Forum: Netzwelt
Merkels Digitalpolitik: Das Märchen von der magischen Datensoße
DPA

Die Kanzlerin wolle eine "Steuer auf Daten", so das Missverständnis der letzten Tage. Dabei ist dieser Ansatz so offensichtlich bekloppt, dass schon der Versuch im Keim erstickt. Was tatsächlich dahinterstecken dürfte, ist leider nicht sinnvoller.

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smoki 30.05.2018, 18:11
1. Datensammler Nr. 1 in Deutschland

Interessanterweise wird nur auf die Amerikanischen Datensammler eingegangen, die "relativ" harmlos Daten der Bürger sammeln. Ich meine Harmlos, dass die betroffenen Bürger dadurch relativ wenig direkten Schaden erleiden, ggf. eine bestimmte Werbung eingeblendet usw. Klar mit den Daten kann man auch Bürgerverhalten und ggf. Wahlen beeinflussen, das ist aber teilweise dann nicht nur "Datensammeln" sondern auch News und Kampanien starten, die nur indirekt mit der Datensammlung zu tun haben.

Der große Datensammler ist aber die "Schufa". Die dort gesammelten Daten wirken sich direkt auf die betroffenen Person aus. Auch indirekte Informationen, wie sind meine Nachbarn überschuldet oder in Zahlungsverzug etc. Und dann bekomme ich ggf. ein Problem, obwohl es mein Nachbar verschuldet hat...

Ich sehe allerdings hier wenig, wo man diesen Anstalten auf die Finger schauen will/möchte.

Somit scheint sich der Datenschutz aktuell ehr auf "Wahlergebnisse" steuern und gegen amerikanische Giganten zu richten ausgelegt zu sein, aber auch andere schon lange existierende Datenschutz Themen werden wenig berücksichtig.

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Sensør 30.05.2018, 18:17
2.

Wie aufopfernd von Herrn Lobo, sich mit diesem Thema noch so ernsthaft auseinander zusetzen. Bei Dr. Merkel kann man wirklich nur darauf warten, dass sie endlich aufhört.

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ForumBesucher 30.05.2018, 18:30
3. Tragisch

Merkel hat Deutschland in vielem überfordert und verpasst es nun, den notwendigen richtigen Schritt in Richtung Digitalisierung zu vollziehen. Die sie umgebenden "Berater" haben schon längst bemerkt, dass Merkel auf keinem Feld wirklich fachlich kompetent ist, das nutzen sie weidlich aus. Tragisch das Ganze, denn so allmählich verspielt Deutschland vieles, was eigentlich benötigt wird, um Schritt halten zu können mit den führenden Nationen dieser Welt. Quatsch? Werden wir noch sehen und spüren, sehr früh. Die EU, die zunehmenden Probleme im Inland (Sicherheit, Behördenversagen) fordern ihren Tribut. Deutschland wird zahlen, zahlen, zahlen und hat für Innovationen keinen Spielraum. Kurz nur zur Autoindustrie: Was einst Segen war, aktuell eingeschränkt noch ist, mutiert zum Damoklesschwert. Nachdem wir unsere IT-Kompetenzen größtenteils begraben haben (nix mehr mit Nixdorf & Co), steht hier der nächste wichtige Industriezweig in den nächsten Jahren zur Disposition. Von Merkel ist auch hierzu nichts zu vernehmen. Zurück zum eigentlichen Thema: Die USA haben ein solch unglaubliches Potential an Leuten und Unternehmen im Bereich der IT, dass man eigentlich nicht ernsthaft darüber nachdenken möchte, wo Deutschland in einigen Jahren stehen wird. Die Jungen werden auswander, raus aus dem IT-Drittland Deutschland.

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stefanmargraf 30.05.2018, 18:56
4. Herr Lobo soll Digitalminister werden!

Wenigstens einer, der etwas davon versteht. Ihre Aufgabe soll sein, die Digitalkultur zu schützen vor Wirtschaft und Politik sowie Aufklärung zu betreiben, was Digitalkultur ist und warum sie sich frei entfalten soll und warum das gut ist.

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der_übliche_loser 30.05.2018, 19:07
5. Eine Querverbindung zum Urheberrecht und kontinuierlichem Cashflow

