Forum: Netzwelt
Kritik an den Big-Brother-Awards: Rituelles Schattenboxen
DPA

Der Negativpreis für Datenkraken hat sich überlebt. Die Big Brother Awards, vor 13 Jahren fulminant gestartet, scheint in der Zeit stehengeblieben zu sein. Statt konkreten Problemen widmet sich die Veranstaltung alten Feindbildern.

gbkom 12.04.2013, 20:43
1. Time Sharing != Cloud

> "2012 wurde in dieser Kategorie mit "der Cloud" eine Idee, die schon seit Anfang der siebziger Jahre als "Time Sharing" auf Mainframes bekannt ist, "als Trend, Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu entziehen" ausgezeichnet."

Bei Time Sharing teilen sich mehrere Benutzer einen (Groß-) Rechner -- inkl. Prozessor und Speicher. Das hat nichts mit der Cloud zu tun.

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Käferfahrerin 12.04.2013, 20:44
2. Timesharing

Zitat von sysop
2012 wurde in dieser Kategorie mit "der Cloud" eine Idee, die schon seit Anfang der siebziger Jahre als "Time Sharing" auf Mainframes bekannt ist
Also entweder hat da jemand dem Wikipedia-Artikel nicht richtig gelesen oder den Cloud-Begriff nicht richtig verstanden.

Timesharing und Cloud haben weder technisch noch konzeptionell noch von der Idee her etwas miteinander zu tun.

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BitteGebenSieIhreDatenEin 12.04.2013, 23:27
3. optional

Also weil sich ein Innenminister nach dem anderen an den Daten der Bürger vergeht, hat sich der Big Brother Award überholt? Weil die Leute Ihre Daten freiwillig für einen Service hergeben, ist die Kritik am Datensammeln nicht mehr angebracht? Und das sinkende Medieinteresse ist der Beweis?

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hjm 12.04.2013, 23:38
4.

Zitat von Käferfahrerin
Timesharing und Cloud haben weder technisch noch konzeptionell noch von der Idee her etwas miteinander zu tun.
Also, ich habe neulich auf einer „Fortbildung“ über „neue Medien“ gelernt, dass heute alles „Cloud“ heißt, wenn die Entfernung zwischen Benutzer und Prozessor größer als 90cm ist.

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thseeling 13.04.2013, 09:30
5. apple videoüberwachung

Zitat von sysop
Der Negativpreis für Datenkraken hat sich überlebt. Die Big Brother Awards, vor 13 Jahren fulminant gestartet, scheint in der Zeit stehengeblieben zu sein. Statt konkreten Problemen widmet sich die Veranstaltung alten Feindbildern.
Apple macht in den Läden und Geschäftsräumen illegale dauerhafte Videoüberwachung.
Dieser Teil der Preisverleihung wurde nicht angerissen? Ein Schelm ...

Was mir nach der Big Brother-Preisverleihung regelmäßig fehlt, ist eine Nachprüfung der Ergebnisse. Größtenteils werden ja tatsächlich Vergehen angeprangert, die gegen Länder- oder Bundesdatenschutzgesetz verstoßen.

Ich würde gern mal ein paar Monate später sehen, ob die Datenschutzbeauftragten dafür gesorgt haben, dass diese Vergehen verfolgt und die Mißstände abgestellt werden - zumindest soweit es sich um Firmen im Geltungsbereich deutscher Gesetze handelt.

*Davon* hört man leider nicht mehr viel in den Medien.

Der Spiegel schreibt schon korrekt, dass die Öffentlichkeit mehr und besser informiert werden muss, damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann, ob er einen Dienst nutzen will oder nicht. Wenn aber nur über die Preisverleihung berichtet wird und sonst gar nicht mehr, ist das ein wenig wenig.

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Wooster 13.04.2013, 12:34
6.

