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Medien in Trump-Zeiten: Berichterstattung und Haltung kann man nicht trennen
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Donald Trumps Handeln ist absurdes Theater. Medien berichten darüber aber oft, als sei es ernstzunehmendes politisches Gebaren. Dabei kann man über manche Dinge nicht neutral und objektiv berichten.

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ex_Kamikaze 18.07.2018, 16:41
30. Was ist denn das für ein Machwerk?

Trump wird doch schon immer und überall heftig kritisiert, da wo er es verdient hat - und auch in den ganz seltenen Fällen wo er es nicht verdient hat. Aber das muß nicht heißen das die Gegenpartei immer Recht hat - speziell in den USA. Den da drehen im Moment alle durch. Behauptung gegen Behauptung, Fehlverhalten und Knallhartansagen auf allen Ebenen - nicht nur bei Trump.
Und der Versuch mit Putin zu reden gehört eher zu seinen besten Leistungen. Zu den klassischen Fehlleistungen westlicher Medien gehört das Theater danach - und der krampfhafte Versuch von Medien und Deep State Trump zu zwingen den Russen-Fake endlich "anzuerkennen" und damit seine eigene Legitimität als Präsident zu schädigen, unabhängig davon ob die Behauptungen der Geheimdienste stimmen (die ja nicht mal vollständig bekannt sind und bisher nach 2,5 Jahren "Ermittlungen" sehr dünn aussehen).
Was dabei alle übersehen: die angeblich so liberalen Politiker der Alten Kasten in Washington werden auch beim nächsten Mal keinen Vertreter ins Weisse Haus bekommen: diese haben keine Antworten auf die Probleme von Farmern, Rust Belt-Arbeitern und Unterschichten. Die hat Trump zwar auch nicht. Aber der redet mit denen in einer Sprache die die verstehen. Die sogenannten Liberalen thematisieren dagegen das nicht einmal. Statt dessen diskreditieren die lieber das Votum dieser Menschen über ihre Medienmacht. Aber auch sie werden eines Tages wach werden. Vielleicht ist es dann zu spät und es kommt alles noch viel schlimmer...
Das gilt auch für Lobo: das Einstimmen in den vielstimmigen Chor der Symtombeschreiber bringt gar nichts. Etwas mehr Tiefe wäre schon wünschenswert! Trump ist nur der Gipfel eines kranken Systems. Aber dieses System wäre auch nicht viel besser wenn Trump plötzlich verschwinden würde. Kein ökonomisches, kein soziales Problem der USA wäre gelöst. Das Land ist nicht erst durch Trump "gespalten" worden. Es war schon kaputt - durch extreme Einkommensunterschiede, soziale Schieflage und viele sinnlose Militärinterventionen die die eigene verkündete Moral ad absurdum führen. Der "amerikanische" Traum ist tot und das Land pleite. Die Eliten sind steinreich, weit weg von allen Problemen und zutiefst überzeugt von ihrer eigenen Überlegenheit und Wertigkeit. Und sie hatten zuletzt nicht mal einen wählbaren geeigneten Kandidaten für die Präsidentenwahl. Und wenn wir ehrlich sind: sie werden auch in 2 Jahren keinen wählbaren Gegenkandidaten haben. Die uralten demokratischen Führer sind genauso unwählbar wie die erzevangelikalen oder militaristischen Anführer der Republikaner.

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mueller1 18.07.2018, 16:42
31. Sascha Lobo rennt offene Türen ein

