Forum: Netzwelt
Medienkritik: Das Smartphone ist an allem schuld, Ausrufezeichen!
DPA

Die deutsche Smartphone-Kritik ist vergiftet. "Was macht das mit unseren Kindern" kann nicht ernsthaft die Frage sein. Und "früher war alles besser" nicht die Antwort.

Seite 16 von 19
Bin_der_Neue 25.10.2018, 14:17
150. Ich frage mich jeden Tag aufs Neue..

..wie Menschen vor der Generation Smartphone nur Kindheit und Jugend überleben konnten? Und sind wir einmal ganz verwegen und gehen noch weiter zurück in die graue Vorzeit vor etwas über 20 Jahren, als noch nicht einmal Handys (Handy = Vorläufer des Smartphone, primäre Funktionen: Telefonieren = verbaler Austausch zweier Gesprächspartner über das Mobilfunknetz) in der Fläche verbreitet waren: man musste analog, also von Angesicht zu Angesicht, oder zumindest über fest installierte Telefone in Wohnungen Verabredungen treffen und diese dann auch noch möglichst pünktlich einhalten, weil es schlichtweg keinen Weg gab, 3 Minuten vorher noch schnell abzusagen. Unfassbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 25.10.2018, 14:58
151. Erziehungsverantwortung

Zitat von mwroer
Es liegt an uns wenn der Nachwuchs auf seinem Smartphone nur Facebook, WhatsApp und Snapchat nebst anderem Schrott benutzt? Muss man dem Nachwuchs jetzt schon sein Smartphone installieren und darauf einarbeiten? Macht man das bevor man dem Nachwuchs eine Wohnung sucht und passend einrichtet und ......
Wozu schicken wir unseren Nachwuchs in die Schule? Soll er sich doch selber Lesen, Schreiben, Rechnen und Denken beibringen. Schwimmenlernen geht auch am besten, wenn wir die Kleinen ohne Schwimmärmel aus einem Boot schmeißen... Und Fahrschule ist auch für Weicheier - kaufen wir dem Sprössling einfach ein Motorrad, sobald er auf dem Laufrad die Balance halten kann und lassen ihn selbst rausfinden, warum man nicht bei Tempo 180 über rote Ampeln brettern sollte...

Natürlich stehen Eltern hier in der Verantwortung. Wer seinen Nachwuchs das Smartphone von Anfang an selbst installieren lässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn dann nur verblödender Mist installiert wird, beliebige Zugriffsrechte auf alles eingeräumt werden und persönliche Daten und Bilder unten ohne u.ä. mit der ganzen Welt gedankenlos geteilt werden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 25.10.2018, 15:04
152.

Zitat von dimax
Dass es so viel schlechte Technik-Kritik gibt ist ein bedauernswerter Umstand, der die substanziellere Technikkritik dann leider immer wieder verschüttet. Was das Smartphone angeht, scheitert die Kritik schon am Gegenstand, sozusagen, weil es ja nicht das Gerät ist, das Folgen haben kann. Vielmehr sind es die Anwendungen. Dazu gibt es schon einige wissenschaftliche Analysen, z.B. von Natascha Dow Schüll, die sich mit den Spielautomaten in amerikanischen Casinos beschäftigt hat ("slot machines are solitary, continous and rapid"...) und von daher einige Designverwandtschaften bei einer Fülle von Anwendungen und Plattformen sieht. Es gibt zwei Punkte, gegenüber denen sowohl die Technikkritik als auch die Kritik der Technikkritik noch etwas naiv dasteht. Der erste ist, dass die Psychologie der Social Media Nutzung noch gar nicht genau in allen Dimensionen beschrieben und verstanden ist. Es gibt Bruchstücke und etwas Küchenpsychologie, mehr nicht. Zum Zweiten sind sowohl Kritiker als auch Kritik-Kritiker gegenüber den nach 2000 Geborenen im Vorteil, als sie selbst noch unter viel weniger verengten und medialisierten Umständen aufgewachsen sind. Die Verhaltenssteuerungspragmatiker greifen ja selbst schon einiges auf (jemand wie Justin Rosenstein hat sich selbst "parental-control" für sich selbst eingerichtet) und von den Productivity-Apps, die die Distraction-Probleme lösen wollen, gibt es jede Woche Dutzenden Neue. Ich glaube es hilft nicht, die schlechte Technik-Kritik zu schmähen - nötig wäre eher eine ausgewogene Offenheit und mehr Forschung, vielleicht auch mehr Beschäftigung mit den Ergebnissen, die es schon gibt.
Danke, sehr interessante Gedanken zum Thema. Solche Kritik und Hinterfragen sind natürlich durchaus angebracht. - Das Problem an der "schlechten Technik-Kritik" ist nur, dass sie gerade einen solchen forschungs-basierten Ansatz und ergebnisoffene Analysen verhindert, indem sie neue Technologien und jeden, der sich nicht entschieden genug davon distanziert, reflexartig und scheuklappenbehaftet als "Teufelszeug" abtut und dann entsprechend bei den Technologie-Interessierten ähnlich über-emotionale Gegenreaktionen hervorruft. So ist es schwierig, einen argument- und faktenbasierten Dialog zu führen, wenn auf beiden Seiten Irrationalität und Vorurteile hochkochen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Atavist 25.10.2018, 15:18
153. Treffer, versenkt!

