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Männerbilder in Videospielen: Macho trifft Lehrling
Sony Interactive Entertainment

Helden in Videospielen sind - fast ausschließlich - Männer, genauer: Machos. Allmählich gibt es Bewegung, neue Rollen mit Nuancen entstehen. Wir stellen acht Typen vor.

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casadechrisso 16.03.2019, 23:06
10. Liebe Spieler...

... lasst Euch doch bitte nicht gleich so auf die Palme bringen, es gibt wunderbar sachliche Argumente und auch einige sachliche Kommentare hier, die aber durch den nächsten Satz gleich wieder zunichte gemacht werden. Womit dann gleich wieder das Gamergate-Klischee erfüllt wird, und das macht keine Laune wenn man schon anhand seiner Steam-Bibliothek mit einem netten Lächeln darauf hinweisen kann daß die Spielewelt heute verdammt divers und vielfältig ist.
Noch ein kleiner Satz zu weiblichen Spielfiguren, das Argument man(n) bevorzuge sie weil man lieber einer Frau als einem Mann auf den Allerwertesten starrt ist uralt, glaub ich aber nur der Hälfte. Man(n) kann sich auch einfach daran erfreuen eine starke Protagonistin zu spielen, ohne gleich seine Sexualität infrage stellen zu müssen. Protagonistinnen wie die fantastischen Aloy oder Senua eignen sich als Sexsymbol nur eingeschränkt und erfüllen sicher nicht im Geringsten das klassische Rollenklischee, bieten aber dafür eine Tiefe und Persönlichkeit die viele Männerfiguren vermissen lassen. Vor die Wahl gestellt würde ich immer diese Figuren vorziehen. Auch Lara Croft wurde recht gut entsexualisiert und dafür mit mehr Charakter vollgestopft, tolle Entwicklung. Sie müssen nun nicht gleich vollkommen hässlich und entsexualisiert sein, das sind auch Männerfiguren nicht, sondern eben auf eine gute Balance ausgelegt. Und meinen Geralt lob ich mir auch, der hat weiter seine Existenzberechtigung und spielt sich auch wunderbar weil er ebenso mehr Tiefe und Persönlichkeit zu bieten hat als der Duke, wenn auch eher im klassischen Rollenbild.
Anyway, mal abregen, dieses Rumgefluche ist nicht so überzeugend.

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Atheist_Crusader 16.03.2019, 23:57
11.

Unterrepräsentiert... jein. Hängt ein bisschen davon ab wie man Repräsentation definiert. Gerade wenn man zur primären Zielgruppe der heterosexuellen Männer gehört (wie ich auch), dann übersieht man da gerne mal wichtige Details wenn so viele Spiele darauf ausgelegt sind den Geschmack eben dieser Gruppe zu bedienen.

Nehmen wir mal Rollenspiele. Schon in den frühesten Vertretern konnte man sich sowohl männliche als auch weibliche Charaktere basteln, die Unterschiede waren entweder rein oder überwiegend ästhetisch. Aber als die Genres sich weiterentwickelt haben, wurden dann von der Norm abweichende Optionen meist entweder stiefmütterlich behandelt oder bleiben völlig auf der Strecke.
Baldur's Gate 2 zum Beispiel war eines DER großen und einflussreichen Rollenspiele und hat u.a. einen neuen Standard für Party-Interaktionen gesetzt. Auch da ist das Geschlecht egal - bis man zu den party-internen Romanzen kommt. Dann haben die männlichen Charaktere plötzlich 3 Optionen für unterschiedliche Geschmäcker und die weiblichen nur eine (und zwar keine besonders tolle). Das ist auch ein Teil des Spielerlebnisses (wie wichtig genau ist natürlich vom persönlichen Geschmack abhängig), aber hätte ich als männlicher Spieler mit tendenziell männlichen Charakteren auch immer nur z.B. Aerie wählen können, wäre das auch ein fetter Minuspunkt für die Wiederspielbarkeit gewesen.

