Forum: Netzwelt
Mordfall Walter Lübcke: Die braunen Schläfer erwachen
Uwe Zucchi/DPA

Was weckt rechtsextreme Schläfer und macht sie zu Tätern? Es ist nicht nur das eigene Umfeld. Sondern auch die verharmlosende Ignoranz bürgerlicher Kreise - und vielleicht auch die Wortwahl führender Politiker.

Seite 6 von 14
Jürgen Thiede 19.06.2019, 23:54
50. Merkel ist nicht an allem schuld

Lobo beklagt in Sachen NSU: "Angela Merkel hat sich betroffen gezeigt, aber nicht durchgegriffen". Weder die Bundeskanzlerin noch der Bundesinnenminister haben Verantwortung für den von Lobo kritisierten hessischen Verfassungsschutz. Innere Sicherheit ist bei uns vornehmlich Ländersache und Landespolitiker verteidigen gegenüber dem Bund die Kompetenzen von 16 Landespolizeien mit 16 verschiedenen rechtlichen Vorgaben und 16 eigenen Organisationsstrukturen.
Außerdem finde ich es heuchlerisch, jetzt nach dem starken Staat zu rufen, während man sonst nicht bereit ist, für die Sicherheit irgendeine Einschränkung der eigenen Freiheit hinzunehmen.

Beitrag melden
maximilian_göppert 20.06.2019, 00:07
51. @30

selbstverständlich kann man Youtube-Kommentare melden. Dafür sind die drei Pünktchen neben dem Kommentar.

Beitrag melden
EiligeIntuition 20.06.2019, 00:23
52. In der Tat, Sie sind auf dem "Holzweg".

Zitat von wolfgangselig
Was sind ihre Ursachen? Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht genau, aber ich Das ist ja mit linksradikalem oder islamistischem oder sonstigem Terror auch nicht anders, Ich weiß auch kein Patentrezept, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die aktuelle Kommunikation der politisch Verantwortlichen (z.B. das berühmte "wir schaffen das" von Frau Merkel) als kommunikatives Signal nicht im Ansatz ausreicht und man selbst mit solchen Leuten als Gesellschaft ins Gespräch kommen muss, Auch die Medien könnten hier denke ich ihren Beitrag leisten, ohne deswegen selbst in Nazipropaganda zu verfallen. Wer bessere Ideen hat soll sie bitte hier im Forum posten, vielleicht halten andere Foristen meine Ideen ja auch für einen Holzweg.
- "Ich weiß es auch nicht genau."

- linksradikal und islamistisch ist auch "nicht anders",

- Merkel ist schuld und
- die Medien sollen sich kümmern und

- man sollte mit den Rechten ins Gespräch kommen.

Vielleicht sollten Sie erst einmal in Ihrem selbst gezimmerten, naiven Wolkenkuckucksheim zur Kenntnis nehmen, dass rechts und links grundsätzlich nicht das Gleiche ist, politisch schon gar nicht.

Danach sind Sie schon ein ganzes Stück weiter.

- Der Kanzlerin die Schuld zu geben, ist das wörtliche Narrativ von Rechten, Nazis und Rassisten.

- Die Medien kümmern sich bereits mehr als genug. Dafür werden diese unablässig als "Lügenpresse" und "Systemmedien", nicht zuletzt von den parlamentarischen Handlangern der rechten Szenen, der AfD, diffamiert.

Und die lauwarme Predigt des Ex-Bundespräsidenten Joachim Gauck,. die Sie hier kolportieren, dass man mit den Nazis "ins Gespräch" kommen soll, dürfen Sie sich getrost mit diesem in die Haare schmieren.

Haben Sie mal versucht, mit so einer braunen Socke in Gespräch zu kommen?

Sie werden Ihr blaues/braunes Wunder erleben.

