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Lobo antwortet Fleischhauer: Die Goldmedaille in Privilegien-Blindheit
imago/ Christian Mang

Nachdem viele Journalisten kürzlich "Nazis raus" twitterten, schrieb Jan Fleischhauer eine SPIEGEL-Kolumne mit der Überschrift "Nazis rein". Dahinter steckt viel mehr als nur ein kindischer Wunsch nach Provokation.

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thomhein 23.01.2019, 19:32
20. Zwiebelschalen

Die Probleme unserer heutigen Gesellschaft sind komplex und nicht offensichtlich. Man muss unter die Oberfläche schauen. Dort findet man die Erklärungen, die aber gleich weitere Fragen aufwerfen. Deren Antwort wieder eine Ebene tiefer, usw. Wie Zwiebelschalen. Vernünftige Menschen begeben sich in diese (Un-) Tiefen und tauchen auch wieder auf - hoffentlich. Danke Herr Lobo

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Das Grauen 23.01.2019, 19:33
21. Da haben sich zwei gefunden! Wettstreit der Trolle.

Beide haben viel Erfahrung im Provozieren und unfair Vereinfachen, und jetzt wirft der eine das dem anderen vor. Na, das kann ja lustig werden. Ich besorg' mir schonmal Popcorn.

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lars.nitsch 23.01.2019, 19:34
22.

Fleischhauers Beiträge sind einfach nur schwach. In 99% der Fälle versucht er anhand eines einzigen Beispiels, eine selbst erdachte Regel zu belegen. Provokativ, aber völlig wirr. Ich rege mich mittlerweile gar nicht mehr über ihn auf. Anspruch und Wirklichkeit klaffen da einfach viel zu sehr auseinander.

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antelatis 23.01.2019, 19:35
23. Von der schrecklichen Furcht der Konservativen

Die Bedeutung des Ausspruchs "Nazis raus", ist heutzutage eine etwas andere, als sie das früher war. Früher hat man damit nur gemeint, dass man Menschen mit solchen Ansichten in Deutschland nicht will, und es fiel sehr leicht, das auf diese Weise auszusprechen. Heute beinhalten diese zwei Worte aber mehr, denn sie sind gleichzeitig auch ein Bekenntnis zu dem Satz: "Migranten und Asylanten rein!" Das hat natürlich mit den Ereignissen der letzten Jahre zu tun. Wer Rechtsextreme nicht mehr haben will, der muss nun gleichzeitig auch akzeptieren, dass mehr Ausländer zu uns kommen werden, dieser Zusammenhang ist heutzutage viel deutlicher und realer als er das früher war. Darum ist es inzwischen wesentlich schwerer geworden, diese Worte zu sagen oder zu schreiben. Dass einem Fleischhauer dabei die Nerven flattern, ist nicht verwunderlich, denn für mutige Taten war er noch nie bekannt. So akzeptiert er lieber den rechtsextremen Schutzschild um sich herum, anstatt sich heldenhaft den Herausforderungen der Integration von Ausländern zu stellen.

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muellerthomas 23.01.2019, 19:35
24.

Zitat von skilliard
Herr Lobo, vielleicht haben Sie es ja tatsächlich noch nicht bemerkt, aber die Mechanismen, die Sie bei der Rechten oder Trump-Anhängern verorten werden auch 1:1 im linken politischen Spektrum genau so angewendet. Schauen Sie sich doch mal die Debatten an um den Hambacher Forst, "gendergerechte" Sprache, Abgasskandal. Auch da finden Sie Manipulation, Faktenauslegung nach politischer Sympathie, Lächerlichmachen Andersdenkender. Aber da dient es ja der guten Sache und ist deshalb etwas ganz anderes als wenn der politische Gegner dasselbe tut.
Ich stimme zwar nicht 100% zu, aber dieses Phänomen, dass man Aussagen nicht aufgrund des Wahrheitsgehaltes beurteilt, sondern als Zugehörigkeitsmerkmal, kenn ich durchaus von mir selbst auch - und wer ehrlich zu sich selbst ist, fast jeder.

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CrocodileDandy 23.01.2019, 19:36
25. Als liberaler Mensch

...möchte ich ungern im gleichen Kontext mit Linken genannt werden, mit deren lebens & lustfeindlicher Gleichmacherei möchte ich eigentlich nichts zu tun haben. Politisch steht "Leben und leben lassen" weit entfernt vom linken Dogmatismus, der alles verteufelt, was nicht auf Linie ist. Da stehen sich rechts und links viel näher.

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guijia 23.01.2019, 19:37
26.

