Forum: Netzwelt
Pöbeleien im Web: Netzhass ist gratis

Digitaler Hass ist anders. Der Hassende muss dem Gehassten nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Das führt zu entfesselten Kommentaren und Tränen vor dem Monitor. Wir brauchen eine digitale Herzensbildung.

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Trondesson 05.12.2012, 10:11
110.

Zitat von gaia71
Da gebe ich Ihnen Recht und es ist in einer Online-Diskussion umso schwerer zu überzeugen, da Gestik und Mimik net angewandt werden können. Im realen Leben trauen sich Hetzer und Pöbler viel weniger, da sie direkte Konsequenzen fürchten und es gibt auch schon eine Menge Internet-Foren, wo konsequent durchgegriffen wird.
Und eben deshalb ist eine Online-Diskussion ehrlicher, da man sein Gegenüber nicht mit Gebärden oder anderen Taktiken beeinflussen kann. Man muß schon argumentieren, und wer das nicht überzeugend kann, hat hier, anders als in der Politik, keine Chance.

Zitat von gaia71
Warum müssen Sie persönlich und beleidigend werden? Genau solche Beiträge tragen zu einer sachlichen Diskussion garnichts bei, auch wenn die Standpunkte konträr sind. Der Nick spielt keine Rolle und Angriffe in diese Richtung zeugen nur vom eigenen Unvermögen sachlich zu bleiben.
Hilfreich wäre es auch, die Beiträge erst einmal zu lesen. Im Beitrag des Vorposters ist z.B. keine persönliche Beleidigung erkennbar, und ein oberflächlicher Moderator hätte hier sicherlich die falsche Maßnahme ergriffen.

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Trondesson 05.12.2012, 10:25
111.

Zitat von udolf
Hass oder Beleidigungen entsteht nicht durch Anonymität sonder weil der Menschen keine Erziehung hat oder irgendetwas anderes schief läuft.
Wie wär's mit Frust über seine Lebensumstände, die allgemein sinkende Lebensqualität, Mißerfolg im Beruf, Stress, private Probleme, Dinge, die man seinem Boss zwar lieber persönlich an den Kopf werfen würde, sich aus Selbsterhaltungstrieb aber nicht traut? Könnte ich mir alles als Gründe vorstellen, nach Feierabend erstmal im Internet ein wenig Dampf abzulassen.
Nun gut, auf jeden Fall besser, als stattdessen seine Frau oder seine Kinder zu verprügeln.

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Trondesson 05.12.2012, 11:17
112.

Zitat von IT-Oger
Da sprichst du IMHO einen guten Punkt an: Es gibt ein strukturelles Versagen der Justiz, was Beleidigungsdelikte angeht. Das gilt natürlich auch offline, aber der Selbstversuch war sehr aufschlussreich: Ich habe einfach mal fünf der Leute, die mich in anderen Foren öffentlich beleidigt und bedroht haben, angezeigt. In vier Fällen wurde sich nicht mal die Mühe gemacht, die Gegenseite zu ermitteln, in einem Fall kannte ich die Daten des Beleidigers, aber auch hier wurde der Fall nahezu sofort mangels öffentlichen Interesses eingestellt, obwohl der Herr mit körperlicher Gewalt gedroht hatte. Die Signale an solche Leute sind natürlich fatal und unterstützen deren Auffassung, sich online Dinge erlauben zu können, die sie sich offline vermutlich niemals wegen würden. Ich möchte auch noch das Augenmerk darauf richten, dass Notwehr im Netz nicht möglich ist, d. h. man ist auf die Behörden als Korrektiv angewiesen. Würde man auf der Straße beleidigt werden, dürfte man sich wehren, durchaus übrigens auch mit Gewalt. Insofern wiegt das Versagen der Behörden hier noch schwerer.
Kommt darauf an, was man als Beleidigung auffaßt. Mir ist online noch keine Beleidigung untergekommen, mit der ich nicht leben bzw. die ich nicht kontern könnte. Wenn man allerdings z.B. als Kind schon weinend weggerannt ist, wenn einem ein anderes Kind die Zunge herausgestreckt hat, wird man auch online so einige Probleme bekommen.
Und nein, ich halte es ganz und gar nicht für eine gute Idee, daß sich die Justiz verstärkt um Beleidigungs"delikte" im Internet kümmern sollte, denn es besteht hier, im Gegensatz zu offline, nur geringer Handlungsbedarf. Daß die Ermittlungen wegen Beleidigung mangels öffentlichen Interesses eingestellt wurden, kann ich nachvollziehen, da sonst wohl ein wahrer Tsunami an Anzeigen auf die Justizbehörden zukommen würde, ganz zu schweigen von der zusätzlichen Belastung des Steuerzahlers durch größtenteils überflüssige Prozesse.
Im Falle desjenigen, der Ihnen mit körperlicher Gewalt gedroht hat, hätte allerdings wohl doch ermittelt werden müssen, obwohl eine solche Drohung im Internet mit erheblicher Verzögerung bis zur Ausübung tatsächlicher körperlicher Gewalt doch etwas anderes ist, als wenn man auf der Strasse dementsprechend bedroht wird.

