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Medizin der Zukunft: Bald alarmiert der Bauch den Arzt
DPA

In den USA ist eine Tablette zugelassen worden, die per Sensor meldet, wenn sie eingenommen wurde. Solche Innovationen zeigen: Die Digitalisierung wird jetzt auch körperlich.

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Hoschi 15.11.2017, 16:45
1. Ein Risiko,

das zu vermeiden ist, ist im sozialem Interesse zu vermeiden. Wir, als Gesellschaft, sind noch lange nicht gut genug informiert um den dargebotenen Möglichkeiten Regeln entgegen zu setzen. Nun, aufhalten werden wir diese Innovation nicht, aber mit etwas Glück und Kraft, werden wir es schaffen die Folgen zu beseitigen. Was gemessen werden kann wird auch gewichtet und was gewichtet werden kann, wird auch bewertet. Zum Glück bin ich alt, aber um unsere Kinder machen ich mir schon Sorgen. Wir sind auf dem besten Weg, den Zufall abzuschaffen und damit auch einen wesentlichen Bestandteil des Glückes. Leider ist Glück unglaublich unpopulär, wenn es einen nicht selber trifft.

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echoanswer 15.11.2017, 16:55
2. Fantastisch ...

und diese Tablette gibt es aus Kostengründen dann nur für die oberen 10000. Die Reichenpille. Sehr sozial, sehr menschlich und technisch ein Lacher.

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capote 15.11.2017, 17:31
3.

Zitat von echoanswer
2. Fantastisch ... und diese Tablette gibt es aus Kostengründen dann nur für die oberen 10000. Die Reichenpille. Sehr sozial, sehr menschlich und technisch ein Lacher.
Ihnen wird das Lachen vergehen, wenn Sie die Praxis sehen.

Da wird Nachts um 02.00 Uhr eine alt Frau nur im Nachthemd zu dieser Zeit von zwei Polizisten auf der Strasse aufgegriffen. Die Frau schreit nur und schlägt wildum sich. Es ist eine alte Bekannte, die hochgradig gestört ist und einen Insulinpflichtigen Diabetes hat.

Ein Amtsarzt wird herbeigerufen, der amtlich bestätigt, dass die Frau offensichtlich Ihre Neuroleptika nicht genommen hat und Ihr Insulin offenbar auch nicht und jeden Augeblick umkippen und ins Koma fallen kann.

Der herbeigerufene Amtsrichter (alles mitten in der Nacht) spricht gestützt auf das Gutachten des Amtsarztes eine Entmündigung und Zwangseinweisung sowie Medikation aus. 2 Tage später ist die Frau im Kopf wieder normal und kann aus dem Spital nach Hause entlassen werden.....

Sie müssen sich ja nicht in der Nacht mit "so was" beschäftigen, sondern schlafen, was der Amtsarzt und Amtsrichter eigentlich auch wollten.

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pharao 15.11.2017, 17:39
4. Was an Zukunft zu erkämpfen ist...

muss zunächst beschrieben werden. Es fällt in jeder Kantie leicht, sich darauf zu einigen, dass wir die Apokalypse beschreiben, wenn wir eine Zukunft beschreiben, in der alle technischen Wunder sich ungebremst entfalten. Woran es hapert ist eine Vorstellung, wie sich die Zukunft deart positiv gestalten lässt, dass es sich lohnt zu kämpfen.

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theroadtoutopia 15.11.2017, 17:56
5. Das wird auch in Deutschland sehr schnell kommen

Meine Frau arbeitet im Bereich Organisation und Verwaltung eine ambulanten Pflegedienstes. Die Zahl der älteren Personen mit Demenzerkrankungen nimmt ständig zu, wobei wegen des schleichenden Beginns anfangs kaum jemand etwas bemerkt.

Unabhängig von allen Bedenken bezüglich Datenmissbrauch werden solche medizinischen Kontrollmechanismen wohl schon in wenigen Jahren im Rahmen einer einigermassen funktionierende Pflege diese überhaupt noch ermöglichen.