Beitrag melden
Spiegulant 20.06.2019, 01:31
53. Rechtsextreme verwirrt in einer Gesellschaft der Freiheit

Rechtsextreme sind häufig verwirrt in einer Gesellschaft der Freiheit. -
In einer Gesellschaft der Freiheit, in der ein jeder nach seiner Art sein Leben führen kann, sind ängstliche feige Personen häufig überfordert. Ängstliche Feiglinge glauben oft, sie müssten es dem Recht machen, was vermeintlich "die Leute" von ihnen erwarten. -
Umgekehrt sehen sie aber Leute, die frei leben so wie sie es wollen. -
Die Ängstlichen trauen sich aber nicht, so frei zu leben. - Sie beneiden die freien Leute, aber trauen sich selber nicht, frei zu leben. -
Sie trauen sich nicht, frei zu leben, weil sie glauben, "die Leute" würden "was sagen". -
Sie sehen aber auch Leute, die frei leben, und sich nicht darum scheren, "was die Leute sagen", und damit durch kommen, und glücklich leben. -
Selber aber trauen sie sich nicht. -
-
Und deswegen entwickeln sie einen Hass auf all die Leute, die frei ihr Leben so leben, wie sie es wollen. -
Sie nennen sie "linke Spinner", oder "Gutmenschen". -
Sie flüchten sich in restriktive Regeln, in denen sie selber gefangen sind, und versuchen sie allen anderen über zu stülpen. -
Weil sie es nicht ertragen können, wenn andere glücklicher sind als sie. -
Weil sie sich nicht aus ihren eigenen Zwängen befreien können, versuchen sie, diese Zwänge allen anderen auf zu drängen. -
Deswegen hetzen sie gegen Schwule, weil die sich frei ohne die konservativen Zwänge des Hetereosexualiismus bewegen; deswegen hetzen sie gegen Lesben, weil diese sich nicht dem Zwang, für den Mann schön sein zu müssen, unterwerfen; deswegen hetzen sie gegen Schwule, weil sie selber ihre leichten schwulen Anteile selber hassen, weil sie unsicher über sich selber sind. -
Deswegen hetzen sie gegen Ausländer und andere vermeintlich schwache "Randgruppen", weil sie glauben, in der Hetze gegen vermeintlich "Schwache" stark in der Meute erscheinen zu können. -

Letztlich sind solche Hass-Menschen schwache Menschen, die kein eigenes Selbstbewusstsein haben, und ihre vermeintliche Stärke nur aus Unterdrückung vermeintlich Schwächerer erzeugen.

Solche Menschen muss man mit starken Gesetzen gängeln, damit sie keinen Schaden anrichten oder Gewalttaten ausführen. .

Beitrag melden
Cyman 20.06.2019, 02:00
54. Die geistigen Brandstifter zur Verantwortung ziehen!

Man sollte Politiker wie Steinbach und auch Seehofer wegen Anstiftung zu Gewalt belangen. Denn es sind deren populistische Parolen, die von den Extremisten aufgenommen und in Taten umgesetzt werden.
Davon abgesehen sollte man konsequent jeden anzeigen, der den Toten Lübcke verunglimpft!

Beitrag melden
eubuleus 20.06.2019, 02:25
55. Die Verantwortung ist breiter gestreut

Die Verantwortung für die Tat eines Extremisten einseitig konservativen, bürgerlichen Kreisen zuzuweisen ist bequem, aber m.E. nicht ausreichend.
Die Selbstbeweihräucherung und zur Schau gestellte moralische Überheblichkeit der linken Szene trägt genauso ihr Scherflein bei.
Die These, der Nationalsozialismus sei Anfang des 20. Jahrhunderts nur durch radikale Sprache und verankerten Militarismus entstanden greift ebenso zu kurz. Viele Leute waren damals für Parolen empfänglich, weil große soziale Probleme existierten und sie die Belastung und Schmach des Versailler Vertrags schwer ertragen konnten. Diese Grundstimmung wurde durch Nationalsozialisten (anfänglich auch durch Kommunisten) ausgenutzt.
Wenn Anliegen einer signifikanten Bevölkerungsschicht kontinuierlich wegdefiniert, ignoriert und desavouiert werden, bereitet dies wieder den Boden für Rattenfänger. Im Gegensatz zu Weimar ist die Situation aber dieses mal rein hausgemacht.
Franz Josef Strauß hatte großen Weitblick bewiesen, als er sagte, dass es in Deutschland keine Partei rechts von der Union geben dürfe. Dieser Anspruch wurde in den letzten Jahren leichtfertig aufgegeben. Das ist m.E. das größte Versäumnis der bürgerlichen Parteien.
Auf Seehofer als Brandstifter rumzuhacken ist lächerlich. Für den extremen Rand ist er sowieso nur eine Alibifigur ohne Durchsetzungskraft.

