Forum: Netzwelt
Live-Webcast: Selbstmord im Internet

In den USA hat ein 19-Jähriger vor einem Netz-Publikum Selbstmord begangen. Die Zuschauer in dem Live-Webcast sollen den Jugendlichen US-Medien zufolge sogar angestachelt haben. Das ist eine Verkürzung der Tatsachen - und zeigt doch die Risiken.

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OlafKoeln 21.11.2008, 13:27
1. ...

Zitat von sysop
In den USA hat ein 19-Jähriger vor einem Netz-Publikum Selbstmord begangen. Die Zuschauer in dem Live-Webcast sollen den Jugendlichen US-Medien zufolge sogar angestachelt haben. Das ist eine Verkürzung der Tatsachen - und zeigt doch die Risiken.
Das ganze Leben ist ein Risiko - also verbieten !
Nein - nun im Ernst. Auch bei Selbstmördern, welche vom Dach springen wollten/sind sollen diese auch schon von der Menge angestachelt worden sein.

Das ist schändlich - aber letztlich nicht zu verhindern.
Nun wieder auf der Meinungs- und Medienfreiheit herumzuhacken bringt gar nichts, außer die Einschränkung grundlegender Rechte. Das ist in jedem Fall zu vermeiden. Nehmen wir es als Preis unserer (verbliebender) Freiheit.

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Michael Giertz 21.11.2008, 13:30
2. So gehts

Zitat von sysop
In den USA hat ein 19-Jähriger vor einem Netz-Publikum Selbstmord begangen. Die Zuschauer in dem Live-Webcast sollen den Jugendlichen US-Medien zufolge sogar angestachelt haben. Das ist eine Verkürzung der Tatsachen - und zeigt doch die Risiken.
Ich mach es kurz: Wer Extremfälle, in denen die Meinungsfreiheit ausgenutzt wird, als Begründung heranzieht, eben diese Freiheit zu stutzen (durch Zensur & co), hat einfach noch nicht verstanden, dass Freiheiten nunmal auch Risiken mit sich bringen, die einige, zumindest ich, billigend in Kauf nehmen.

Gerade jetzt wird wieder ein Extremfall (in diesem Falle die Kinderpornographie) im Familienministerium als Anlass genommen, über Seitensperrungen zu diskutieren. Was hier vielleicht noch Sinn macht (wobei das fragwürdig ist, da keinem Kind mit den Sitesperrungen geholfen wird), kann später missbraucht werden, um regierungskritische Seiten zu sperren und andere unliebsame Dinge im WWW zu zensieren.

Worauf ich also hinaus will: Gibt es weniger Selbstmorde, wenn solche Seiten gesperrt würden? Wahrscheinlich nicht. Warum also sperren? Es geht mir nicht um das Sperren dieser Seiten, sondern über die generelle Tendenzen, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Das WWW ist für mich noch so ziemlich der letzte Ort auf Erden, wo ich mich, so denn ich tief genug grabe, noch unabhängig informieren und meine klare Meinung äußern kann.
Etwas, das man im täglichen Leben nicht mehr macht, weils niemand hören möchte bzw die Leute auch zu beschäftigt sind. Und sind wir ehrlich: der Berichterstattung der "offiziellen" Medien traue ich nur noch bedingt. Da wird sehr viel totgeschwiegen oder durch "wichtigeres" verdeckt.

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chrome_koran 21.11.2008, 13:43
3. Bedenklich die Konklusion

Bedenklich stimmt mich die Konklusion des Artikels: ohne professionelle Moderatoren würde nichts gehen.
Das Beispiel des Usenet dürfte diese angebliche Notwendigkeit widerlegen. Seit fast 30 Jahren funktioniert das Usenet nach internen Regeln, als selbstkontrollierendes System ohne Moderatoren, ohne Geschäftsführung, ohne Erste-Hilfe-Beauftragte und ohne Aufsichtsrat.

Dabei finden sich im Usenet Inhalte aller Art, seriöse / wissenschaftliche Diskussionen genauso wie Klatsch und Tratsch sowie natürlich Religion und Politik aller Art, von gemäßigt bis radikalst. Darüber hinaus natürlich jede Menge "binaries".
Die einzige Kontrolle haben die Betreiber der jeweiligen Usenet-Server, die gezielt bestimmte Bereiche aussperren können - das allerdings nach eigenem Gusto. Außerdem steht es jedem User frei, sich dann an einem anderen Usenet-Server zu bedienen.

Also: "Grunddemokratie" im Netz ist durchaus machbar. Auch wenn in Net-Foren die "alten" Bräuche in der Tat zum Teil erzwungen werden müssen - man kann sich auch totmoderieren. Dann ziehen die User anderswo - das ist das Schöne am Netz.

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mark pohland 21.11.2008, 14:17
4. hmm...

Zitat von Michael Giertz
Es geht mir nicht um das Sperren dieser Seiten, sondern über die generelle Tendenzen, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Das WWW ist für mich noch so ziemlich der letzte Ort auf Erden, wo ich mich, so denn ich tief genug grabe, noch unabhängig informieren und meine klare Meinung äußern kann.
Das ist eben eine weit verbreitete moderne Meinung, der ich so nicht zustimme. Ich denke, die technischen Möglichkeiten des heutigen Internets haben Bequemlichkeit, ein millisekundenschnelles globales Netzwerk und Anonymisierung selbst gegenüber dem "realen" Nachbarn massentauglich gemacht. Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich will das Internet nicht verdammen, eher Vor- und Nachteile aufzeigen.
Das Internet bietet unbestreitbar unabhängige Informationsquellen. Aber wer verbietet Ihnen, auf der Straße vor Ihrem Zuhause Ihre klare Meinung zu äußern?

