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Mord in Freiburg: Erfundenes Zitat auf Facebook - Künast stellt Strafanzeige
DPA

Der Mord in Freiburg wurde im Netz genutzt, um Renate Künast mit einem falschen Zitat zu verunglimpfen. Die Grünen-Politikerin hat nach SPIEGEL-Informationen Anzeige erstattet, Facebook hat sich bei ihr entschuldigt.

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friedrich_eckard 10.12.2016, 13:41
50.

Nach den, zugegebenermassen altmodischen, Maßstäben für intellektuelle Sauberkeit, mit denen ich grossgeworden bin, rangiert Zitaten(ver)fälschung etwa auf der derselben moralischen Ebene wie Taschendiebstahl zum Nachteil von Kindern, und der Fall beweist wieder einmal, dass die bevorzugte geistige Waffe rechter Sümpflinge die Dreckschleuder ist. Man stösst ja auch immer wieder auf angebliche wörtliche Zitate etwa von Trittin oder Fischer... In einem Falle habe ich allerhand Zeit und Mühe darauf verwendet, eine Primärquelle für so ein angebliches "Zitat" zu finden - natürlich vergeblich, eine rechte Hetzseite hatte einfach nur von der anderen abgeschrieben. Frau Künast als Juristin weiss sich ja glücklicherweise zu wehren.

Ich plädiere nun keineswegs dafür, von links her mit den gleichen Mitteln dagegenzuhallten, und das ist auch gar nicht nötig: die Damen und Herren Bachmann auf Bewährung, Tatjana Finsterling, Petry, Höcke, Pöggenburg, von Storch undundund liefern ja unbezweifelbar echtes Material genug.

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zeisig 10.12.2016, 13:43
51. Falsche Behauptungen entfernen?

Einige Foristen nehmen hier Facebook in die Verantwortung nach dem Motto "entfernen von Lügen". Dabei ist das Unheil doch in dem Moment unumkehrbar angerichtet, indem der Beitrag erschienen ist.
Wie heißt doch gleich das Sprichwort: Man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden. Also, viel Spaß weiterhin mit Facebook. Aber ohne mich.

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Knacker54 10.12.2016, 13:47
52. Fiesbuch

Zitat von Airkraft
Bei mir heißt der "Laden" ohnehin "Fakebook"!
Bei mir heißt erschon immer "Fiesbuch" oder Fiesbook".

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münchen1975 10.12.2016, 13:48
53. Eine vorhersehbare Entwicklung

Vor solchen Dingen hat der Computerwissenschaftler Jaron Lanier bereits vor zehn Jahren in einem SPIEGEL-Interview gewarnt. Damals schilderte er seine enormen Schwierigkeiten, einen wahrheitswidrigen Wikipedia-Eintrag über sich selbst entfernen zu lassen:

Zitat von
Lanier: Über mich stand dort, ich sei ein Filmemacher, was schlichtweg unwahr ist. Ich habe das viele Male korrigiert - und immer wurde es wieder geändert, zurück zur falschen Version. SPIEGEL: Inzwischen ist der Eintrag über Sie doch richtig ... Lanier: ... aber erst nachdem ich mich - als nicht ganz unbekannter Autor - darüber öffentlich aufgeregt hatte. Das mag Ihnen unbedeutend erscheinen. Aber was, wenn da etwas Schwerwiegendes über jemanden behauptet wird, und er kann sich nicht so ohne weiteres Gehör verschaffen? Schnell wird der Einzelne Opfer des Mobs; die Gefahr von Wiki-Lynchjustiz halte ich für sehr real. In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind.
Siehe http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49533682.html

Auch wenn es den Kampfbegriff "Lügenpresse" damals noch nicht gab, unter dem glorifizierenden Begriff "Schwarmintelligenz" geisterte bereits eine vage Vorstellung davon in den Köpfen der Internetbegeisterten herum: Endlich würde es möglich sein, schonungslos und ungefiltert "die" Wahrheit direkt an die Netzgemeinde zu verbreiten, ohne dazwischengeschaltete systemerhaltende Medien, die schon aus reinem Eigennutz unerwünschte Tatsachenberichte zensieren und herausfiltern würden.

Es ist ja auch nicht völlig falsch: Im Internet kann man sehr wohl wissenswerte Dinge erfahren, die einem anderswo vorenthalten werden. Wahrheit ist aber nichts, von dem man sich passiv "berieseln" lassen kann, als Leser braucht man immer einen wachen und kritischen Geist.

Der zweite Fehler lag in dem naiven Glauben, passionierte Lügner gäbe es auschließlich bei den parteiisch agierenden etablierten Medien, nicht aber im Internet. Von dem damals geschaffenen Mythos der "Schwarmintelligenz", die immer und unfehlbar die reine und lautere Wahrheit über die Welt hervorbringen würde, zehren die Netzpopulisten bis heute.

Das kommt eben davon, wenn man das Medium mit dem Inhalt der Botschaft verwechselt.