Auch Interessant in dem Zusammenhang: Ein ungewöhnliches Phänomen bei Mass Effect war, dass eine ungewöhnliche Menge an männlichen Spielern entgegen ihren Gewohnheiten einen weiblichen Charakter spielten. Als Grund gaben Viele an, dass es die Möglichkeit einer lesbischen Romanze gab. Das gab heterosexuellen männlichen Spielern die Möglichkeit in jedem Fall eine Romanze mit einer Frau zu haben. Sie konnten eine Frau spielen und konnten trotzdem eine Ingame-Romanze erleben ohne mit einem mänlichen NSC flirten zu müssen.
Ich weiß, das klingt jetzt vollkommen trivial, möglicherweise purtär und wie eine Bestätigung diverser negativer Klischees über männliche Gamer. Aber es zeigt wie sehr solche Details Einfluss darauf haben können wie unterschiedliche Gruppen ein Spiel erleben können und wollen.

Und damit kratze ich nur an der Oberfläche der Repräsentationsfrage (die nebenbei sehr reale Konsequenzen auf das Selbstbewusstsein von Personen haben kann). Es kann doch nicht schaden, wenn man ganz einfach mehr Optionen einbaut, um auch andere Geschmäcker zu bedienen. In den allermeisten Genres ist das im Vergleich zum Rest des Spiels ein trivialer Aufwand, Dateigrößen interessieren Niemanden mehr und selbst die zusätzlichen Kosten beim Vertonen sind absolut vernachlässigbar.
Warum also nicht ein bisschen extra Aufwand, damit sich auch alle Spieler wohlfühlen und das Spiel zur Gänze genießen können? Entgegen dem was ein paar reaktionäre Schwachköpfe verbreiten, verlieren sie dadurch ja nichts. Wer die Optionen nicht nutzen will, der lässt es halt. Aber für jene die in der Popkultur seit Jahrzehnten ignoriert, eingeschränkt oder in Ecken gedrängt wurden kann es eine Menge bedeuten.

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current3 17.03.2019, 03:47
12. Blickwinkel einer Frau:

Ich (weiblich) spiele seit ca. 30 Jahren. Inzwischen kann man wirklich nicht mehr sagen, dass es wenige Spiele gibt, in denen Frauen Heldinnen sind oder sein können. Geliebt habe ich z.B. Aloy in "Horizon Zero dawn", Mew in "Jet set radio" oder auch Faith in "Mirror's Edge" (und den Computer in "Portal" ; ).
Von "Witcher", "Silent Hill", "Dying Light" oder auch "Ico" und "The last guardian" war ich aber auch begeistert, unabhängig vom Geschlecht der Hauptfigur. Worauf es vor allem ankommt, ist eine gute Story und/oder ein guter Spielfluss.
Wettbewerb empfinde ich dabei eigentlich nicht als störend - solange es nicht zu persönlich wird und die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten im Vordergrund steht. Ich empfinde den Wettkampf an sich auch nicht als etwas typisch Männliches. Das ist einfach Sache der Persönlichkeit und auch der Erziehung...
Trotzdem: Es gibt immer noch jede Menge Spiele, in denen sich Frauen und Männer so richtig nervig klischeehaft verhalten oder in denen Körper klischeehaft dargestellt werden. Muskelbepackte Testosteronmonster und magersüchtige Mädchen mit Körbchengröße XXX - in rosa - finde ich ästhetisch einfach nicht ansprechend.
Aber wenn es nicht zu dick aufgetragen ist, und das Ganze nicht zu erniedrigend dargestellt ist, kann man manchmal auch darüber hinwegsehen.
Und ja: Diversität und Komplexität gerne - das ist doch bereichernd!

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quantumkosh 17.03.2019, 07:24
13. Der Duke als Beispiel? "Lol"

Das Duke Nukem eine Parodiefigur ist sollte eigentlich schon der Name sagen, das er als Rollenvorbild eher untauglich ist steht aber definitv nach den ersten 3 Sätzen fest. Warum schwule und bisexuelle Hauptfiguren eher in der absoluten Minderheit (ausser bei geförderten Spielen) sind lässt sich leicht erklären, das Gros der Spieler braucht dann doch irgendwie die Möglichkeit sich mit der Figur zu identifizieren (sie wissen schon, wegen Absatzzahlen und so...), wo wir dann auch z.B Larry Laffer -den Tollpatsch- wiederfinden.

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margei 17.03.2019, 13:03
14. Sommerloch im März?