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Spiegelkritikus 05.12.2012, 11:27
113. Frust und Aggression

Zitat von sysop
Digitaler Hass ist anders. Der Hassende muss dem Gehassten nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Das führt zu entfesselten Kommentaren und Tränen vor dem Monitor. Wir brauchen eine digitale Herzensbildung.
Zunächst ist wichtig, zwischen berechtigter Kritik und beleidigenden, unsachlichen Äusserungen klar zu unterscheiden.
Der Grund für mitunter wenig gefilterte emotionale Äusserungen im Netz liegt natürlich in der Anonymität bzw. fehlender sozialer Kontrolle, wie auch Lobo richtig erkennt. Wen sich User nicht freiwliigi an eine gewisse Netikette halten, kann ein Moderator die Kontrolle übernehmen. Allerdings sollte der im Interesse der Meinungsfreiheit nicht übers Ziel hinausschießen oder seine Funktion mißbrauchen, z. B. um unliebsame politische Meinungen zu unterdrücken. Ferner darf nicht vergessen werden, daß eine gewisse soziale Kontrolle auch durch andere User gegeben ist.

Lobo spricht ausschließlich von Hass, obwohl sich ein ganzes Bündel an bestimmten Emotionen dahinter verbirgt: Aggression, Frustration, Neid, Mißgunst, Wut usw. Am besten bezeichnet man das besagte Phänome als digitale Aggression, die vor allem aus lebensweltlicher, realer Frustration der betreffenden Menschen resultiert. Das Netz wird demzufolge als Ventil zum folgenlosen Aggressionsabbau genutzt, was im realen Alltag soziale Sanktionen zur Folge hätte. I

Man kann wie Lobo eine "digitale Herzensbildung" fordern, was jedoch nur Aussicht auf Erfolg hat, wenn es in die elterliche und schulische Erziehung mit einfließt. Das braucht jedoch Zeit und für die aktuelle Situation muß man sich erst mal mit den vorhandenen Kontrollmechanismen, wie oben angeführt, zufrieden geben. Ganz wichtig ist zudem, daß die Angegriffenen allles nicht so ernst nehmen, eingedenk der Tatsache, daß die Ursache der Aggression meist gar nicht bei ihnen zu suchen ist, sondern im Frust der Angreifer!

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Trondesson 05.12.2012, 11:28
114.

Zitat von lehrlauf
Jeder, der gewollt hätte, konnte in der Vergangenheit schon Leserbriefe schreiben, Flugblätter drucken, Radiosender betreiben, Rauchzeichen lesen. Nicht zum ersten Mal wird das Medium Internet völlig überbewertet als Meilenstein der Kommunikation. Ist es im Punkte Meinungsäusserung definitiv nicht. Es ist lediglich (mit den Worten von Herrn Lobo) echtzeitig.
Dann viel Spaß beim Feuer mit feuchtem Holz machen, falls Ihnen tatsächlich der Unterschied zwischen Leserbriefen und Internet nicht aufgefallen sein sollte.