Diese Kolumne zu lesen hätte ich mir spren können. Sascha Lobo verlangt etwas selbstverständliches. Es geht doch gar nicht darum, ob jemand Haltung zeigen möchte - das kann er ja jederzeit. Private Medien können über alles berichten oder auch nicht, je nach Gusto, solange sie niemanden beleidigen oder lügen. Ein Sascha Lobo kann sich über seiner Meinung nach "Braunen Schmutz" genauso auslasssen wie ich beispielsweise über die "links-grün versiffte Lügenpresse".
Haltung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist nicht das Problem, sondern Nanny-Journalismus.
Wenn eine Susanne Beyer eine verfälschte Bestseller-Liste damit begründet, dass sich der Spiegel als "Medium der Aufklärung" versteht, dann beginnt für mich das Problem.
Wenn bereits eine Lapalie wie eine Bestseller-Liste manipuliert wird, wo soll dann das Vertrauen in Mainstream-Medien bei wirklich wichtigen Themen herkommen (siehe Russland- oder Flüchtlings-Berichterstattung)?
Haltet uns Konsumenten bitte nicht für so dumm, dass wir eine bestimmte politische oder weltanschauliche Ausrichtung eines Mediums nicht einordnen könnten, aber wir beachten diese Medien immer weniger (siehe sinkende Auflagen), wenn statt Information vorwiegend Propaganda und teilweise Lügen verbreitet werden.
Ein anderes Thema sind ÖR Rundfunkanstalten. Diese werden durch Zwangsgebühren von uns allen finanziert, daher erwarte ich dort durchaus auch eine relativ ausgewogene Berichterstattung. Diese sollte sich mMn durchaus in etwa am Parteien-Proporz in den Parlamenten orientieren. Aber bei den Rundfunkanstalten hege ich da momentan den Verdacht, dass dort zu einseitg pro Grün berichtet wird.
Wenn ein grüner Parteivorsitzender in einem Youtube-Video die Existenz eines deutschen Volkes leugnet, dann ist dies für mich ähnlich skandalös, wie wenn ein AfD-Vorsitzender die Zeit des Nationalsozialismus als Vogelschiß bezeichnet. Das eine Thema war ein Aufreger in den ÖR-Medien, das andere wurde schlicht nicht thematisiert.

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Stefano Guzzini 18.07.2018, 16:43
32. Objektiv und deswegen nicht neutral

Vielen Dank für den Beitrag. Es ist jedoch wichtig, Neutralität nicht mit Objektivität zu verwechseln, was ja gerade eine Strategie der Berlusconis u.s.w. ist. Ein Richter muss unparteilich ein Urteil fällen, aber das ist natürlich nicht neutral den Verfahrensbeteiligten gegenüber. Ein Wissenschaftler wird versuchen, objektiv zu arbeiten und wird gerade deswegen zu nicht neutralen Urteilen kommen: "Hitler war kein Demokrat" ist eine objektive Feststellung, doch in unserem politischen Kontext nicht neutral. Wer Journalisten vorwirft, sie seien nicht neutral und "deswegen nicht objektiv", verkehrt die Logik: gerade weil sie der Objektivität und Unparteilichkeit verpflichtet sind, können Journalisten nicht neutral sein. Wer Objektivität zu Neutralität reduziert und dann als Abwesenheit jeglicher Feststellungen definiert, will die Medien mundtot machen.

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wolfabc 18.07.2018, 16:44
33.

Lobo hat Recht. Trump ist nicht seriös, was er aufführt, ist absurdes Theater. Im Grunde genommen ist er nichts anderes als ein großes A....loch, aber niemand traut sich, ihn auch so zu nennen. Medien geben sich gern neutral, sind es aber nicht. Sie sind es auch bei Trump nicht. Allerdings fehlt ihnen der Mut sich ihn so richtig vorzunehmen. Warum, weiß man nicht. An zu viel Anstand kann es jedenfalls nicht liegen. Denn Helmut Kohl z.B. wurde von der linken Presse einst verhöhnt und verlacht, „Stern“ und „Spiegel“ taten sich dabei übrigens besonders hervor.
Auf einen großen Klotz gehört ein grober Keil, sagt das Sprichwort. Also, macht ihn fertig!

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Poli Tische 18.07.2018, 16:46
34. Genau.........

....Journalisten sollten Klartext reden. Dazu braucht es nicht mal eine eigene Meinung. Wer sich so verhält wie Trump ist verrückt. Das wäre eigentlich Privatsache - aber er ist der mächtigste Mann der Welt und geht somit uns alle an.
Auch kann ich es zwischenzeitlich nicht mehr nachvollziehen, dass Europäische Regierungen sich auf das Übelste beschimpfen lassen und dann den Rüpel auch noch empfangen. Sind denn alle verrückt geworden. Was ist denn das für eine Schmierenkomödie???

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keine-#-ahnung 18.07.2018, 16:48
35. "es handelt sich um Beispiele ...

die in allen seriösen, deutschen Medien stehen könnten (auch auf SPIEGEL ONLINE)". Das beisst sich schon mal ... :-)

"Auch wenn vielen Journalisten widerstreben dürfte, in ihre scheinbar objektive Berichterstattung wertende Elemente einzubauen. " Das wiederum ist sehr lustig ... aber immerhin weiss er, dass diese "seriösen" Medien nur einer scheinbar objektiven Berichterstattung frönen. Da entwickelt sich was zum Guten!

