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Männerbilder in Videospielen: Macho trifft Lehrling
Sony Interactive Entertainment

Helden in Videospielen sind - fast ausschließlich - Männer, genauer: Machos. Allmählich gibt es Bewegung, neue Rollen mit Nuancen entstehen. Wir stellen acht Typen vor.

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rabenschwinge 19.03.2019, 19:19
20.

Die Aussage, dass Spielfiguren in Videospielen fast ausschließlich Männer seien ist falsch. Das trifft auf 1st-person-shooter und Sportspiele zu. In Rollenspielen wird grundsätzlich darauf geachtet, dass die Auswahl ausgewogen ist, Spiele mit vorgegebener Spielfigur, wie die "The Witcher" Reihe sind die absolute Ausnahme und auch das nächste Spiel der Studios CD Project Red, "Cyberpunk 2077" wird den Trend nicht fortsetzen. Abenteuerspiele lassen den Spieler zwar nicht auswählen, das Genre ist aber sehr ausgewogen. Spiele wie Portal, Tomb Raider, The Longest Journey oder Mirror's Edge, in denen die Spielerfigur *immer* weiblich ist, sind völlig normal im Genre und auch sehr erfolgreich. Das aktuell dominanteste Genre auf dem Markt sind die sogenannten "Battle Royal" Spiele, z.B. Fornite oder Apex Legends. Bei diesen Spielen kann man eine von mehreren Spiefigur wählen, sowohl männlichen als auch weiblichen. Das ist die Wirklichkeit des aktuellen Computerspielemarktes.

Anmerkungen zu falschen Darstellungen im weiteren Verlauf:

1) Duke Nukem. Duke Nukem Forever kenne ich nicht, allerdings Duke Nukem 3D. Das Spiel ist offensichtlich extrem überspitzt und selbstironisch. Das es unerträglich geschmacklos ist, ist außer Frage, ich sehe da den Unterschied zur Parodie nicht; Duke Nukem ist eine Selbstparodie.

2) Chris Redfield / "Resident Evil": In Resident Evil konnte man zwischen einem weiblichen und einem männlichen Charakter wählen. Jill Valentine oder Chris Redfield. Man kann Resident Evil zwar noch einige sexistische Untertöne in der Darstellung von Jill vorwerfen, im Nachfolger, Residen Evil 2 war das aber eindeutig nicht mehr so. Tatsächlich war die Figur Claire Redfield viel interessanter und tiefer in die Story integriert als ihr männliches Gegenstück Scott Kennedy.

3) Iron Bull / "Dragon Age: Inquisition". Iron Bull ist keine Spielerfigur sondern ein Gefährte, man kann ihn nicht selbst Spielen (so wie vom Beitrag impliziert). Die Spielfigur selbst kann männlich oder weiblich sein und muss selbst auch keineswegs hetero sein. Das Spiel achtet peinlich genau auf ausgewogene Darstellung von Nebenfiguren, wie allgemein bei Bioware üblich. So gibt es unter den Nebenfiguren, zu denen der Spieler theoretisch im Spiel eine romantische Beziehung aufbauen kann, jeweils jeweils eine hetero-, eine bi- und eine homosexuelle für die beiden Geschlechter. Außerdem gibt es noch zwei Optionen, die nur für weibliche Spielerfiguren der richtigen Spezies zur Verfügung stehen. (Eine nur für Menschen, eine nur für Elfen.) Siehe: https://dragonage.fandom.com/wiki/Romance_(Inquisition) Auch alle anderen Nebenfiguren werden sehr ausgewogen dargestellt. Sexismus kommt in der Welt vor, wird aber klar als solcher gekennzeichnet. In der vorherrschenden Religion ist es so das Ämter von besonderer Macht nur von Frauen ausgeübt werden können.

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NauMax 20.03.2019, 16:02
21.