Der prozentuale Anteil der alten Menschen an der Gesamtbevölkerung wird in wenigen Jahren so gross sein, dass deren Versorgung und Pflege ohne technische Hilfsmittel kaum vorstellbar ist. Das geht bis hin zu Pflegeunterstützungsrobotern, die hoffentlich auch innerhalb der nächsten 10 Jahre einsatzbereit sein werden.

So schlimm der Vergleich sein mag, aber "Basileios II. der Bulgarentöter" liess 14000 Überlebende Gegner blenden, wobei er weinigen ein Auge liess, damit sie die ganze Menge Blinder zurück führen konnten. Dadurch, dass sich dann ein grosser Teil der Bevölkerung um die Versorgung dieser 14000 Menschen kümmern musste, wurde auch die Wirtschaft lange Zeit blockiert.

Wenn wir in Deutschland bei der zu erwartenden Masse an zu Pflegenden ab Mitte/Ende der 2020er Jahre nicht massiv auf technische Unterstützung bauen, wird die Bevölkerung des Landes zu einem extremen Teil mit Pflegearbeit beschäftigt sein.

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Anthropos 15.11.2017, 17:59
6. Ein Kontrollinstrument

Im Falle des "ersten digitalen Medikaments" (natürlich "revolutionär", Lobo-like eben :-) kann es ja nur um eine Kontrolle von Außen gehen, wenn man davon ausgeht, dass es im ureigensten Interesse des Patienten ist, seine Medikamente regelgerecht einzunehmen. Daher ist die Anwendung bei paranoiden Patienten folgerichtig, ist dieses Klientel durch ihr wahnhaftes Erleben doch häufig nicht in der Lage, solchen Einnahme-Regeln aus eigener Fähigkeit zu gewährleisten. Ähnliches gilt etwa bei geistig behinderten oder demenzkranken Menschen. In derartigen Fällen geht es nicht um Selbstbestimmung, die gewahrt bleiben soll oder von fanatischen und totalitären Datensammlern zurückzuerobern wäre, sondern um ein auf diese Weise gesichertes Stück Lebensqualität.
--- Man sollte sich fortwährend ins Bewusstsein rufen, dass eine Gefahr niemals von einer Technologie an sich ausgeht, jedenfalls meistens nicht. Sondern stets von denen, die sie anwenden und ggf. für ihre eigenen Zwecke - und gegen die Ziele anderer - (miss)brauchen.

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dementiapraecox 15.11.2017, 18:34
7. Interessant,

jedoch auch sehr missbräuchlich nutzbar. Da jeder Mensch das Recht besitzt über seinen Körper selbst zu entscheiden, obliegt ihm auch das Recht, Medikamente einzunehmen oder aber auch nicht. Zur Selbstkontrolle, eben vielleicht bei beginnender Demenz sicherlich hilfreich, wenn der Erkrankte kontrollieren kann, ob er seine Medikamente eingenommen hat oder nicht. Ob jener allerdings dann auch ein Smartphone bedienen kann, bleibt fraglich. Der mögliche Mißbrauch durch "Juristerei", z.B. fehlende Versicherungsleistungen bei erwiesener Nichteinnahme oder ähnliches stellt allerdings ein hohes Risiko dar. Solche Medikamentenüberwachung sollte Einzelfällen vorbehalten bleiben, in dem das Einverständnis durch den Patienten auf jeden Fall obligat sein sollte. Ein anderer Aspekt ist, wer soll denn diese zukünftige Datenflut bewältigen? Bereits jetzt ist es ja möglich, so gut wie jedes Medikament im Blutspiegel nachzuweisen. Jedoch wird seltenst dieser auch auf seine korrekten Werte überprüft oder gar auf diesem Wege richtig eingestellt (außer bei Marcumar, hier wird regelmässig der INR kontrolliert).