"Mir kommt es vor, als funktioniere die klassisch-journalistische Trennung von Berichterstattung und Meinung in Zeiten des autoritären Backlash nicht mehr." Verrückt - ich bin einer Meinung mit Sascha Lobo?

"Denn sie wird missbraucht." Ach so - doch nicht!

"Aber man kann und sollte in diesen Zeiten nicht Berichterstattung und Haltung trennen." Kommt mir bekannt vor - wird zufällig ein neuer Chefredakteur für das "Neues Deutschland" gesucht und Lobo braucht einen neuen Job :-) ?

"Wer die Freiheit der Meinungsäußerung ... zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte." Sollte nicht das BVerG festlegen, wer das ist und nicht so ein grünlinker Medienaktivist mit komischen Frisur?

"Das bedeutet aber ehrlicherweise auch, nicht mehr so zu tun, als könne man neutral und objektiv über Vorgänge berichten, über die sich aus der Perspektive der liberalen Demokratie nicht neutral und objektiv berichten lässt." Irgendwas hat Lobo unter Liberalität und Demokratie erheblich missverstanden - was nicht wirklich verwundert, aber besorgt macht.
Andererseits gebührt ihm auch Dank - deutlicher kann man den Salonbolschewismus nicht als bolschewistischen Extremismus demaskieren. Die Lobos dieser Welt streben nach Meinungsdiktatur, um wieder wirkliche Diktaturen etablieren zu können.

Danke, aber kein Bedarf. Zwanzig Jahre Lobo-Journalismus haben mir gereicht.
Mit sozialistischen Grüssen nach Hamburg!

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jessebee 18.07.2018, 16:49
36. genau so

Einfach mal Klartext reden statt dumm in der Ecke stehen und den Schwanz einziehen. Es geht doch nicht, dass man bei gesundem Menschenverstand diesem absurde Theater eines geistesabwesenden Tyrannen permanent den Anschein normaler politischer oder geschäftlicher Aktivitätenaufzuprägen versucht. Der Mann ist eine erratisch unherirrende, impulsgelenkte Atomrakete (mit enormem Unterhaltungswert) im Sinkflug und langsam sollte jemand von denen da drüben mal versuchen, sich im Parallelflug aus seiner F-35 zu lehnen und den Zünder rauszudrehen. Aber so irre ist leider keiner. :-D

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muellerthomas 18.07.2018, 16:50
37.

Zitat von im_ernst_56
Die Leute merken wenn Trump lügt und wenn Gauland lügt. Man muss die Menschen nicht ständig darauf hinweisen. Wir brauchen keinen Nanny-Journalismus und keine betreutes Denken.
Hm, also sollten Journalisten eine Lüge nicht Lüge nennen?

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Max Super-Powers 18.07.2018, 16:51
38.

"Dabei kann man über manche Dinge nicht neutral und objektiv berichten"

Doch, genau das kann und muss man. Das nennt sich Journalismus. Schon heute ist die Nachrichtenwelt von echten Kommentaren und solchen Artikeln, die versteckt wertend sind, aber eben so niedrigschwellig, dass keine Pressegesetze übertreten werden.

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muellerthomas 18.07.2018, 16:51
39.

Zitat von Lupfer
Ich glaube "die Medien" haben immer noch nicht verstanden, weshalb Trump gewählt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere wurde Trump im Wahlkampf mal gefragt, warum er vom sogenannten "white trash" gewählt wird. Darauf hat er sinngemäß geantwortet, dass das Leute wie er sind, nur ohne Cash...Was ich damit sagen will: In Zeiten des Internets, weiss die Landbevölkerung (in D. ist die Rede von Abgehängten) sehr genau, welche "offene liberale" Gesellschaft die Stadtbevölkerung anstrebt und wie diese aussehen soll. Zu dieser Gesellschaft kann man auch mehrheitlich Journalisten zählen, die in gewisser Weise quasi hegemonial ihre Weltanschauung auch immer den "Abgehängten" als alternativlos verkaufen. Bewusst oder unbewusst. Es geht nicht darum "wie" die Medien berichten, sondern ob es eine Alternative gibt, die nicht mit Traditionen bricht. Da sieht es auf dem "etablierten" "Parteienmarkt" nun mal sehr Mau aus.
Wie sollte diese Alternative denn funktionieren?

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