Natürlich ist die Metapher "Daten als Rohstoff des 21. Jh." im Vergleich zu den Rohstoffen früherer Jahrhunderte massiv schief. Ich kann einen physikalischen existenten Goldbarren besitzen und auch verkaufen - dann kriege ich dafür einen Tauschwert (Geld), oder nennen wir es auch gerne Entschädigung, und habe ihn dann nicht mehr. Daten sind wie "geistiges Eigentum" etwas anderes. Der Begriff "Raubkopie" ist ebenso schief - kopiere ich ein Musik-MP3, dann hat der Urheber die Musik immer noch; "Raub" im Sinne des StGB findet nicht statt. Wenn man dem Produzieren von (personenbeziehbaren) Daten,etwa Klicken auf Webseiten, Lesen von Artikel, Kaufen von Internetwaren, Verhaltensweisen, Meinungen etc., etwa entgegenhalten will, dass der Produzent für das "Abgeben" dieser Daten an einen Verwerter (Verlag, Händler, etc.) eine einmalige Gegenleistung bekommt, etwa (in Jeremy Rifkins Sinne von "Access" - lies das Buch, Sascha!), dann muss man ebenso konsequent einen Erschöpfungsgrundsatz beim Urheberrecht/Copyright etc. annehmen: dann habe ich nämlich die CD mit dem tollen Sound gekauft, kann sie nicht nur weiterverkaufen, sondern auch beliebig weiterverwerten, etwa für eigene Samples verwenden (nix mehr Kraftwerk und "Metall auf Metall" und Erlaubnis einholen) oder den durch die Musik ausgedrückten Inhalt - die "Information" in den Daten (den Noten) beliebig neu zusammensetzen und verwerten, ohne dem Urheber ein ums andere Mal erneut Geld für frühere Produktionsleistungen in den Rachen zu werfen.

Wenn ich also Facebook mein Profil gebe, welches vermutlich ebenso einzigartig ist wie ein Kunstwerk (zumindest einige), dann muss ich daraus auch erwarten können, entsprechend für jede Art der Weiterverwertung und Rekomposition geeignet entlohnt zu werden, und zwar entsprechend der Gültigkeit der gängigen Urheberrechtsgesetze. Ich habe allerdings keine Idee, wie sowas realisierbar sein soll. Oder aber: Daten sind nix wert - wovon lebt dann Google eigentlich? - aber was ist denn dann die Einzigartigkeit diverser Kunst (Bild, Musik, Literatur), um dafür dann eine perpetuierende Monetarisierung in Anspruch nehmen zu können? Es mag ja durchaus einen Konsens über die Mona Lisas dieser Welt geben, aber die übrige Grauzone ist riesig.

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dirk1962 30.05.2018, 19:11
6. Seien wir gnädig

Unsere Merkel hat mit dem Rechenschieber studiert und bekam beim ersten Taschenrechner glänzende Augen. Leider ist sie dann auf diesem Level stehen geblieben mit der Folge, dass unser Land ein digitales Entwicklungsland geblieben ist. Und so wird es bleiben, bewegen sich ein Scheuer und eine Bär doch auf dem gleichen Level sie die Merkel. Da unsere Regierung also nicht einmal verstanden hat worum es geht wird sie auch keinen Beitrag zur Problemlösung leisten. Es bleibt bei Sprechblasen - und selbst die sind inhaltlich falsch.

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bugsimmaschinenraum 30.05.2018, 19:35
7. Datendenken im Offlinemodus

Hallo Herr Lobo, liebe Mitforisten, lieber Sascha, werde im folgenden etwas weiter ausholen. Opfert die Zeit und beschenkt Euch damit: Während der Lektüre folgte ich mehr und mehr eigenen Gedankengängen, bis ich schließlich nahezu beim Kapitel "Datendenken der Offliner" angelandet war (schon witzig!). Ich stelle mir das... folgendermaßen vor: Durch beständige Nutzung verschiedentlicher Online-Angebote liefere ich dem, oder der Summe aller Datenverarbeitungssystem/e ein perspektivisch mehr oder weniger indifferentes Abbild meiner selbst, was ich zur Vereinfachung der weiteren Darstellung "Avatar" nennen möchte. Wie auch bereits in vordigitaler Zeit liefere ich weiterhin beständig Informationen, welche, da in unterschiedlichen Kontexten dauerhaft erfasst (worden oder gewesen), jederzeit auf- oder abrufbar (zu erfragen) und mittlerweile bishin zu einer (oder mehrerer) Art *Identität(en)* rekonstruierbar sind (und waren). Wenn ich in der Formulierung ins Plural und in die Vergangenheit abglitte, sei dies der Ursache geschuldet, daß ehedem vollzogene Interaktionen sozial-ökonomischer Natur, wie medizinische, (arbeits- oder vertrags-)rechtliche Dienstleistungen oder Handlungen in aktiver oder passiv erfahrender Ausübung Spuren in verschiedenerart Beziehungsrahmen hinterließen, welche sich wiederum, da zu differenzieren notwendig, konsequenterweise mit spezifischer sprachlicher Codierung in ihrer ihr jeweils angemessenen Nische niederschlügen, wenn nicht einnisten dürften, könnten, müssten oder sollten. Demgemäß lässt sich die Wirkungsweise der Avatarausprägung für den psychosozialen, kollegialen, familiären, freundschaftlichen Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen ex (Lohn-)Buchhaltung, (Ver-)kauf, Juristerei, Vertragswesen, Abhängigkeiten aufgrund monetärerer Vergütung der Tilgungspflichten mehr oder minder tatsächlich "erbrachter" - da sie zu standartisieren oder normieren "uns" möglich scheinender, jedoch stets geschuldeter(!) - Dienstleistungen beschreibend, dieweil ich, einerseits, mehr als nur versucht bin, die Art Niederschlags oder Verortung Spurenhinterlassens nahezu ausschließlich dem gesprochenen Wort, obzwar in Anlehnung an das geschriebene - in Abhängigkeit von Lese- und Sprachkompetenz, wohl: subjektive Qualität objektiv (allgemeingültig) generell zu konstruieren nur beabsichtigter Informations- oder (doch: weil ursächlich!) Reizverarbeitung, n'est-ce pas? - wohl erahnen nur. Problem (hinsichtlich Wettbewerbs analog erstrittener Erfahrungskompetenzen - Digitalisierung) weithin praktizierter Initiationsrituale: Vordergründig denke ich - meiner christlichen Tradierung geschuldet - dabei an die Taufe. Bitte eigenständig nach Entsprechung gemäß eigener Tradierung zu suchen und diese zu formulieren. Desweiteren die Phase der Früherziehung, Einschulung, Schulwechsel, -abschluß, Ausbildung, beruflicher Start, ..., Abschied vom Berufe - wohlgemerkt: nur auf diesen Erlebensbereich bezogen aufgrund meiner vor diesem gegebenen und tatsächlich durchlebten oder noch zu bestehenden Ereignishorizonts nicht mehr nur individuell zu kennzeichnenden Sozialisation!

