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Lobo antwortet Fleischhauer: Die Goldmedaille in Privilegien-Blindheit
imago/ Christian Mang

Nachdem viele Journalisten kürzlich "Nazis raus" twitterten, schrieb Jan Fleischhauer eine SPIEGEL-Kolumne mit der Überschrift "Nazis rein". Dahinter steckt viel mehr als nur ein kindischer Wunsch nach Provokation.

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deviet 23.01.2019, 19:11
10. Der Schuss ging nach hinten los

Ich frage mich wirklich, was diese Rechtfertigungsversuche in diesem Artikel soll.
Da wird als erstes Teile aus Fleichhauers Kolumne aus dem Zusammenhang gerissen.

...dass kein Mensch so schlecht sei, dass er nicht Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft...

Das war der Grundgedanke der Kolumne. Was folgte, sind keine sprachlichen Verrenkungen. Fleischhauer kritisiert die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen durch unsere sogenannten Eliten.
Als Nazi wird man heutzutage schneller abgestempelt als man sich vorstellen kann. Bei einigen Eliten reicht es, wenn sich jemand über Flüchtlinge aufregt. Das Leserforum der "Zeit" zum Beispiel schwingt da gerne die Keule der Zensur und des Aussperrens.
Sie Lobo versuchen sich gegenüber Fleischhauers Ansicht zu rechtfertigen. Sie verteidigen das Konstrukt, "Nazis" gehören nicht in unsere Gesellschaft. Im Grunde genommen bekräftigen sie die ganze Kritik, die Fleischhauer in seiner Kolumne geübt hat.

Der Schuss ging nach hinten los.

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deviet 23.01.2019, 19:13
11.

Zitat von drui
Ich empfehle dringendst die Umerziehung Fleischhauers!! Als Mitläufer geht er längst nicht mehr durch.
Haben sie die Kolumne überhaupt gelesen? Sie erschien bei Spiegel+!

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toninotorino 23.01.2019, 19:22
12.

Meiner Meinung nach gibt es viele Menschen, die sich eine Art "gelenkte Demokratie" oder "autoritäre Demokratie" wünschen. Irgendwas, wo mal "durchgegriffen" wird. Wo einem mal klar gesagt wird, wo der Weg längs geht. Da finden Nazi-Parolen durchaus Resonanz. Ich wünsche mir so etwas nicht. Die Entwicklung dazu habe ich schon Ende der 70er, besonders in den 80ern wahrgenommen. Eine Art aggressive Ich-Kultur. Was mich immer wieder verwundert bis heute, ist manchmal dieses kokettieren mit Nazi-Symbolen, sogar unter Künstlern. Als ob es der ultimative Kick ist. Eine Art Chic. Der Tabu-Bruch!

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claus7447 23.01.2019, 19:23
13. Wenn umerziehung helfen würde!?

Wäre es ja ein Mittel. Aber um es krass zu sagen, unter Pol Pot ging es auch nicht. Erschreckend ist für mich die Ideologie denen "Rechtsaussen" anhängen.

Wenn ein Linker vegan lebt, sein Windrad pflegt ist das überschaubar. Vermutlich ist es ihm egal ob sein Nachbar gerade einen Schweinebraten aus dem Ofen nimmt, solange er nicht dabei ist.

Bei Rechtsgesinnten wird es schwieriger, denn an ihrer Einstellung soll die Welt "genesen"! Zudem engstirnig und vor allem wird der Hass nach aussen sichtbar und spürbar. Wenn diese Leute von mir aus ihr Adolf-Bild sich zuhause an die Wand nageln und jede Stunde den rechten Arm davor heben wäre es mir gelinde gesagt Sch...es egal.

Aber sie wollen MACHT. Macht über andere, Macht in der Politik um das Rad der Geschichte um möglichst 80 Jahre zurück zu drehen. Macht um ander Kulturen zu u verdrücken bzw. auszurotten.

Nazis raus ist für mich bildlich gesehen, raus aus der Politik. Raus aber auch aus dem Untergrund, dass ich sehen kann WER!

Bevor jetzt einer kommt, ein so genannter Antifa ist für mich einer der weit aussen links steht, soweit, dass er dem rechtsaussen schon wieder die Hand reichen kann.

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haresu 23.01.2019, 19:24
14. Fleischhauer raus

Falls man Fleischhauer als Konservativen betrachten wollte, dann hätte Lobos Beitrag Sinn und würde einige interessante Mechanismen beleuchten. Fleischhauer ist aber kein Konservativer sondern nur ein etwas besser erzogener "Verwandter". Er ist Berufsprovokateur und Berufsbrückenbauer, der wandelnde "man wird doch wohl sagen dürfen"- Pseudo- Biedermann und damit eigentlich schlimmer als die echten Nazis. Ich finde schon lange, dass der Spiegel auf diesen Kolumnisten verzichten sollte. Fleischhauer raus!