Zitat von oscar111
Ah, ich sehe schon, sie wollen Computerspiele kulturell auf eine Stufe mit "Büchern" bringen. Ein Versuch wäre es wert.
Storylastige Rollenspiele sind sowohl von der Erzählweise als auch vom Tiefgang her durchaus mit Fantasy- oder Abenteuerromanen zu vergleichen. Die "Mass Effect"-Reihe und "Horizon - Zero Dawn" mal als Beispiele genannt - passend zum von Ihnen völlig verfehlten Thema kommen beide mit weiblicher Spielfirgur. bei Mass Effect optional wählbar, bei Horizon vorgegeben. Selbst simple Spiele können schon eindrucksvolle Botschaften überbringen. Zumindest erzählerische Videospiele sind längst auf dem Niveau der Papierliteratur angelangt. Stimmen wie Ihre gibt es schon seit der Antike. Nach dem Erscheinen von "Die Leiden des jungen Werthers" forderten nicht wenige, Goethes Werke komplett zu verbieten, weil er die Jugend verderbe. Ähnliche Stimmen gab es auch zu Shakespeare und so ziemlich jeden bekannten gesellschaftskritischen Autor, der je publiziert hat.

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stahlvormund 20.03.2019, 18:25
22. Wo sind sie denn alle? Diese Machos?

Es ist natürlich leicht und billig von dem Autor ein diffuses Bild von "Videospiele sind von oberflächlichen männlichen Machos als Helden durchzogen und einseitg" heraufzubeschwören, aber dann will ich bitte auch Zahlen, Fakten, Beispiele.

Wer waren denn die Helden in Heroes of Might and Magic III: Restoration of Erathia? Im Vordergrund stand Königin Catherine; Königin, Heldin, Mutter, Tochter ihres ermordeten und missbrauchten Vaters dessen Königreich sie verteidigen und wieder aufbauen wollte. In Armaggedon's Blade war der Held Gelu, männlich, halb Elf, halb Mensch (gemischte Rasse, also AHA!, eine Problematik die nicht nur mit diesem Spiel im Jahre 1999 behandelt wurde), und im Rahmen der Möglichkeiten des Spiels, durchaus vielschichtig und kein Macho.
Ähnlich Sandro in Shadow of Death; ehrgeizig, skruppellos, ein Bösewicht wo es Laune macht hineinzuschlüpfen.

Springen wir zu Diablo II: Der einzige "Macho" hier ist die Barbaren-Klasse, ansonsten haben wir Abwechslung mit dem skruppellosen Nekromanten, dem fanatischen Paladin, dem weisen Druiden. Und die Frauen dort sind durchaus zum Fürchten als Amazone, Assassine und Zauberin.

WarCraft III: männliche Helden? Arthas, kein Macho, sondern ein Prinz der sich beweisen musste. Es ging ihm nicht um sich selbst (zunächst), sondern um seine Pflicht zu erfüllen und sein Land zu schützen. Spätere männliche Helden sind der weise Thrall oder der väterliche Medivh und Furion. Jaina Proudmoore und Tyrande sind absolut starke Frauen hier.

Gehen wir zu Assassins Creed, dem ersten Teil. Ist Altair ein Macho? Zunächst bestimmt, ja, er ist praktisch noch Jugendlicher, keine Weisheit, aber er wird zurechtgewiesen und lernt mit seinen Aufgaben. In späteren Teilen wird gezeigt, wie sehr er wächst. Ähnlich wie Ezio Auditore da Firenze. Mein absoluter Liebling war er in Revelations, als der Mentor, die Vaterfigur. Und ja, ich war schon als ich es spielte ein junger weißer Mann/Jugendlicher und fand diesen am besten. Weil er am besten erzählt war. Seine Geschichte kommt am besten zusammen und er ist gut zu verstehen.

Man denke an das Spiel Danganronpa; 1 und 2, die Hauptcharaktere waren beide männliche japanische Schülertypen aber keiner ein Macho.

Mal dagegengesetzt, Quake III Arena, der Haupt- oder eher, Standardcharakter ist Sarge, durchaus muskelbepackt und eine Duke-Kopie, aber wirklich Charakterbildung ist hier auch nicht. Auch nicht der Punkt, denn weibliche Gegner zermalmen dich genauso gut. Oder auch in Unreal Tournament 2003/2004.

Half Life 2, Alex. Zwar nicht spielbar, man spielt den notorisch stummen Gordon Freeman, aber charakterlich so gut ausgebaut und absolut stark. Technisch versiert, witzig, zuverlässig, mitfühlend und hat menschliche Wärme in einer immer unmenschlicheren Welt.

Ich fordere den Autor auf gerne seine Thesen mit stichhaltigen Argumenten und schlagenden Beispielen zu belegen.

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