Forum: Netzwelt
Politische Diskussionen im Netz: Gemeinsamkeit gesucht, Abgrenzung gefunden

Nie zuvor wurde man mit so vielen Meinungen konfrontiert. Doch je länger man in sozialen Medien unterwegs ist, desto weniger ist man bereit, abweichende Meinungen auszuhalten. Das ist ein Problem.

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Havel Pavel 31.08.2016, 17:54
40. Alle Parteien haben positive Punkte in ihren Programmen!

Zitat von lupenreinerdemokrat
lieber Sascha, sollte es in den sozialen Medien anders zugehen, als in den Landesregierungen und in der Bundesregierung? "Anscheinend ist bei den Netzdebatten auf dem Weg in die digitale Gesellschaft etwas verlorengegangen - die Kunst, nur den halben Weg mitzugehen: jemandem nur zum Teil zuzustimmen und ihn trotzdem nicht als Gegner zu betrachten." Sehr schön formuliert und passt wie die Faust aufs Auge zum Gebaren unserer etablierten Blockparteien, die mit dem politischen Gegner ja durchaus teilweise Überschneidungen haben und Gemeinsamkeiten in den Ansichten und der Agenda, aber auf keinen Fall diesem zustimmen würden, da er ja der Gegner ist! Siehe unsere Einheitsblockpartein SPD/CDU in Bezug auf AfD, siehe die "Schweriner Erklärung". Bedarf es noch mehr Fakten, dass es nicht nur in den sozialen Medien so zugeht?
Wenn ich mir so die Parteiprogramme der einzelnen Parteien ansehe, so finde ich ausnahmelos bei allen verschiedene Punkte in ihren aufgestellten Parteizielen vor, die ich als positiv erachte. Nur halt leider bezieht sich dies bei keiner einzigen Partei ausnahmelos auf alle Ziele.
Sicher wird dies wohl jedem Wähler mehr oder wenig ebenso ergehen. Die Kunst besteht bei Wahlen wohl darin, diejenige Partei zu wählen die am besten die eigenen Vorstellungen von Politik zu gewährleisten erscheint, bzw. diejenige die am besten dafür geeignet erscheint die einem persönlich ins Auge stechenden Missstände am wirkungsvollsten zu beseitigen. Somit sind Kompromisse immer einzugehen, die einem perfekt erscheinende Partei kann es wohl niemals geben! Dies wäre schliesslich dann soetwas wie eine eierlegende Wollmilchsau. Für nicht wenige dürften Wahlen ja auch soetwas wie eine Art Strategie darstellen, wobei hierfür natürlich ein gewisser Weitblick vonnöten ist, der wohl nicht allzu vielen Wählern zueigen sein dürfte. Die Mehrheit wird wohl eher eine Bauchentscheidung treffen, wählt das was sie schon "immer" gewählt hat oder lässt sich von den oft dumpfen Wahlwerbunge beeinflussen, die ja gerade auf diese Klientel zugeschnitten ist und deshalb so intensiv betrieben wird.

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tcdk 31.08.2016, 17:57
41. bitte nicht falsch verstehen...