Ansonsten stimme ich Ihnen zu: eine Zensur solcher Web-Sendungen würde Suizide, auch öffentliche, nicht aufhalten.

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Eiermann 21.11.2008, 14:24
5. Neue Möglichkeiten

Innovationen, auch Neue Medien schaffen neue Möglichkeiten in jeder Hinsicht, auch für Selbstmörder. Deshalb völlig auf neue Möglichkeiten zu verzichten wäre wohl etwas übertriebene Vorsicht.

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ofelas 21.11.2008, 15:08
6. Unterlassene Hilfestellung

die IP addressen der Teilnehmer sind nachvollziehbar, auch die Kommunikation mit dem "Opfer" - alle konsequent der Beihilfe zum Mord anklagen!

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Cigaro 21.11.2008, 15:20
7. nicht weiter ungewöhnlich

Es bringen sich doch ohnehin jeden Tag hunderte Menschen um, dass alle paar Jahre einer von denen einen außergewöhnlichen Weg wählt, wird man noch öfters erleben, und scheint mir auch nicht weiter verwunderlich.

Der Jugendliche hatte laut den Usern des Bodybuilder-Forums schon Monate zuvor mehrfach versucht/angekündigt sich umzubringen, insofern war die Aufmerksamkeit schon nichtmehr so hoch (was die Moderatoren angeht). Ganz zu schweigen von den Selbstmordankündigen in Internetforen allgemein, von welchen sich ca 99% als Streiche herausstellen, bei denen unerfahrene User geschockt werden sollen.
Dazu kommt die Frage, was man überhaupt tun kann, wenn jemand sowas ankündigt. Man hat keine Adresse, keinen Namen, keine Telefonnummer, nur wenn man die gesamte postig history nach Hinweisen durchwühlt, oder das Zimmer zufällig essentielle Daten preisgibt, ist es überhaupt möglich etwas zu unternehmen. Zudem kamen die meisten Schaulustigen gar nicht von justin.tv, sondern wurden dorthin verlinkt. Was sollen sich also die Betreiber jetzt schämen.

Das Anstacheln lässt sich natürlich nicht schönreden, aber wie bereits im Artikel erwähnt, finden tatsächliche live-selbstmorde außergewöhnlich selten statt, was dann als eine Art "event" betrachtet wird.
Obwohl sich das jetzt vielleicht wie etwas zu weit hergeholt anhören könnte: Bekanntermaßen sahen die Menschen bereits im alten Rom gern zu, wie sich irgendwelche Gladiatoren umgebracht haben. Eine eigene moralische Verantwortung gesteht man sich dabei kaum ein.
Die Begisterung der Zuschauer sieht man auch auf diesem screenshot der webcam, der zu dem Zeitpunkt aufgenommen wurde, als ein Polizist im Raum war (was bewies, dass die Aktion nicht zu den oben erwähnten 99% fakes gehört, zB mithilfe einer Videoschleife o.Ä.):
http://img167.imageshack.us/img167/1305/anhero2dk6.png


Zitat von ofelas
die IP addressen der Teilnehmer sind nachvollziehbar, auch die Kommunikation mit dem "Opfer" - alle konsequent der Beihilfe zum Mord anklagen!
Stuss. Wäre weder durchsetzbar, noch hätte es einen positiven Effekt.
Meinen anderen Voprpostern stimme ich generell zu.

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Verdani 21.11.2008, 15:40
8. Beihilfe zur Selbsttötung

Zitat von ofelas
die IP addressen der Teilnehmer sind nachvollziehbar, auch die Kommunikation mit dem "Opfer" - alle konsequent der Beihilfe zum Mord anklagen!
Beihilfe zur Selbsttötung ist nach deutschem Strafrecht nicht strafbar....
und wenn der Suizident schon zur Tat entschloßen ist, dann kann man ihn auch nicht mehr anstiften...
von daher wäre es schwer die Schaulustigen überhaupt zu belangen...

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testthewest 21.11.2008, 15:52
9. DasInternet

Zitat von sysop
In den USA hat ein 19-Jähriger vor einem Netz-Publikum Selbstmord begangen. Die Zuschauer in dem Live-Webcast sollen den Jugendlichen US-Medien zufolge sogar angestachelt haben. Das ist eine Verkürzung der Tatsachen - und zeigt doch die Risiken.
Tja, oder vielleicht sollte man einfach nochmal über die ganzen künstlichen Moralvorstellungen nachdenken.
Wie wärs wenn wir einfach den Suizid mal entkriminalisieren, und Leute die sich umbringen wollen einfach lassen.
Wer aus eigenem Antrieb seine Existenz beenden möchte sollte dies dürfen. Wer es öffentlich tun will, sollte auch das dürfen, solange es niemand anderen belästigt, und im Netz belästigt es niemad. Nur Leute die es sehen wollten haben zugeschaut.

Das Internet gibt endlich das was alle immer propagiert haben: Freiheit.
Nun steht auch dazu, und verkriecht euch nicht nur weil das Ergebnis nicht eurem naiven Gutmenschentum entspricht.

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