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Künstliche Intelligenz: Denkkraft ohne Selbstbewusstsein

Wenn Maschinen in Denkdisziplinen Menschen schlagen, flammt stets die Diskussion um künstliche Intelligenz neu auf. Für manche ist das eine Verheißung, für andere ein Alptraum. Aber vor allem ist es ein Irrtum:*Wir unterschätzen, wie überlegen wir der Maschine eigentlich sind.

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Kaygeebee 18.02.2011, 01:06
70. Erst unser eigenes Gehirn entschlüsseln

Um eine wahre KI zu entwickeln müssten wir erst unser eigenes Gehirn vollständig verstehen, sprich die Programmiersprache des Gehirns verstehen. Wie soll man etwas kopieren was man nicht versteht?

Das ist das wahre Problem, denn bis heute forschen Neurologen wie besessen daran herauszufinden wie und warum wir eigentlich denken. Auf dem Gebiet können uns Firmen wie IBM leider wenig helfen. Da liegt die Hauptarbeit noch bei den Biologen.

Erst wenn wir unser Gehirn sozusagen zu Software gemacht haben und mit künstlicher Hardware verbinden, dann haben wir etwas was man als KI bezeichnen kann. Die Software ist nichts ohne die Hardware und umgekehrt. Genauso wie der "Geist" nichts ohne Körper ist.

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publicminx 18.02.2011, 01:10
71. Cylon Attack!

Zitat von Müssen
Brauche in einem fremden Land keine Brille die mir etwas zeigen, übersetzen soll.
Wenn Sie ueber 6500 Sprachen sprechen bzw. nur in Laender reisen, deren Sprache sie koennen, dann nicht.
Anderenfalls koennte die Brille eben doch interessant sein.


Zitat von
Dafür allein ist der Mensch selbst verantwortlich mit seinen eigenem Bewusstsein,intuitiv, Erkenntnisvermögen dem Willen andere Sprachen zu erlernen und nicht die Technik, Technik den Menschen sein eigenes Denken abnimmt.
Darum gehts nur nicht.

Man kann auch zu Fuss von Hamburg nach Berlin latschen, statt den Zug zu nehmen. Das ist aber nicht per se selbstaendiger, bewusster, intuitiver und sonstwas.

Entweder man moechte das als eigenes Ziel (aus Spass an der Sache), dann hat das aber nichts mit Technik ja/nein zu tun.

Oder aber man macht es sich unnoetig kompliziert. Das ist dann das Gegenteil von bewusst, selbstaendig, erkenntnisreich ...

Technik bietet in der Regel einfach die Option seine Prioritaeten fuers Denken oder sonstiges anders zu verteilen. Ohne Technik gibts diese Option nicht, ist daher automatisch weniger selbstaendig, etc. - und eher zivilisatorisch rueckstaendiger.


Zitat von
Wer natürlich unbedingt ein besseres Abbild von einem Menschen schaffen möchte in Form von Technik,die technische Überlegenheit gegenüber den nutzlos gewordenen Menschen,unprofitabel..kann seine Träume weiter leben.
Wie ist das denn bei einem intelligenteren, attraktiveren, sonstwie ueberlegenen Menschen. Fuehlen Sie sich da auch nutzlos? Womoeglich liegts eher an der Sicht auf die Welt?

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LouisWu 18.02.2011, 07:35
72. ...

Zitat von F. Oblong
Wäre es denn völlig ok eine intelligente und mit einem Bewußtsein ausgestattete Maschine einfach abzuschalten?
Sehr gute Frage. Wobei das Ausschalten nicht das Problem ist, denn das wäre "Schlafen". Alle Speicherinhalte sind ja z.B. auf Festplatte gesichert und führen auf Knopfdruck zu einer "Wiederauferstehung".
Die eigentliche Frage ist: Darf man ausschalten und alle gesicherten Speicherinhalte löschen? Denn eigentlich wäre das analog zu einem Mord.