Zitat von 3-plus-1
Was ich in Foren, in denen ich kontroverse Thesen vertrat, schon erlebt habe, war auch die Kritik an meinem Stil zu schreiben ... und zwar an der Länge der Inhalte ("Wer soll denn das Lesen?") und dem Vorhandensein von Links ("Soll ich das etwa alles Verfolgen?"). Für mich ist es aber essentiell zu erläutern WARUM ich von irgendwas überzeugt bin und WOHER ich meine Erkenntnis habe. Also, was sagst du dazu, Sascha? Dürfen das auch politisch "Falschgläubige"? Oder reicht es jemanden erst ins rechte Eck zu stellen, um ihm dann das Argumentieren und Linken zu verbieten? Furchtbar, wenn der dann sogar untermauernde Links zu Spon und anderen unverdächtigen Seiten hat und den "Rechtgläubigen" die falsifizierbaren Gegenargumente fehlen. Es gibt heute Poster im Internet, die es für schlechten Diskussionsstil in Foren halten, wenn man im Internet arbeitet, wie es Tim Berners-Lee einst erdacht hatte. Unfassbar aber wahr. Leute, die in ihrer Filterblase sich gegenseitig mit Emoticons bestätigen und denen es lästig ist, längere Texte oder Links zu verfolgen, weil sie nur am Smartphone Häppchen aufnehmen wollen. DAS finde ich übel. Nicht eskalierende Diskussionen, die nur wiedergeben, was der Politik heute fehlt (und was es zu Strauß und Wehners Zeiten noch gegeben hat).
imho sind es immer bestimmte Leute, die sich immer viele Kronzeugen dazugoogeln müssen und allein aufgrund der Vielzahl vorhandener Informationen auf deren Wahrheitsgehalt schließen. Viele dieser Poster (ob Sie dazugehören will/kann ich hier nicht beurteilen) wollen immer mit vielen Argumenten untermauern, das sie keine Rassisten sind - um sich als genau diese zu outen. Diese Klientel ist meistens auch bereit jedem noch so duchgeknalltem Wirrkopf zu glauben - aber nicht den "Mainstreammedien". Oft verstummen diese Poster wenn man sie konkret nach der Intention ihrer Postings fragt.

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luny 31.08.2016, 18:00
42. Möglichkeit

Zitat von muellerthomas
Aber unabhängig von dem Mißverständnis, ich kann es auch umformulieren: Glauben Sie wirklich, jemand der andere Forenbeiträge als "Quatsch" oder "Unsinn" bezeichnet, klickt dann auf "ich stimme teilweise zu"?
Hallo Muellerthomas,

wenn es nur "stimme zu" und "stimme nicht zu" gibt,
lauten die Überschriften eben "Quatsch", "Unsinn",
"Blödsinn", wenn man gegenteiliger Meinung ist.

Auf die Idee der "teilweisen Zustimmung" kommt dann
erst gar niemand.

"Wer nicht FÜR mich, ist GEGEN mich."

Es wird einfach polarisiert.

Möglich wäre immerhin eine Zwischenlösung, so wie
im allgemeinen praktiziert.

Niemand setzt sich im Normalfall zu 100% durch.

LUNY

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oumar17 31.08.2016, 18:18
43. Wow!

Habe jetzt nur die ersten 4 Kommentarseiten gelesen und bin überrascht über die "Gesprächsatmosphäre" - so kann ja ein richtiger Austausch in Gang kommen! Lobos Standpunkt finde ich richtig. Mir stinkt das dumpfe AfD-Gebashe, das eher das Gegenteil bewirkt. Ich für meinen Teil möchte gern wissen, warum jemand solche Leute wählt und woher die überzeugten Meinungen kommen, Deutschland sei "am Ende" und habe "schweren Schaden" genommen. Ich möchte (wirklich!) versuchen, zu verstehen.

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auchdasnoch 31.08.2016, 18:38
44. Schöne Idee, aber...

Zitat von 2idane
Wie wäre es, wenn wir eine "doppelte" Bewertung von Netzkommentaren/-beiträgen hätten? Wenn wir Beiträge nach zwei Kriterien getrennt bewerten könnten: einmal nach "stimme zu", aber dann auch zusätzlich "finde ich lesenswert". Also schon in der Art der Bewertung deutlich zu machen, dass man etwas als interessant und lesenswert anerkennen kann, auch wenn man der Meinung selbst nicht zustimmt? Eine solche Unterscheidung könnte zivilisierende Wirkung entfalten...
Die Idee an sich ist super, aber in der Praxis leider nicht durchführbar:
Erstens geht die Akzeptanz für komplexere oder gar zweigeteilte Bewertungssysteme gen Null. Nutzer wollen es so einfach wie möglich haben, deshalb hat YouTube von einem "5-Sterne-System" zur Videobewertung auf ein einfaches "Daumen-Hoch-Daumen-Runter"-System gewechselt. Und Facebook verwendet aus demselben Grund sogar nur den Hochdaumen.