Beitrag melden
dasfred 20.06.2019, 05:18
56. Wie beim Kampfhund

Der Pitbull mag aggressive Anlagen haben, ist als Welpe aber erstmal harmlos. Jetzt ist die Frage, in wessen Hände er gerät. Wird er sich zu einem lieben Familienhund entwickeln oder zur Kampfmaschine? Die rechste Szene teilt sich auf in diese Kampfhunde, zum Beispiel Hooligans und den Leuten auf der anderen Seite der Leine, die sich selbst die Finger nicht schmutzig machen. Rechte Burschenschaften, besorgte Bürger angeleitet von Hoecke, Seidel, Steinbach und wie die Hetzer alle heißen. Sie lassen die Kampfhunde von der Leine und lehnen anschließend jede Verantwortung für Mord, Totschlag und Brandstiftung ab, obwohl ohne sie diese Netzwerke nie zu dieser Breite ausgewachsen wären. Wir hatten dieses System von ideologischem Überbau und brutalen Handlangern schon in den dreißiger Jahren. Das Bürgertum hat Brutalität verurteilt, den Heilsversprechen aber geglaubt, ohne zu sehen, wie eins das andere bedingt. Die geistigen Brandstifter wurden viel zu lang geduldet, in Talkshows eingeladen und mit der naiven Vorstellung akzeptiert, man könnte sie im Dialog widerlegen. Erst Strache hat den meisten gezeigt, dass die rechte Führungselite nie über ihre wahren Ziele spricht. Die Übernahme der Meinungshoheit. Wenn man in die Foren von Focus und Welt blickt, könnte man glauben, neunzig Prozent der Bevölkerung wünschen sich die AfD als Regierung. Den Rest des Netzes, Social Media, spare ich mir. Da reichen die oft zitierten Auswüchse völlig. Wer in diesen Blasen lebt, dem reicht eine persönliche Sinnkrise oder ein paar Flaschen Bier und er glaubt, er tut Gottes Werk, wenn er Fremde angreift oder ihre Häuser abfackelt. Die rechte Elite macht sich über social Media die Möglichkeiten zu nutze, willige Kampfhunde zu Konditionierung, ohne selbst als Mittäter in Erscheinung zu treten. Wenn der Hund erst von der Leine ist, wird jede Verantwortung abgelehnt.

Beitrag melden
Igelnatz 20.06.2019, 07:04
57. Ergänzung

als Ergänzung zum Geschriebenen. Ein Schläfer verzichtet spätestens mit der Tat auf seine bürgerliche Existenz. Im aktuellen Fall hatte er eine bürgerliche Fassade mit Familie und Haus und in der Nachbarschaft und im Beruf war er wohl nie auffällig. Das ist schon besonders, finde ich. Eher würde ich vermuten, dass Schläfer weniger zu verlieren haben wie z.B durch eine unbefriedigende prekäre Situation.

Beitrag melden
Igelnatz 20.06.2019, 07:14
58. @37

Wer Ihre ganz explizierte Meinung nicht teilt, ist möchtegern-Historiker und salbadert? Unbestritten wie Sie schreiben die Gegnerschaft der Rechten zur Weimarer Republik, doch waren zumindest die Kommunisten auch keine Demokraten und hatten keine demokratische Version. Letztlich gab es in der Weimarer Republik nicht genügend breite Unterstützung für eine Fortführung der Demokratie. Ich bitte Sie untertänigst um Erlaubnis, das etwas differenziert er sehen zu dürfen. Die DDR war auch keine Demokratie - auch wenn der Begriff im Namen ist. Genauso wenig waren die meisten Kommunisten Demokraten - damals in der Weimarer Republik...