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taglöhner 10.12.2016, 13:49
54. informationelle Unmündigkeit

Zitat von pfzt
Das Problem ist doch wohl viel mehr das man ihr und anderen Politikern solche Aussagen irgendwie zutraut. Da kann Facebook nun recht wenig dafür.
Das ist das Perfide. Der Effekt kann aber ebenso mit einer gewissen Anzahl von Fakes erzielt werden, wie mit authentischen Äußerungen und somit ist niemand sicher, so angegriffen zu werden, solange der Konsument die Quelle nicht hinterfragt.

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whiterose0017 10.12.2016, 13:54
55.

Ich bin zwar kein Kuenast Fan, finde aber derzeit was diese Hassposts angeht, "so jetzt stellen wir einaml jemand an den Spranger"Mentalitaet extrem gefaehrlich...dagegen sollte man hart vorgehen, nicht nur, wenn es Politiker betrifft, sondern auch wenn es eine Privatperson betrifft, die kann sich gegen Facebook nicht unbedingt wehren, es ist sowieso eine Sauerei, wenn Facebook nicht gegen Hasspostings vorgeht, wie es gegen Nippel vorgeht, es ist ein Sammelbecken fuer alle die die Sau raus lassen wollen, wahrscheinlich wollen die das auch so, sonst wuerde es fuer eine bestimmte Klientel Facebook ueberfluessig werden.......

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Izmir..Übül 10.12.2016, 13:55
56.

Zitat von Knacker54
Bei mir heißt erschon immer "Fiesbuch" oder Fiesbook".
Bei mir "Fratzenbuch", aber "Fakebook" ist noch besser.

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brotfresser 10.12.2016, 13:59
57. erstens

Zitat von jetzttexteich
sondern auch noch Lügen-Facebook! Da fragt man sich, welchen Medien überhaupt noch zu trauen ist!
es gibt die Lügenpresse höchsten im Kopf mancher Leute. 2. es liegt nicht ursächlich an Facebook. Es sidn diejenigen kriminell, die diese gefälschten Nachrichten erzeugen und bewusst (d.h. ohne Kontrolle) verbreiten. Und wer dies tut ist offensichtlich: PEGIDA; AFD und die ganze braune Sauce. Und wer jetzt sagt, die AFD ist nicht dabei: PEGIDA und AFD sind eng verwoben.

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fottesfott 10.12.2016, 14:01
58. Wenn Sie gestatten, möchte ich Ihre Argumentation widerlegen

Zitat von Dubbel1971
Die Aussage das Fake- News sofort gelöscht werden müssen halte ich für sehr gefährlich; wir wären damit auf dem besten Weg in best gemeinter Absicht unsere demokratische Freiheit abzuschaffen. Ob etwas stimmt oder nicht stellt sich ja oft erst später heraus. Ein Beispiel: Wissenschaftler finden heraus, dass Dieselfahrzeuge bei der NOx Emission Betrugssoftware einsetzen. Ein beschuldigter Autokonzern legt seine behördlich bestätigen Messergebnisse vor und lässt alle Berichte per richterlicher Anordnung löschen. Wenn wir Meinungsäußerung einschränken öffnen wir die Büchse der Pandora. Vielleicht haben wir in 10 Jahren eine AfD Regierung, die könnte dann alle ihr unangenehmen Berichte als Fake-News ganz bequem löschen lassen. Wer falsches behauptet und Menschen verunglimpft muss dafür natürlich zur Verantwortung gezogen werden, das geht aber auch mit den heutigen Gesetzen. Demokratie und Meinungsfreiheit ist unbequem und nichts für Anfänger.
Die gemeinsame Basisannahme auf die wir uns verständigen müssen wäre die, dass Deutschland schon vor Einführung des Internet eine freiheitliche Demokratie war (nicht immer natürlich).
Übertragen wir also Ihr Beispiel in die Vor-Internet-Ära: eine Zeitung hätte einen NOx-Artikel veröffentlicht, VW hätte vor Gericht versucht eine einstweilige Verfügung zu erwirken, und damit Recht bekommen - oder auch nicht. Falls VW in erster Instanz obsiegt hätte, hätten sich vermutlich investigative Journalisten der Sache angenommen, weitere Fakten gesammelt, Mitwirkende befragt und irgendwann einen neuen Artikel geschrieben, bei dem VW mit dem Gesuch einer einstweiligen Verfügung abgeblitzt wäre. All das existiert auch heute noch und funktioniert im Regelfall auch sehr zufriedenstellend.
Ich kann insofern keinen relevanten Zugewinn an demokratischer Freiheit erkennen, wenn sich zusätzlich zu dem geschilderten Prozess der (Nicht-) Information Tausende krude Verschwörungstheoretiker zu dem Thema auslassen. Wobei sie das früher auch schon konnten: beim Familienfest, in der Stammkneipe (bis zum Hausverbot jedenfalls), in Leserbriefen. Oder sie konnten eine Zeitung gründen, die ihre Weltsicht verbreitet hat. All das geht heute auch noch.

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maxxi12 10.12.2016, 14:05
59. Unsoziale Medien

Facebook, Twitter sind nicht bloß "soziale" , sondern in höchstem Maße auch unsoziale Medien. Plattformen leider auch für Zeitgenossen mit schlichtem geistigen Anspruch, Wichtigtuer, Hobbyphilosophen und Selbstdarsteller aller Art.

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