Der zweite Grund ist aber viel entscheidender: es ist Menschen schlicht und ergreifend nicht möglich, zwischen ihrer Zustimmung zu einem Beitrag und der wahrgenommenen Qualität eines Beitrags zu unterscheiden. Mit anderen Worten, die beiden Bewertungssysteme wären so hoch miteinander korreliert, dass eines davon überflüssig ist. Diese Verzerrung der Wahrnehmung heißt in der Fachliteratur "evaluation bias", und sie zählt so ziemlich zu den hartnäckigsten und unabänderlichsten Verzerrungen, der Menschen unterliegen.

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frackundfeder 31.08.2016, 18:42
45. So ganz spontan

fällt mir zur gegenwärtigen Gemengelage nur noch der "Beruf" des Plakatierers ein, sofern es überhaupt noch erlaubt sein sollte, einen geziemen Vergleich, ihn aus einigermaßen, wenn auch nur analog anständiger Ebene heranzuziehen vermögend, bemühen dürfen zu wollen!? Immerhin wäre sowohl seine "gelieferte" Information als auch die Identität wenn auch nur seiner Person jeweils eingermaßen Verifizierbare! Wohingegen sich's in Foren- oder Social Media Echo-Räumen je reziprok zum Briefgeheimnis eher neigt zu verhalten, was sich ziemlich ständig unangestrengt auf Email-Verkehrsgebaren überbraten ließe.

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mad_doc 31.08.2016, 18:45
46. Das ist doch Quark

Nur psychopathische Herrschsüchtige können keine anderen Meinungen aushalten. Den andern sind die Meinungen der anderen schnurzpiepegal, es sei denn, sie sind profund begründet und erweitern das eigene Wissen.

Menschen sind nämlich keine Deppen, Herr Nachbar. Sie können ihr eigenes Leben gestalten und dabei das machen, was für s i e richtig ist. Was sie jeden Tag beweisen.

Nur Denker der Selbstherrlichkeit (wie Kant*) verlangen, dass alle Menschen mustergültig für alle Menschen sind. Sozusagen im grossen Hof der Streber.


*„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

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hfsfn 31.08.2016, 19:13
47. Super Kommentar

Ich stimme Ihnen enthusiastisch zu (hätt ich vor dem Lesen nicht erwartet). Ich bin nicht gerade digital native und war ziemlich erschrocken über die Aggressivität schon bei kleinsten Meinungsverschiedenheiten, als ich vor einiger Zeit das erste Mal Meinungen in einem Forum gelesen hab und ich versuche, mich mit eigenen Kommentaren zurückzuhalten, seitdem ich gemerkt habe, dass auch mein eigener Stil sich zum Negativen ändert, wenn ich im Netz bin. Es ist irgendwie klar, dass bei so einer Diskussionskultur nichts herauskommen kann. Wie man es besser macht, weiß ich aber auch nicht.

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turbomix 31.08.2016, 19:17
48.

Zitat von fesdu2804
"Aber erst wenn man die oberste Schicht von Islamisten- und Nazihass im Netz zur Seite schiebt, lässt sich ein neues Problem der politischen Netzdebatte erkennen." Wie immer Herr Lobo, sind sie auf dem linken Auge blind wie die Nacht. Die Kommentare der linken Hetzer sind keinen Deut besser, als die der rechten Hetzer. Also, wenn sie sich schon (zu Recht!) über fragwürdige Beiträge auf sozialen Plattformen und in Internetforen echauffieren, dann prangern sie auch das ganze Bild an.
Welche linken Hetzer? Beispiele bitte!

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www.yzx.de 31.08.2016, 19:20
49. Lieber Sascha,

ich bin seit etwa 1993 (oder war's 1992?), sagen wir, elektronisch national und international kommunizierend unterwegs. Und ich komme damals wie heute mit anderen Meinungen prima klar. Das einzige, womit ich nicht klarkomme, dass ich mit Andersmeinenden, die Probleme mit anderen Meinungen haben. :-) Ebf. damals wie heute. Deren Zahl ist aber in der Tat gefühlt wesentlich größer geworden. Das mag durchaus auch an den heute extrem niedrigen Einstiegshürden für elektronische Kommunikation liegen. 1994 waren da nur ein paar Zigtausend Nerds unterwegs. Und die hatten wirklich teilweise eine sehr "individuelle" Sicht der Dinge. Nostalgische Grüße, Stephan

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