Das ging mir durch den Kopf als Gamer, seit der Jahrtausendwende scheinen ja die Alphamedien aktiv ihre zukünftigen Kunden verprellt zu haben. Positiv immerhin mal recherchiert als die Semiamateure der Familie Pfeiffer wieder zu Wort kommen zu lassen.
Seit Alien auf den C64 gibt es starke Frauenrollen in Spielen, man müßte eher Fragen warum in der Realität sowenige Frauen in führenden Positionen sind, bzw. in Actionfilmen. Erst dann kann man auf das neue Kulturmedium Videospiele rumhacken. Btw. ein Woody Allen verschnitt Held der als Terminator rumläuft kommt an den Kinokassen einfach nicht an, gleiches bei Videospielen.
Also wenn man kritisiert, dann bitte das Konsumverhalten und dann muss man den KonsumentInnen vorhalten das sie lieber Sixpack und durchtrainierten Mann sehen wollen sowie schlanke groß busige Frauen ala Angelina Jolie anstatt Keira Knightly oder Melissa McCarthy, gleiches bei Männern Captain America: The First Avenger oder Seven Days – Das Tor zur Zeit (was jetzt nicht so bekannt war aber ein wunderschönes Beispiel dafür ist von unnötiger Sexualisierung des Hauptcharakters), z.B. wie oft in einer Actionserien/Filmen der Hauptprotagonist oben ohne rumläuft gibt sogar Internetseiten die sowas zählen. Man könnte jetzt mal die ehemaligen James Bond Schauspieler fragen wie sie vertraglich verpflichtet waren eine gewisse Physis zu halten. Oder kennt einer einen Actionfilm (nicht Komödie) mit John Candy oder Meatloaf oder andere mit dehren Physis in den Hauptrollen?
Ergo, Intention vorhanden Umsetzung und Ausführung des Artikels Themaverfehlung setzen und bitte Nacharbeiten!

P.S: Die Anzahl an Videospielen mit weiblicher oder rein weiblicher Hauptprotagonisten wurde hier oft genug schon gepostet, schon daran sieht man das der Artikel ungenügend ist und wahrscheinlich einer bringschuld des publikationszwangs verhaftet sein muss.

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hellsguenni 17.03.2019, 13:29
15. Skandal!

Der Duke bekommt 20% mehr Bonuspunkte als Lara Croft! Warum? Weil er ein Kerl ist und es einfach besser kann und nicht nur in Teilzeit durch den Dungeon hüpft und flucht. Ich warte auf #virtualgenderpayidiotgap von den Femen...

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großwolke 17.03.2019, 13:36
16. Das lässt "tief" blicken

Zitat von Zeitwesen
Wenn ich die Möglichkeit habe, habe ich bis jetzt immer eine Frau als Charakter gewählt. Weil, Achtung jetzt wirds sexistisch: ich mir lieber (nicht nur) den Rücken einer Frau beim spielen ansehe als den eines Mannes. Dies ist auch bei den meisten Spielern die ich kenne der Fall. Gerade von männlichen Spielern wird es einigen Firmen angekreidet, wenn diese Möglichkeit nicht besteht Frauen als Heldinnen zu wählen, dazu kann man gerne mal Diskussionen beispielsweise auf STEAM (Spieleplattform) verfolgen. Bei Bethesda Games wie Fall Out, Oblivion, Skyrim etc. hat man die Wahl des Geschlechts, wie auch bei z.B. der Saints Row- Reihe, ergo Heldin statt Held. Seltener sind Spiele die ohne Auswahlmöglichkeiten Heldinnen voreingestellt haben, wie Lara Croft, Hellblade etc. Die ästhetische Motivation dahinter mag jetzt zwar einigen Feministinnen nicht soooo sehr gefallen, aber wenns nach mir ging: nur Heldinnen :D
Aus diesem Beitrag kann man sehr schön sehen, worum es Videospielern in aller Regel geht: ein bisschen (unreflektierten) Spaß haben. Einfach nur machen, was gefällt. Videospiele sind das, was wir tun, wenn wir von den Nachrichten, der Arbeit, der Familie einfach mal kurz eine Auszeit haben wollen. Deswegen ist es auch unsinnig, komplexere Charakterbilder zum Selbstzweck zu fordern. Spiele wie Hellblade zeigen zwar, dass es durchaus einen Markt gibt für sowas. Aber auch der Rest geht weiterhin gut, und das wird sich auch nie ändern. Warum? Weil man Videospieler nicht shamen kann. Wir können unsere Spiele in der Anonymität des Internet kaufen, und in der Anonymität unserer Behausungen konsumieren.

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oscar111 17.03.2019, 13:39
17. Doppelbinder gestern, 22:20 Uhr 8.