Auf den Umgang mit diesem Problem darf man gespannt sein. Die Menschen werden es aber wohl auf die übliche Art lösen: Wesen und Dinge, die zwar eine gewisse Intelligenz haben, aber keine Menschen sind, darf man umbringen.
Wie z.B. Delphine, Schimpansen und Elefanten....

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grubenlampe 18.02.2011, 08:32
73. Eine Maschine wird niemals intelligent sein

Außer sie fängt an völlig unlogisch zu kombinieren und abstrusen Wahnvorstellungen zu folgen. Sie müsste auch noch ihre Lebensgrundlage und ihre eigene Spezies zerstören.

Dann ist sie vielleicht intelligent im Sinne des Menschen. Erstrebenswert ist das sicherlich nicht.

Haben wir Interesse an Maschinen die uns einen Spiegel vorhalten? Die zeigen wie wenig intelligent wir wirklich handeln? Es gibt genügend unbequeme Fragen, vor deren Antworten wir uns fürchten sollten!

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mck79 18.02.2011, 08:47
74. Auf Thema antworten

Zitat von FMK
Zwei weitere Filme, die den Gedanken weiterspinnen, was passieren kann, wenn man zu viel Kontrolle den Rechnersuperhirnen überlässt sind: -> I Robot -> Eagle Eye
D'accord! Aber, bewusste Intelligenz sieht für mich anders aus. Man denke an den Spiegeltest mit Kleinkindern / Schimpansen. Man gehe nur mal in sich und stelle sich vor man hat das Bewusstsein verloren. Sich dann klarzumachen: "wo bin ich -> warum bin ich hier -> WER bin ich" ist eine kognitive Leistung die keine Maschine ohne passende Programmierung bzw. Neustart (alles weg?) leisten könnte.

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kaej_uu 18.02.2011, 08:52
75. Mehr Bescheidenheit

Es ist immer wieder faszinierend was Menschen alles zu wissen glauben. Computer haben kein Bewustsein, keine Gefühle und keine Willensfreiheit, weil sie nur das ausführen, was ihnen der Programmierer vorgegeben hat. Ihr Denken ist nur das Resultat der Berechnungen logischer Schaltkreise. Das beweist dann, angeblich, dass der Mensch dem Rechner überlegen bleiben wird. Doch dabei gibt es ein Problem. All das oben zur Begründung gesagte läßt sich auch auf den Menschen anwenden, Aus Erfahrung wissen wir aber, dass wir denoch Bewustsein besitzen. Also muß irgendetwas an der Begründung mit den 'nur logischen Verschaltungen' falsch sein. Offenbar haben wir nicht die geringste Ahnung warum wir Bewustsein haben. Wir wissen auch nicht wie wir echtes Bewustsein, die sogenannte Qualia, von Verhalten unterscheiden können, dass nur den Anschein von Bewustheit erweckt. Das ein komplexes Gehirn komplexes Verhalten hervorbringt: Geschenkt! Aber warum ist das mit einem bewusten Erleben verbunden. Wenn wir nicht wissen warum wir fühlen, warum sind wir dann so sicher, dass es Computer nicht tun? Wenn es der Vernetzungsgrad im Gehirn ist, dann dürfen wir Fragen ob das Internet bereits ein Bewustsein entwickelt hat. Ein Alien könnte im Vorbeiflug vielleicht wahrnehmen das sich alle Augen der Welt (Radioteleskope) auf ihn richten. Menschen sind aus seiner Sicht vielleicht nicht mehr als Neuronen eines globalen Gehirns. Im Star Trek Universum gelten die Borg als größter Feind der Menschen. Wir werden nicht von den Borg assimiliert, wir sind Borg, zugegeben in einem sehr frühen Stadium. Über Twitter und Facebook lassen wir uns gerne assimilieren. Ist das gut oder schlecht? Ich weiß es nicht. Es spielt auch keine Rolle. Viele Diskussionen dienen nicht der Wahl der Alternativen sondern zur Verarbeitung des Unabwendbaren. Es ist einfach schöner begrüssen zu können, was man nicht verhindern kann.
Insgesamt könnten wir Menschen ruhig mal den Ball flach halten. Es sind religiöse philosophische Maschinerien die uns einreden wollen, dass unser Leben irgeneinen Sinn oder irgeneine Bedeutung haben muß. Das Mantra, der eigenen Überlegenheit halte ich weniger für Arroganz als für eine Panik den selbst gesteckten Ansprüchen an Überlegenheit zur Daseinsberechtigung nicht zu genügen. Enspannt euch und genießt ein sinnloses Leben, notfalls auch in Mittelmäßigkeit. Nur weil Sinnlosigkeit häufig mit Selbstmord in Verbindung gebracht wird: Der Tod ist genauso sinnlos wie das Leben, hilft also nicht bei der Sinnsuche.
Nur der Sinnenzug verspricht dauerhafte Heilung.