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lolz 15.11.2017, 18:39
8.

Ich habe Schizophrenie und bekomme immer wieder gesagt, Reha und Antipsychotika schlucken. Habe es mal getestet, war für mich der Horror und meine Blase hat gleich nicht mitgespielt. Ich habe ein Recht auf Krankheit, und auch auf Behandlungsansätze, die mehr einschließen als eine rein mechanistische Medikamentenvergabe. Schizophrene brauchen etwas Unterstützung, und im Ernstfall kann man einmal alles runter schalten. Aber langfristig können die Medikamente gerade bei milderen Psychosen das größere Übel sein. Nach Hexenverbrennung und Lobotomie hoffe ich, dass es mir erspart bleibt. Wehre mich seit Jahren gegen die Spritze, und ich dachte tatsächlich bevor ich diesen Artikel gelesen habe, was, wenn sie uns das Zeug dann auch noch zwangsweise spirtzen. Nein, danke. Dann lieber CBS-Stränge in Mengen für mich, macht wenigstens die Negativsymptome weg. Ob Antriebslosigkeit, Depression, Wahnzustand und Stress, Nebenwirkungen oder etwas weniger Antrieb. Dann lieber weniger Antrieb, aber gute Laune. Das Wahrnehmungsfeld ist sowieso zersplittert und der Zoo im Kopf ist halt Family. Und trotzdem bin ich immer noch ich, also will ich das Zeug nicht... Schizophrenie schränkt die Intelligenz des Patienten nicht ein, und wir sind nicht misstrauisch, sondern Neuroleptika wirken bei vielen einfach doof, und das ist es nicht wert... Lasst uns bitte einfach in Ruhe und gebt uns flexiblen Zugang zu sinnvollen Tätigkeiten.

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eckebrecht 15.11.2017, 18:39
9.

Zitat von capote
Ihnen wird das Lachen vergehen, wenn Sie die Praxis sehen. Da wird Nachts um 02.00 Uhr eine alt Frau nur im Nachthemd zu dieser Zeit von zwei Polizisten auf der Strasse aufgegriffen. Die Frau schreit nur und schlägt wildum sich. Es ist eine alte Bekannte, die hochgradig gestört ist und einen Insulinpflichtigen Diabetes hat. Ein Amtsarzt wird herbeigerufen, der amtlich bestätigt, dass die Frau offensichtlich Ihre Neuroleptika nicht genommen hat und Ihr Insulin offenbar auch nicht und jeden Augeblick umkippen und ins Koma fallen kann. Der herbeigerufene Amtsrichter (alles mitten in der Nacht) spricht gestützt auf das Gutachten des Amtsarztes eine Entmündigung und Zwangseinweisung sowie Medikation aus. 2 Tage später ist die Frau im Kopf wieder normal und kann aus dem Spital nach Hause entlassen werden..... Sie müssen sich ja nicht in der Nacht mit "so was" beschäftigen, sondern schlafen, was der Amtsarzt und Amtsrichter eigentlich auch wollten.
Ich kann verstehen was sie meinen. Das ist lästig und wäre möglicherweise vermeidbar gewesen.
Allerdings wird die Tätigkeit als Amtsarzt und Amtsrichter auch angemessen bezahlt und nicht zuletzt wissen diese Leute worauf sie sich mit ihrer Berufswahl eingelassen haben. Die von Ihnen beschriebene Situation wird zudem nicht ständig vorkommen. Da erscheint ein Medikament mit diesen Eigenschaften natürlich als großer Wurf. Für Ärzte und Amtsrichter in erster Linie. Ob das mit dem Recht auf Selbstbestimmung derjenigen vereinbar ist, die das Hightech-Medikament schlucken müssen, weil sonst beim Onkel Doktor eine Warnmeldung ankommt, sei mal als Frage in den Raum gestellt.
Ich wünsche eine erholsame Nachtruhe.

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