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Kampf ums digitale Erbe: Was passiert mit dem Facebook-Nachlass?
DPA

Seit Jahren versucht ein Berliner Paar, sich Zugang zum Facebook-Konto seines verstorbenen Kindes zu erstreiten. Jetzt soll der Bundesgerichtshof entscheiden. Es geht um mehr als ein Einzelschicksal.

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dermarkusb 20.06.2018, 21:15
1. Warum?

Ich kann mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, warum Menschen das Konstrukt Facebook immer noch ernst nehmen. Gegründet wurde der ganze Quatsch von einem sexuell frustrierten Studenten im Suff und trotzt der enormen Nutzerzahlen ist dieses soziale Medium immer noch belangloser Rotz. Es ist ein Handelsplatz der Belanglosigkeiten, der Hetze, des Hasses und des Narzissmus. Nicht mehr und nicht weniger. Dank Facebook sitzt Trump im Weißen Haus und alleine schon deshalb sollte jeder denkende Mensch diese Plattform boykottieren. Ich warte im Grunde nur darauf, dass die ersten Sammelklagen auf Basis des EU GDPR kommen, welchen dem vermessenen und unverschämten Umgang mit Nutzerdaten ein Ende setzen und gravierende Strafen gegen den Konzern als Folge haben werden. Nachdem die USA Europa nun offenbar endgültig und offiziell zum Feind erklärt haben, sollten die EU-Offiziellen auch nicht mehr allzu viel Nachsicht mit dem durch und durch verkommenden US-Konzern Facebook walten lassen.

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j.w.pepper 20.06.2018, 21:16
2. Meine Meinung (aber mehr eigentlich auch nicht)...

...ist die, dass nun einmal die Erben (unterstellt, dass dies im vorliegenden Fall, wie zu erwarten, die Eltern sind) Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers (hier der Tochter) werden und in jeder Hinsicht in deren Rechtsstellung eintreten. Dazu gehören dann auch die rechtlichen Beziehungen zu Facebook mit der Folge, dass der gesamte Account auf die Erben übergeht. Da aber rechtlich überhaupt keine Änderung des Inhabers eintritt (Gesamtrechtsnachfolge heißt, dass der vorherige Berechtigte rechtlich identisch ist mit dem jetzigen), kann sich ein externer "Briefe"-Schreiber nicht darauf berufen, dass er sich nur an den ursprünglichen Inhaber des Facebook-Kontos gewendet hat. Das ist dann potenziell sein Pech, genau wie wenn er handschriftliche Briefe an die Erblasserin geschickt hätte. Die wären den Erben auch berechtigterweise bekannt geworden.

Aber wie wir wissen, ist das Internet nun einmal Neuland. Und deshalb kann der BGH anderer Meinung sein. Aber bisher finde ich die Entscheidung des Landgerichts schlüssiger als die des Kammergerichts als Berufungsinstanz. Mal sehen.

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dirkkill 20.06.2018, 21:23
3. Ganz einfach

Facebook zwingen nach 30 Tagen Inaktivität das Profil offline zu stellen. Wenn sich der Nutzer dann nicht mehr anmeldet, dann ist das Profil nicht mehr auf dem Netzwerk zu finden. Machen andere auch so, sollte auch für die Datenkrake gelten.

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j.w.pepper 20.06.2018, 21:33
4. Die Frage ist doch hier eine andere.

Zitat von dirkkill
Facebook zwingen nach 30 Tagen Inaktivität das Profil offline zu stellen. Wenn sich der Nutzer dann nicht mehr anmeldet, dann ist das Profil nicht mehr auf dem Netzwerk zu finden. Machen andere auch so, sollte auch für die Datenkrake gelten.
Nämlich nicht "Datenkrake" oder nicht. Sondern das Bedürfnis von Eltern (und Erben!), aus dem Account HInweise zu finden, die den Tod der Tochter erklären können. Von daher hilft Löschen überhaupt nichts, im Gegenteil.

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myonium 20.06.2018, 21:41
5.

Zitat von dermarkusb
Ich kann mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, warum Menschen das Konstrukt Facebook immer noch ernst nehmen...
Nun ich bin auf Facebook und dort auch in verschiedenen Gruppen Mitglied. Und dort lese ich zwar unendlich viele belanglose (aber trotzdem oft amüsante) Posts, aber ich habe noch keinen gesehen, der so viel Arroganz, Hass und Missgunst enthielt wie Ihr Posting hier. Meine Erfahrung spricht daher eher für FB und gegen SPON ...

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Stäffelesrutscher 20.06.2018, 21:41
6.

Wenn der BGH ein (Grundsatz-)Urteil fällt, dann müsste er auch folgende Konstellation einbeziehen: der Facebook-Nutzer liegt im Sterben, setzt ein Testament auf und verfügt, dass Person X bestimmte Dinge auf diesem Konto machen soll, weil sie es selber auf der Intensivstation oder am Fuß der Eiger-Nordwand nicht mehr machen kann. Vielleicht liegt da irgendwo ein Dokument, das noch an Person Y geleitet werden soll, um bestimmte Ansprüche auszulösen; vielleicht sollen bestimmte Dinge gelöscht werden.
Frage also: Soll Person X das entsprechend dem Willen des Facebook-Nutzers machen dürfen oder nicht?

Und was die anderen Kontakte angeht - mit Verlaub: da können bestimmte Dinge hundertmal privat sein - wenn die Tochter die Mama ins Zimmer gerufen und ihr die Wortmeldungen gezeigt hätte, dann hätten diese Kontakte davon überhaupt nichts mitbekommen.

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dirkkill 20.06.2018, 21:53
7.

Zitat von j.w.pepper
Nämlich nicht "Datenkrake" oder nicht. Sondern das Bedürfnis von Eltern (und Erben!), aus dem Account HInweise zu finden, die den Tod der Tochter erklären können. Von daher hilft Löschen überhaupt nichts, im Gegenteil.
Sie haben vollkommen recht, ich habe zu sehr verallgemeinert. In diesem Fall sehe ich das Bedürfnisse der Eltern Einblick in das Konto ihrer Tochter zu bekommen, höher als das des Datenschutzes. Aber das sollen Gerichte klären.

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Gottloser 20.06.2018, 22:09
8. Interessiert keine Sau

Wer sucht meine Seite nach dem Tod noch auf? Ok, Fotos könnte man klauen, aber ich bin kein professioneller Fotograf. Verdammt viel Aufregung um nichts!

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simie 20.06.2018, 22:15
9.

Zitat von Stäffelesrutscher
Und was die anderen Kontakte angeht - mit Verlaub: da können bestimmte Dinge hundertmal privat sein - wenn die Tochter die Mama ins Zimmer gerufen und ihr die Wortmeldungen gezeigt hätte, dann hätten diese Kontakte davon überhaupt nichts mitbekommen.
Hat sie aber nicht.
Und daher ist der Schutz der Äußerungen Dritter, die diese gegenüber dem Mädchen im Vertrauen geäußert haben, eben nicht zu vernachlässigen. Auch wenn das für Hinterbliebene vielleicht schwer zu akzeptieren ist.

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