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Netzkonferenz re:publica: Steinmeier fordert sachlichere Debatte im Internet
DPA

Ein Nischentreffen für Blogger ist diese Veranstaltung lange nicht mehr: Die Digitalkonferenz re:publica wurde in Berlin erstmals vom Bundespräsidenten eröffnet. Und es wird noch mehr Prominenz erwartet.

stern69 06.05.2019, 14:21
1. "tl;dr" - "too long; didn't read" ist wie Volkabstimmungen

Die Aufmerksamkeitsschwelle liegt bei wenigen Sekunden in der komplexe Sachverhlte vermittelt, erklärt und entschieden werden wollen. Das funktioniert, abgesehen von der oft schiefen Tonlage, eben nicht. Man mag sich zwar ganz schön cool fühlen mit diesen Umgangsformen, etwas erreichen wird man so aber nicht.

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kochra8 06.05.2019, 14:49
2. Blind zum Realismus

Die digitale Welt ist zum Instrumentalisieren extrem geeignet; praktisch fortgesetzt - nach Radio und TV. Die Blasen, mit denen es zum Einlullen einlädt, paaren sich mit der Vereinsamung Einzelner und Dank allgemeinwirtschaftlichen Unabhängigkeit - dem voneinander trennenden Individualismus'.

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hauro2005 06.05.2019, 15:41
3.

Ganz wichtig ist hier erstmal die Frage: Sollen sich alle an Diskussionen beteiligen dürfen? Und wenn nicht, wer entscheidet nach welchem Kriterien, dass jemand ausgeschlossen wird. Das, was der Bundenspräsident als "toxisch" bezeichnet, ist nämlich höchst subjektiv. Tatsächlich wird nämlich sehr oft nicht die Art und Weise ausgeschlossen, sondern der Inhalt. Und der, weil einfach nicht gewünscht ist. Dann man man sich gerne lustig über die Floskel "man wird doch wohl sagen dürfen, dass...", doch tatsächlich geht es genau darum. Lässt man jeden offen seine Meinung unkommentiert und vor allem kritiklos äußern, würde aus einer Diskussion sehr schnell die Explosivität genommen. Da aber Berichterstattung sehr oft mehr aus Meinungen als aus Fakten besteht, diese Meinungen aber als Fakten verkauft werden und jegliche Kritik an dieser Darstellung entweder verbal angegriffen oder direkt blockiert wird, führt das zu einer Eskalation. Und schon beginnt das, was man gerne als "Hass" bezeichnet. Doch in Wirklichkeit sind viele diese "Hasskommentare" und "Hassmails" nichts anderes als der Produkt der Unterdrückung der freien Rede. Und hier ist der Kern: Das, was da ungefiltert im Netz unterwegs ist, ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. So sieht unsere Gesellschaft aus, so denken die Menschen. Und wer ständig aufgefordert wird, seine Meinung zu einer neuen Nuss-Nougat-Creme zu schreiben oder einen Facebook-Artikel zu liken, der fühlt sich auch dazu berufen, seine politische Meinung ungeschönt ins Netz zu stellen. So funktioniert nunmal dieses Spiel.

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anonlegion 07.05.2019, 08:38
4. Zustimmung, aber...

Das eine Aufforderung zu sachlicheren Debatten von einem Berufpolitiker ausgesprochen wird wirkt doch bizarr.
Im politischen Dissens sind Diffamierungen, Lügen und persönliche Anfeindungen dermassen etabliert, das ein guter Teil der zivilgesellschaftlichen Mängel an Anstand, gegenseitigem Respekt und Sachlichkeit darauf zurück geführt werden kann, das die Bürger dies jahrzehntelang in zahlreichen Medien beobachtet haben.
Wer oben Verhalten vorlebt, sollte sich nicht wundern wenn unten das Verhalten kopiert wird.
Aber Hey...wir freuen uns über den positiven Beitrag Herr Steinmeier. Haben wir unsere Ansprüche an Politprotagonisten in der Bundesrepublik doch bereits signifikant herabgesetzt.

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martin58. 07.05.2019, 16:04
5. Werter Herr Steinmeier,

gehen sie doch einfach, beispielgebend, voran!

Menschen wegen ihrer politischen Einstellung zu diskreditieren, gesellschaftlich verächtlich zu machen, oder sie wegen ihrer Parteizugehörigkeit von Ämtern auszuschliessen ... ist genau das Gegenteil, aber leider auch genau das Beispiel, das führende Politiker Tag für Tag abliefern. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" ist eines Demokraten unwürdig.

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martin58. 07.05.2019, 16:13
6. Apropos Debattenkultur!

Wann haben sie sich, Herr Steinmeier, eigentlich der öffentlichen Debatte anlässlich ihres Glückwunschtelegramms an das Mullah-Regime gestellt?

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