Forum: Netzwelt
Kann sich der Online-Journalismus mit der Zeitung messen?

Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?

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rabenkrähe 10.12.2008, 22:08
10.

Zitat von Adran
Vergleicht man SPON mit dem Spiegel, dann Ja! Wobei auch der Spiegel immer mehr richtung spon tendiert, und das frustiert.. ;)
....

Naja, Spon ist noch nicht ganz so oberlehrerhaft, wie der Spiegel in letzter Zeit. Dafür präsentieren sich beide in unnachahmlicher Überheblichkeit....
Ansosnten ist der online-Journalismus einfach schneller, prägnanter und in seiner Kürze präziser.
Der Print kann dafür gründlicher sein und Leser mit echter Reportage erfreuen.
rabenkrähe

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weltbuergermeister 11.12.2008, 22:36
11. unzulänglicher Vergleich

Ich bin ein Telekiddie, ich bin tagsüber immer wieder bei SPON, Neon, in diversen Blogs, bei Google News oder internationalen Newsseiten, schaue auch mal bei Indymedia vorbei, ABER
morgens sitze ich im Kaffee und lese ein Schundblatt, wie die Mopo, wochenmittig den Stern und ich liebe ein ausgiebiges Spiegel-Frühstück am Sonntag. Dazwischen in Bahn, Auto, Bett, Büropause und im Park blätter ich durch die Brandeins, Page, Neon, Spiegel, Stern, Süddeutsche, Abendblatt, Motoraver, dummy, 11Freunde und diverse Prints mehr.
Da besteht keinerlei Konkurrenz. Das ist eher wie Vinyl und CD und MP3. Qualität setzt sich durch und ist sowieso situationsabhängig egal in welchem Medium. Sicher werden die Auflagen der Verlage schrumpfen, sie aber zeitgleich im Internet ausbauen...gleichzeitig sinkt die Ausgabequote und der Mehrwert steigt.

ABER mein TV-Konsum ist über die letzten fünf Jahre von 3 Stunden täglich bis quasi Null zurückgegangen.

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cha cha 12.12.2008, 12:12
12.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Ja. Und das wird auch so bleiben. Das gilt aber nicht für die Tageszeitung - die ist tot.

Der Grund dafür ist recht simpel und ist etwa derselbe, warum Wochenmagazine den Tageszeitungen überlegen sind: es bleibt mehr Zeit für eine tiefe Recherche und für eine ausführliche Analyse.

Hinsichtlich der Aktualität haben die Tageszeitungen schon vor fast hundert Jahren gegen den Rundfunk verloren, und da verlieren Tageszeitungen und Rundfunk nun gemeinsam gegen das Internet.

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eikfier 14.12.2008, 15:55
13. Geht mir ähnlich...

Zitat von harm ritter
Geht es nur nach der Popularität, kann sich der Online-Journalismus längst mit der Tageszeitung messen. Ich beziehe meine Nachrichten heute sehr viel mehr aus dem Internet, als auf Papier gedruckt. Was die sprachliche und journalistische Qualität angeht, hat das Papier noch immer die Nase vor, aber das ist ja auch kein Wunder: Es macht einen großen Unterschied, ob man nur eine Stunde oder drei Tage Zeit hat, einen guten Artikel zu verfassen. Aus diesem Grund wollte ich auch nie Journalist werden, auch wenn ich mit diesem Beruf einmal geliebäugelt habe: ich wäre, glaube ich, mit dem Zeitdruck nicht so gut klargekommen. Meine Vorbilder waren immer Brecht oder Böll: die hatten jahrelang Zeit, an einem einzigen Absatz zu feilen.
...doch sehe ich in Online einerseits, wo mir für die rasche Information ganz unschätzbare und nicht mehr missen wollende Dienste geboten werden und Magazine und Journale andererseits , in denen ich auch das Ambiente genießen kann, einschließlich sorgfältigerer Sprache, ferner unterstreichen kann, leichter wieder und wieder lesen, sogar ausreißen und bequem aufheben kann, keine wirkliche Konkurrenz, sondern - wie so häufig bei Neuerungen - zeitgemäße Ergänzungen.
Wenn einer gerne lange Sätze schreibt wie ich hier gerade, ist Online wohl etwas anstrengender zu lesen, aber das muß der Journalist eben berücksichtigen. Nur langweilig und unrichtig sollte beides nicht sein, das finde ich immer unverzeihlich...

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eikfier 14.12.2008, 16:15
14. Auch hier Zustimmung...

Zitat von cha cha
Ja. Und das wird auch so bleiben. Das gilt aber nicht für die Tageszeitung - die ist tot. Der Grund dafür ist recht simpel und ist etwa derselbe, warum Wochenmagazine den Tageszeitungen überlegen sind: es bleibt mehr Zeit für eine tiefe Recherche und für eine ausführliche Analyse. Hinsichtlich der Aktualität haben die Tageszeitungen schon vor fast hundert Jahren gegen den Rundfunk verloren, und da verlieren Tageszeitungen und Rundfunk nun gemeinsam gegen das Internet.
... nur die quasi am Werkstor mitnehmbare ausgedruckte Tages"zeitung" für die rasche Information oder die Langeweile in der Pause oder die Papierknappheit auf dem Örtchen wird wohl bleiben, evtl. ein bis zwei Tageszeitungen mit Lokalteil wohl auch, z.B. für an Neuerungen wie dem Internet eher desinteressierte alte Leutchen, obwohl, ich bin ja selbst auch ein alter Leut...

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Eiermann 14.12.2008, 16:34
15.