Zitat von MatthiasPetersbach
Ich bezweifle schlicht die "Medienkompetenz" von Leuten, die kein anderes Leben als mit Smartphone kennen. Das ist einfach ne Mär. Das Gegenteil ist richtig - wer mit dem Smartphone aufwächst, ist der erste Aspirant für sinnlosen Gebrauch desselben.
Da sagen (schreiben) Sie was!

Es gab in den Nullerjahren mal eine Ausgabe des ZDF-"Nachtstudio", in der u. a. ein Technikphilosoph zu Gast war und in Bezug auf dieses Thema völlig richtig sagte (sinngemäß): "Die meisten aus dieser angeblich so technikaffinen Generation sind nicht technikbegeistert, sondern nur anwendungsbegeistert. Ein echtes Interesse dafür, wie das alles funktioniert, ist da gar nicht vorhanden."
Könnte sogar sein, dass Herr Lobo in besagter Sendung zu Gast war, zumindest war er in diesem Format auch mal (mehrfach) zu sehen. Damals fand ich seine Äußerungen meist wenig überzeugend, was sich im Laufe der Jahre gebessert hat. Aber dieser tatsächlich undifferenzierte Artikel samt Tunnelblickperspektive ist nun wirklich kein Ruhmesblatt ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Lucas.S 25.10.2018, 15:23
154. klar

Zitat von ArminBiermann
Schade... Eine Reaktion auf der Inhaltsebene - das wär's gewesen... Oder hat die Form Sie sosehr gestört, dass Sie den Inhalt gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen konnten?
Können Sie gerne haben:
Sie ziehen scheinbare Schlüsse, blenden andere Veränderungen (neben der von Ihnen fokussierten) geflissentlich aus. Darin scheinen Sie immerhin so geübt zu sein, dass Ihre Argumentationskette logisch daher kommt. Höchstwahrscheinlich wird Ihr "Blog" also genau dort auf Resonanz treffen, wo diese Ansicht entweder latent oder bereits manifestiert vorherrscht.

Um Ihren Blog noch kurz zu Zitieren:
"Sollte diese Analyse zutreffen, wofür einiges spricht, dann könnte vielleicht auf einmal nachvollziehbar werden, wieso 16jährige Mädchen aus gutbürgerlichem Elternhaus nach dem Betrachten von Propaganda-Videos des IS auf einmal nach Syrien in den Dschihad verschwinden. Oder warum Millionen Menschen noch so banalen Auftritten von Teenies in den sozialen Medien folgen, die dadurch zu sogenannten 'Beeinflussern' stilisiert und mit einer Bedeutsamkeit aufgeladen werden, die suggeriert, dass man auch mit nichts alles erreichen kann (Fack you Göhte lässt grüssen)."
Das kann natürlich nicht daran liegen, dass die Eltern es nicht geschafft haben, den jeweiligen Nachkommen Eigenständigkeit beizubringen. Oder Medienkompetenz. Oder Sinnvermittlung.