Hm, leider habe ich Fleischhauers Kommentar nicht gelesen und werde es dank der Paywall wohl auch nicht können. Allerdings scheint mir Lobos Argumentation ziemlich einseitig. Dass "Nazis rein" garnicht (zb) "Nazis rein in den Bundestag" sondern "Nazis rein in die Umerziehung" (wie Lobo interpretiert) heißen soll liegt ja nicht so fern. Man kann "Nazis rein" ja auch als "Nazis zurück (in die Gesellschaft)" verstehen (Dass "Nazis raus" nicht "Nazis raus aus Deutschland" bedeutet, scheint ja selbstverständlich zu sein). Dann wäre "Nazis rein" letztlich das Gegenteil einer Provokation sondern ein Aufruf zur Kommunikation und Auseinandersetzung mit einem offensichtlichen Problem in unserer Gesellschaft (Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus). Ich bin der Meinung, dass dies der bessere Weg ist dieses Problem anzugehen; besser zumal als ein ziemlich billiges und abgenutztes "Nazis raus"

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Newspeak 23.01.2019, 19:38
27. ...

Geht es bei Kolumnen denn jemals ums Diskutieren?

Als ob man Nazis mit Argumenten ueberzeugen koennte.

Ich verstehe, ehrlich gesagt, mittlerweile das ganze Prinzip von Spiegel Kolumnen nicht mehr. In anderen Medien, vor allem im Angelsaechsischen Bereich, sind Kolumnisten oft genug Generalisten. Eher im Sinne der Idee eines auch von dort stammenden Debattierclubs. Man auessert eine Meinung, aber nicht unbedingt die eigene. Im Gegenteil, wenn es nicht die eigene ist, ist es umso spannender. Es geht dabei um Logik, Rhetorik, Sprache, Argumentation. Es sind Texte, die hart in der Sache sind, faktenorientiert, aber fluessig in der Sprache. Sicher nicht einfach zu schreiben. Und so ganz anders, in ihrer Wirkung, als die deutschen Pendants. Naeher an der Schriftstellerei (ohne das Relotiussche Maerchenerzaehlen), kleine Kunstwerke. Der Kolumnist greift dabei gesellschaftliche Sachverhalte auf, um sie zuzuspitzen, um die Essenz herauszustellen, um die Argumente beider Seiten darzustellen. Eine Taetigkeit, die voellig ohne eigene Meinung auskommt. Etwas, was den Journalisten vom Blogger unterscheidet.

Und jetzt im Vergleich die Kolumnen bei SPON. Sprachlich durchaus ok, aber sachlich einseitig, immer in dieselbe Bresche schlagend, das persoenliche Trauma, den persoenlichen Komplex, im besseren Falle die persoenlichen Vorlieben und Fachgebiete des Autors abarbeitend. Kennt man eine, kennt man alle. In der Summe ermuedend, weil man immer das findet, was man erwartet. Weil einen kein Gedanke ueberrascht. Weil noch die allerschlimmsten Klischees aus der Vergangenheit bemueht werden (bei Fleischhauer ist das die Furcht vor den roten Socken). Weil erst gar nicht der Versuch unternommen wird, klar und praezise zu sein (Lobo ist zugegeben oft eine Ausnahme), und argumentative Ueberzeugungskraft keine Rolle spielt. Die ewige Wiederkunft des Gleichen.

Ich vermisse Jakob Augstein. Der war da anders.

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Steinberg 23.01.2019, 19:39
28.

Was zum Teufel ist den nun "CIS Mann" wieder für eine Beschreibung?

Da müssen doch irgendwo in Kalifornien ein paar Typen in einem feuchten Keller hocken die den ganzen Tag nichts anderes machen, als sich neue "Umschreibungen" für normale heterosexuelle, weiße Männer auszudenken...

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burlei 23.01.2019, 19:39
29. Unsere Gesellschaft ...

... hat doch schon seit einiger Zeit die Schubladen "Links" und "Rechts" verlassen und durch die Einheits-Schublade "ICH" ersetzt. Solange "ICH" angesprochen wird, ist alles i.O., sobald daraus in Diskussionen ein "Wir" wird, die Gemeinschaft angesprochen wird ist es aus. Da toben sich dann die Egomanen aus, siehe Geschwindigkeitsbegrenzung. "Links" wird nur aktuell, wenn damit die von so manchen verhasste "Solidarität" zur Sprache kommt. Merkwürdigerweise findet man "Wir" und "Solidarität" nur noch bei denen, die man nicht mit dem Oberbegriff "Konservativ" belegen kann. Dementsprechend findet man auch diejenigen, die man früher mit dem Begriff "Links" belegt hat, nicht in der "ICH"-Schublade. Egoismus ist eben mehr was für Konservative, Erzkonservative, Neoliberale und alles, was man mal als "Rechts bis Rechtsaußen" bezeichnet hat.

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