Aus dem Netz:
"Google hat in letzter Zeit jede Menge Werbegelder nach Hamburg überwiesen. Da ist es sicher nur Zufall, aber klar, dass man bei SPONschleim jetzt Jürgen Geuter, auch bekannt als "Tante" in der datenschutzkritischen Spackeria, gegen den Big Brother Award mit Kritik an der Preisverleihung für Google Stellung beziehen lässt. Aber wie der Schmierschaum von der Elbe nun mal so ist, man vergisst zu erwähnen, aus welchem ideologischen Loch der Mann gekrochen kommt. Kann sich der Leser dann selbst zusammenrecherchieren."

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GG146 13.04.2013, 17:00
7. Gute und böse Datenkraken?

Ich kopiere mit dem Einverständnis des hier nicht registrierten Autors einen Beitrag von einem anderen Forum hierher:

http://grundgesetzaktiv.de/phpBB3/viewtopic.php?f=59&t=1588
-------------------------

... and the winners are:

Apple, Google, die Bummelpost, die GEZtapo und die Bundespozilei.

Mehr dazu hier: http://www.bigbrotherawards.de/2013

Alles würdige Preisträger, keine Frage - allerdings stellt sich doch die Frage, warum andere geeignete Kandidaten so konsequent ignoriert werden: Leider sind weder die Kassenstasi-Taliban noch die RFID-Scientologen der Sparkassen geehrt worden - da stellt sich dann die Frage, wieviel Datenschutz muss von denen noch mit Füßen getreten werden, damit sie als "Verdiente Datenkrake der Kleptokratie" entsprechend gewürdigt werden?

Mir stellt es sich so dar, als würde hier im ideologischen Eifer in gute und böse Datenkraken unterschieden: Die Kassenstasi ist gut, weil GKV - Datenkraken wären wohl nur PKVs bei gleichem Verhalten. Ähnlich bei den Sparkassen - die klammheimliche Ausrollung einer RFID-basierten Bespitzelungstechnologie würde wohl nur für die Deutsche Bank zu einem BBA führen, nicht aber für die guten (weil staatlichen) Sparkassen.

Hierzu auch ein Gastbeitrag von Jürgen Geuter auf SpOn: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/big-brother-awards-rituelles-schattenboxen-a-894126.html

Aus dem Beitrag:

>> "In den politischen Kategorien werden Preise an unterschiedliche Innenminister scheinbar im Rotationsprinzip vergeben: 2009 Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, 2011 Uwe Schünemann aus Niedersachen, 2012 Markus Ulbig aus Sachsen. Die Abarbeitung an immer denselben Figuren entwertet dabei jede berechtigte Kritik an einzelnen Vorgängen, bis nur noch das rituelle Schattenboxen gegen die Repräsentanten der Exekutive übrig bleibt." > "Der Bedeutungsverlust des Preises steht stellvertretend für das große Problem der digitalen Bürgerrechtsbewegung in Deutschland: Gefangen in ihren traditionellen Ritualen und Feindbildern sind die Entwicklung der vernetzten Gesellschaft, die neuen Bedürfnisse und auch die neuen Fragen und Problemstellungen an ihr vorbeigegangen. Die Aktivisten haben es verpasst, sich zu modernisieren, sich mit den Menschen, für die sie sprechen wollen, weiterzuentwickeln."

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GG146 14.04.2013, 15:39
8.

Die Hacker - Szene hat dem Establishment (mal wieder) vorgeführt, wie "sicher" einmal gesammelte Daten sind:

>> Note: Wer admin-privilegierte Accounts mit Passwörtern wie "Pupi" oder "herakles" absichert, sollte keine "Macht" haben, über den Werdegang von Daten der Bürger zu entscheiden.

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vyger 15.04.2013, 13:13
9. optional

Erst nachdem ich den Artikel bis zu Hälfte gelesen hatte und zunehmend ungeduldig wurde, weil alles nach dem typischen unreflektierten post-privacy-gelaber der spackeria klang, fiel mir auf, dass es sich um einen Gastbeitrag handelt. Kurz den Namen des Autoren gegoogelt - und bei der Spackeria gelandet.

Diesen Artikel werde ich nicht einmal bis zum Ende lesen.

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