Werter Herr Biermann, ich komme zum Abschluss: Ihre Blogeinträge sind erheiternd, in der Tonalität negativ gefärbt, Tatsachen ausblendend (oder im besten Fall nur dort aufnehmend, wo es Ihrer These zupass kommt) und fürchterlich dargestellt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Margaretefan 25.10.2018, 15:27
155. @ #144 von kfp

Meiner Ansicht nach, schießen Sie übers Ziel hinaus, auch wenn der Ansatz Ihrer Antwort bei dem zu Grunde liegenden Beitrag verständlich ist. Mir geht's hier zu sehr um Pauschalisierungen. Ob nun bei der angeblich eigentlichen "Problemgruppe, Kinder und Jugendliche, oder nun hier die "bösen" jungen Mütter, die Sie in Schutz nehmen. Fürs Smartphone gilt schlicht das, was auch für alles mögliche gilt. Den Fernseher, die Spielkonsole, selbst das Fahrrad und auch ganz andere Dinge. Alkohol und Sex z.B. Zu allem möglichen werden Sie Menschen finden - gar nicht so wenige -, die sich mit Dingen so exzessiv befassen, dass es zum Problem für diese Menschen geworden ist. Bei manchen könnte gar von Sucht gesprochen werden. Selbst vom banalen Essen, was nun mal jeder muss, kann eine Gefahr ausgehen. Das Smartphone nun als den Teufel hinzustellen, ist halt nicht der Weisheit letzter Schluss. Das kann jeder drehen und wenden wie er will, nur kommt dabei nie was Allgemeingültiges heraus. Ich persönlich fand es früher schlimmer, wenn ich in Bus und Bahn am Morgen die vielen Menschen sah, die in der BILD vertieft waren. Der olle Walkman wurde einst auch verteufelt. Gerade für Kinder und Jugendliche. Nur wo sind sie jetzt, die durch den Walkman fürs Leben Versauten?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ellereller 25.10.2018, 15:52
156. @biesi61 Kein Aristoteles

Zitat von biesi61
Schon aus dem giechischen Altertum von Aristoteles gibt es da ein prächtiges Zitat: "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere ....
Normalerweise wird dieses Zitat immer Platon oder Sokrates zugeschrieben. Nun versuchen Sie es also mit Aristoteles. Ist aber auch falsch.
Es handelt sich um ein klassisches Falschzitat, zum ersten Mal wohl in einer Dissertation aus dem Jahre 1907 aufgetaucht. Aber zugegeben: Das ist auch schon ganz schön alt.
https://de.wikiquote.org/wiki/Diskussion:Sokrates
mit weiteren Nachweisen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dieter-ploetze 25.10.2018, 16:05
157. smartphone kann zur droge werden

und das gerade bei kindern. was macht das aus unseren kindern? lt. Lobo etwas veraenderte gegenprobe "was machen drogen aus unseren kindern?" das waere die adaequate gegenprobe. die antwort laege auf der hand,
da gaebs nichts mehr zu diskutieren. es ist doch kein geheimnis, dass kinder taeglich viele stunden vor dem smartphone haengen. erwachsene oft kaum weniger, aber erwachsene sind fuer sich selbst verantwortlich,
kinder nicht im gleichen umfang. es waere gut, wenn es eine altersgrenze nach unten geben wuerde, vergleichbar mit der erlaubnis alkohol zu kaufen. denn dass der taegliche stundenlange smartphone gebrauch
in der entwicklung von kindern eine rolle spielt, kann wohl niemand bestreiten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
M. Vikings 25.10.2018, 16:32
158. Das Smartphone als Sucht.

Diese Sucht ist gesellschaftsfähig,
und sie wird von dieser weder als Sucht erkannt noch so behandelt.
Keine Suchtgruppe lebt seine Sucht so offen und massenhaft
in aller Öffentlichkeit aus,
wie die Smartphoniker.
Schnell ab zur Therapie Herr Lobo,
sonst werden ihre Kinder auch noch süchtig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jim_beam 25.10.2018, 17:15
159.

Zitat von UlrikeBliefert
Zum Thema selber: Ich bin auf mehreren websites, auf denen man Spezialwissen teilen kann, registriert und bekomme regelmäßig Anfragen von SchülerInnen, die man unter "Ey, mach mir mal eben meine Hausaufgaben in..." (wahlweise Deutsch, Geschichte, Englisch) subsumieren könnte. Dabei würde in 99,9% der Fälle ein Google-Klick helfen. Fazit: In den Schulen wird sich über das allgegenwärtige Smartphone beschwert, ein - neben den Freizeitvergnügen - sinnvoller Umgang damit jedoch offensichtlich nicht gelehrt. Setzen, fünf!
Also die SchülerInnen fragen eher in einem spezialisierten Forum ud Sie würden einfach das erstbeste Google-Ergebnis empfehlen, ist das so richtig interpretiert? Das spräche ja dann eher für die Medienkompetenz der SchülerInnen und gegen die Ihrige, wenn man genauer drüber nachdenkt. Heute ohne Benotung ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 16 von 19