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keine-#-ahnung 23.01.2019, 19:25
15. "Aus rechten Sphären ist diese Haltung ...

... bis tief in das konservative Lager geschwappt, genauer gesagt handelt sich "Aufregung von links" um die Hauptgemeinsamkeit Konservativer und Rechter."

Keine direkt unschlüssige Theorie, die selbstredend umgekehrt auch für das "progressive" Lager ihre Gültigkeit besitzt. Schlussfolgerung: alle regen sich immer mehr über alles Mögliche auf - Kompromisse? Unbekannt bis ausgeschlossen. Selbst wenn man insgeheim erkennt, mit der eigenen Meinung völlig schief zu liegen ...

"In den letzten 20 bis 30 Jahren ist fast jede Form von "Wir-Gefühl" in den westlichen Ländern zerstoben. Die Gründe dafür sind vielfältig, sie reichen vom Ende des Kalten Krieges bis zur Erkenntnis, dass mit "wir" in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ohnehin meist mittelalte bis alte, weiße, nicht-behinderte, heterosexuelle Cis-Männer gemeint waren. "

Da gibt es noch ein paar Dutzend schwerwiegendere Gründe mehr ... aber die sich zuzugestehen, fällt dann wohl doch schwer. Da klingen "ohnehin meist mittelalte bis alte, weiße, nicht-behinderte, heterosexuelle Cis-Männer" doch besser in den Ohren, gelle :-) ?

So wird das nix mit der Kittung des gesellschaftlichen Spaltes ... und irgendwie - empört mich diese Äusserung :-)! Ich würde diese aufbrandende Empörung gerne millionenfach teilen ... aber ich habe gerade nicht soviele Briefmarken zur Hand. Und "social media" ist jetzt nicht so meins ...

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muellerthomas 23.01.2019, 19:27
16.

Zitat von cat69
Die sozialen Medien sind wie für ihn erfunden. Sachlich liefert er selten etwas. Für mich ist es überflüssig und selten von dem Unterhaltungswert den Fleischhauer oder Broder bieten. Er ließt sich wohl gerne selbst.
Also m.E. ist Lobo der beste Kommentator bei SpOn - immer sachlich, ausgewogen, klar argumentierend und das auch noch unterhaltsam präsentiert.

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spmc-12355639674612 23.01.2019, 19:27
17. Großartige Analyse!

Wo kann ich dem Sascha-Lobo-Fanclub beitreten?
Ich bin inzwischen dazu übergegangen, Herrn Fleischhauer komplett zu ignorieren - ganz ohne Umerziehung, hilft bei ihm eh nichts, da er intellektuell nicht in der Lage wäre, sich eine neue geistige Heimat aufzubauen. Herr Fleischhauer lässt sich bekanntlich ja nicht einmal wie sein unübertroffener Kolumnenkollege Thomas Fischer dazu herab (wahrscheinlich traut er sich nicht, seine dünnen Argumente öffentlich zu verteidigen), auf Gegenpositionen zu antworten - möglicherweise liest er die Kommentare gar nicht.
Wer von der Empörung der anderen lebt, dem müsste man durch Nichtbeachtung ja eigentlich die Lebensenergie entziehen können. Die beste Form der demokratischen Nichtbeachtung wäre natürlich, rechte und populistische Parteien auf Stimmzetteln vollständig zu ignorieren.

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ttomson 23.01.2019, 19:29
18. Danke

Sascha Lobo ist klug, offen und ehrlich, und bringt die Dinge auf den Punkt. Dies ist ein echter "Kommentar" und nicht ein weiteres Anfächern des reisserischen Medienfeuers. Er überzeugt anstatt mit oberflächlich "Kontroversem" zu tricksen und "Trigger" zu aktivieren.

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brandyandy 23.01.2019, 19:30
19. ok,

wenn ich das richtig verstanden habe, ist das wie bei star trek: wenn die Enterprise in einem Energiefeld böser Energie steckt und Captain Picard "Energie!" sagt, kommt das Gegenteil dabei heraus: der olle Eimer bewegt sich keinen Deut und es wird sogar Energie abgezogen. Die böse Energie wird gestärkt durch die Kraft, mit der man gegen sie ankämpft. Tun die Trekkies aber nix und schalten alle Lampen aus, kommen sie frei und die böse Energie schmilzt dahin. Übersetzt heißt das: mit nichts kann man die Nazis mehr ärgern, als mit Ignoranz, noch besser mit Nettigkeiten: "weil du Angst vorm Kuscheln hast, bist du ein Faschist..." Oje, das wird schwer und steht zu meinem Hang zum Widerspruch völlig konträr. Aber: Diskussionen mit Nazis führen tatsächlich zu nichts, ihre Filterblasen sind nicht zu durchdringen.

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