Kein Computer ist dem Menschen überlegen? Warum programmieren wir dann welche? Im Physikunterricht habe ich gelernt, dass Leistung Arbeit pro Zeit ist. Was nützt es wenn ein Programmierer in einer Millionen Jahre einen Zug eines Schachcomputers nachrechnen kann, weil er ihn programmiert hat. Intelligenz ist nicht eindimensional. Computer lösen eine Neubewertung intellektueller Fähigkeiten
aus. Man muß dabei anerkennen, dass Mensch und Maschine über sehr unterschiedliche Fähigkeiten verfügen, was uns ein Gefühl dafür gibt welche Aufgabe welche Art von Intelligenz erfordert. Ich habe in der Zeit vor dem Internet Informatik studiert. Was mich fasziniert hat war nicht die Kommunikation, sondern die Möglichkeit Probleme, insbesondere kombinatorische, zu lösen. Der Computer erlaubte mir antworten auf Fragen zu finden die ohne Computer nicht zu bewältigen gewesen wären. Es war erlebbar gewordene Mathematik.

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Otto Normalverbraucher 18.02.2011, 08:53
76. Warum wir uns selbst überschätzen

"Der Maschine mag es (noch?) an Bewusstsein mangeln. Uns aber mangelt es oft an Selbstbewusstsein, an der Erkenntnis, wie überlegen wir ihr noch immer sind. Selbst wenn sie schneller "denkt" als wir: Was auch immer sie kann, hat ihr einer von uns gegeben."

Der Mensch hält sich nun mal gerne für die Krönung der Schöpfung. Ein Abbild der mächtigsten Instanz des gesamten Universums und darüber hinaus.

Tatsächlich lernen Computer schon heute die Basis ihrer Programmierung selbstständig zu erweitern. Es liegt bislang noch an den recht einfachen Konstruktionen dass diese Entwicklung nicht schneller voran geht. Am Ende wird der Mensch diesen unsinnigen Wettstreit verlieren, vielleicht ist dies auch gut so und eine evolutionäre Weiterentwicklung unserer Intelligenz.

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mck79 18.02.2011, 08:54
77. Auf Thema antworten

Zitat von Charlie Whiting
Ich breche erst mal einen Stab für die IBM-Leute. Denn die Spracherkennung muss z.B. exzellent sein, und das auch für mehrere Sprachen und angeblich auch für Dialekte. Ob er allerdings auch Sprachmuster bewerten kann wäre mal ne interessante Frage. Dazu muss er ja auch Scherzfragen und Wortspiele erkennen. Stell ich mir schwer vor. Der Mensch lernt übrigens natürlich nicht nur das, was ihm beigebracht wird, sondern er kann Dinge be-"greifen", von den anderen Sinnen und Gefühlen mal abgesehen. Taschenrechner-Kinder: schlimm genug, aber ihnen wird ja nicht mal beigebracht ihn richtig zu bedienen bzw. mal anzuzweifeln (z.B. Kommataste nicht richtig gedrückt, Ergebnis 100fach, Monatsgehalt 200.000 €, egal, wird aufgeschrieben).
Watson bekam die Fragen (also die Antwort -> Jeopardy) in Textform.