Zitat von eikfier
... nur die quasi am Werkstor mitnehmbare ausgedruckte Tages"zeitung" für die rasche Information oder die Langeweile in der Pause oder die Papierknappheit auf dem Örtchen wird wohl bleiben,
Das läßt sich heute noch garnicht so genau sagen, weil das mobile Masseninternet erst in den Startschuhen steht. Ich halte es jedenfalls nicht für abwegig, dass Schachteln in Größe des iPhones und etwas größer ein normaler Alltagsgegenstand wie heute bereits das Handy werden könnten. Um so mehr, wenn heutige Handys nur um diese Zusatztechnologie erweitert werden brauchen. Und dann war's das wahrscheinlich auch mit jenen Langweile-Blättern. Wozu noch eine Zeitung kaufen, wenn dann alles aus kleinen handlichen Schachteln mit ausrollbarem Display kommt.
Neues Problem wäre dann allerdings das gewaltig steigende Strahlenaufkommen, also der Elektrosmog.

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namlob 14.12.2008, 20:44
16.

Zitat von sysop
Die Zeit, in der Online-Journalismus ein hastiges Nebengeschäft der Verlage war, geht ihrem Ende entgegen. Noch aber reklamiert die Zeitung für sich die höheren Qualitäten. Ist das wirklich noch so?
Das kann man grundsätzlich nicht sagen. Online-Journalismus eröffnet einem die "Welt". Man kann jetzt leicht (fast) alle wichtigen Zeitungen der Welt zur Kenntnis nehmen. Diese "Gesamtheit" wiegt manche vielleicht bestehende Unausgewogenheit auf.

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rabenkrähe 14.12.2008, 22:26
17.

Zitat von eikfier
... nur die quasi am Werkstor mitnehmbare ausgedruckte Tages"zeitung" für die rasche Information oder die Langeweile in der Pause oder die Papierknappheit auf dem Örtchen wird wohl bleiben, evtl. ein bis zwei Tageszeitungen mit Lokalteil wohl auch, z.B. für an Neuerungen wie dem Internet eher desinteressierte alte Leutchen, obwohl, ich bin ja selbst auch ein alter Leut...
.....

Welche Zeitungen werden bleiben? Ich erinnere mich an die Zeiten, in der jede mittelgroße Stadt ihre eigenen Zeitung hatte, heute gibt es nur noch Produkte von Großkonzernen, die den Mantel produzieren und ein bißchen Platz für Lokales lassen.
Dann kamen die Anzeigenblätter, zunächst völlig abwertend betrachtet, heute sind sie die Blätter, die den sichersten Stand haben. Sie also werden bleiben, von den anderen die großen Boulevards und einige wenige Großzeitungen mit mehr oder weniger erhaltenen Alibi-Lokalteilen. Und deren Aussehen und Machart wird immer austauschbarer werden und bleiben.
Da sind dann selbst noch die komprimierten INett-Angebote erfrsichend....
rabenkrähe

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GrafZahl 15.12.2008, 09:41
18. Ein Beispiel

Bekanntlich basiert Journalismus auf dem Recht von wenigen reichen Männern, ihre Meinung zu verbreiten. Nicht zu verachten ist die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen.

Nehmen wir dazu einmal den STERN online. Dort steht dieser Tage im Autoteil ein Artikel über ein immer noch erhältliches Fahrzeug aus alten Zeiten: den Lada Niva 4x4. Nun, der Artikel ist, freundlich formuliert, nicht ganz auf dem Niveau der gedruckten Ausgabe, liest sich eher wie die Auslassungen des Redaktionspraktikanten über ein unsicheres, überholtes, unpraktisches und im Unterhalt überaus unwirtschaftliches Fahrzeug, das er aber dennoch irgendwie klasse findet. (Was würde die deutsche Jugend einschließlich der Redaktionspraktikakanten nur ohne das Wort "irgendwie" machen? Präzise formulieren, vielleicht...)

Nun, dieser Artikel wurde durch ein halbes Dutzend Leserkommentare aus nachvollziehbaren Gründen kritisiert.

Es wurde also für den Stern wohl Zeit, unangemessene Inhalte zu löschen - nämlich die Kommentare der Kritiker und nicht etwa den miserablen Artikel. Er steht nun eben ohne die Kommentare im Web.

Aber manchmal verstehe ich die Online-Journalisten ja auch. Einmal kurz gegoogelt stellte sich heraus, daß der Artikel nicht etwa die persönliche Meinung des Redaktionspraktikanten darstellt, sondern offenbar fast Wort für Wort von der Düsseldorfer PR-Agentur Global Press stammt, genauer gesagt aus deren "Motor-Informations-Dienst". Er ist allerdings nicht als Werbung gekennzeichnet.

Dies nur als Beispiel dafür, daß im Online-Journalismus nicht etwa so verschwommen ist wie in den mittlerweile sehr käuflichen Printmedien, denn insbesondere in den kleineren Fachzeitschriften arbeiten Redaktion und Anzeigenabteilung heute Hand in Hand. Im Online-Journalismus gibt es diese Trennung nicht mehr, und der Stern ist nur ein Beispiel für die Regel, von der es kaum noch Ausnahmen gibt. Kritik daran ist, wie man an der Zensur beim Stern sieht, höchst unerwünscht.

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ecce homo 16.12.2008, 18:56
19. Online-Journalismus

Ich begrüße den Online-Journalismus - die Vielfalt der Meinungen und Informationen wächst.
Es mag durchaus sein, daß die Masse an Information und die Vielfalt etc. auch die eine oder andere falsche Berichterstattung mit sich bringt.
Der mündige Konsument, wird damit aber umgehen können und die Medien-Gläubigkeit wird dadurch vielleicht auf ein gesunderes Maß beschränkt. Außerdem wird die Vernetzung von Medien und Wirtschaftsinteressen transparenter.

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