe, tausende Firmen machen Fotos von öffentlich zugänglichen Plätzen. Und jetzt wo einmal alle was davon haben könnten verhindern das irgendwelche Politiker, die denken dass man die URL in die Google-Suchzeile einfügen muss und nicht wissen was ein Browser ist.
Irgendwann reichts.

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Politschlumpf 26.02.2010, 11:39
4. Das Problem liegt woanders

Bislang war es stets erlaubt, vom öffentlichen Raum alles zu fotografieren, auch Personen, solange sie nur "Beiwerk" sind. Warum auch nicht, denn hier kann man auch sonst alles sehen. Es gibt auch schon seit Ewigkeiten Luftbilder, die nicht nur bei Google Maps veröffentlich werden. Selbst die Städte, die sich jetzt so bedroht fühlen, veröffentlichen solche Aufnahmen. Bestes Beispiel: Die Stadt Ratingen, die sogar eine Fotoabgabe erheben möchte, stellt auf ihrer Homepage 3-D-Ansichten zur Verfügung, und zwar ohne Schwärzung von Häusern oder Personen.

Wenn jetzt gefordert wird, Google soll sich vorab von jedem Hausbesitzer eine Genehmigung holen, muss dies zwangsläufig auch für alle anderen Fotografen gelten. Für Kunstfotografen, Bildverlage, Journalisten, Kamerateams wird eine solche Regelung Existenz bedrohend sein. Vielleicht muss auch künftig jeder Tourist sich vorher eine Genehmigung einholen? Was für eine Bürokratie soll hier losgetreten werden, nur weil man neidisch auf einen Großkonzern ist? Und was ist mit den Millionen privater Fotos, die bereits im Netz stehen, und auf denen irgendwelches Privateigentum zu sehen ist. Man könnte die Sache weiterspinnen und sich fragen, ob überhaupt noch etwas fotografiert werden darf.

Dies wäre wesentlich gefährlicher als Google, ein Angriff auf Pressefreiheit und Freizügigkeit und etwas, das es selbst in der DDR so nicht gab!

Ganz davon abgesehen, dass der öffentliche Raum sowieso schon überwacht wird. Und zwar permanent: durch die Kameras jener kommunalen Kräfte, die sich jetzt ach so für Datenschutz einsetzen.

Und wer Angst vor Datenpreisgabe hat, sollte sich am besten gar nicht ins Internet begeben.

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Politschlumpf 26.02.2010, 11:41
5. Das Problem liegt woanders

Bislang war es stets erlaubt, vom öffentlichen Raum alles zu fotografieren, auch Personen, solange sie nur "Beiwerk" sind. Warum auch nicht, denn hier kann man auch sonst alles sehen. Es gibt auch schon seit Ewigkeiten Luftbilder, die nicht nur bei Google Maps veröffentlich werden. Selbst die Städte, die sich jetzt so bedroht fühlen, veröffentlichen solche Aufnahmen. Bestes Beispiel: Die Stadt Ratingen, die sogar eine Fotoabgabe erheben möchte, stellt auf ihrer Homepage 3-D-Ansichten zur Verfügung, und zwar ohne Schwärzung von Häusern oder Personen.

Wenn jetzt gefordert wird, Google soll sich vorab von jedem Hausbesitzer eine Genehmigung holen, muss dies zwangsläufig auch für alle anderen Fotografen gelten. Für Kunstfotografen, Bildverlage, Journalisten, Kamerateams wird eine solche Regelung Existenz bedrohend sein. Vielleicht muss auch künftig jeder Tourist sich vorher eine Genehmigung einholen? Was für eine Bürokratie soll hier losgetreten werden, nur weil man neidisch auf einen Großkonzern ist?

Dies wäre wesentlich gefährlicher als Google, ein Angriff auf Pressefreiheit und Freizügigkeit und etwas, das es selbst in der DDR nicht gab!

Ganz davon abgesehen, dass doch der öffentliche Raum sowieso schon überwacht wird. Und zwar permanent: durch die Kameras jener kommunalen Kräfte, die sich jetzt ach so für Datenschutz einsetzen.

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OmO 26.02.2010, 11:42
6.

Zitat von sysop
Fühlen Sie sich von Googles Kamera-Autos in ihrer Privatsphäre bedroht? Oder sind die Straßenansichten ein nützlicher Dienst, die Fotos öffentlicher Orte unproblematisch?
Das Stichwort ist hier: Panoramafreiheit

Ich halte es angesichts der sich immer weiter ausbreitenden staatlichen Datensammelwut für ziemlich wohlfeil, wie sich im Fall Google-Streetview die Politik öffentlich als Schützer der Privatsphäre aufspielt. Ich glaube es geht hier auch nicht um den Schutz der Rechte des Einzelnen, sondern vielmehr um wirtschaftliche Fragen.

Google hat in den letzten Jahren immer mehr kostenlose Dienste ins Netz gestellt, mit denen andere vielleicht gerne Geld verdient hätten. Was wir hier aktuell erleben, ist der Kampf um die ökonomische Herrschaft über das Internet. Es gibt sehr viele wirtschaftliche Gruppen, die das Netz in eigene Claims aufteilen, einen Zaun drumherum ziehen und ein Kassenhäuschen davor aufbauen wollen.