Beitrag melden
Findail 20.06.2019, 07:43
59. Was uns fehlt ist die Kompetenz im Umgang mit Wiederstand.

Ich finde den Beitrag vom ersten bis zum letzten Wort richtig. Aber die Hilflosigkeit im Umgang mit dieser mörderischen Art von Wiederstand hat ihre Ursachen. Auch jenseits der Naziszene gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten viele Menschen, die der Meinung sind, dass vieles im Lande falsch läuft. Kabarettisten verzweifeln daran, seit Jahrzehnten auf die selbsen Fehlentwicklungen hinzuweisen und immer Folgendes festzustellen: Vom Publikum werden sie beklatscht, aber alle gehen gut gelaunt nach Hause und ändern tut sich nichts.
Ich habe das Gefühl, dass Politik sich seit Jahrzehnten auf ein einfaches Konzept gegenüber der Bevölkerung verlassen hat: Entnerven bis zur Resignation. Menschen werden im unzureichenden Bildungssystem allein gelassen und früher mit Gerichts- und Talkshows, heute mit sozialen Medien ruhig gestellt.
Und alle haben sich darauf verlassen, dass alles ruhig vor sich hinschippert und Menschen gar nicht mehr in der Lage sind, mit Zorn auf Entwicklungen zu reagieren, die sie für falsch halten. Schon als dann plötzlich Schüler für ihre Zukunft demonstrierten wurde die Politik auf dem völlig falschen Fuß erwischt - noch mehr von einem Youtuber, der in einem Video nichts anderes beschrieb als politische Kabarettisten seit vielen Jahren und Jahrzehnten, der aber plötzlich gehört wurde und drohte, Wahlen zu beeinflussen. Schon dies wurde ja seitens der Politik als ungehöriger Wiederstand angeprangert, der geregelt (sprich: verboten!) gehört. Schon völlig legitime und friedliche Protestformen und Meinungskundgaben werden als ungebührend empfunden und die Reaktionen hierauf wirken völlig unbeholfen.
In diesem Schlummerzustand ist jegliche Kompetenz von Staat und Gesellschaft versickert, wie man mit Menschen umgeht, die Zustände nicht mehr einfach still akzeptieren wollen. Und dann wird man eben von einer Naziszene plötzlich völlig kalt erwischt, die anders vorgeht, die wieder "Volkes Zorn" beschwört und zu Gewalttaten und Morden führt. Wie soll eine Gesellschaft und eine Politikergeneration hierfür vorbereitet sein, die selbst konsequente friedliche Demonstrationen für eine Zukunft des Planeten als nicht zu bewältigende Herausforderung empfindet?
Wir sollten den Menschen wieder das Gefühl geben, mehr Einfluss nehmen zu können. Gehört zu werden und nicht als Konsumvieh herhalten zu müssen, dass ansonsten bitte still sein soll. Das würde manchem helfen, den Gewalteinflüsterungen der Nazis zu wiederstehen, die den Menschen das Gefühl vermitteln, nur bei ihnen könnten sie noch etwas erreichen.
Wir sollten den Menschen sagen: Ja, geht demonstrieren, erklärt Eure Meinungen, hört anderen zu, geht wählen und zwar entsprechend euren Erkenntnissen. Wir sollten darauf nicht pikiert und mit Gedankenspielen über Verbote reagieren, sondern zuhören. Dann wenden sich vielleicht weniger denjenigen zu, die ihnen Gewalt und Mord als sinnvolle Lösung anbieten, wieder Einfluss nehmen zu können, wo es anders angeblich nicht mehr geht - für völlig falsche Motive.

Beitrag melden
Seite 6 von 14
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!