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Paul Panda 18.02.2011, 09:34
78. Neuronale Netzwerke

Zitat von duschinabuschi
Watson arbeitet zwar massiv parallel, aber nach - wenn auch extrem intelligenter - binärer Logik. Demgegenüber steht die Forschung an Neuronen Netzen, die biologischen Nervennetzen nachempfunden sind...
Interessanter Beitrag + Posting! Die Frage lautet also: Sind die bisherigen Computer lediglich nicht gut genug programmiert, um menschliche Kreativität zu erlangen, oder sind wir mit der Hardware und dem Funktionsprinzip (Von-Neumann-Maschine) auf dem Holzweg?
Ich bin benefalls der Meinung, dass wir in puncto menschliche Intelligenz und Kreativität nur mit neuronalen Netzwerken weiter kommen, aber ob sie der Weisheit letzter Schluss sind, scheint ungewiss, da, wie schon mehrfach hier erwähnt, die Funktionsweise des Gehirns noch weitgehend unbekannt ist.

Warum nun ein Gehirn kopieren, wenn es doch schon genug davon gibt? Ich glaube, es würde einfach helfen, unser Gehirn besser zu verstehen und damit vielleicht auch Krankheiten dieses Organs zu heilen, obwohl natürlich die Gefahr des Missbrauchs für militärische und auch zivile Zwecke besteht. An einer „esoterischen“ (oder besser: philosophischen) Diskussion werden wir wahrscheinlich dennoch nicht ganz vorbeikommen, solange wir nicht sicher wissen, ob Bewusstsein wirklich nur auf materiellen, vernetzten Strukturen basiert oder letztendlich nicht doch viel mehr ist.

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nordschaf 18.02.2011, 09:39
79. Mustererkennung: Maschine vs. Mensch

Mir ist nicht klar, warum die Mustererkennung des Menschen der der Maschine nun so überlegen sein soll und vor allem, warum sie dabei so anders sein soll.

Watson hatte einen Haufen Regeln zur Analyse der vorgelegten Aussagen, nach denen er sie untersucht und bewertet hat, bevor er Schlussfolgerungen daraus gezogen hat.
1. Wenn Watson von Menschen entwickelt wurde, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass sie die Regelsysteme so geschaffen haben, wie sie selbst sie verstehen und nach dem Muster, wie sie selbst ähnliche Probleme angehen.

2. Sind wir denn so sicher, dass menschliche Musterkennung nicht ganz ähnlich abläuft? Wenn Kinder lernen, Texte zu analysieren, fragt man sie normalerweise "Was kommt Dir wichtig vor?" und sie antworten scheinbar nach dem Gefühl. Aber ist es nicht vielmehr so, dass sie z.B. die Nomen im Satz suchen, diese nach Objekt/Subjekt filtern und dann im Zusammenhang mit der Grammatik (Satzstellung) eine Bewertung durchführen? Dass also hinter dem scheinbaren "Gefühl" für die wichtigen Teile im Satz (induktiv überführt auf ganze Texte) in Wirklichkeit die subtile und unbewusste Entwicklung komplexer Regelsysteme steht?

Wenn dem so sein sollte, dann wäre unser Gehirn eine Art universeller Number Cruncher, der dann eben gegen extrem spezialisierte Systeme im Nachteil ist. Als ein solch spezialisiertes System könnte man z.B. Autisten verstehen, die in Bezug auf Primzahlfindung oder andere spezielle Problembereiche zuweilen schneller sind als jeder andere Mensch.

Dann jedoch unterscheidet sich Watson primär (ohne Berücksichtigung von Bewusstsein) in der extremen Spezialisierung auf ein Problem (Jeopardy) und der ebenfalls extrem spezialisierten Datenbasis. Es könnte also sein, dass man irgendwann genug Leistungskapazität hat, um den Zwang zur Spezialisierung vernachlässigen zu können. Bleibt dann die Frage nach Bewusstsein...

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