Google ist in diesem Spiel sicherlich auch kein weißer Ritter, aber deren Geschäftsideen sind auf jedem Fall moderner als die bspw. von Medienindustrie oder Zeitungsverlagen. - OmO

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Politschlumpf 26.02.2010, 11:43
7. Die Gefahr liegt GANZ woanders

Bislang war es stets erlaubt, vom öffentlichen Raum alles zu fotografieren, auch Personen, solange sie nur "Beiwerk" sind. Warum auch nicht, denn hier kann man auch sonst alles sehen. Es gibt auch schon seit Ewigkeiten Luftbilder, die nicht nur bei Google Maps veröffentlich werden. Selbst die Städte, die sich jetzt so bedroht fühlen, veröffentlichen solche Aufnahmen. Bestes Beispiel: Die Stadt Ratingen, die sogar eine Fotoabgabe erheben möchte, stellt auf ihrer Homepage 3-D-Ansichten zur Verfügung, und zwar ohne Schwärzung von Häusern oder Personen.

Wenn jetzt gefordert wird, Google soll sich vorab von jedem Hausbesitzer eine Genehmigung holen, muss dies zwangsläufig auch für alle anderen Fotografen gelten. Für Kunstfotografen, Bildverlage, Journalisten, Kamerateams wird eine solche Regelung Existenz bedrohend sein. Vielleicht muss auch künftig jeder Tourist sich vorher eine Genehmigung einholen? Was für eine Bürokratie soll hier losgetreten werden, nur weil man neidisch auf einen Großkonzern ist? Und was ist mit den Millionen privater Fotos, die bereits im Netz stehen, und auf denen irgendwelches Privateigentum zu sehen ist. Man könnte die Sache weiterspinnen und sich fragen, ob überhaupt noch etwas fotografiert werden darf.

Dies wäre wesentlich gefährlicher als Google, ein Angriff auf Pressefreiheit und Freizügigkeit und etwas, das es selbst in der DDR so nicht gab!

Ganz davon abgesehen, dass der öffentliche Raum sowieso schon überwacht wird. Und zwar permanent: durch die Kameras jener kommunalen Kräfte, die sich jetzt ach so für Datenschutz einsetzen.

Und wer Angst vor Datenpreisgabe hat, sollte sich am besten gar nicht ins Internet begeben.

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japitzsch 26.02.2010, 12:08
8. formal korrekt

Zitat von OmO
Das Stichwort ist hier: Ich halte es angesichts der sich immer weiter ausbreitenden staatlichen Datensammelwut für ziemlich wohlfeil, wie sich im Fall Google-Streetview die Politik öffentlich als Schützer der Privatsphäre aufspielt. Ich glaube es geht hier auch nicht um den Schutz der Rechte des Einzelnen, sondern vielmehr um wirtschaftliche Fragen. OmO
Dem stimme ich zu. Und vor allem: Was tut Google denn schon an verbotenem? Das Recht fotografierter Personen am eigenen Bild wird gewahrt, indem Gesichter und KFZ- Kennzeichen unkenntlich gemacht werden. Und Häuser aus der Straßenperspektive zu filmen ist ebenfalls erlaubt, das machen viele Fotojournalisten tagtäglich völlig legal. Google filmt weder in Fenster hinein, noch verletzen die Streetview- Fotos die Privatsphäre durch Blicke in Gärten, Gaststätten, Cafés oder öffentliche Gebäude. Ich finde dieses gesetzeskonforme Verhalten von Google übrigens durchweg stimmig. Schließlich hat das Steetview- Projekt eine derart gigantische Größendimension, das Google sich teure Abmahnungen in solchem Umfang beim besten Willen nicht leisten könnte. Das würden, wenn, einfach zu viele.

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keshoo 01.03.2010, 22:08
9. MIlliardenpotenzial Street View

Das Problem liegt unter anderem auch in der Tatsache, dass Google mit Street View ein Milliarden-potenzial entwickelt auf Kosten von Bürgern, die - unerfahren in Sachen Urheberrecht - ihre Bilder ins Internet stellen, die dann von Google in Street View ungefragt integriert werden.

siehe Spiegel-Artikel von heute:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...680879,00.html

Es dürfte an der Zeit sein, das geltende Urheberrecht zu überprüfen, wenn Dritte (Google, Microsoft & Co) mit einem ausgeklügeltem Konzept, dessen Zielsetzung "Geldverdienen" ist, individuelles Eigentum ohne Genehmigung oder Ankündigung fotografieren.

Eine Lösung könnte sein, dass Hausbesitzer und diejenigen, die Bilder ins Internet stellen, deren Fotos von Google & Co geschäftlich genutzt werden, eine entsprechend faire Nutzungsgebühr für ihre Bilder erhalten.

Siehe auch mein Vorschlag auf meiner Webseite:
“Gema-Lösung” für Datennutzung durch Google
http://keshoo.com/?p=360

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