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bugsimmaschinenraum 30.05.2018, 19:35
8. Datendenken im Offlinemodus - Teil 2

Aber: Dies sind alles wichtige, fundamentale Meilensteine, Marken, um "mich selbst" im außervertraglichen, außerberuflichen Privatleben - betrifft Teilhabe, Konsum, Urlaube, Feierlichkeiten, ... - sehr konkret überhaupt verorten und aber auch behaupten zu können. Das eröffnete sich mir während bisheriger Rezeption der Kolumne, wenn auch nicht in dieser Ausführlichkeit, zumindest in ersten Ansätzen. Da ich mein Gegenüber (Avatar!) niemals selbst - wenn ihn vollständig zu erfüllen trachtend - da immer zu strebend nur vollkommen verkörpern kann, bedarf es stets(!) eines Mediums! Der Verkäufer, Lehrer, Mediziner, Pfleger, Politiker, Service, Handwerker, Autor, ..., usw. als bewahrende, entwickelnde und, ja, auch heilsame Instanz/en hinsichtlich der Vermittlung zwischen "ihm" und meiner selbst Wahrnehmung des in der Wahr-(An-)Nehmung (-Nahme) des Mediums Abbildes seiner selbst! Ausgangspunkt des bisher aufgezeigten war die These, die in der Kolumne aufgezeigte Problematik sei ausschließlich auf mangelnde Einfühlung rückführbar zu verstehen. Was mich zu dem Gedanken leitete, diese könne allein auf Schmerz immer nur beruhen. Bloß: Die Interpretation desselben - zum eigenen - wenn nicht sogar evolutionären - Vorteil, Nutzen oder Zugewinn - über seiner Zeit anzunehmender Gabe wesentlich zu werden vermögender, doch niemals nur repräsentativ darzustellen notwendig erscheinenden (Ökonomie seiner) Essenz! Dann das Bild der Wunde an sich, die klaffend offen steht, als Metapher für nicht nur die eine mögliche zuvor skizzierte Differenz "an sich" - arbeiten zu müssen. Die jeweils individuell nur zu stemmende Herausforderung "eigentlicher Gegenwart" angesichts (zu allen Zeiten!) technologischer Errungenschaften, zeigt sich mir im kaum singulär zu verbergen "uns" möglichen Vorsprung, täuschend echt zu erscheinen Vermögens anheim, weil über sein wesentliches Abbild als auch seine wa(h)ren, weil "ihm" Wesensnächsten Intentionen Avatars hinwegtäuschenden Abbildes auch noch mächtig zu werden, in jegliche Art verfügbarer Informationskanäle einzuspeisen! Hochachtungsvolt d'r bugs

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_hal_ 30.05.2018, 21:27
9. Das ist....

Zitat von smoki
Der große Datensammler ist aber die "Schufa". Die dort gesammelten Daten wirken sich direkt auf die betroffenen Person aus. Auch indirekte Informationen, wie sind meine Nachbarn überschuldet oder in Zahlungsverzug etc. Und dann bekomme ich ggf. ein Problem, obwohl es mein Nachbar verschuldet hat...
... teilweise falsch, sie meinen vielleicht Infoscore? Die Schufa selbst stellt keine Verbindung zwischen ihnen und ihren Nachbarn her. Ja, sie sammelt quellübergreifend Daten und das kann man kritisch sehen, weil diese Daten falsch oder falsch verknüpft sein können. Aber das ganze findet nicht im rechtsfreien Raum statt und die Schufa hält sich an die hiesige Gesetzgebung, während z.B. Facebook und MZ persönlich herzlich wenig Interesse für europäische Gesetze zeigt. In einem zentralen Punkt trifft Lobo aber den Kern: Es sind nicht die Daten selbst, die so wertvoll sind, sondern erst ihr Zusammenspiel und was man daraus macht. Ein bisschen wie die grauen Hirnzellen: Ohne die richtigen Verbindungen zwischen ihnen können sie ganz schön wertlos sein, wofür es genügend Beispiele gibt...

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