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O-Dannyboy 05.12.2012, 11:32
115. Ende einer Illusion

Wie Sascha Lobo selbst schreibt, ist das Phänomen vor allem dazu geeignet, alle Illusionen, die man mit der Netzöffentlichkeit der Allgemeinheit verbunden hat, fahren zu lassen. Und zwar in zweierlei Hinsicht: 1.) wie beschrieben im Sinne einer positiven Bewegung, die im Prinzip der Teilhabe und der Aufklärung dient. 2.) aber auch, was den Wert der veröffentlichten Meinung in Foren etc. angeht. Die Netzgemeinde diskreditiert sich selbst. Wird bei jeder Gelegenheit Müll ausgeschüttet, darf man annehmen, dass auch die Medien, die die Aufmerksamkeit der Netzaktiven im Moment noch gerne aufgreifen (weil sie die Aufmerksamkeit auf sich selbst leiten wollen), in Zukunft die Netzöffentlichkeit weitgehend ignorieren werden.

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Trondesson 05.12.2012, 11:36
116.

Zitat von denkpanzer
Das besondere am Netz ist doch nicht die Dummheit viele Nutzer sondern das man überall auf der Welt diese Dummheit miterlebt. Wer in der Kneipe sitzt und manchem Gespräch zuhört schüttelt den Kopf und hört weg. In einem Forum liest man jeden Post, weghören wird hier schwierig.
Ich finde, es ist eher umgekehrt. Es ist viel leichter, mit einem Klick ein Forum zu verlassen, als eine Unterhaltung in der Kneipe, der man vorher seine Aufmerksamkeit geschenkt hat, nicht mehr wahrzunehmen, ohne die Kneipe zu verlassen.

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chinsa 05.12.2012, 11:40
117.

Wer Beispiele benoetigt, wie man Hass ausloest, braucht nur heute die Schlagzeile zur Korruption in Griechenland und den Bericht ueber Mitglieder der Jungen Union und die zugehoerigen Foren anzuschauen. Die Forumsbeitraege sind zum groessen Teil hassgetraenkt und teilweise einfach widerlich. Es fehlt eigentlich nur noch das Aufruf zum Pogrom. Rudolf Augstein muss in seinem Grab inzwischen rotieren. Was ist aus dem Sturmgeschuetz der DEMOKRATIE (!) geworden? Schande!

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spon-facebook-1646290646 05.12.2012, 12:31
118. War das nicht schon immer so?

Hass ist ein großes Wort - viel zu groß für das, was sich im Netz abspielt. Das Netz ist für viele wohl eher eine Art Lebensventil. Hier kann man mal richtig und meist ungestraft die Sau raus lassen. Aus politischer, sozialer und gesellschaftlicher Ohnmacht wird so für viele, zumindest kurzfristig, ein Machtgefühl. Die zu führende Diskussion sollte sich also eher mit dem Thema der Machtlosigkeit und der sozialen Inkompetenz des Bürgers auseinander setzen und mit dessen Unfähigkeit sich demokratisch zu artikulieren. Letztlich stellt sich die Frage, wie wir eine - im Sinne humanistischer Grundsätze -Kommunikationskultur im Netz schaffen können. Ein entsprechendes Schulfach würde da sicher helfen, die notwendigen Netz-Kompetenzen auszubilden. Verbote und Gesetze sind langfristig die falsche Antwort.

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lehrlauf 05.12.2012, 12:47
119. Und wo ist der Unterschied?

Zitat von Trondesson
Dann viel Spaß beim Feuer mit feuchtem Holz machen, falls Ihnen tatsächlich der Unterschied zwischen Leserbriefen und Internet nicht aufgefallen sein sollte.
Im konkreten Fall behauptete jemand, erst durch das Internet sei dem Volk eine Stimme gegeben worden. Dem habe ich widersprochen.

Ein Leserbrief z.B. erfüllt genau den gleichen Zweck wie ein Post hier im Forum. Und es obliegt in beiden Fällen dem Entscheid des Betreibers oder des Verlegers, eine externe Meinung zu publizieren.

Selbstverständlich kann Ihre eigene Meinung zu dieser Frage davon abweichen.

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