Ah, ich sehe schon, sie wollen Computerspiele kulturell auf eine Stufe mit "Büchern" bringen.
Ein Versuch wäre es wert.

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Zeitwesen 17.03.2019, 14:15
18.

Zitat von großwolke
Aus diesem Beitrag kann man sehr schön sehen, worum es Videospielern in aller Regel geht: ein bisschen (unreflektierten) Spaß haben. Einfach nur machen, was gefällt. Videospiele sind das, was wir tun, wenn wir von den Nachrichten, der Arbeit, der Familie einfach mal kurz eine Auszeit haben wollen. Deswegen ist es auch unsinnig, komplexere Charakterbilder zum Selbstzweck zu fordern. Spiele wie Hellblade zeigen zwar, dass es durchaus einen Markt gibt für sowas. Aber auch der Rest geht weiterhin gut, und das wird sich auch nie ändern. Warum? Weil man Videospieler nicht shamen kann. Wir können unsere Spiele in der Anonymität des Internet kaufen, und in der Anonymität unserer Behausungen konsumieren.
Ich stimme Ihnen im großen und ganzen schon zu, allerdings "unreflektiert"?
Nicht immer, manchmal schon.
Für mich ist ein Spiel auch Ersatz für z.B. ein Kinofilm.
Ich gehe seit Jahren nicht mehr ins Kino, bzw. wenn dann mal bei kleineren Festivals, aber gerade die Hollywood Sparte ist nunmal immer gleich nach "Schema F" aufgebaut: Hat man die ersten 15Minuten gesehen, weiß man meist schon wie es weitergeht und kann sich eigentlich nur noch von der Gestaltung der Szenen überraschen lassen.
Ein Spiel mit einer guten Story, dass mir zudem die freie oder zumindest multible Wahl der Beeinflußung läßt ist mir da um ein vielfaches lieber.
Natürlich gibt es auch Spiele die man nur "unreflektiert" spielen kann.
Aber manche Story ist nunmal so gut dass dieses "unreflektierte" Spielen gar nicht möglich ist, wie es dies bei einem Film vielleicht wäre, da man ja selbst in die Handlung einbezogen ist und entscheiden muss. Von daher wäre "unreflektiert" ein Widerspruch, dass würde nur bei Spielen passieren, deren Handlungsgeschehen/Story schlecht sind, die würde ich allerdings auch nicht spielen.

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Doppelbinder 17.03.2019, 16:32
19.

Zitat von oscar111
Ah, ich sehe schon, sie wollen Computerspiele kulturell auf eine Stufe mit "Büchern" bringen. Ein Versuch wäre es wert.
Da muss nix mehr "versucht" werden. Die Wissenschaft ist sich da relativ einig (nimmt man den Talkshow-Dumbatz Manfred Spitzer mal aus, der in der Fachwelt eher verlacht wird). Computerspiele sind im deutschen Kulturrat seit über 10 Jahren als Kulturgut anerkannt und werden auch entsprechend gefördert. Es ist im gleichen Maße ein Medium mit Potentialen unsere Sicht auf die Welt zu beeinflussen, uns Dinge zu lehren, uns zu animieren uns selbst auszudrücken und zu verwirklichen etc. wie es Steintafeln vor tausenden Jahren taten, Bücher, Comics, Filme, Musik etc. Inwiefern ein Medium automatisch schlechter ist weil es z.B. audiovisuell ist oder interaktiv müssten Sie erstmal nachweisen. So eine bewahrpädagogische Haltung hat sich in der Geschichte immer wieder bei neuen Medien gezeigt und gilt heute zum Glück als veraltet. Mit Verlaub, Ihr Hinweis auf Ihre Erfahrungen outet Sie eher als jemanden, der keine Ahnung von der Materie hat und einen üblichen oberflächlichen Blick auf ein sehr komplexes Thema geworfen hat um sich dann ein übliches "alte Leute"-Urteil zu erlauben. Es zwingt Sie ja keiner Computerspiele zu spielen, aber ich kann Ihnen versichern, dass diese auch viel Positives bewirken können (ebenso wie es vieles zu kritisieren gibt). Man kann eben nicht mal eben ein komplettes Medium über einen Kamm scheren und verurteilen. Ich werfe Ihnen ja auch nicht Twilight und 50 Shades of Grey vor und finde alle Bücher kulturell wertlos ;-)

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