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Kann sich der Online-Journalismus mit der Zeitung messen?

Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?

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Adran 09.12.2008, 13:38
1.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Vergleicht man SPON mit dem Spiegel, dann Ja!
Wobei auch der Spiegel immer mehr richtung spon tendiert, und das frustiert.. ;)

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Jawo Kanndattan 09.12.2008, 17:51
2.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Wir sind mitten in einem Umbruch und zwar zuungunsten der traditionellen Medien die noch(!) glauben auf einem qualitativ höherwertigen Ross zu sitzen.
Und ich glaube die Qualität wird gezwungenermaßen in die Onlinemedien abwandern müssen, um sich langfristig überhaupt finanzieren zu können! In nicht allzu ferner Zeukunft werden die altgewohnten Printmedien nur noch das Nebengeschäft sein.
Spätestens dann, wenn es den Printmedien (Büchern wie Zeitschriften) in Form der E-Books endgültig an den Kragen geht und nur mal beispielsweise, Sport der einen interessiert aus dem Kicker bezogen wird, politische Kommentare aus der Faz und/oder der Süddeutschen und das Feuilleton meinetwegen aus der Zeit. Wahrscheinlich stellt man sich dann ein persönlich geprägt Mix zusammen der je nach Themenvielfalt, Menge oder Qualität abonniert, wie auch immer gedownloaded und zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit mit einem Sony Reader gelesen wird und vielleicht für einen späteren Forenbeitrag oder Leserbrief mit Kommentaren versehen werden Kann. Da tun sich auch vollkommen neue Geschäftsfelder auf in puncto Marketing und interaktiven Leserkontakten.
Ich weiß die Medien-Traditionalisten beschwören noch immer das Gefühl des Haptischen, dass der Mensch auf das Gefühl ein Buch oder eine Zeitung in der Hand zu halten niemals verzichten wird. Aber auch das ist letztendlich eine Gewöhnungssache. Man warte nur ab bis ein schickes E-Book von Apple zum Statussymbol geworden ist.
Das es so nicht weitergeht und die alten Zeiten der hohen Druckauflagen zurück kommen, kann man sich an drei Fingern abzählen. So manches Pressehaus kann da jetzt schon ein Lied von singen.

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Orthogräfin 09.12.2008, 18:00
3.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Gerade beim Spiegel ist das nicht mehr so. Das heißt aber nicht, daß das Onlineangebot anspruchsvoller oder hochwertiger geworden wäre!

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harm ritter 09.12.2008, 18:06
4.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Geht es nur nach der Popularität, kann sich der Online-Journalismus längst mit der Tageszeitung messen. Ich beziehe meine Nachrichten heute sehr viel mehr aus dem Internet, als auf Papier gedruckt. Was die sprachliche und journalistische Qualität angeht, hat das Papier noch immer die Nase vor, aber das ist ja auch kein Wunder: Es macht einen großen Unterschied, ob man nur eine Stunde oder drei Tage Zeit hat, einen guten Artikel zu verfassen. Aus diesem Grund wollte ich auch nie Journalist werden, auch wenn ich mit diesem Beruf einmal geliebäugelt habe: ich wäre, glaube ich, mit dem Zeitdruck nicht so gut klargekommen. Meine Vorbilder waren immer Brecht oder Böll: die hatten jahrelang Zeit, an einem einzigen Absatz zu feilen.

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lupenrein 09.12.2008, 18:26
5.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
'Hastig' muss nicht von minderer Qualität sein.

Normalerweise lese ich in der Tageszeitung das, was einen Tag vorher im Internet stand.
Die Qualität der Meldungen und Meinungen hängt nach meiner Meinung nicht vom Papier ab, sondern von der Qualität der Journalisten, die im Internet schreiben.

In der Praxis einer Redaktion sieht es doch heute so aus, dass Journalist(in) direkt in den PC schreibt.
Ist er/sie online, dann steht es im Internet-Journal, ist er/sie nicht online, dann ist der Text mögkicherweise für den Drucksatz gedacht.

Den Unterschied sehe ich allein in der Technik.

Qualität kann in allen Medien gut oder sachlecht sein.

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wahlfrei 09.12.2008, 21:03
6. Print gewinnt

Aber nur knapp.
Denn online ist aktueller, dafür fehlt es manchmal an der Sorgfalt.
Gerade bei SPON fallen mir öfter Rechtschreibfehler und sinnlose Sätze auf. Besonders dann, wenn ein Thema sehr schnell lanciert wird.

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lupenrein 10.12.2008, 11:41
7.

'Journalist' ist keine geschützte Berufsbezeichnung.
Also jeder, der in Zeitungen , Fernsehen oder im Internet
schreiben ,'moderieren' oder z.B. Nachrichten vorlesen darf, ist ein sogenannter Journalist.
Ich finde das schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass jeder Friseur oder Dachdecker eine Berufsausbildung nachweisen muss, die schließlich sogar durch eine Prüfung
abgeschlossen werden muss.

Ich will hier nicht hinterfragen, worin das Berufsethos eines Journalisten besteht. Nach meiner Meinung gehört zu einem Journalisten nicht nur die Fähigkeit, Nachrichten und Informationen verständlich, sachkundig und korrekt zu vermitteln. Form und Inhalt müssen untrennbar korrelieren.

Wasserträger, geschmierte Lobbyisten, Politagenten, andere 'Schreiberlinge' und Schmierfinken sind für mich jedenfalls keine Journalisten.

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Celestine 10.12.2008, 13:05
8.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Es gibt immer weniger investigativen Journalismus. Einige Journalisten, von denen ich weiß, dass sie sich bisher in Aufdeckung von Skandalen einen Namen gemacht haben, toben sich jetzt in den Blogs aus.

Nachdem es sich herumgesprochen hat, dass Objekte von investigativem Journalismus durch gefällige Gerichte jede Berichterstattung per einstweilige Anordnung beinahe mühelos verhindern können, sind einige Verlage abgeneigt, Risiken einzugehen und stehen lieber von der Veröffentlichung ab. Um solche Berichte wasserdicht zu machen, müsste u.U. z.B. im Ausland recherchiert werden, was wiederum teuer ist und unter dem wachsenden Kostendruck ausbleibt, und so verarmt die journalistische Berichterstattung zusehends.
Es ist wunderbar, durch den Online-Journalismus jeden Moment up-to-date zu sein. Doch zu oft werden dabei Mitteilungen der großen Nachrichtenagenturen lediglich wiederholt. Um sich gegenüber den oft flachen Online-Veröffentlichungen zu profilieren, müssten sich die Printmedien mE viel offensiver investigativen Journalismus betreiben.

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lupenrein 10.12.2008, 15:57
9.

Wer in bestimmten Verlagen oder Fernsehsendern als Journalist arbeiten will, muss sich nicht selten verpflichten, die Linie der Chefredaktion peinlich genau
einzuhalten.
Abweichungen von den Vorgaben werden sofort und gnadenlos abgestraft.

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